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Zeophyllit

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Zeophyllit
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Zeophyllit (weiß) aus Velké Březno (Großpriesen), Tschechien (Sichtfeld 6 cm)
Allgemeines und Klassifikation
IMA-Symbol

Zp<ref name="Warr"></ref>

Andere Namen
  • Comptonit
  • Knollit
  • Radiophyllit<ref name="Klockmann" />
Chemische Formel
  • Ca13Si10O28(OH)2F8·6H2O<ref name="IMA-Liste" />
  • Ca13[(F,OH)10|(Si5O14)2]·6H2O<ref name="StrunzNickel" />
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Silikate und Germanate – Schichtsilikate
System-Nummer nach
Strunz (8. Aufl.)
Lapis-Systematik
(nach Strunz und Weiß)
Strunz (9. Aufl.)
Dana

VIII/E.14
VIII/H.34-050

9.EE.70
73.01.04.01
Kristallographische Daten
Kristallsystem trigonal
Kristallklasse; Symbol trigonal-rhomboedrisch; 3<ref name="Webmineral" />
Raumgruppe R3 (Nr. 148)Vorlage:Raumgruppe/148<ref name="StrunzNickel" />
Gitterparameter a = 9,38 Å; c = 36,57 Å<ref name="StrunzNickel" />
Formeleinheiten Z = 3<ref name="StrunzNickel" />
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte 3
Dichte (g/cm3) gemessen: 2,747 bis 2,764; berechnet: [2,75]<ref name="Handbookofmineralogy" />
Spaltbarkeit vollkommen nach {0001}<ref name="Handbookofmineralogy" />
Farbe farblos, weiß
Strichfarbe weiß
Transparenz durchscheinend
Glanz Glasglanz, Perlglanz
Kristalloptik
Brechungsindizes nω 1,565 bis 1,577<ref name="Mindat" />
nε 1,560 bis 1,569<ref name="Mindat" />
Doppelbrechung δ 0,005 bis 0,008<ref name="Mindat" />
Optischer Charakter einachsig negativ
Achsenwinkel 2V = 0 bis 10°<ref name="Handbookofmineralogy" />

Zeophyllit ist ein selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Silikate und Germanate“. Es kristallisiert im trigonalen Kristallsystem mit der chemischen Zusammensetzung Ca13Si10O28(OH)2F8·6H2O<ref name="IMA-Liste" /> und damit chemisch gesehen ein wasserhaltiges, basisches Calcium-Fluor-Silikat. Strukturell gehört er zu den Schichtsilikaten.

Zeophyllit ist üblicherweise farblos und durchsichtig, kann aber aufgrund von Gitterbaufehlern oder polykristalliner Ausbildung auch weiß erscheinen. Er findet sich meist in Form halbkugeliger bis kugeliger Mineral-Aggregate aus radialstrahligen Kristallblättchen mit glasähnlichem Glanz auf den Oberflächen (bei dickeren Schichten auch Perlglanz), die entweder auf Gesteinsflächen aufgewachsen oder beispielsweise Natrolithstängel umwachsen.

Etymologie und Geschichte[Bearbeiten]

Erstmals entdeckt wurde Zeophyllit 1899 durch einen Mineralhändler namens Leitenberger in einem Zeolith-Vorkommen nahe Velké Březno (deutsch Großpriesen) in Nordböhmen, Tschechien.

Wissenschaftlich beschrieben wurde er 1902 durch Anton Pelikan (1861–1918), der das Mineral entgegen der von den Mineralhändlern benutzten Bezeichnung Comptonit (eigentlich Thomsonit) nach den griechischen Worten ζέω [zeo] für aufwallen bzw. anschwellen und {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value) [phýllon] für Blatt benannte. Er wollte damit die beiden charakteristischen Eigenschaften des Minerals festhalten: Seine überwiegend im blättrigen Habitus auftretenden Kristallformen und dessen Eigenschaft, beim Erhitzen aufzuwallen bzw. anzuschwellen.

Klassifikation[Bearbeiten]

Bereits in der veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Zeophyllit zur Abteilung der „Schichtsilikate (Phyllosilikate)“, wo er zusammen mit Reyerit die „Reyerit-Zeophyllit-Gruppe“ mit der System-Nr. VIII/E.14 und den weiteren Mitgliedern Fedorit und Gyrolith bildete.

Im Lapis-Mineralienverzeichnis nach Stefan Weiß, das sich aus Rücksicht auf private Sammler und institutionelle Sammlungen noch nach dieser alten Form der Systematik von Karl Hugo Strunz richtet, erhielt das Mineral die System- und Mineral-Nr. VIII/H.34-50. In der „Lapis-Systematik“ entspricht dies ebenfalls Abteilung „Schichtsilikate“, wo Zeophyllit zusammen mit Armstrongit, Cairncrossit, Ellingsenit, Fedorit, Gyrolith, Lalondeit, Martinit, Minehillit, Orlymanit, Reyerit, Truscottit und Tungusit eine eigenständige, aber unbenannte Gruppe bildet (Stand 2018).<ref name="Lapis" />

Auch die seit 2001 gültige und von der International Mineralogical Association (IMA) bis 2009 aktualisierte<ref name="IMA-Liste-2009" /> 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Zeophyllit in die Abteilung der „Schichtsilikate“ ein. Diese ist allerdings weiter unterteilt nach der Schichtstruktur, so dass das Mineral entsprechend seinem Aufbau in der Unterabteilung „Einfache tetraedrische Netze aus 6-gliedrigen Ringen, verbunden über oktaedrische Netze oder Bänder“ zu finden ist, wo es als einziges Mitglied die unbenannte Gruppe 9.EE.70 bildet.

Die vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Zeophyllit ebenfalls in die Klasse der „Silikate und Germanate“, dort allerdings in die bereits feiner unterteilte Abteilung der „Schichtsilikate mit kondensierten tetraedrischen Schichten“ ein. Hier ist er als einziges Mitglied in der unbenannten Gruppe 73.01.04 innerhalb der Unterabteilung „Schichtsilikate: kondensierte tetraedrische Schichten mit doppelten Lagen“ zu finden.

Kristallstruktur[Bearbeiten]

Datei:Zeophyllite.sheet.png
Kristallstruktur von Zeophyllit

Zeophyllit kristallisiert trigonal in der Raumgruppe R3 (Raumgruppen-Nr. 148)Vorlage:Raumgruppe/148 mit den Gitterparametern a = 9,38 Å und c = 36,57 Å sowie 3 Formeleinheiten pro Elementarzelle.<ref name="StrunzNickel" />

Bildung und Fundorte[Bearbeiten]

Zeophyllit bildet sich sekundär durch hydrothermale Verwitterung in Blasenräumen von Basalt. Als Begleitminerale treten unter anderem Apophyllit und Calcit sowie Natrolith, Phillipsit und andere Zeolithe auf.

Als seltene Mineralbildung konnte Zeophyllit nur an wenigen Fundorten nachgewiesen werden, wobei bisher rund 20 Fundorte dokumentiert sind (Stand: 2020).<ref name="MindatAnzahl" /> Neben seiner Typlokalität Velké Březno (Großpriesen) konnte das Mineral in Tschechien noch am Starý vrch (Altenberg) nahe Radejčín in der Gemeinde Řehlovice sowie bei Soutěsky in der gleichen Region Ústí gefunden werden. Radejčín ist zudem als bedeutender Fundort für gut ausgebildete, kugelige Aggregate von bis zu einem Zentimeter Durchmesser bekannt.<ref name="Dörfler" />

In Deutschland fand man Zeophyllit unter anderem im Steinbruch Weilberg in Nordrhein-Westfalen sowie im Steinbruch Caspar am Ettringer Bellerberg bei Ettringen in der Eifel, im Steinbruch „Ölberg“ bei Hundsangen im Westerwaldkreis und am Schellkopf bei Brenk im Landkreis Ahrweiler in Rheinland-Pfalz.

Der bisher einzige bekannte Fundort in Österreich ist der Steinberg nahe Mühldorf bei Feldbach in der Steiermark.

Weitere bekannte Fundorte sind unter anderem der Monte Somma (Pollena-Trocchia) in Italien, die Grube „Sampo“ bei Takahashi und Kōriyama auf der japanischen Insel Honshū, der Steinbruch Poudrette am Mont Saint-Hilaire in Kanada, Jolotca im rumänischen Kreis Harghita, der Berg Lakargi in der russischen Republik Kabardino-Balkarien sowie der Kukiswumtschorr und das Hackmantal in den Chibinen auf der russischen Halbinsel Kola, Ynglingarum in der Gemeinde Hässleholm der südschwedischen Provinz Skåne län, der Láz nahe Uzsa im ungarischen Kreis Tapolca und die „Marble Canyon Mine“ im Culberson County im US-Bundesstaat Texas.<ref name="Fundorte" />

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • A. Pelikan: Beiträge zur Kenntnis der Zeolithe Böhmens. In: Sitzungsberichte der Akademie der Wissenschaften in Wien, Mathematisch-Naturwissenschaftliche Klasse. Band 111, 1902, S. 334–347 (rruff.info [PDF; 1,4 MB; abgerufen am 7. März 2020]).

Weblinks[Bearbeiten]

Commons: Zeophyllite – Sammlung von Bildern
  • Mineralienatlas: Zeophyllit (Wiki)
  • Zeophyllite search results. In: rruff.info. Database of Raman spectroscopy, X-ray diffraction and chemistry of minerals (RRUFF); (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).

Einzelnachweise[Bearbeiten]

<references> <ref name="Handbookofmineralogy"> </ref> <ref name="Dörfler"> Petr Korbel, Milan Novák: Mineralien-Enzyklopädie (= Dörfler Natur). Edition Dörfler im Nebel-Verlag, Eggolsheim 2002, ISBN 978-3-89555-076-8, S. 260. </ref> <ref name="Fundorte"> Fundortliste für Zeophyllit beim Mineralienatlas und bei Mindat, abgerufen am 7. März 2020. </ref> <ref name="IMA-Liste-2009"> Ernest H. Nickel, Monte C. Nichols: IMA/CNMNC List of Minerals 2009. (PDF; 1,9 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Januar 2009, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 29. Juli 2024; abgerufen am 30. Juli 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="IMA-Liste">Malcolm Back, Cristian Biagioni, William D. Birch, Michel Blondieau, Hans-Peter Boja und andere: The New IMA List of Minerals – A Work in Progress – Updated: July 2024. (PDF; 3,6 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Marco Pasero, Juli 2024, abgerufen am 13. August 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> <ref name="Klockmann"> Friedrich Klockmann: Klockmanns Lehrbuch der Mineralogie. Hrsg.: Paul Ramdohr, Hugo Strunz. 16. Auflage. Enke, Stuttgart 1978, ISBN 3-432-82986-8, S. 765 (Erstausgabe: 1891). </ref> <ref name="Lapis"> Stefan Weiß: Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9. </ref> <ref name="Mindat"> Zeophyllite. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 7. März 2020 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="MindatAnzahl"> Localities for Zeophyllite. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 7. März 2020 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="StrunzNickel"> Hugo Strunz, Ernest H. Nickel: Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S. 684. </ref> <ref name="Webmineral"> David Barthelmy: Zeophyllite Mineral Data. In: webmineral.com. Abgerufen am 7. März 2020 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> </references>