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Amy Carmichael

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Datei:Amy Carmichael with children2.jpg
Amy Carmichael mit zwei Kindern

Amy Wilson Carmichael (* 16. Dezember 1867 in Millisle, County Down, Nordirland; † 18. Januar 1951 in Dohnavur, Tamil Nadu, Indien) war eine britische evangelische Missionarin in Indien und Autorin. Sie eröffnete ein Waisenhaus und gründete eine Missionsstation im südindischen Dohnavur. 55 Jahre lang lebte und arbeitete sie in Indien ohne Heimaturlaub, und sie schrieb 35 Bücher über ihre missionarische Arbeit.

Frühes Leben[Bearbeiten]

Amy Wilson Carmichael wurde in dem kleinen Dorf Millisle, County Down in Nordirland, geboren, als Älteste von sieben Geschwistern. Ihre Eltern waren David und Catherine Carmichael, die gläubige Presbyterianer waren. Sie besuchte eine methodistische Grundschule in Harrogate. Als sie Teenager war, entschied sie sich für einen persönlichen christlichen Glauben.<ref>Micah Hendry: Christians You Should Know: Amy Carmichael, Website enjoyingthejourney.org, englisch, abgerufen am 26. September 2026</ref> Aus ihrer Kindheit wurde erzählt, dass sie oft betete, Jesus möge ihr blaue statt ihrer braunen Augen geben. Sie war enttäuscht, als sie keine blauen Augen bekam. Als Erwachsene jedoch erkannte sie, dass sie viel besser von den Indern akzeptiert wurde, weil sie auch deren Augenfarbe hatte, und dass es ihr mit blauen Augen viel schwerer geworden wäre, dort Fuß zu fassen. Amys Vater starb, als sie 18 Jahre alt war, danach lebte sie bei der Familie von Robert Wilson, deren Namen sie bis ins Erwachsenenalter übernahm.<ref>Jocelyn Murray, Lisa Beth White: Carmichael, Amy Beatrice (1867-1951), Founder of the Dohnavur Fellowship, Website bu.edu, amerikanisches Englisch, abgerufen am 26. September 2026</ref>

Carmichael war Gründerin der Welcome Evangelical Church in Belfast. Die Geschichte der Gemeinde begann damit, dass sie Mitte der 1880er Jahre eine Sonntagmorgen-Klasse für „Shawlies“ sammelte; das waren Arbeitermädchen, die Schals statt Hüte trugen, englisch sogenannte Mill girls. Sie trafen sich im Gemeindesaal der Presbyterianischen Rosemary-Street-Kirche. Diese Arbeit erwies sich als erfolgreich. Die Zusammenkünfte der „Shawlies“ wuchsen so, dass Amy schließlich eine Halle mit Platz für 500 Personen benötigte. Genau zu dieser Zeit sah sie eine Anzeige in der Zeitschrift „The Christian“, in der eine Halle aus einer Eisenkonstruktion angeboten wurde, die 500 Personen fassen konnte und 500 £ kostete. Eine Spende in Höhe von 500 £ von Miss Kate Mitchell und dazu die Spende eines Grundstücks von einem der Mühlenbesitzer ermöglichte die Errichtung der ersten Welcome Hall an der Ecke Cambrai-Street / Heather Street in Belfast im Jahr 1887. Amy arbeitete in der Welcome Church, bis sie 1889 ein Ruf aus Manchester erreichte. Sie wurde gebeten, auch dort unter den Mill Girls zu arbeiten, bevor sie schließlich in die Missionsarbeit ging.

In vielerlei Hinsicht war sie für diese Arbeit ungeeignet. Sie litt unter Neuralgie, einer Nervenerkrankung, wodurch sie ständig Schwächegefühle und Schmerzen hatte. Oft war sie für Wochen bettlägerig. Bei der Keswick Convention 1887 hörte sie Hudson Taylor, den Gründer der China-Inland-Mission, über ein missionarisches Leben sprechen. Bald darauf war sie sich ihrer Berufung in die Missionsarbeit sicher. Sie bewarb sich bei der China-Inland-Mission und bereitete sich dann in London auf die Mission vor. Dort traf sie die Schriftstellerin und China-Missionarin Mary Geraldine Guinness, die sie ermutigte, in die Mission zu gehen. 1892 war sie zwar bereit, nach Asien in ein Missionsgebiet zu reisen, wurde aber wegen ihres Gesundheitszustandes für untauglich befunden. Sie verschob ihre Missionars-Laufbahn bei der China-Inland-Mission und beschloss, der Church Missionary Society beizutreten.

Arbeit in Indien[Bearbeiten]

Zunächst reiste Carmichael im Jahr 1893 für 15 Monate nach Japan, aber nach einer kurzen Dienstzeit in Sri Lanka fand sie im November 1895 ihre lebenslange Berufung in Indien<ref>1867-1951, Amy Carmichael, Gospel Fellowship Association Missions, Website gfamissions.org, 2026, englisch, abgerufen am 26. September 2026</ref> für die sie von der Church of England Zenana Mission beauftragt wurde.

Sie erlebte Tempelprostitution und Kinderhandel: Es gab Tempel-Kinder, junge Mädchen, die oft mit nur fünf Jahren in den Tempel als Prostituierte gezwungen wurden, um Geld für die Hindu-Priester zu verdienen (Devadasi, eigentlich Tempel-Tänzerinnen), und als Opfer der Eltern für die Götter. Carmichael brach es das Herz ob dieser sexuellen Ausbeutung von Mädchen, sie beschäftigte sich mit ihnen und konnte einige aus dieser Zwangsprostitution retten. Die von ihr gegründete Organisation Dohnavur Fellowship wurde ein Refugium für über tausend Kinder. Der Ort Dohnavur liegt im Bundesstaat Tamil Nadu und ist nur 30 Meilen von der Südspitze Indiens entfernt. Im Januar 1948 wurde das ausbeuterische Devadasi-System in Indien verboten.<ref>Vaneetha Risner: The Enduring Legacy of Amy Carmichael: A Life of Surrender, Website vaneetha.com, 24. Juli 2025, englisch, abgerufen am 26. September 2026</ref>

In dem Bemühen, die indische Kultur zu respektieren, trugen Mitglieder der Organisation indische Kleidung und den Kindern wurden indische Namen gegeben. Auch Carmichael trug indische Kleidung und färbte ihre Haut mit Kaffeesatz, um sie dunkler zu machen. So reiste sie oft weite Strecken, um manchmal nur ein Kind zu retten.

Während ihrer Tätigkeit in Indien erhielt Amy einen Brief von einer jungen Frau, die erwog, selbst in die Mission zu gehen. Diese fragte Amy: „Was macht missionarisches Leben aus?“ Amy schrieb einfach zurück: „Missionarisches Leben ist einfach eine Möglichkeit zu sterben.“

Carmichael war auch eine überaus produktive Autorin; sie veröffentlichte 35 Bücher, u. a.: Mission Work in Southern India (1903), His Thoughts Said... His Father Said (1951), If (1953), Edges of His Ways (1955) and God's Missionary (1957).

Letzte Jahre, Krankheit, Tod und Vermächtnis[Bearbeiten]

Im Jahr 1931 war Carmichael nach einem Sturz ans Bett gefesselt, zudem hatte sie Arthritis. An der Verletzung und deren Folgen hatte sie bis zu ihrem Tod zu leiden. 14 ihrer 35 Bücher schrieb sie in dieser Leidenszeit.<ref>Vaneetha Risner: The Enduring Legacy of Amy Carmichael: A Life of Surrender, Website vaneetha.com, 24. Juli 2025, englisch, abgerufen am 26. September 2026</ref> Sie starb in Indien 1951 im Alter von 83 Jahren; und sie bat darum, keinen Grabstein zu bekommen, sondern eine Vogeltränke mit der Aufschrift „Amma“ – in Tamil „Mutter“. Bei ihrem Tod umfasste ihre Gemeinschaft Dohnavur Fellowship ungefähr 900 Personen.<ref>Jonathan Moseley: The Story Of Amy Carmichael, Website kingshillboston.com, 6. November ? englisch, abgerufen am 26. September 2026</ref>

Ihr Beispiel als Missionarin inspirierte z. B. Jim Elliot und dessen Frau Elisabeth.

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten]

  • From the Fight, Church of England Zenana Missionary Society, London 1887.
  • From Sunrise Land: Letters from Japan, Marshall Brothers, London 1895.
  • Things as they are; mission work in southern India, Morgan & Scott, London 1905.
  • Overweights of Joy, Morgan & Scott, London 1906.
  • Lotus Buds, Morgan & Scott, London 1910 und 1912.
  • The Continuation of a Story, Dohnavur Fellowship, London 1914.
  • Walker of Tinnevelly, Morgan & Scott, London 1916 (Biografie von Thomas Walker).
  • Ponnamal, her Story, Morgan & Scott, London 1918.
  • Ragland, Pioneer, S.P.C.K. Depository, Madras 1922 (Biografie von Thomas Gajetan Ragland).
  • Tables in the Wilderness, Society for Promoting Christian Knowledge, London 1923.
  • Raj, the Brigand’s Story, Seeley Service, London 1927.
  • The Widow of the Jewels, Society for Promoting Christian Knowledge, London 1928.
  • From the Forest, Oliphants, London 1930.
  • Gold Cord, the Story of a Fellowship, Society for Promoting Christian Knowledge, London 1932; Christian Literature Crusade, 1957.
  • Rose from Brier, Society for Promoting Christian Knowledge, London 1933; Christian Literature Crusade, 1972.
  • Ploughed Under: The Story of a Little Lover, Society for Promoting Christian Knowledge (SPCK), 1934.
  • Gold by Moonlight, Society for Promoting Christian Knowledge, London 1935 (Reflexionen über das Leiden).
  • Toward Jerusalem, Society for Promoting Christian Knowledge, London 1936.
  • Figures of the True, Society for Promoting Christian Knowledge, London 1938.
  • If, Christian Literature Crusade, 1953 und 1999.
  • Edges of His Ways: Selections for Daily Reading, Christian Literature Crusade, Fort Washington 1955; SPCK, London 1957.
  • Thou Givest, they Gather, Christian Literature Crusade, Fort Washington 1958.
  • Mimosa: A True Story, CLC Publications, Fort Washington 1963 und 2005.
  • Thou Givest They Gather., CLC Publications, 1970.
  • Candles in the Dark: Letters of Amy Carmichael, Christian Literature Crusade, 1981/1982.
  • Whispers of His Power: Selections for Daily Reading, CLC Publications, London 1982 und 1993.
  • Mountain Breezes: The Collected Poems of Amy Carmichael, Christian Literature Crusade, 1999.
  • Kohila: The Shaping of an Indian Nurse, CLC Publications, July 2002.

Literatur[Bearbeiten]

  • Janet und Geoff Benge: Amy Carmichael: Rescuer of Previous Gems, YWAM Publishing, 1998.
  • Derick Bingham: The Wild-Bird Child: A Life of Amy Carmichael Ambassador-Emerald International, 2004, ISBN 1-84030-144-9.
  • Rebecca Davis: With Daring Faith: A Biography of Amy Carmichael, New Morning Press, 2022.
  • Elisabeth Elliot: A Chance to Die: the Life and Legacy of Amy Carmichael, Fleming H. Revell Company, Old Tappan 1987, ISBN 0-8007-1535-7; Grand Rapids 2005, ISBN 978-0-800730-89-5.
  • Hildegard Horie: Denn Götter weinen nicht – Amy Carmichael und ihre Tempelkinder, R. Brockhaus Verlag, Wuppertal 1986, ISBN 3-78937-517-9; Esras.net, Niederbüren, 2017, ISBN 978-3-905899-92-4.
  • Frank Houghton: Amy Carmichael. Die Geschichte einer großen Frau, R. Brockhaus Verlag, Wuppertal 1990, ISBN 3-417-20830-0.
  • Catherine Mackenzie: Wie werden braune Augen blau?: Die Geschichte von Amy Carmichael, Christliche Verlagsgesellschaft, 2015, ISBN 978-3-863531-74-4.
  • Iain H. Murray: Amy Carmichael: Beauty For Ashes, Banner of Truth, 2015, ISBN 978-1-848715-52-3.
  • Kay Walsh: Retterin bei Nacht: Amy Carmichael, Missionswerk Voice of Hope, 2025, ISBN 978-3-947102-33-4.
  • Sam Wellman: Amy Carmichael: A Life Abandoned to God, Barbour Publishing, Uhrichville 1998, ISBN 1-57748-364-2.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

<references/>

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