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Seide (Gattung)

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Seide
Datei:Cuscuta europaea 2005.06.12 15.07.24.jpg

Nessel-Seide (Cuscuta europaea)

Systematik
Asteriden
Euasteriden I
Ordnung: Nachtschattenartige (Solanales)
Familie: Windengewächse (Convolvulaceae)
Tribus: Cuscuteae
Gattung: Seide
Wissenschaftlicher Name der Tribus
Cuscuteae
Choisy
Wissenschaftlicher Name der Gattung
Cuscuta
L.

Seide oder auch Teufelszwirn (Cuscuta) ist die einzige Gattung der Tribus Cuscuteae (früher auch deutsch Cuscuten<ref>Vgl. etwa George Engelmann: Bemerkungen über Cuscuten. In: Botanische Zeitung. Band 4, Nr. 16, 17. April 1846, S. 273–280.</ref> genannt) innerhalb der Pflanzenfamilie der Windengewächse (Convolvulaceae). Weitere deutsche Trivialnamen sind Jungfernhaar, Kletterhur, Schmarotzerseide und Hexenseide. Die über 200 Arten sind fast weltweit verbreitet, sie ernähren sich parasitisch von anderen Pflanzenarten. Die Textilfaser Seide ist eine tierische Faser und hat mit den Pflanzenarten dieser Gattung nur den Namen gemeinsam. Der lateinische Name cuscuta (ursprünglich für Flachs-Seide, daneben möglicherweise auch für andere Cuscuta-Arten<ref>Otto Beßler: Prinzipien der Drogenkunde im Mittelalter. Aussage und Inhalt des Circa instans und Mainzer Gart. Mathematisch-naturwissenschaftliche Habilitationsschrift, Halle an der Saale 1959, S. 176. („Cuscuta – fyltzkrut oder syde […] Cuscute – vlaßsyde, podagra des lines […] vlassyde“).</ref>) kommt wahrscheinlich aus dem Arabischen und ist verwandt mit griechisch kadytas (‚Schmarotzerpflanze‘).<ref>Vagn Jǿrgensen Brǿndegaard: Ethnobotanik. Pflanzen im Brauchtum, in der Geschichte und Volksmedizin. Berlin 1985 (= Beiträge zur Ethnomedizin, Ethnobotanik und Ethnozoologie, 6), S. 257</ref>

Beschreibung[Bearbeiten]

Vegetative Merkmale[Bearbeiten]

Datei:Cuscuta europaea Sturm2.jpg
Illustration der Nessel-Seide (Cuscuta europaea)

Die Arten der Gattung Seide (Cuscuta) wachsen als linkswindend kletternde und praktisch wurzellose, einjährige krautige Pflanzen. Sie sind Vollschmarotzer, die ohne Kontakt mit dem Boden auf den Wirtspflanzen wachsen. Über Haustorien, die sich entlang der schlingenden Sprossachse bilden, sind sie mit dem Wirt verbunden und entziehen ihm alle benötigten Nährstoffe. Ist der Wirt ausdauernd, können sie gelegentlich auch selbst ausdauernd wachsen. Die Stängel sind fadenartig und grünlich, gelb, orange oder rötlich gefärbt. Die eigentlich wechselständig stehenden Laubblätter sind so stark reduziert, dass sie meist nicht auszumachen oder nur als etwa 2 mm große Schuppen ausgeprägt sind.

Eine Wurzel besitzen die Pflanzen nicht. Lediglich nach dem Keimen des Samens wird noch eine reduzierte Wurzel ausgebildet. Nachdem der Keimling eine passende Wirtspflanze gefunden hat, verwelkt diese Wurzel aber. Findet der Keimling innerhalb seiner ersten Tage keine Wirtspflanze, so stirbt er.

Datei:Cuscuta epithymum 140808d.jpg
Untergattung Cuscuta: Quendel-Seide (Cuscuta epithymum)

Blütenstände und Blüten[Bearbeiten]

Meist sind die Blütenstände Zymen, die auch köpfchen- oder rispenförmig sein oder auch nur aus einer einzelnen Blüte bestehen können. Die Blütenstände können von bis zu drei Tragblättern begleitet werden.

Die Blüten sind zwittrig, radiärsymmetrisch und meist vier- oder fünfzählig. Die meist mehr oder weniger cremeweiß gefärbten Kelchblätter sind teilweise miteinander verwachsen, stehen aber auf 2/5 bis 3/5 der Länge frei voneinander. Die Krone ist meist mehr oder weniger weiß; die Kronröhre ist becherförmig bis zylindrisch und kann unterhalb der Kronzipfel mit einem Wulst oder horizontalen Rippen versehen sein. Der Kelch und oft auch die Krone sind an der Frucht beständig, wobei die Krone dann welkt.

