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Circa instans

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Das nach seinen lateinischen Anfangsworten („Circa instans negotium in simplicibus medicinis nostrum“) so genannte Circa instans, auch De simplicibus medicinis (lateinisch für „Von den einfachen Arzneimitteln“), ist eine um 1150 bis 1170 in Süditalien entstandene Arzneidrogenkunde über nicht zusammengesetzte Arzneimittel. Es gilt als ein zentrales Werk der Medizinschule von Salerno, umfasst etwa 270 Drogenmonografien (über damals als Simplicien bezeichnete Arzneidrogen) und stellt einen Prototyp für spätere (formalisierte) Drogenmonografien dar. Es ist Vorläufer der ersten gedruckten Simplicidarien (Kräuterbuch-Inkunabeln). Seit dem 13. Jahrhundert wurde, etwa von Vinzenz von Beauvais, angenommen, dass das Werk von einem Mitglied der Salerner Familie Platearius stamme.

Inhalt[Bearbeiten]

Jedes der etwa 270 alphabetisch geordneten Kapitel des in verschiedenen Fassungen mit 250 bis 500 Kapiteln überlieferten Arzneibuches ist in zwei Abschnitte gegliedert. Im ersten Teil werden neben dem Namen und Synonymen der einfachen Droge<ref>Martin Woidt: Das Salerner Buch des Bedarfs der einfachen Drogen ('Circa instans'). (Mathematisch-naturwissenschaftliche Dissertation Berlin 1942) Weida/Thüringen 1942.</ref> bzw. der zur Drogenherstellung verwendbaren Teile der Pflanze die Primärqualitäten genannt, die Droge (hier als Heilmittel genutzte Pflanzen, seltener Tiere, deren Teile oder aus ihnen gewonnene Stoffe, und Mineralien) wird beschrieben und es werden die Qualitätsmerkmale sowie die pharmazeutische Zubereitung angegeben.<ref>Bernhard Schnell: Der deutsche „Macer“: Vulgatfassung. Mit einem Abdruck des lateinischen Macer floridus ‘De viribus herbarum’ kritisch herausgegeben (= Texte und Textgeschichte. Würzburger Forschungen. Band 50). Niemeyer, Tübingen 2003, ISBN 3-484-36050-X, S. 47–49.</ref> Auf mögliche Fälschungen wird bei teuren Drogen hingewiesen. Zudem übt der salernitanische Text kämpferisch Kritik am damaligen Apothekerstand.<ref>Konrad Goehl, Gundolf Keil: ‚apothecarii nostri temporis‘: Eine Kritik am Apothekerstand aus der Frühzeit der Pharmazie. In: Würzburger medizinhistorische Mitteilungen. Band 14, 1996, S. 261–267.</ref> Abgeschlossen wird der erste Abschnitt jeweils mit Angaben zur Haltbarkeit und zum Wirkspektrum nach der Humoralpathologie. Der zweite Teil eines jeden Kapitels behandelt die Anwendungsmöglichkeiten, mögliche Kombinationen mit anderen Drogen und häufig auch Ersatzmittel. Mitaufgenommen in das Werk sind auch fünf Zaubermittel.

Als Quellen für das drogenkundliche Werk werden in der Fachliteratur meist die Materia medica von Dioskurides und der Liber graduum (De gradibus simplicium) von Constantinus Africanus genannt, doch unterscheiden sich die Indikationen teils deutlich. Das Circa instans ist stark mit anderen Werken aus Salerno verflochten.

Urheberschaft[Bearbeiten]

Datei:Author portrait of Platearius. Wellcome L0016076.jpg
Salernitanischer Arzt, angeblich Platearius darstellend

Umstritten<ref>Vgl. dazu Bernhard Schnell: Der deutsche „Macer“: Vulgatfassung. Mit einem Abdruck des lateinischen Macer floridus ‘De viribus herbarum’ kritisch herausgegeben (= Texte und Textgeschichte. Würzburger Forschungen. Band 50). Niemeyer, Tübingen 2003, ISBN 3-484-36050-X, hier: S. 47–48; und Gundolf Keil: „dits die beste raet die icker toe can gegeuen genomen vte platearise“. Quellenkundliche Anmerkungen zu Ypermans Medicine. In: Geneeskunde in nederlandstalige teksten tot 1600. Koninklijke Academie voor Geneeskunde van België, Brüssel 2012 (2013), ISBN 978-90-75273-29-8, S. 93–137, hier: S. 104, Anm. 73.</ref> als Autor ist Matthaeus Platearius,<ref>Leo Jules Vandewiele: Een Middelnederlandse versie van de Circa instans van Platearius naar de Hss. Portland, British Museum MS. Loan 29/332 (XIVe eeuw) en Universiteitsbibliotheek te Gent Hs. 1457 (XVe eeuw). Oudenaarde (Belgien) 1970.</ref> Mitglied einer berühmten salernitanischen Ärztefamilie. Nicolaus Salernitanus, der um 1150 an der Salerner Schule lehrte,<ref>Christine Becela-Deller: Die Weinraute (Ruta graveolens L.) als Beispiel für eine Heilpflanze zur Zeit der Schule von Salern (10.–14. Jh.). In: Würzburger medizinhistorische Mitteilungen. Band 12, 1994, S. 143–152, hier: S. 14.</ref> gilt als weiterer möglicher Autor, da dessen Werk Antidotarium Nicolai etwa um die gleiche Zeit entstanden ist und ein vergleichbares pharmazeutisches Programm vertritt.<ref>Gundolf Keil: Phytotherapie im Mittelalter. In: Scientiarum historia. Band 20, Nr. 1–2, 1994, S. 7–38.</ref>

Überlieferung[Bearbeiten]

In Vorbereitung einer textkritischen Edition nennt Iolanda Ventura 137 lateinische Handschriften aus dem 12. bis 15. Jahrhundert, die den Text vollständig transportieren, sowie etwa 100 weitere Handschriften, in denen zumindest Teile vorhanden sind. Sie differenziert grob folgende Fassungen bzw. Redaktionen:<ref name="Ventura2015">Iolanda Ventura: Il Circa instans attribuito a Platearius: Trasmissione manoscritta, redazioni, criteri di costruzione di un’edizione critica. In: Revue d'Histoire des Textes, Band 10 (2015), S. 251–362 (doi:10.1484/J.RHT.1.103260)</ref>

  • Redaktion A: die um 1180 entstandene Fassung mit 432 Kapiteln im Codex Salernitanus und davon abgeleitet mit bis zu etwa 900 Kapiteln:
    • Tractatus de herbis, illustrierte Fassungen (mit der Handschrift London BL Egerton 747 als ältesten Vertreter)
    • Livre des simples medecines, französische Übertragung der illustrierten Fassung
  • Redaktion B: Vulgatfassung, aufgrund Kapitelzahl und Reihenfolge beim Buchstaben S unterteilt in:
    • Unterredaktion Erlangen, benannt nach der Handschrift Erlangen UB MS 674 (die von Wölfel edierte und von Goehl übersetzte Handschrift) mit rund 250 Kapiteln
    • Unterredaktion Lyon, benannt nach dem Druck Lyon 1525 mit 276 Kapiteln
    • Unterredaktion Göttingen, benannt nach der Handschrift Göttingen UB Hist. Nat. 12 mit 277 Kapiteln und diversen Textvarianten gegenüber Lyon
    • weitere Unterredaktion mit stark reduziertem Text und 250 bis 270 Kapiteln

Bei der Verbreitung außerhalb Salernos sieht Ventura zunächst einen Schwerpunkt in England, dann zunehmend in Frankreich und im 15. Jahrhundert im deutschsprachigen Raum. Übersetzt wurde das Werk noch im Mittelalter ins Französische, Deutsche, Niederländische, Englische, Italienische, Katalanische, Dänische, Hebräische, Serbische und wahrscheinlich auch ins Gälische.<ref>Iolanda Ventura: Medieval Pharmacy and Arabic Heritage: The Salernitan Collection «Circa instans». In: Micrologus, Band 24 (2016), S. 339–401.</ref>

Im 19. und frühen 20. Jahrhundert wurden mehrere Handschriften als „Urfassung“ deklariert, was jeweils in der Folge wieder verworfen wurde. August Wilhelm Henschel ging nach dem Auffinden des Codex Salernitanus davon aus, dass die hier gebotene Fassung die ursprüngliche sei und die Frühdrucke demgegenüber Kürzungen repräsentierten. Dieser Ansicht wurde von Karl Sudhoff widersprochen, da die etwa 160 zusätzlichen Kapitel des Codex in erster Linie Nahrungsmittel und nicht Arzneidrogen betreffen würden. Dem folgte Walter Starkenstein und präsentierte zwei sehr alte Handschriften aus dem Besitz seines Vaters, wobei eine (Starkenstein A, heute New York Botanical Garden MS 11) wohl den ursprünglichen Text enthielte, während die Frühdrucke Erweiterungen bei den Buchstaben A bis C aufwiesen.<ref>Walter Starkenstein: Ein Beitrag zur „Circa instans“-Frage. In: Sudhoffs Archiv. Band 27 (1935), S. 370–381 (Modul:JSTOR * Modul:JSTOR:170: attempt to index field 'wikibase' (a nil value))</ref> Claus Beck untersuchte 1940 die im deutschsprachigen Raum entstandenen Handschriften Wien, NB, Cod. 2461, Breslau, UB, Cod. 1302 und Erlangen, UB, Ms. 647. Julius Schuster und sein Schüler Hans Wölfel<ref>Vgl. Bernhard Schnell: Der deutsche „Macer“: Vulgatfassung. Mit einem Abdruck des lateinischen Macer floridus ‘De viribus herbarum’ kritisch herausgegeben (= Texte und Textgeschichte. Würzburger Forschungen. Band 50). Niemeyer, Tübingen 2003, ISBN 3-484-36050-X, S. 48–49 (zu den 1939, 1940, 1941 und 1942 von Wölfel, Holler, Beck und Damm publizierten Studien und Textausgaben aus der Berliner Schule von Julius Schuster).</ref> hielten die von Wölfel edierte Erlanger Handschrift (Ms. 647, sogenannte Kurzfassung des 13. Jahrhunderts) für dem Urtext nahestehend, was mittlerweile ebenfalls verworfen wurde. Iolanda Ventura hält es auf Basis der erhaltenen Handschriften nicht für möglich, die Urfassung zu identifizieren.<ref name="Ventura2015" />

Secreta salernitana[Bearbeiten]

Als Secreta salernitana werden mit Illustrationen ausgestattete Versionen des Circa instans, die ab dem 14. Jahrhundert (um 1315 auf Anregung von Philipp dem Schönen<ref>Gundolf Keil: ‘Circa instans’. In: Lexikon des Mittelalters. Band 2. München 1983, Sp. 2094–2096.</ref>) entstanden, bezeichnet.<ref>Christina Becela-Deller: Ruta graveolens L. Eine Heilpflanze in kunst- und kulturhistorischer Bedeutung. 1998, S. 160 f. und 241.</ref>

Auf der Handschrift Ms. Egerton 747 (das im Britischen Museum aufbewahrte älteste bekannte Manuskript der Secreta salernitana), einer im 14. Jahrhundert (um 1350) unter Verwendung des Pseudo-Apuleius erweiterten und früh illustrierten Fassung des Circa instans-Urtextes, beruhen Text und Illustrationen von Ms. Modena lat. 993 (Handschrift in der Biblioteca Estense), dem sogenannten Tractatus de herbis (genannt auch Secretum salernitanum und ebenfalls zu den bebilderten Vertretern der Secreta Salernitana gerechnet) aus dem Jahr 1458. Im Vergleich zur Vorlage enthält die Handschrift 40 Kapitel mehr als die Egerton-747-Fassung.<ref>Felix Andreas Baumann: Das Erbario Carrarese und die Bildtradition des Tractatus de herbis. Ein Beitrag zur Geschichte der Pflanzendarstellung im Übergang vom Spätmittelalter zur Frührenaissance. Bern 1974 (= Berner Schriften zur Kunst. Band 12), S. 100.</ref><ref>Bernhard D. Haage, Wolfgang Wegner: Secretum salernitanum, Secreta Salernitana. In: Enzyklopädie Medizingeschichte. 2005, S. 1314.</ref><ref>Christina Becela-Deller: Ruta graveolens L. Eine Heilpflanze in kunst- und kulturhistorischer Bedeutung. 1998, S. 161–164, 180 f. und 241.</ref>

Weitere Secreta-salernitana-Versionen:<ref>Christina Becela-Deller: Ruta graveolens L. Eine Heilpflanze in kunst- und kulturhistorischer Bedeutung. 1998, S. 164–169, 180–182 und 241 f.</ref>

  • Codex Palatinus germ. 586 (Biblioteca Nazionale, Florenz), 14. Jahrhundert, basierend auf Ms. Egerton 747
  • Codex Casanatensis 459 (Apostolische Bibliothek, Vatikan-Stadt), um 1390, textlich basierend auf Cod. Pal. 586. Die Illustrationen stammen aus der Tacuina-sanitatis-Tradition, die ihrerseits Illustrationen aus dem Cod. Pal. 586 übernommen hatte.
  • Codex 604 (oder „Handschrift 604“) der Universitätsbibliothek München (genannt auch „Codex Hommel“ oder „Lexicon plantarum“<ref>Rudi Maus: Das 'Lexicon plantarum' (Handschrift 604 der Münchener Universitätsbibliothek). Ein Vorläufer der deutschen Kräuterbuch-Inkunabeln, Teil I. (= Texte und Untersuchungen zur Geschichte der Naturwissenschaften. 2). Würzburg 1941. (Mathematisch-naturwissenschaftliche Dissertation Berlin); Gerhard Bahn: Das 'Lexicon plantarum' (Handschrift 604 der Münchener Universitätsbibliothek): Ein Vorläufer der deutschen Kräuterbuchinkunabeln, Teil II. (= Texte und Untersuchungen zur Geschichte der Naturwissenschaften. 3). Würzburg 1941. (Mathematisch-naturwissenschaftliche Dissertation Berlin); Werner Thode: Das 'Lexicon plantarum' (Handschrift 604 der Münchener Universitätsbibliothek). Ein Vorläufer der deutschen Kräuterbuch-Inkunabeln, Teil III. Mathematisch-naturwissenschaftliche Dissertation. Berlin 1942.</ref>), 15. Jahrhundert, Kopie des Codex Casanatensis 459

Eine eigenständige Texttradition, basierend auf dem „Aggregator“, hat hingegen der um 1400 (vor 1404) entstandene Codex Ms. Egerton 2020 (das sogenannte Erbario Carrarese), dessen Anteil an schematischeren Illustrationen aber dem Ms. Egerton 747 entspricht.<ref>Christina Becela-Deller: Ruta graveolens L. Eine Heilpflanze in kunst- und kulturhistorischer Bedeutung. 1998, S. 169 und 241.</ref>

Nachwirkung[Bearbeiten]

Datei:Platearius, Matthaeus Wellcome L0055259.jpg
Inhalte des Circa instans (MS. 626, Blatt 207v–208r. Wellcome Images L0055259, Ende des 15. Jahrhunderts)

Wie der (zuvor entstandene<ref>Francesco Johann Maria Roberg: Studien zum ‚Antidotarium Nicolai‘ anhand der ältesten Handschriften. In: Würzburger medizinhistorische Mitteilungen. Band 21, 2002, S. 73–129, hier: S. 99–100.</ref><ref>Gundolf Keil: „dits die beste raet die icker toe can gegeuen genomen vte platearise“. Quellenkundliche Anmerkungen zu Ypermans Medicine. In: Geneeskunde in nederlandstalige teksten tot 1600. Koninklijke Academie voor Geneeskunde van België, Brüssel 2012 (2013), ISBN 978-90-75273-29-8, S. 93–137; hier: S. 104 mit Anm. 68–69.</ref>) Liber iste und (für die zusammengesetzten Arzneimittel) das Antidotarium Nicolai war das Circa instans durch seine weitreichende Wirkung und die dadurch begünstigte Vereinheitlichung (Standardisierung) der Rezeptliteratur und der Lagerung von Arzneiformen grundlegend für die von Salerno ausgegangene Heranbildung einer selbständigen Pharmazie und des Apothekerstandes im mittelalterlichen Abendland ab dem 12. Jahrhundert.<ref>Gundolf Keil: ‚Circa instans‘. In: Burghart Wachinger u. a. (Hrsg.): Die deutsche Literatur des Mittelalters. Verfasserlexikon. 2., völlig neu bearbeitete Auflage, Band 1 (‘A solis ortus cardine’ - Colmarer Dominikanerchronist). De Gruyter, Berlin/New York 1978, ISBN 3-11-007264-5, Sp. 1282–1285; hier: Sp. 1282.</ref> Das Circa instans gehörte mit dem Macer floridus zu den verbreitetsten Kräuterbüchern im Mittelalter<ref>Bernhard Schnell: Der deutsche „Macer“: Vulgatfassung. Mit einem Abdruck des lateinischen Macer floridus ‘De viribus herbarum’ kritisch herausgegeben (= Texte und Textgeschichte. Würzburger Forschungen. Band 50). Niemeyer, Tübingen 2003, ISBN 3-484-36050-X, hier: S. 45 und 47–49.</ref> und war wie der Macer und die Materia medica über mehrere Jahrhunderte ein bestimmendes Werk der Phytotherapie (siehe u. a. De simplici medicina, 14. Jahrhundert).<ref>Johannes Gottfried Mayer, Konrad Goehl: Kräuterbuch der Klostermedizin. Reprint-Verlag, Leipzig 2013, ISBN 978-3-8262-3057-8, S. 35.</ref>

Zur frühesten indirekten Rezeption zählen die Enzyklopädien Liber de natura rerum (Thomas von Cantimpré, um 1225/41) und De proprietatibus rerum (Bartholomaeus Anglicus, um 1240).<ref>Iolanda Ventura: Medieval Pharmacy and Arabic Heritage: The Salernitan Collection «Circa instans». In: Micrologus, Band 24 (2016), S. 339–401.</ref> Das Circa instans gilt als wichtige Quelle für den (Mainzer) Gart der Gesundheit<ref>Julius Schuster: Secreta Salernitana und Gart der Gesundheit. In: Mittelalterliche Handschriften. Festgabe zum 60. Geburtstag von Hermann Degering. Leipzig 1926, S. 203–237.</ref><ref>Otto Beßler: Prinzipien der Drogenkunde im Mittelalter. Aussage und Inhalt des Circa instans und Mainzer Gart. Mathematisch-naturwissenschaftliche Habilitationsschrift, Halle an der Saale 1959.</ref><ref>Christina Becela-Deller: Ruta graveolens L. Eine Heilpflanze in kunst- und kulturhistorischer Bedeutung. 1998, S. 241.</ref> (1485), einem der ersten gedruckten Kräuterbücher, das starken Einfluss auf spätere Werke hatte.<ref>Johannes Gottfried Mayer: Die Wahrheit über den Gart der Gesundheit (1485) und sein Weiterleben in den Kräuterbüchern der Frühen Neuzeit. In: Sabine Anagnostou, Florike Egmond, Christoph Friedrich (Hrsg.): A passion for plants: materia medica and botany in scientific networks from the 16th to 18th centuries (= Quellen und Studien zur Geschichte der Pharmazie. Band 95). Stuttgart 2011, ISBN 978-3-8047-3016-8, S. 119–128.</ref>

Die verschiedenen Fassungen des Circa instans enthalten von 250 bis 430 Kapitel im 12. Jahrhundert (bis 1180)<ref>Fritz-Heinz Holler: Das Arzneidrogenbuch in der Salernitanischen Handschrift der Breslauer Stadtbibliothek (Nr. 1302) (= Texte und Untersuchungen zur Geschichte der Naturwissenschaften. Band 5). Konrad Triltsch, Würzburg 1941; zugleich Mathematisch-naturwissenschaftliche Dissertation Berlin 1940. Teiledition der sogenannten Langfassung.</ref><ref>Vgl. auch M. Ullmann: Geflügel, Eier, Fischer, Früchte und Gemüse im Circa instans des Codex Salernitanus in Breslau. Dissertation Leipzig 1921.</ref> über 460 bis 490 Kapitel im 14. Jahrhundert und im 15. Jahrhundert in der Spitze etwa 900 Kapitel. Eine Langfassung (Londoner Handschrift) besitzt als Erweiterung der Urfassung das Kräuterbuch des Pseudo-Apuleius.<ref>Christina Becela-Deller: Ruta graveolens L. Eine Heilpflanze in kunst- und kulturhistorischer Bedeutung. 1998, S. 126–129.</ref>

Eine französische Übersetzung stellt Le grant herbier en Francoys<ref>Digitalisat.</ref> dar.<ref>Giulio Camus: L’opera salernitana „Circa instans“ es il testo primitivo del „Grant Herbier en Francoys“. In: Memorie della regia Accademia di scienze, lettere ed arti in Modena, II. Band 5. Modena 1886, S. 49–199.</ref><ref>Vgl. auch Walter Damm: Die einzige bisher bekannte deutsche Fassung des Buches Circa instans (de simplicibus) nach einer Handschrift des 15. Jahrhunderts (Leipzig, Universitäts-Bibliothek, Nr. 1224). Preilipper, Hamburg 1939; zugleich Mathematisch-naturwissenschaftliche Dissertation Berlin 1939 .</ref>

Eine deutsche, aus 192 Blättern bestehende Fassung des Circa instans, die auch weitere Quellen und mehr pflanzenbeschreibende Texte in die Übersetzung integriert, aus dem 15. Jahrhundert ist im Leipziger Kodex 1224 (Handschrift Nr. 1224 der Leipziger Universitätsbibliothek<ref>Vgl. Walter Damm: Die einzige bisher bekannte deutsche Fassung des Buches Circa instans (de simplicibus) nach einer Handschrift des 15. Jahrhunderts (Leipzig, Universitäts-Bibliothek, Nr. 1224). Mathematisch-naturwissenschaftliche Dissertation Berlin 1939.</ref>) enthalten<ref>Johannes G. Mayer: ‚Circa instans‘ deutsch. Beobachtungen zum Leipziger Kodex 1224, dem bislang umfangreichsten Kräuterbuch in deutscher Sprache vor dem Buchdruck. In: Würzburger medizinhistorische Mitteilungen. Band 13, 1995, S. 67–73.</ref> und stellt die erste vollständige Übersetzung des Circa instans dar.<ref>Johannes Gottfried Mayer: Das ›Leipziger Drogenkompendium‹ (Leipzig, Universitätsbibliothek, Cod. 1224) und seine Quellen ›Circa instans‹, ›Aggregator‹ (Pseudo-Serapion), ›Macer floridus‹ (bzw. ›Älterer deutscher Macer‹), ›Liber graduum‹ (Constantin) und ›Liber iste‹. In: Konrad Goehl, Johannes Gottfried Mayer (Hrsg.): Editionen und Studien zur lateinischen und deutschen Fachprosa des Mittelalters. Festgabe für Gundolf Keil. Königshausen & Neumann, Würzburg 2000, ISBN 3-8260-1851-6, S. 207–263, hier: S. 207.</ref> Teile des Circa instans flossen auch in das deutschsprachige Speyrer Kräuterbuch ein; die bekannten Handschriften stammen aus der Mitte des 15. Jahrhunderts.

Eine neuhochdeutsche Übersetzung hat Konrad Goehl angefertigt, Teile daraus wurden 2009 als Begleittext für das Herbarium des Vitus Auslasser veröffentlicht, eine vollständige Übersetzung erschien 2015.

Siehe auch[Bearbeiten]

Ausgaben[Bearbeiten]

  • Hans Wölfel: Das Arzneidrogenbuch „Circa Instans“ in einer Fassung des XIII. Jahrhunderts aus der Universitätsbibliothek Erlangen. Text und Kommentar als Beitrag zur Pflanzen- und Drogenkunde des Mittelalters. Mathematisch-naturwissenschaftliche Dissertation, Berlin 1939 (A. Preilipper, Hamburg 1939).
    • Übersetzung: Konrad Goehl: Das 'Circa Instans'. Die erste große Drogenkunde des Abendlandes. Deutscher Wissenschafts-Verlag, Baden-Baden 2015, ISBN 978-3-86888-096-0.
    • Ergänzend: Konrad Goehl: Beobachtungen und Ergänzungen zum ‘Circa instans’. In: Medizinhistorische Mitteilungen. Zeitschrift für Wissenschaftsgeschichte und Fachprosaforschung. Band 34, 2015 (2016), S. 69–77.
  • Livre des simples médicines. Codex Bruxellensis IV 1024. Faksimile, hrsg. von Carmélia Opsomer[-Halleux]. 2 Bände. Antwerpen 1980. Ausgabe der „Secreta salernitana“.
  • Iolanda Ventura: Ps. Bartholomaeus Mini de Senis. Tractatus de herbis (Ms London, British Library, Egerton 747). SISMEL, Florenz 2009.

Literatur[Bearbeiten]

  • Claus H. Beck: Studien über Gestalt und Ursprung des Circa instans durchgeführt an den drei ältesten bisher bekannten Handschriften. Würzburg 1940; zugleich Mathematisch-naturwissenschaftliche Dissertation Berlin 1940.
  • Paul Dorveaux: Le Livre des simples médicines. Traduction française du Liber de simplici medicina dictus Circa instans de Platearius, tirée d’un manuscrit du XIIIe siècle (Ms. 3133 de la Bibliothèque de Ste Généviève de Paris et publiée pour la première fois par le Dr. Paul Dorveaux), avec un fac-simile d’une page dudit manuscrit (= Publication de la Sociéte française d’Histoire de la Médicine. Band 1). Paris 1913.
  • Jürg Blome: Fachnomenklatorische Untersuchungen zu einem der ältesten bebilderten Kräuterbücher Mitteleuropas. (Kurzfassung der Philosophischen Dissertation: Transkription, Übersetzung und systematisch-botanische Bearbeitung der in der Basler Universitätsbibliothek aufbewahrten Kräuterbuch-Handschrift 'Circa instans' (Mscr. K II 11) aus dem letzten Viertel des 14. Jahrhunderts. Basel 1978) In: „gelêrter der arzeniê, ouch apotêker“. Beiträge zur Wissenschaftsgeschichte. Festschrift zum 70. Geburtstag von Willem F. Daems. Hrsg. von Gundolf Keil, Horst Wellm Verlag, Pattensen/Hannover; jetzt bei Königshausen & Neumann, Würzburg 1982 (= Würzburger medizinhistorische Forschungen. Band 24), ISBN 3-921456-35-5, S. 551–588. – Das von Blome behandelte Circa instans stammt aus Thüringen.
  • Nigel F. Palmer, Klaus Speckenbach: Träume und Kräuter. Studien zur Petroneller ‚Circa instans‘-Handschrift und zu den deutschen Traumbüchern des Mittelalters. Böhlau Verlag, Köln/Wien 1990 (= Pictura et poesis. Interdisziplinäre Studien zum Verhältnis von Literatur und Kunst. Band 4).
  • Konrad Goehl, Johannes Gottfried Mayer (Hrsg.): Editionen und Studien zur lateinischen und deutschen Fachprosa des Mittelalters. Festgabe für Gundolf Keil. Königshausen & Neumann, Würzburg 2000. ISBN 3-8260-1851-6
  • Gundolf Keil: Circa instans. In: Verfasserlexikon. 2. Auflage. Band 1, 1978, Sp. 1282–1285.
  • Gundolf Keil: ‚Circa instans‘. In: Werner E. Gerabek, Bernhard D. Haage, Gundolf Keil, Wolfgang Wegner (Hrsg.): Enzyklopädie Medizingeschichte. De Gruyter, Berlin / New York 2005, ISBN 3-11-015714-4, S. 262 f.
  • Johannes Gottfried Mayer: Das ›Leipziger Drogenkompendium‹ (Leipzig, Universitätsbibliothek, Cod. 1224) und seine Quellen ›Circa instans‹, ›Aggregator‹ (Pseudo-Serapion), ›Macer floridus‹ (bzw. ›Älterer deutscher Macer‹), ›Liber graduum‹ (Constantin) und ›Liber iste‹. In: Johannes Gottfried Mayer, Konrad Goehl (Hrsg.): Editionen und Studien zur lateinischen und deutschen Fachprosa des Mittelalters. Festgabe für Gundolf Keil zum 65. Geburtstag (= Texte und Wissen. Band 3). Königshausen & Neumann, Würzburg 2000, ISBN 3-8260-1851-6, S. 207–263, hier: S. 207–212.
  • Johannes Gottfried Mayer, Konrad Goehl, Katharina Englert: Die Pflanzen der Klostermedizin in Darstellung und Anwendung. Mit Pflanzenbildern des Benediktiners Vitus Auslasser (15. Jh.) aus dem Clm 5905 der Bayerischen Staatsbibliothek München (= DWV-Schriften zur Medizingeschichte. Band 5). Deutscher Wissenschafts-Verlag, Baden-Baden 2009, ISBN 978-3-86888-007-6.
  • Arnold Pfister: De simplici medicina. Kräuterbuch-Handschrift aus dem letzten Viertel des 14. Jahrhundert im Besitz der Basler Universitäts-Bibliothek. Begleittext zur Faksimileausgabe. Basel 1961.
  • Iolanda Ventura: Il Circa instans dello Pseudo-Matteo Plateario: Per una storia della diffusione, verso la preparazione di un'edizione. In: Minerva, Band 23 (2010), S. 35–80 (online)
  • Iolanda Ventura: Il Circa instans nella cultura medica del Tardo Medioevo: Le traduzioni volgari in francese, tedesco ed olandese. In: G. Sangermano (Hrsg.): Le civiltà e la medicina. Laveglia, Salerno 2011.
  • Iolanda Ventura: Il Circa instans attribuito a Platearius: Trasmissione manoscritta, redazioni, criteri di costruzione di un’edizione critica. In: Revue d'Histoire des Textes, Band 10 (2015), S. 251–362 (doi:10.1484/J.RHT.1.103260)
  • Iolanda Ventura: Medieval Pharmacy and Arabic Heritage: The Salernitan Collection «Circa instans». In: Micrologus, Band 24 (2016), S. 339–401.
  • Iolanda Ventura: Circa instans. In: Michael Jakob: Des jardins et des livres. Catalogue de l'exposition à la Fondation Martin Bodmer, 29 avril-9 septembre 2018. Métis Press, Genua 2018. S. 34–35

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

<references />

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