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Beyond Gravity

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Beyond Gravity

colspan="2" class="notheme" style="background:#Vorlage:Standardfarbe; color:#Vorlage:Standardfarbe; padding:1em 0;" | Logo Beyond Gravity.png
Rechtsform
Sitz Zürich, Schweiz Schweiz
Leitung Barbara Frei-Spreiter (CEO)
Mitarbeiterzahl 1900 (2025)
Umsatz 402 Mio. CHF (2025)
Branche Raumfahrtindustrie
Website www.beyondgravity.com

Beyond Gravity (ehemals RUAG Space) war die Raumfahrt-Division des Schweizer Technologiekonzerns RUAG. Die Raumfahrt-Division war einer der Geschäftsbereiche der RUAG und sollte ursprünglich privatisiert werden. Nach einem Beschluss des Schweizer Parlaments im März 2025 ist Beyond Gravity ein selbständig geführtes Schweizer Unternehmen im vollständigen Besitz der Schweizer Eidgenossenschaft.<ref>Selina Berner: Der Ständerat hat entschieden: Die Weltraumfirma Beyond Gravity soll unter Bundeskontrolle bleiben In: NZZ 10. März 2025, abgerufen am 9. September 2026</ref> An zwölf Standorten in der Schweiz, in Schweden, in Österreich, in Finnland und in Portugal beschäftigte Beyond Gravity rund 1900 Mitarbeiter und erzielte im Jahr 2025 einen Umsatz von rund 400 Millionen Schweizer Franken.<ref name="BG">Beyond Gravity at a glance. abgerufen am 9. September 2026 (englisch)</ref>

Geschichte[Bearbeiten]

Der RUAG-Geschäftsbereich Beyond Gravity entstand durch systematische Übernahmen und Zukäufe von Raumfahrtunternehmen durch die RUAG, die sich nach ihrer Privatisierung 1998 vom staatlichen Rüstungskonzern zu einem Technologiekonzern entwickelte. Bereits 1970 führte die RUAG im Unterauftrag der Zürcher Raumfahrtfirma Oerlikon Contraves die Endmontage der Nutzlastverkleidungen der Arianeraketen durch.<ref>Bernhard Fischer: Rocket Science, Handelszeitung Nr. 16 vom 20. April 2017, S. 3.</ref> Der Kern des Geschäftsfeldes Beyond Gravity geht dabei auf vorgenanntes Zürcher Unternehmen zurück, das mehrfach umfirmierte und zuletzt unter dem Namen Oerlikon Space AG auftrat. Es galt als das bis dato grösste Schweizer Raumfahrtunternehmen. Die Oerlikon Space AG wurde im Sommer 2009 von der RUAG übernommen, in RUAG Space AG umbenannt und im Juni 2010 aus dem Handelsregister gelöscht.<ref>Northdata: (RUAG Space SA) (RUAG Space Ltd.), Zürich, Schweiz✝︎, abgerufen am 19. Mai 2022.</ref> Ab diesem Zeitpunkt wurden die Aktivitäten der RUAG Space AG in die RUAG Schweiz AG integriert und die Raumfahrt-Aktivitäten als Division Space innerhalb dieser weitergeführt.

Die Beyond Gravity Schweiz AG, die grösste Tochtergesellschaft im Geschäftsbereich Beyond Gravity, hatte wie auch die RUAG ihren Firmensitz in Emmen. Bereits vor dem Oerlikon-Space-Zukauf hatte die RUAG im Jahr 2000 die Schweizer Firmen Mecanex (Nyon)<ref>Ruag Suisse übernimmt Atlas Holding., Neue Zürcher Zeitung, 22. Dezember 2000, S. 26.</ref> und HTS (Wallisellen)<ref>RUAG SUISSE s'empare de la société HTS, L’Agefi, 20. November 2000.</ref> sowie im Jahr 2008 die schwedische SAAB Space (heute Beyond Gravity Sweden AB) und deren Tochtergesellschaft Austrian Aerospace (heute Beyond Gravity Austria GmbH) übernommen.<ref>Ruag: Wachstum durch Übernahmen, Basler Zeitung, 12. Juli 2013, S. 29.</ref><ref name="report2018">RUAG: Entflechtung, 2018, abgerufen am 20. Mai 2022.</ref> Auch in den darauffolgenden Jahren expandierte RUAG weiter. 2015 wurde ein Standort der ehemaligen Patria in Finnland übernommen<ref>Ruag kauft finnischen Raumfahrtzulieferer, sda - Schweizer Depeschenagentur, Pressemitteilung vom 17. Dezember 2014.</ref><ref>Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Ruag kauft Raumfahrt-Expertise in Finnland zu (Memento vom 30. Juli 2016 im Internet Archive), Handelszeitung, 17. Dezember 2014, abgerufen am 20. Mai 2022.</ref> (heute Beyond Gravity Finland Oy), im gleichen Jahr expandierte RUAG Space auch in die USA (Beyond Gravity USA Inc.).<ref>Ruag baut Raketen in den USA, Neue Luzerner Zeitung, 4. August 2015, S. 13.</ref> 2016 wurde die HTS GmbH in Coswig bei Dresden als Standort in Deutschland in die RUAG aufgenommen,<ref>Schweizer schlucken Coswiger HTS, Dresdner Neueste Nachrichten, 1. Juni 2016, S. 7.</ref> der ab 2018 unter RUAG Space Germany GmbH firmierte. Am 1. Mai 2022 wurde RUAG Space offiziell in Beyond Gravity umbenannt.<ref>Ruag International schafft es zurück in die Gewinnzone, Schweizer Depeschenagentur, Pressemitteilung 15. März 2022.</ref><ref>Ruag schnappt sich Amazon-Auftrag, Luzerner Zeitung, 6. April 2022, S. 13.</ref>

Seit 2018 wollte der Bundesrat die Firma verkaufen. Im März 2025 hatten sich Nationalrat und Ständerat einer Motion gegen den Verkauf angeschlossen.<ref>Parlament untersagt Verkauf der FirmaBeyond Gravity.</ref>

Divisionsstruktur und Standorte[Bearbeiten]

Kerngeschäft von Beyond Gravity sind die Schweizer Raumfahrtaktivitäten der Beyond Gravity Schweiz AG und der Beyond Gravity Slip Rings SA, beide waren Tochtergesellschaften der RUAG. Die Standorte sind in Emmen und Nyon. Die Beyond Gravity Germany GmbH in Coswig ist über die RUAG Deutschland GmbH eine indirekte Tochter der RUAG. Die schwedische Gesellschaft Beyond Gravity Sweden AB war ebenfalls eine Tochtergesellschaft der RUAG. Sie hat Standorte in Göteborg und in Linköping. Die österreichische Gesellschaft Beyond Gravity Austria GmbH mit den beiden Standorten Meidling und Berndorf ist wie die finnische Gesellschaft Beyond Gravity Finland Oy mit dem Standort Tampere eine Tochtergesellschaft der schwedischen Beyond Gravity Holding Sweden AB.

Produkte[Bearbeiten]

Kerngeschäft von Beyond Gravity ist die Entwicklung und Fertigung von Baugruppen für Satelliten und Trägerraketen. Beyond Gravity als eine der Divisionen von RUAG war in drei Produktgruppen (engl. Product Groups) gegliedert: Electronics, Launchers und Spacecraft.<ref>RUAG: Annual Report 2021, März 2022, S. 77.</ref><ref name="Broschüre">RUAG: Introducing RUAG Space, Juli 2019, abgerufen am 20. Mai 2022.</ref>

Beyond Gravity ist beziehungsweise war an vielen europäischen Raumfahrtmissionen beteiligt, unter anderem Herschel, Planck,<ref>Markus Böhm: Klare Blicke ins kalte Universum, Der Standard, 29. April 2009, S. 13.</ref> SMOS,<ref>Olivier Dessibourg: SMOS: le cycle de l'eau sous surveillance satellite, Le Temps, 2. November 2009.</ref> BepiColombo, Galileo,<ref>Exakte Lenkmanöver Richtung Merkur, Der Standard, 17. Februar 2021, S. 29.</ref> Solar Orbiter<ref>Europa führend beim Paarlauf zum Abendstern, Kleine Zeitung, 6. August 2021, S. 13.</ref> sowie ATV<ref>Sheila Matti: Ein Raumschiff auf dem Bauernhof, Berner Zeitung, 13. April 2019, S. 6.</ref> und ist namhafter Lieferant für die Trägerraketen Ariane 5,<ref name="ARIANE">ESA-Satellit «Envisat» Europas Umweltsatellit macht Halt in Luzern, Neue Luzerner Zeitung, 14. Juli 2001, S. 28.</ref> VEGA<ref name="VEGA">Oerlikon Space geht an Ruag, Der Bund, 3. Juni 2009, S. 13.</ref> und ATLAS.<ref name="ATLAS">Pirmin Schilliger: Basislager für Mars-Expedition, Handelszeitung Nr. 28 vom 8. Juli 2021, S. 34.</ref>

Produktgruppen[Bearbeiten]

Die Produktgruppe Electronics umfasste Weltraumelektroniken. Dies sind unter anderem Computer für Satelliten und Trägerraketen, (GPS) Navigationsempfänger und Signalprozessoren, Antriebsregelungselektroniken, Mikrowellenelektronik und Antennen.<ref>Beyond Gravity: Platform electronics, abgerufen am 20. Mai 2022.</ref><ref name="Broschüre" />

Die Produktgruppe Launchers stellte die Spitze von Trägerraketen, sogenannte Nutzlastverkleidungen, her. Neben diesen werden auch Separationsadapter und Separationsdispenser hergestellt sowie Leitsysteme für Höhenforschungsraketen.<ref>Beyond Gravity: Launchers, abgerufen am 20. Mai 2022.</ref><ref name="Broschüre" />

Die Produktgruppe Spacecraft enthielt mechanische und thermale Weltraumprodukte. Dies beinhaltet die Strukturbauteile der Satelliten, Mechanismen von Satelliten, die Ausrüstung mechanischen Bodeninfrastruktur (engl. Mechanical ground Support Equipment [MGSE]), Schleifringe zur Datenübermittlung, sowie Thermalisolation (MLI – engl. Multi Layer Insulation)<ref>Gut verpackt durchs All, Der Standard, 14. August 2018, S. 30.</ref> und Heizer.<ref name="Broschüre" />

Nutzlastverkleidungen[Bearbeiten]

Ein bekanntes RUAG-Produkt sind die Nutzlastverkleidungen,<ref>Hendrik Thielemann: Abgesprengt im All - Schweizer Spitzentechnologie für Europas Weltraumraketen. In: Franz Betschon, Stefan Betschon, Willy Schlachter (Hrsg.): Ingenieure bauen die Schweiz. Technikgeschichte aus erster Hand. Band 2. Verlag Neue Zürcher Zeitung, Zürich 2014, ISBN 978-3-03823-912-3, S. 56–62.</ref> die zum Beispiel für die Ariane-Trägerraketenfamilie von Arianespace hergestellt werden. Auch liefert Beyond Gravity die Nutzlastverkleidung für die Vega-Trägerrakete,<ref name="VEGA" /> die seit 2012 ebenfalls von Kourou gestartet wird. Die amerikanische Atlas V (500er-Serie) der Firma United Launch Alliance und deren Nachfolgemodell Vulcan werden ebenfalls mit den Verkleidungen von Beyond Gravity bestückt.<ref name="ATLAS" />

Die Konstruktion ist ein Sandwich mit einem Kern aus Aluminiumwaben, der mit Deckschichten aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff verklebt werden. Sie wird in einem Autoklav bei 50 bis 250 °C gebacken (ausgehärtet), mit Korkmatten überzogen und lackiert.<ref>Composites United: RUAG: Grundstruktur für neue Generation von Wettersatelliten, 10. Mai 2021, abgerufen am 20. Mai 2022.</ref> Die Konstruktion isoliert die Nutzlast und schützt sie auch vor Temperatureinwirkungen (Thermalschutz).<ref>Iestyn Hartbrich: Eiche Orbital, VDI-Nachrichten Nr. 23 vom 8. Juni 2018, S. 24.</ref> Die Betriebstemperatur der Nutzlast kann konstant gehalten werden, während ausserhalb der Verkleidung Temperaturen zwischen −260 °C und 150 °C herrschen können.<ref>Raphael Bühlmann: Galileo fast komplett, Luzerner Zeitung, 25. Juli 2018, S. 7.</ref>

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

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