Zwischen den Staubblättern befinden sich meist schuppenförmige Lappen, die aufrecht oder zurückgebogen sein können. Der Fruchtknoten ist oberständig, hat zwei Fruchtkammern mit je zwei Samenanlagen. Die zwei Griffel stehen meist frei voneinander und sind an der Frucht beständig, die zwei Narben sind meist kugelig geformt.

Früchte und Samen[Bearbeiten]

Die kugel- bis eiförmigen Kapselfrüchte springen nicht oder unregelmäßig auf oder öffnen sich nur selten über einen Ringriss nahe der Basis. Zwischen den Griffeln kann sich eine unauffällige Öffnung befinden, in diesem Bereich sind die Früchte oftmals verdickt und/oder erhaben. Die Früchte enthalten einen bis vier Samen. Die Samen haben, wenn sie gequollen sind, eine papillöse Oberfläche, die beim Trocknen honigwabenartig wird.

Taxonomie und Systematik[Bearbeiten]

Die Gattung Cuscuta wurde 1753 von Carl von Linné in Species Plantarum Band 1 Seite 124 aufgestellt.

Äußere Systematik[Bearbeiten]

Cuscuta ist die einzige parasitische Gattung in der Familie der Windengewächse. Frühere Bearbeiter haben das Taxon daher zum Teil in eine eigene Familie Seidengewächse (Cuscutaceae) gestellt. Nach der Systematik der Angiosperm Phylogeny Group wird Cuscuta weiterhin innerhalb der Convolvulaceae geführt<ref name="AGPwebsite" />. Untersuchungen mit Hilfe molekulargenetischer Methoden bestätigen diese Klassifizierung.<ref name="Neyland2001" /><ref name="Stefanovic2002" /> Cuscuta ist die einzige Gattung der Tribus Cuscuteae innerhalb der Familie der Convolvulaceae.<ref name="GRIN" />

Innere Systematik[Bearbeiten]

Zur Gattung Seide (Cuscuta) gehören über 200<ref name="DigitalAtlasCuscuta" /> Arten, die in drei Untergattungen eingeteilt werden. Die etwa 25 Arten der Untergattung Cuscuta charakterisieren sich durch zwei Griffel gleicher Länge, die vollständig frei voneinander stehen und konisch in langgestreckte Narben übergehen. Die größte Artenanzahl weist die Untergattung Grammica mit mindestens 135 bis 140 Arten auf. Die Arten besitzen zwei frei voneinander stehende, unterschiedlich lange Griffel, die in kurzen, oftmals kugelförmigen Narben enden. Die etwa neun Arten der Untergattung Monogyna besitzen teilweise oder komplett verwachsene Griffel mit kugelförmigen oder langgestreckten Narben. Die folgende Liste basiert auf der World Checklist of Selected Plant Families,<ref name="WCSP" /> Saša Stefanović und Mihai Costea 2008<ref name="Stefanovic08" /> sowie Miguel A. Garciá und María P. Martín 2007<ref name="Garcia07a" />, Abweichungen und Ergänzungen dazu sind mit Einzelnachweisen gekennzeichnet.

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Datei:Cuscuta approximata 2961 - Flickr - andrey zharkikh.jpg
Untergattung Cuscuta: Cuscuta approximata
Datei:Cuscuta epithymum 140808b.jpg
Untergattung Cuscuta: Quendel-Seide (Cuscuta epithymum)
Datei:Cuscuta europaea kz1.jpg
Untergattung Cuscuta: Nessel-Seide (Cuscuta europaea)
Datei:Cuscuta japonica Choisy Flower.JPG
Untergattung Monogyna: Cuscuta japonica
Datei:Cuscuta lupuliformis kz1.jpg
Untergattung Monogyna: Pappel-Seide (Cuscuta lupuliformis)
Datei:Cuscuta australis flower4 (8418554656).jpg
Untergattung Grammica: Cuscuta australis
Datei:Cuscuta campestris.jpeg
Untergattung Grammica: Nordamerikanische Seide (Cuscuta campestris)
Datei:Cuscuta chilensis (16868873258).jpg
Untergattung Grammica: Cuscuta chilensis
Datei:Cuscuta chinensis 05.JPG
Untergattung Grammica: Cuscuta chinensis
Datei:Starr 031005-0053 Cuscuta sandwichiana.jpg
Untergattung Grammica: Cuscuta sandwichiana
Datei:Cuscuta pacifica pacifica.jpg
Cuscuta pacifica
Untergattung Cuscuta
Sektion Pachystigma Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Engelm.
Sektion Cleistococca Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Engelm.
Sektion Epistigma Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Engelm.
Sektion Cuscuta
Untergattung MonogynaDie Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt. Engelm. ex Yunck.
Untergattung Grammica Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.(Lour.) Yunck.
Weitere Arten<ref name="WCSP" /> vorläufig ohne systematische Zuordnung

