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Zauberkugel

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Datei:Salvarsan treatment kit for syphilis, Germany, 1909-1912 Wellcome L0057814.jpg
Kit zur Herstellung von Salvarsan, circa 1909–1912

Zauberkugel bezeichnet in der Medizin einen Arzneistoff, der eine Mikrobe im Menschen tötet, ohne dem Menschen zu schaden.<ref>P. Valent, B. Groner, U. Schumacher, G. Superti-Furga, M. Busslinger, R. Kralovics, C. Zielinski, J. M. Penninger, D. Kerjaschki, G. Stingl, J. S. Smolen, R. Valenta, H. Lassmann, H. Kovar, U. Jäger, G. Kornek, M. Müller, F. Sörgel: Paul Ehrlich (1854–1915) and His Contributions to the Foundation and Birth of Translational Medicine. In: Journal of innate immunity. Band 8, Nummer 2, 2016, S. 111–120, doi:10.1159/000443526. PMID 26845587.</ref>

Eigenschaften[Bearbeiten]

Die Bezeichnung ist eine Analogie zu einer Gewehrkugel, die nur ein bestimmtes Ziel trifft. Die Theorie der medizinischen Zauberkugel wurde 1900 durch den späteren Nobelpreisträger Paul Ehrlich entwickelt.<ref name="tan">S. Y. Tan, S. Grimes: Paul Ehrlich (1854–1915): man with the magic bullet. In: Singapore medical journal. Band 51, Nummer 11, November 2010, S. 842–843. PMID 21140107.</ref> Zu diesem Zeitpunkt waren spezifische Biozide für die meisten Infektionskrankheiten nicht vorhanden. Die Theorie führte zur Entwicklung der ersten wirksamen Behandlungsmethode für Syphilis mit dem Arzneimittel Salvarsan im Jahr 1909<ref name="heynick">F. Heynick: The original 'magic bullet' is 100 years old – extra. In: The British journal of psychiatry : the journal of mental science. Band 195, Nummer 5, November 2009, S. 456, doi:10.1192/bjp.195.5.456. PMID 19880937.</ref> und in Folge zum generelleren Konzept der Therapie mit antimikrobiellen Substanzen.<ref name="williams">K. J. Williams: The introduction of 'chemotherapy' using arsphenamine – the first magic bullet. In: Journal of the Royal Society of Medicine. Band 102, Nummer 8, August 2009, S. 343–348, doi:10.1258/jrsm.2009.09k036. PMID 19679737, PMC 2726818 (freier Volltext).</ref>

„Wir müssen chemisch zielen lernen“

– Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Paul Ehrlich<ref name="streb">K. Strebhardt, A. Ullrich: Paul Ehrlich's magic bullet concept: 100 years of progress. In: Nature Reviews Cancer. Band 8, Nummer 6, 06 2008, S. 473–480, doi:10.1038/nrc2394. PMID 18469827.</ref>

Ab 1896 arbeitete Ehrlich mit Shibasaburo Kitasato, dem Entdecker von Clostridium tetani als Erreger des Tetanus, und mit Emil von Behring, der das Diphtherie-Antitoxin entdeckt hatte und 1901 dafür den ersten Nobelpreis für Medizin und Physiologie erhielt.<ref name="tan" /> Ehrlich war auch nominiert.<ref name="chuaire"></ref> Erste Forschungen Ehrlichs nach einer Zauberkugel zielten auf Antikörper ab. Er beobachtete, dass Antikörper gelegentlich nicht ausreichen, um eine Mikrobe zu töten. Das veranlasste ihn, diese Hypothese anschließend zu verwerfen.<ref></ref> Im Jahr 1899 wechselte Ehrlich an das Georg-Speyer-Haus in Frankfurt am Main und wurde 1906 dessen Direktor. Seine Forschungen konzentrierten sich dort zunächst auf Arsenverbindungen und Farbstoffe als antimikrobielle Arzneistoffe. Da Arsen damals in der Öffentlichkeit aufgrund von Vergiftungen berüchtigt war, wurde Ehrlich auch als „Dr. Phantasus“ betitelt.<ref name="heynick" />

Ab 1901 untersuchten Ehrlich und Kiyoshi Shiga hunderte Farbstoffe an Mäusen, die mit Trypanosoma equinum infiziert waren, das die Krankheit Mal de Caderas bei Einhufern verursacht, oder mit Trypanosoma brucei, das Nagana auslöst.<ref>Paul Ehrlich: Chemotherapeutische Trypanosomen-Studien. In: Berliner Klinische Wochenschrift. Band 44, 1907, S. 233–236. (Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.PDF (Memento vom 15. Juni 2015 im Internet Archive)).</ref><ref>W. Sneader: Drug discovery: a history. John Wiley, Chichester 2005, ISBN 978-0-471-89979-2.</ref> Dabei hatten sie mit Naganarot erste Laborerfolge mit einem Farbstoff zur Behandlung von Trypanosomeninfektionen. Trypanrot ist ein durch zusätzliche Sulfonsäure-Gruppen wasserlöslicheres Derivat des Naganarots, das ab 1904 zur Behandlung der afrikanischen Schlafkrankheit verwendet wurde.<ref name="tan" /> Ab 1905 untersuchte er verschiedene Farbstoffe an Kaninchen, die mit Treponema pallidum infiziert waren, dem Erreger der Syphilis. Salvarsan war die 606. Arsenverbindung, die für die Behandlung der Syphilis in Ehrlichs Labor untersucht wurde.<ref name="heynick" />

Die englische Bezeichnung magic bullet prägte Ehrlich 1908 während der Harben Lecture in London.<ref name="williams" /> Im selben Jahr erhielt er mit Ilja Iljitsch Metschnikow den Nobelpreis für Medizin und Physiologie.<ref>R. S. Schwartz: Paul Ehrlich's magic bullets. In: The New England Journal of Medicine. Band 350, Nummer 11, März 2004, S. 1079–1080, doi:10.1056/NEJMp048021. PMID 15014180.</ref>

Literatur[Bearbeiten]

  • C. Gradmann: Magic bullets and moving targets: antibiotic resistance and experimental chemotherapy, 1900–1940. In: Dynamis. Band 31, Nummer 2, 2011, S. 305–321. PMID 22332461.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

<references />