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bb Auto

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
bb GmbH & Co Auto KG
Rechtsform Kommanditgesellschaft<ref name="Registry" /><ref name="AK25" /><ref name="AK26" />
Gründung 1973 (als bb Auto Exklusiv Service KG)
Auflösung 1986
Auflösungsgrund Insolvenz
Sitz Frankfurt am Main, Deutschland
Leitung Rainer Buchmann
Mitarbeiterzahl
  • 16 (1979)
  • 40
Branche Fahrzeugtuning, Automobilhersteller
Website www.bb-buchmann.com
bb Rainbow Porsche Turbo Targa
Rainer Buchmann, 2014
bb Magic Top Mercedes-Benz
Datei:Bb (Rainer Buchmann) VW Polo Carat Paris.JPG
bb VW Polo Paris

Die bb GmbH & Co Auto KG war ein in Frankfurt am Main ansässiger Tuner von Automobilen. Über den Tuningbereich hinaus stellte das Unternehmen auch mindestens ein eigenständiges Fahrzeug her. In einzelnen Publikationen wird der Betrieb verkürzt als bb, b+b, B+B<ref name="Vann">Peter Vann, Dirk Maxeiner: Die schönsten Autos der Welt. 2. Auflage. Motorbuch Verlag, Stuttgart 1984, ISBN 3-87943-964-8, S. 108 ff.</ref> oder Buchmann<ref name="AK27" /> geführt. bb überarbeitete in den 1970er- und 1980er-Jahren überwiegend Modelle von Porsche, Mercedes-Benz und Volkswagen.<ref name="Vann" /> Der Schwerpunkt lag auf dem Karosserietuning.<ref name="AK25" /> Die Autos von bb waren meist Einzelstücke, deren konkrete Gestaltung sich an den Kundenwünschen orientierte. In den 1970er- und 1980er-Jahren wurde bb mit spektakulären Serienfahrzeugen berühmt, „die ihrer Zeit weit voraus waren“.<ref>Oldtimer Markt, Heft 11/2014, S. 8.</ref> Das Unternehmen konnte sich aber nicht dauerhaft am Markt halten. 1986 wurde es infolge einer Insolvenz aufgelöst.<ref name="Spiegel">Wo’s langgeht. Eine Außenseiterfirma präsentiert auf der Autoausstellung in Frankfurt, was die großen Konzerne noch nicht zu bieten haben: automatisch anzeigende Elektronik-Armaturen. In: Der Spiegel. Nr. 37, 1979, S. 257–258 (online).</ref> 28 Jahre später – im Jahr 2014 – begann Unternehmensgründer Rainer Buchmann, die Marke bb erneut zu etablieren.

Unternehmensgeschichte[Bearbeiten]

bb wurde 1973 als bb Auto Exklusiv Service KG gegründet und von Rainer Buchmann vertreten, der in einigen Publikationen als ehemaliger Maschinenbau-, Betriebswirtschafts- und Psychologiestudent beschrieben wird.<ref name="Vann" />

Exklusive Umbauten[Bearbeiten]

Seit 1973 modifizierte bb auf Kundenwunsch Porsche-Modelle.<ref name="Vann" /> Anfänglich beschränkte sich das Unternehmen darauf, die Innenausstattung der Wagen individuell aufzuwerten und besondere Lackierungen anzubieten.<ref name="Vann" /> Zum Angebot gehörten unter anderem Lederausstattungen; einzelne Exemplare sollen auch mit vergoldeten Armaturenbrettern versehen worden sein.<ref name="Vann" /> 1976 baute bb in einen Porsche 911 die komplette Porsche 930 („911 Turbo“) Antriebstechnik ein und verstärkte die Targakarosserie mit jeweils einer Stahltraverse unter dem Armaturenbrett und im Bereich des hinteren Fahrgastraumes. Es handelte sich nicht, wie in vielen Publikationen beschrieben, um einen Umbau des Coupés in einen Targa. Solch ein Umbau wäre technisch nicht möglich gewesen, da es sich bei Targa und Coupé um unterschiedliche Karosserien handelt, die man nicht auf die jeweils andere Bauform umrüsten kann. bb lackierte das umgebaute Fahrzeug in den Regenbogenfarben des Sofortbildkamera-Herstellers Polaroid. Polaroid stellte das als „Rainbow-Porsche“ bekannt gewordene Auto auf der Photokina 1976 auf seinem Stand aus.<ref name="AK25" />

Datei:Bb (Rainer Buchmann) Flatnose Porsche.JPG
bb Flatnose Porsche

Ab 1976 erweiterte bb das Angebot auf Karosseriemodifikationen. Die Umbauten erfolgten jeweils in Handarbeit; ein bei bb angestellter Spengler fertigte die Blechteile einzeln an.<ref name="Vann" /> Zu den Spezialitäten des Unternehmens gehörte die Synthese verschiedener Porsche-Karosseriekonzepte in einem einzigen Modell. Bekannt wurde insbesondere ein Flatnose Porsche genannter Sportwagen, der technisch auf dem Porsche 930 („911 Turbo“) aufbaute, aber mit einem an den Porsche 928 angelehnten flachen Vorderwagen versehen war und die Dachpartie des 911 Targa (einschließlich der hinteren Panoramascheibe) hatte.<ref name="Vann" /><ref name="AK26" /> Dieses Modell erschien erstmals 1977 und wurde in den folgenden Jahren in größerer Stückzahl gefertigt. Daneben entstanden Cabriolet- und Targa-Versionen des Porsche 928.<ref name="AK25" />

Buchmann befasste sich auch mit Produkten von VW. Hier wurden insbesondere VW-Polo-<ref name="AK26" /> und Golf-Modelle<ref name="Spiegel" /> modifiziert, wobei die Änderungen die Karosserie und die Innenausstattung betrafen.<ref name="AK26" /><ref name="Spiegel" />

1979 arbeiteten 16 Mitarbeiter im Unternehmen.<ref name="Spiegel" />

Mit Beginn der 1980er-Jahre nahm bb auch Aufträge für die Umgestaltung von Mercedes-Benz-Fahrzeugen an. Hierzu gehörten unter anderem Cabrioletversionen für die Coupés der seinerzeitigen S-Klasse, wobei zehn Wagen auch mit beweglichem Metalldach („Magic Top“) hergestellt wurden. Besonders auffällig war ein rot lackierter Mercedes-Benz 600 Pullman, der mit freistehenden Kotflügeln im Stil der 1930er-Jahre umgebaut wurde. bb verlängerte hierfür den Radstand um 70 cm und vergrößerte die Spurweite um 30 cm. Auftraggeber des Einzelstücks war der saudi-arabische König Chalid ibn Abd al-Aziz.<ref>Abbildung des von bb überarbeiteten Mercedes-Benz 600, abgerufen am 26. September 2014.</ref><ref name="Vann" />

Zu Beginn der 1980er-Jahre erfolgte eine Umfirmierung. Die Firmenbezeichnung lautete nun bb GmbH & Co Auto KG.

Kraftfahrzeugproduktion[Bearbeiten]

Auch im Bereich der Produktion eigenständiger Fahrzeuge war das Unternehmen aktiv. Eine Quelle bezeichnet es als Manufacturer of sports cars and tuning, also Sportwagenhersteller und Tuningunternehmen.<ref name="Registry" /> 1978 stellte Buchmann den ehemaligen Porsche-Mitarbeiter Eberhard Schulz ein.<ref name="Vann" /> Auf Basis der Vorarbeiten von Schulz wurde der „Traumwagen“ CW 311 gebaut.<ref>sport auto: Renn- und Sportwagenkatalog 1979. Vereinigte Motor-Verlage, Stuttgart 1979. S. 103.</ref> Andere Quellen bestätigen die Produktion dieses Autos durch bb Buchmann.<ref name="Regenbogen-Targa" /><ref name="AK26" /><ref name="AK28" /> Es war damals einer der windschnittigsten und schnellsten Sportwagen der Welt mit einer Höchstgeschwindigkeit von über 300 km/h.<ref name="Vann" />

Technische Innovationen[Bearbeiten]

Buchmann unterhielt seit den späten 1970er-Jahren ein eigenes Entwicklungszentrum, in dem – für die Branche unüblich – einige technischen Innovationen konzipiert wurden.<ref name="AK26" /><ref name="AK27" /> Hierzu gehörte Autoelektronik im weiteren Sinne wie eine mit Infrarotsender zu bedienende Zentralverriegelung,<ref name="AK26" /> Abstandswarner für das Einparken<ref name="AK25" /><ref>Fernbedienung für das Auto. In: Der Spiegel. Nr. 9, 1982 (online).</ref> und digitale Armaturenbretter.<ref name="Spiegel" /><ref name="AK27" /><ref name="Vann" /> Das 1979 auf der Internationalen Automobilausstellung vorgestellte digitale Fahrerinformationssystem „Dinfos“ war in drei Bereiche gegliedert und zeigte in der Mitte die wichtigsten Daten wie Geschwindigkeit und Kilometerstand an, während Nebenwerte im Normalfall in den beiden seitlichen Bereichen angezeigt wurden, solange nicht ein gefahrenträchtiger Störfall, wie Öldruckverlust oder Glatteisgefahr vorübergehend im Haupttableau visualisiert wurden.<ref name="Spiegel" /> Lange vor der Serieneinführung von Metalliclacken lackierte Buchmann bereits 1978 zehn VW Golf mit von Merck für ihn entwickelten Iriodin-Perlglanz-Lacken.<ref name="FAZ Remmert" /> 1980 stellte Buchmann das Sicherheitsmotorrad „futuro“ vor. Neben einer aerodynamischen Vollverkleidung hatte der Prototyp ein für die damalige Zeit innovatives Sicherheitsfahrwerk.<ref>Guten Flug. In: Der Spiegel. Nr. 36, 1980, S. 233–234 (online).</ref> 1983 meldete Buchmann ein Multifunktionslenkrad und ein sprechendes Cockpit zum Patent an.<ref>Patent DE3306285A1: Elektronische Steuervorrichtung für Fahrzeuge. Angemeldet am 23. Februar 1983, veröffentlicht am 30. Juli 1987, Anmelder: B & B Beteiligung, Erfinder: Peter Roggendorf, Rainer Buchmann.‌</ref>

Medienberichterstattung[Bearbeiten]

Die Entwicklungen von bb wurden von der Presse mit Interesse aufgenommen. Im Frühjahr 1977 erschien mit dem Rainbow Porsche erstmals ein Auto von bb auf der Titelseite von auto motor und sport.<ref>auto motor und sport, Heft 3/1977</ref> Das gleiche Magazin, aber auch Road & Track aus den USA zeigten den CW 311 auf der Titelseite. Playboy, Der Spiegel, Stern, sport auto und die Zeitschrift hobby widmeten den bb-Produkten mehrseitige Beiträge.<ref> Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Historische Presseartikel auf bb-frankfurt.de (Memento vom 29. November 2014 im Internet Archive); abgerufen am 14. November 2014</ref>

Geschickte Aktionen, wie eine gemeinsam mit der Zeitschrift Vogue durchgeführte Fahrt für Journalisten von Frankfurt nach Paris, sicherten bb eine hohe Medienpräsenz.

Insolvenz 1986[Bearbeiten]

Mitte der 1980er-Jahre gingen die Umsätze bei Buchmann ebenso zurück wie in der gesamten Tuning-Branche.<ref name="Spiegel" /> Der Kursverfall des US-Dollars betraf sowohl die US-amerikanische Kundschaft als auch die Kunden aus dem Nahen Osten. Im Frühjahr 1986 ging bb in Konkurs.<ref name="Spiegel" /> Kurz zuvor war der Fahrzeugvertrieb noch auf Japan ausgeweitet worden.<ref>Buchmann-Autos gibt es jetzt auch in Japan. In: Auto Motor und Sport, Heft 17/1985, S. 150</ref> In Spitzenzeiten hatte Buchmann über 40 Mitarbeiter beschäftigt.<ref name="Spiegel" /> Nach dem Konkurs seines Unternehmens war Rainer Buchmann lange als Unternehmensberater tätig.

Neubeginn 2014[Bearbeiten]

Datei:Bb (Rainer Buchmann) Moonracer Porsche.JPG
Rainer Buchmann bei der Enthüllung des bb Moonracer Porsche

Im September 2014 startete Rainer Buchmann in Frankfurt am Main ein Comeback in der Autobranche. Buchmann präsentierte den „bb Moonracer“, eine Neuinterpretation des Regenbogen-turbo-targa von 1976 auf Basis eines 1980er Porsche Targa.<ref name="Regenbogen-Targa" /><ref>Stefan Schlagenhaufer: Tuning-Guru Buchmann wieder da! In: Bild (Ausgabe Frankfurt). 19. September 2014, abgerufen am 16. November 2014.</ref> Die Leistung des luftgekühlten Sechszylinder-Boxer-Turbomotors wurde auf 330 PS (243 kW) gesteigert. Ein Tabletcomputer in der Mittelkonsole und ein herausnehmbares Glasdach gehören zur Ausstattung des Fahrzeugs.<ref name="FAZ Remmert">Jochen Remmert: Der Modeschöpfer unter den Auto-Tunern entwirft wieder. Rainer Buchmann hat seinen spektakulären Regenbogen-Porsche noch einmal gebaut. Und der Autoveredler nimmt auch wieder Bestellungen entgegen. In: FAZ, 20. Dezember 2014, Wirtschaft, S. 37.</ref>

Film und Fernsehen[Bearbeiten]

Sowohl der bb Turbo Targa als auch der CW 311 hatten einen Auftritt im Film Car-napping – bestellt – geklaut – geliefert aus dem Jahr 1980.

Teilnahmen an Automobilausstellungen[Bearbeiten]

bb war wiederholt auf renommierten Automobilausstellungen mit einem Stand vertreten, darunter auf den nachfolgenden Veranstaltungen:

  • Internationale Automobil-Ausstellung in Frankfurt 1979<ref>Roger Gloor: Alle Autos der 70er Jahre. Motorbuch Verlag, Stuttgart 2005, ISBN 3-613-02440-3, S. 399.</ref><ref name="Spiegel" />
  • Genfer Auto-Salon 1984<ref name="AK28" />
  • Internationale Automobil-Ausstellung in Frankfurt 1985<ref name="AK29" />
  • Genfer Auto-Salon 1986<ref>Grandiose Geschichte. auto-und-modell.de; abgerufen am 18. November 2014</ref>

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Commons: bb Auto Exklusiv Service – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

<references> <ref name="Registry">Marián Šuman-Hreblay: Automobile Manufacturers Worldwide Registry. McFarland & Company, Inc., Publishers, London 2000, ISBN 0-7864-0972-X, S. 53. (englisch) </ref> <ref name="AK25">Klaus Freund (Chefredakteur): Auto Katalog 1982. Vereinigte Motor-Verlage, Stuttgart 1981, S. 30. </ref> <ref name="AK26">Rudolf Heitz (Geschäftsführender Redakteur): Auto Katalog 1983. Vereinigte Motor-Verlage, Stuttgart 1982, S. 30. </ref> <ref name="AK27">Rudolf Heitz (Geschäftsführender Redakteur): Auto Katalog 1984. Vereinigte Motor-Verlage, Stuttgart 1983, S. 30. </ref> <ref name="AK28">Rudolf Heitz (Geschäftsführender Redakteur): Auto Katalog 1985. Vereinigte Motor-Verlage, Stuttgart 1984, S. 12–16. </ref> <ref name="AK29">Rudolf Heitz (Chefredakteur): Auto Katalog 1986. Vereinigte Motor-Verlage, Stuttgart 1985, S. 16. </ref> <ref name="Regenbogen-Targa">Friedbert Weber: Mit dem „Regenbogen-Targa“ fing alles an. In: auto-presse.de. 18. September 2014, abgerufen am 16. November 2014: „Knapp drei Jahrzehnte nach dem Ausstieg aus dem Autogeschäft hat sich Rainer Buchmann nun mit einem Paukenschlag zurückgemeldet.“ </ref> </references>