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Geschichte[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

Historische Abbildungen[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

<references> <ref name="AGPwebsite">P. F. Stevens (ab 2001): Angiosperm Phylogeny Website. Version 7, Mai 2006.</ref> <ref name="Neyland2001">Ray Neyland: A phylogeny inferred from large ribosomal subunit (26S) rDNA sequences suggests that Cuscuta is a derived member of Convolvulaceae. In: Brittonia. Band 53, Nr. 1, 2001, S. 108–115, doi:10.1007/BF02805402.</ref> <ref name="Stefanovic2002">Saša Stefanović, L. Krueger, R. G. Olmstead: Monophyly of the Convolvulaceae and circumscription of their major lineages based on DNA sequences of multiple chloroplast loci. In: American Journal of Botany. Band 89, Nr. 9, 2002, S. 1510–1522 (Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.online (Memento des Vorlage:IconExternal vom 12. April 2008 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.amjbot.org).</ref> <ref name="Costea06b">Mihai Costea, Guy L. Nesom, Saša Stefanović: Taxonomy of the Cuscuta pentagona Complex (Convolvulaceae) in North America. In: SIDA: Contributions to Botany. Band 22, Nr. 1, 2006, S. 151–175 (online).</ref> <ref name="Stefanovic08">Saša Stefanović, Mihai Costea: Reticulate evolution in the parasitic genus Cuscuta (Convolvulaceae): over and over again. In: Botany. Band 86, 2008, S. 791–808, DOI:10.1139/B08-033 @1@2Vorlage:Toter Link/www.wlu.ca(PDF; 1,0 MB) (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im Mai 2019. Suche im Internet Archive) ( Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.).</ref> <ref name="Garcia07a">Miguel A. Garciá, María P. Martín: Phylogeny of Cuscuta Subgenus Cuscuta (Convolvulaceae) Based on nrDNA ITS and Chloroplast trnL Intron Sequences. In: Systematic Botany. Band 32, Nr. 4, 2007, S. 899–916, DOI:10.1043/06-59.1.</ref> <ref name="DigitalAtlasCuscuta"> Mihai Costea: How many species of Cuscuta are out there?. In: Digital Atlas of Cuscuta (Convolvulaceae). Abgerufen am 15. Dezember 2008.</ref> <ref name="GRIN"> Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GRIN“ ist nicht vorhanden. im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland. Abgerufen am Vorlage:FormatDateSimple.</ref> <ref name="WCSP">Vorlage:WCSP</ref> <ref name="Costea08">Mihai Costea, Ignacio García Ruiz, Mark Welsh: A new species of Cuscuta (Convolvulaceae) from Michoacán, Mexico. In: Brittonia. Band 60, Nr. 3, 2008, S. 235–239, DOI:10.1007/s12228-008-9017-0, Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.(PDF; 307 kB) (Memento des Vorlage:IconExternal vom 20. September 2014 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.wlu.ca.</ref> <ref name="Costea08b">Mihai Costea, Fiona Aiston, Saša Stefanović: Species delimination, phylogenetic relationships, and two new species in the Cuscuta gracillima complex (Convolvulaceae). In: Botany. Band 86, Nr. 7, 2008, S. 670–681, DOI:10.1139/B08-030 (PDF-Datei).</ref> </references>

Literatur[Bearbeiten]

  • Mihai Costea, Saša Stefanović: Cuscuta (Convolvulaceae). In: Bruce G. Baldwin, Douglas H. Goldman, David J. Keil, Robert Patterson, Thomas J. Rosatti (Hrsg.): The Jepson Manual. Vascular Plants of California. 2. überarb. u. erweit. Auflage. University of California Press, Berkeley, Calif 2012, ISBN 978-0-520-25312-4 (online).
  • Daniel L. Nickrent, Lytton J. Musselman: Introduction to Parasitic Flowering Plants. In: The Plant Health Instructor. 2004, doi:10.1094/PHI-I-2004-0330-01.
  • Hans Christian Weber: Parasitismus von Blütenpflanzen. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1993, ISBN 3-534-10529-X.
  • Hans Christian Weber: Schmarotzer: Pflanzen, die von anderen leben. Belser, Stuttgart 1978, ISBN 3-7630-1834-4.

Weblinks[Bearbeiten]

Commons: Seide (Cuscuta) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien