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Der Sandmann (Hoffmann)

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Datei:Hoffmann sandmann.png
Zeichnung von E. T. A. Hoffmann zu seiner Erzählung Der Sandmann

Der Sandmann ist eine Erzählung von E. T. A. Hoffmann in der Tradition des Kunstmärchens der Schwarzen Romantik, die erstmals 1816 veröffentlicht wurde. Sie erschien ohne explizite Nennung des Autors in der Berliner Realschulbuchhandlung als erste Erzählung in Hoffmanns Sammlung Nachtstücke.

Die Erzählung gilt als die meist gelesene und gedeutete Erzählung der deutschen Romantik.

Inhalt[Bearbeiten]

Der Protagonist Nathanael, ein Phystikstudent, berichtet Lothar in einem Brief von der Begegnung mit dem Wetterglashändler Giuseppe Coppola, dessen Anblick Erinnerungen an seine Kindheit hervorruft. Damals hatte seine Mutter den Kindern angekündigt, der „Sandmann“ komme, wenn sie abends nicht zu Bett gehen wollten. Nathanael entwickelte daraufhin die Vorstellung eines unheimlichen Wesens, das Kindern die Augen ausreiße. Später identifiziert er den gefürchteten Sandmann mit dem Advokaten Coppelius, der regelmäßig mit seinem Vater nächtliche alchemistische Versuche durchführte. Als Nathanael heimlich eine solche Zusammenkunft beobachtet, wird er von Coppelius entdeckt und misshandelt. Ein Jahr später kommt es bei einem erneuten Versuch zu einer Explosion, bei der Nathanaels Vater ums Leben kommt. Coppelius verschwindet daraufhin aus der Stadt. Nathanael ist überzeugt, dass Coppelius für den Tod seines Vaters verantwortlich ist, und erkennt in dem inzwischen unter dem Namen Coppola auftretenden Wetterglashändler denselben Mann. Klara versucht, seine Angst rational zu erklären. Sie führt Nathanaels Erlebnisse auf seine eigene Einbildungskraft zurück. Nathanael lehnt diese Deutung ab und entwickelt zunehmend eine düster geprägte Weltsicht.

Nathanael beschäftigt sich immer stärker mit seinen düsteren Vorstellungen und verfasst ein Gedicht, in dem Coppelius als zerstörerische Macht erscheint, die seine Liebe zu Klara bedroht. Als Klara das Gedicht als „tolle“ und „wahnsinnige“ Phantasie bezeichnet, beschimpft Nathanael sie als „Automat“. Ihr Bruder Lothar greift daraufhin Nathanael an, worauf es beinahe zu einem Duell kommt. Klara verhindert den Kampf, und die drei versöhnen sich.

Nathanael kehrt anschließend zu seinem Studienort zurück. Dort bezieht er nach einem Brand seines Hauses ein Zimmer gegenüber dem Haus des Physikprofessors Spalanzani. Durch ein von Coppola erworbenes Perspektiv beobachtet er Spalanzanis Tochter Olimpia, die er zunächst für eine schöne und geheimnisvolle junge Frau hält. Bei einem von Spallanzani veranstalteten Fest verliebt er sich in sie. Während die übrigen Anwesenden Olimpias starres Verhalten, ihre mechanischen Bewegungen und ihre auffällige Wortkargheit bemerken, deutet Nathanael gerade diese Eigenschaften als Zeichen einer besonderen geistigen und seelischen Tiefe. Er vernachlässigt Klara und richtet seine gesamte Aufmerksamkeit auf Olimpia.

Als Nathanael seine Liebe gegenüber Olimpia erklären und ihr einen Ring schenken will, entdeckt er Spalanzani und Coppola in einem heftigen Streit um die Gestalt Olimpias. Beide versuchen, sie an sich zu reißen. Coppola entreißt Spalanzani schließlich Olimpia und flieht mit ihr. Spalanzani erklärt, dass er ihren Körper konstruiert, während Coppola beziehungsweise Coppelius die Augen gefertigt habe und Olimpia somit lediglich eine leblose Puppe sei. Als Spalanzani Nathanael die herausgerissenen Augen entgegenwirft, verfällt dieser dem Wahnsinn und wird in eine Anstalt gebracht.

Nach einiger Zeit scheint Nathanael geheilt. Er kehrt zu Klara zurück und plant mit ihr ein gemeinsames Leben. Die Familie erhält durch eine Erbschaft die Möglichkeit, auf ein Landgut zu ziehen. Nathanael scheint seine frühere Krise überwunden zu haben. Kurz vor dem Umzug besteigen Nathanael und Klara jedoch einen Ratsturm. Nathanael betrachtet Klara durch Coppolas Perspektiv und verfällt erneut in Wahnsinn. Er versucht, Klara vom Turm zu stürzen, doch Lothar kann sie im letzten Augenblick retten. Nathanael sieht anschließend den inzwischen wieder aufgetauchten Coppelius auf dem Marktplatz und stürzt sich mit dem Ruf „Sköne Oke“ vom Turm in den Tod. Coppelius verschwindet in der Menge. Jahre später wird Klara mit einem anderen Mann und zwei Kindern gesehen, sodass die Erzählung mit der Aussicht auf ein ruhiges bürgerliches Familienleben für sie endet.

Aufbau[Bearbeiten]

In der Druckfassung gliedert sich Der Sandmann in fünf Teile. Die ersten drei bilden die beiden Briefe des Protagonisten Nathanael und Claras Antwortbrief, gefolgt von der Geschichte Nathanaels und Claras bis zum drohenden Zweikampf zwischen Nathanael und Claras Bruder Lothar. Der letzte und zugleich weitaus längste Teil erzählt von Nathanaels leidenschaftlicher Liebe zum Automaten Olimpia und schildert sein weiteres Schicksal bis zu seinem Tod, bevor der Text schließlich mit dem Gerücht über Claras bürgerliches Glück mit einem anderen Mann endet.<ref>Claudia Lieb: Der Sandmann. In: Detlef Kremer (Hrsg.): E. T. A. Hoffmann. Leben – Werk – Wirkung. 2. Auflage. De Gruyter, Berlin / Boston 2012, ISBN 978-3-11-026831-7, S. 171.</ref>

Die Teile der Erzählung unterscheiden sich nach der Germanistin Britta Herrmann sowohl in ihrer narrativen Gestaltung als auch typographisch voneinander und bieten unterschiedliche Sichtweisen auf die Geschichte des Protagonisten Nathanael.<ref name=":3">Britta Herrmann: Der Sandmann (1816). In: Christine Lubkoll, Harald Neumeyer (Hrsg.): E. T. A. Hoffmann Handbuch. Leben – Werk – Wirkung. Metzler, Stuttgart [u. a.] 2015, ISBN 3-476-02523-3, S. 49.</ref>

Die Erzählung setzt unvermittelt und zunächst erzählerlos mit drei Briefen in subjektiver Perspektive ein. Typographisch von diesen abgesetzt, beginnt ein neuer Teil mit einem Erzähler, der sich ausdrücklich darum bemüht, bei der aufgeklärten Leserschaft Akzeptanz für das Wunderbare zu erzeugen. Zunächst gibt er sich als Teil der diegetischen Welt zu erkennen, indem er Nathanael etwa als „armen Freund“ bezeichnet, und verleiht dem Erzählten dadurch den Anschein von Authentizität. Zugleich spricht er den Leser in der zweiten Person an. Dies stellt einen metaleptischen Trick dar, der die Grenze zwischen der Welt des Lesers, des Erzählers und der Erzählung aufzuheben scheint und dazu führt, dass die Leser „sich selbst mitten im Bilde“ sehen.<ref name=":3" />

Im letzten Teil der Erzählung setzt eine Irrealisierung des Realen ein, die ebenfalls typographisch markiert ist. Hier wechselt die Erzählperspektive zwischen auktorialer und personaler Darstellung.<ref name=":3" />

Interpretation[Bearbeiten]

Themen[Bearbeiten]

E.T.A. Hoffmann verarbeitet in Der Sandmann verschiedene Themen:

  • Das Augenmotiv: Die Bedeutung der Augen ist ein zentrales Thema: beim Sandmann im Ammenmärchen, bei Nathanaels Angstträumen, in seinem Gedicht, bei Olimpia und in weiteren Textstellen. Augen sind Sinnesorgane, mit welchen die objektive Realität wahrgenommen wird. Jemandem Sand in die Augen zu streuen, bedeutet, ihm die Wahrnehmung der Wirklichkeit zu nehmen. Die Welt wird dann nur noch durch die eigenen Vorstellungen, schlimmstenfalls Angstträume oder Wahnsinn wahrgenommen. Ein ähnliches Mittel, um jemanden von der Wirklichkeit abzukoppeln, sind Brillen, die ideologisch eingefärbt sind, oder Coppolas Perspektiv. Es ist deshalb nicht verwunderlich, dass Nathanael beim Hindurchsehen einen Automaten für einen Menschen hält. Augen spiegeln auch die eigene Lebendigkeit wider, vielleicht auch die Seele. Sie sind eine Schwachstelle an der Automatenpuppe Olimpia, die nur durch den Blick durchs Perspektiv vertuscht wird.
    Sigmund Freud beschäftigte sich mit Hoffmanns Erzählung in seinem Aufsatz Das Unheimliche. Für Freud steht das Augenmotiv im Zentrum der Erzählung. Er schreibt: „Im Mittelpunkt der Erzählung steht […] ein […] Moment, nach dem sie auch den Namen trägt, und das an den entscheidenden Stellen immer wieder hervorgekehrt wird: das Motiv des Sandmannes, der den Kindern die Augen ausreißt.“<ref>Sigmund Freud: Das Unheimliche. In: Imago. Zeitschrift für Anwendung der Psychoanalyse auf die Geisteswissenschaften. Band 5, 1919, S. 304 (uni-heidelberg.de).</ref> Freuds Deutung beruft sich auf die damalige „psychoanalytische Auffassung“: „Das Studium der Träume, der Phantasien und Mythen hat uns dann gelehrt, daß die Angst um die Augen, die Angst zu erblinden, häufig genug ein Ersatz für die Kastrationsangst ist.“<ref>Sigmund Freud: Das Unheimliche. In: Imago. Zeitschrift für Anwendung der Psychoanalyse auf die Geisteswissenschaften. Band 5, 1919, S. 306–307 (uni-heidelberg.de).</ref>
  • Das Verhältnis Mensch – Maschine: Durch das Perspektiv, ein wissenschaftliches Instrument, wird der Wahnsinn Nathanaels immer wieder ungewollt hervorgerufen. Auch die Gäste auf Spalanzanis Ball scheinen nicht auf den ersten Blick den Unterschied von Mensch und Maschine zu erkennen.
  • Kritik an der aufklärerischen Gesellschaft: Der Wissenschaftler wird in Form des Spalanzani kritisiert, der die Grenzen der Wissenschaft nicht zu kennen scheint und seine Mitmenschen bewusst hintergeht.
  • Das Feuermotiv: Feuer steht in Der Sandmann immer am Anfang einer Veränderung. Durch alchemistische Experimente stirbt Nathanaels Vater bei einer Explosion. Nathanael ist daraufhin wochenlang krank. Auch das Feuer in seinem Studentenzimmer führt dazu, dass er in das Haus gegenüber von Spalanzani einzieht und so auf Olimpia trifft. Feuer und Hitze stehen in Zusammenhang mit Nathanaels zunehmendem Wahnsinn. Zu Beginn empfindet er noch eine „glühende Liebeslust“ für Clara, später bezeichnet er Olimpias Augen als „lebendig flammend“. Der Höhepunkt des Wahnsinns wird erreicht, als Nathanael auf dem Turm mehrmals „Feuerkreis, dreh dich“ ruft und anschließend in den Tod springt.

Rezeption[Bearbeiten]

Rezeption in Deutschland[Bearbeiten]

Nach Einschätzung der Germanistin Britta Herrmann war zunächst nicht abzusehen, dass die Erzählung Der Sandmann einmal „die meist gelesene und gedeutete Erzählung der deutschen Romantik“ werden würde.<ref>Britta Herrmann: Der Sandmann (1816). In: Christine Lubkoll, Harald Neumeyer (Hrsg.): E. T. A. Hoffmann Handbuch. Leben – Werk – Wirkung. Metzler, Stuttgart [u. a.] 2015, ISBN 3-476-02523-3, S. 51.</ref> Die deutsche Rezeption der Erzählung fiel im 19. Jahrhundert zunächst enttäuschend aus. Wenn der Text überhaupt wahrgenommen wurde, erhielt er meist vernichtende Urteile.<ref>Claudia Lieb: Der Sandmann. In: Detlef Kremer (Hrsg.): E. T. A. Hoffmann. Leben – Werk – Wirkung. 2. Auflage. De Gruyter, Berlin / Boston 2012, ISBN 978-3-11-026831-7, S. 172.</ref> Ein anonymer Rezensent der Allgemeinen Literatur-Zeitung schrieb 1817 über die Erzählung, diese sei „ein schauderhaftes Nachtstück“, in dem die „Schwärmerey und Geistesfurcht“ in „selbstvernichtender Verrückung“ ende. Des Weiteren überschreite nach dem Rezensenten „der gräßliche Ernst die Grenze der Dichtung“. Abschließend fragte er: „darf der Dichter seine Menschen schaffen, um sie zu vernichten?“<ref>Hartmut Steinecke (Hrsg.): E. T. A. Hoffmann. Nachtstücke. Klein Zaches. Prinzessin Brambilla. Werke 1816-1820. Deutscher Klassiker Verlag, Frankfurt am Main 1985, S. 962–963.</ref> Fast durchweg negativ fallen auch die Bemerkungen des Literaturkritikers Konrad Schwenck in einem Beitrag für die Zeitschrift Hermes oder Kritisches Jahrbuch der Literatur aus dem Jahr 1823 aus. Die Darstellung der Erzählung erschien ihm „ungeschickt und trotz aller groben Pinselstriche so matt“, dass „kein Interesse, kein Leben sichtbar wird“. Das meiste an der Erzählung empfand Schwenck als „lächerlich und unglaublich“, insbesondere Nathanaels Verhalten, das „nur medicinisches Mitleid erweckt, und eine scheusliche Beleidigung des Gefühls [...] mit sich führt.“<ref>Konrad Schwenck: Ueber E. T. W. Hoffmann's Schriften. In: Hermes oder kritisches Jahrbuch der Literatur. XIX, 3. Stück, 1823, S. 109 f.</ref>

Datei:Heinrich Voß.jpg
Heinrich Voß (1800)

Die Erzählung Der Sandmann wurde in den wenigen zeitgenössischen Zeugnissen über die Nachtstücke nach dem Literaturwissenschaftler Hartmut Steinecke zwar vor allem abwertend erwähnt, doch gab es auch positive Urteile.<ref>Hartmut Steinecke (Hrsg.): E. T. A. Hoffmann. Nachtstücke. Klein Zaches. Prinzessin Brambilla. Werke 1816-1820. Deutscher Klassiker Verlag, Frankfurt am Main 1985, S. 962.</ref> Der Philologe Heinrich Voß bezeichnete die Erzählung als „eine der geistreichsten Erzählungen unserer Zeit“, bemängelte zugleich jedoch, dass sich der Sandmann „wiederum in Schauer und Entsetzen“ umtreibe.<ref name=":1">Hartmut Steinecke (Hrsg.): E. T. A. Hoffmann. Nachtstücke. Klein Zaches. Prinzessin Brambilla. Werke 1816-1820. Deutscher Klassiker Verlag, Frankfurt am Main 1985, S. 963.</ref> Der Schriftsteller Willibald Alexis bewunderte in seinem Essay von 1823 „die reine Darstellung“ der Erzählung, wünschte sich jedoch zugleich, „daß einige höchst originelle Ideen, in einer minder gräslichen und widerlichen Dichtung erschienen wären, um das Ganze mit Vergnügen noch einmal lesen zu können.“<ref name=":1" />

Für die weitere deutsche Rezeption war der einflussreiche Aufsatz des schottischen Autors Walter Scott von 1827 mit dem Titel On the Supernatural in Ficticious Composition; and particularly on the Works of Ernest Theodore William Hoffmann von Bedeutung, in dem er die Erzählung als nicht interpretierbar und ihren Autor als Fall für den Psychiater darstellte.<ref>Claudia Lieb: Der Sandmann. In: Detlef Kremer (Hrsg.): E. T. A. Hoffmann. Leben – Werk – Wirkung. 2. Auflage. De Gruyter, Berlin / Boston 2012, ISBN 978-3-11-026831-7, S. 173.</ref> Die Vorstellung, die Erzählung sei ein warnendes Beispiel krankhafter Einbildungskraft, fand bei Johann Wolfgang Goethe Zustimmung, was für die Rezeption des Sandmanns im 19. Jahrhundert prägend wurde.<ref>Britta Herrmann: Der Sandmann (1816). In: Christine Lubkoll, Harald Neumeyer (Hrsg.): E. T. A. Hoffmann Handbuch. Leben – Werk – Wirkung. Metzler, Stuttgart [u. a.] 2015, ISBN 3-476-02523-3, S. 51.</ref>

Rezeption in Frankreich[Bearbeiten]

Hoffmann gelangte in England und vor allem in Frankreich zunächst zu größerer Berühmtheit als in Deutschland.<ref>Claudia Lieb: Der Sandmann. In: Detlef Kremer (Hrsg.): E. T. A. Hoffmann. Leben – Werk – Wirkung. 2. Auflage. De Gruyter, Berlin / Boston 2012, ISBN 978-3-11-026831-7, S. 173.</ref> Die erste Übersetzung erschien 1830 in Frankreich und die „hoffmanneske Manier“ beeinflusste zahlreiche französische Schriftsteller. Es ist jedoch keine direkte literarische Bearbeitung des Sandmann bekannt.<ref>Britta Herrmann: Der Sandmann (1816). In: Christine Lubkoll, Harald Neumeyer (Hrsg.): E. T. A. Hoffmann Handbuch. Leben – Werk – Wirkung. Metzler, Stuttgart [u. a.] 2015, ISBN 3-476-02523-3, S. 51.</ref>

In Frankreich wurde Der Sandmann unter anderen Vorzeichen als in Deutschland rezipiert. Das starke Interesse an der Erzählung zeigte sich nicht nur in verschiedenen Übersetzungen, sondern auch in mehreren Bearbeitungen des Stoffes. Zu den frühen Adaptionen zählt das 1851 uraufgeführte Theaterstück von Jules Barbier und Michel Carré. Auf diesem Theaterstück beruhte Jacques Offenbachs Oper Les contes d’Hoffmann, die den Sandmann als eine von drei Erzählungen aufnahm. Die Oper wurde 1881 in der Opéra-Comique in Paris uraufgeführt. Auch Léo Delibes’ Ballett Coppélia ou La fille aux yeux d’émail, das 1870 an der Pariser Oper uraufgeführt wurde, zeugt von der Popularität der Erzählung in Frankreich.<ref name=":2">Hartmut Steinecke (Hrsg.): E. T. A. Hoffmann. Nachtstücke. Klein Zaches. Prinzessin Brambilla. Werke 1816-1820. Deutscher Klassiker Verlag, Frankfurt am Main 1985, S. 964.</ref>

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Georges Méliès (1890)

Durch die teilweise weitreichenden Bearbeitungen, insbesondere durch Offenbachs Oper, wurde Der Sandmann einem breiten Publikum bekannt und populär. Dabei wurde die Erzählung jedoch häufig auf die unglückliche Liebesgeschichte zwischen Nathanael und der Puppe Olimpia reduziert. In Offenbachs Oper ist Nathanael zudem mit Hoffmann selbst gleichgesetzt. Dieses einseitige Verständnis prägte auch zahlreiche Verfilmungen des Stoffes. Die ersten Verfilmungen von Der Sandmann entstanden bezeichnenderweise ebenfalls in Frankreich.<ref name=":2" /> Es handelt sich um zwei Filme des Pariser Filmregisseurs und -produzenten Georges Méliès, Coppélia ou La poupée animée aus dem Jahr 1900 und La poupée vivante aus dem Jahr 1909.<ref>Claudia Lieb: Der Sandmann. In: Detlef Kremer (Hrsg.): E. T. A. Hoffmann. Leben – Werk – Wirkung. 2. Auflage. De Gruyter, Berlin / Boston 2012, ISBN 978-3-11-026831-7, S. 173.</ref>

Auch auf dem Gebiet der Illustration war das Interesse in Frankreich lange Zeit deutlich größer als in Deutschland. Bereits im 19. Jahrhundert illustrierten mehrere französische Künstler die Erzählung, darunter Camille Rogier, Étienne David, Valentin Foulquier, Paul Gavarni und Adolphe Lalauze.<ref>Hartmut Steinecke (Hrsg.): E. T. A. Hoffmann. Nachtstücke. Klein Zaches. Prinzessin Brambilla. Werke 1816-1820. Deutscher Klassiker Verlag, Frankfurt am Main 1985, S. 964.</ref>

Adaption[Bearbeiten]

In der Musik[Bearbeiten]

Im Film[Bearbeiten]

Vertonung[Bearbeiten]

Im Theater[Bearbeiten]

  • Robert Wilson wandelte die Literaturvorlage in das Musiktheater Der Sandmann um. – Premiere am 3. Mai 2017 bei den Ruhrfestspielen Recklinghausen / Düsseldorfer Premiere am 20. Mai 2017.<ref>Der Sandmann, von E. T. A. Hoffmann. D’haus – Düsseldorfer Schauspielhaus, Junges Schauspiel, Bürgerbühne, abgerufen am 17. Dezember 2017.</ref>
  • Tobias Wolfgang hat die Literaturvorlage zu einem Kammer-Musical verdichtet. Die Musik stammt von dem Berliner Komponisten Bijan Azadian. Die Uraufführung fand am 1. Dezember 2018 in der Theaterwerkstatt Würzburg statt.<ref>Der Sandmann. TheaterWerkstatt Würzburg e. V., archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 15. September 2018; abgerufen am 14. September 2018.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/theater-werkstatt.com</ref>
  • Das Theaterstück Nathanael von Jannik Graf erzählt Hoffmanns Der Sandmann in einer zeitgenössischen Adaption neu (mit Musik von Dominik Tippelt alias Margarethe Zucker<ref>Margarethe Zucker. Schauspiel Stuttgart, abgerufen am 20. Februar 2022.</ref>). Premiere war am 8. Februar 2022 im Staatstheater Stuttgart.<ref>Nathanael, nach Motiven aus Der Sandmann von E.T.A. Hoffmann. Schauspiel Stuttgart, abgerufen am 16. Februar 2022.</ref>

Ausgaben (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Nachtstücke. Herausgegeben von dem Verfasser der Fantasiestücke in Callots Manier. 2 Teile. Berlin: Realschulbuchhandlung, 1817. [Erstausgabe, Teil 1 erschien bereits Ende 1816].
  • E. T. A. Hoffmanns Sämtliche Werke. Historisch-Kritische Ausgabe mit Einleitung, Anmerkung und Lesarten von Carl Georg von Maassen. Band 3: Nachtstücke. Mit 9 Bildbeigaben und einem Faksimilie. Georg Müller, München / Leipzig 1909.
  • E. T. A. Hoffmann: Fantasie- und Nachtstücke. Fantasiestücke in Callots Manier. Nachtstücke. Seltsame Leiden eines Theater-Direktors. Nach dem Text der Erstdrucke, unter Hinzuziehung der Ausgabe von Carl Georg von Maassen und Georg Ellinger. Herausgegeben und mit einem Nachwort versehen von Walter Müller-Seidel. Mit Anmerkungen von Wolfgang Kron und den Illustrationen von Theodor Hosemann zur ersten Gesamtausgabe von 1844/45. Winkler, München 1960.
  • E. T. A. Hoffmann: Sämtliche Werke in 6 Bänden. Herausgegeben von Wulf Segebrecht und Hartmut Steinecke unter Mitarbeit von Gerhard Allroggen und Ursula Segebrecht. Band 3: Nachtstücke, Klein Zaches, Prinzessin Brambilla, Werke 1816–1820. Herausgegeben von Hartmut Steinecke unter Mitarbeit von Georg Allroggen. Deutscher Klassiker Verlag, Frankfurt am Main 1985.
  • E. T. A. Hoffmann: Nachtstücke. Herausgegeben von Gerhard R. Kaiser. Reclam, Stuttgart 1990.
  • E. T. A. Hoffmann: Der Sandmann. Herausgegeben von Rudolf Drux. Reclam, Stuttgart 1991 [Nachdruck 2025].

Literatur[Bearbeiten]

  • Friedhelm Auhuber: „Der Sandmann“. Aspekte zu E. T. A. Hoffmanns Erzählkunst. In: E. T. A. Hoffmann. Der Sandmann. Faksimile-Ausgabe als Gesamtkunstwerk. Herausgegeben und gestaltet von Johannes Häfner. Berliner Bibliophilen-Abend, Berlin 1988, ISBN 3-9805622-4-7, S. 93–107.
  • Sigmund Freud: Das Unheimliche. In: Imago. Zeitschrift für Anwendung der Psychoanalyse auf die Geisteswissenschaften. Band 5 (1919), S. 297–324 (Digitalisat bei der Universitätsbibliothek Heidelberg).
  • Andrea Fuchs: Kritik der Vernunft in E. T. A. Hoffmanns phantastischen Erzählungen „Klein Zaches genannt Zinnober“ und „Der Sandmann“. Weißensee-Verlag, Berlin 2001, ISBN 3-934479-44-8.
  • Britta Herrmann: Der Sandmann (1816). In: Christine Lubkoll, Harald Neumeyer (Hrsg.): E. T. A. Hoffmann Handbuch. Leben – Werk – Wirkung. Metzler, Stuttgart [u. a.] 2015, ISBN 3-476-02523-3, S. 48–53.
  • Ulrich Hohoff: E. T. A. Hoffmann, Der Sandmann: Textkritik, Edition, Kommentar. De Gruyter, Berlin 1988.
  • Dieter Kampmeyer: Lebens-Skripte. E. T. A. Hoffmanns „Der Sandmann“ und „Die Elixiere des Teufels“. Königshausen & Neumann, Würzburg 2020, ISBN 978-3-8260-7127-0.
  • Thomas Koebner: E. T. A. Hoffmann. Der Sandmann (1816). In: Interpretationen. Erzählungen und Novellen des 19. Jahrhunderts. Band 1. Reclam, Stuttgart 1992, ISBN 3-15-008413-X, S. 257–307.
  • Hans-Thies Lehmann: Exkurs über E. T. A . Hoffmanns „Sandmann”. Eine texttheoretische Lektüre. In: Romantische Utopie – utopische Romantik. Herausgegeben von Gisela Dischner und Richard Faber. Gerstenberg, Hildesheim 1979, ISBN 3-8067-0820-7, S. 301–323.
  • Claudia Lieb: Der Sandmann. In: Detlef Kremer (Hrsg.): E. T. A. Hoffmann. Leben – Werk – Wirkung. 2. Auflage. De Gruyter, Berlin und Boston 2012, ISBN 978-3-11-026831-7, S. 169–185.
  • Dieter Lohr: Stilanalyse als Interpretation: Kausalität, Raum und Zeit in E. T. A. Hoffmanns Erzählung „Der Sandmann“. Der Andere Verlag, Osnabrück 2000, ISBN 3-934366-74-0.
  • Franz Loquai: E. T. A. Hoffmanns „Der Sandmann“. Forschungsgeschichte und Interpretation. In: Das Wort. Germanistisches Jahrbuch (1996), S. 11–23.
  • Gerhard Neumann: E. T. A. Hoffmann. „Der Sandmann“. In: Meisterwerke der Literatur: Von Homer bis Musil. Herausgegeben von Reinhard Brandt. Reclam, Leipzig 2001, ISBN 3-379-20014-X, S. 185–226.
  • Barbara Neymeyr: Narzißtische Destruktion. Zum Stellenwert von Realitätsverlust und Selbstentfremdung in E. T. A. Hoffmanns Nachtstück „Der Sandmann“. In: Poetica, Band 29, Heft 3/4 (1997), S. 499–531.
  • Ursula Orlowski: Literarische Subversion bei E. T. A. Hoffmann: Nouvelles vom „Sandmann“. Winter, Heidelberg 1988, ISBN 3-533-03980-3.
  • Günter Saße: Der Sandmann. Kommunikative Isolation und narzisstische Selbstverfallenheit. In: E. T. A. Hoffmann. Romane und Erzählungen. Herausgegeben von Günter Saße. Reclam, Stuttgart 2004, ISBN 3-15-017526-7, S. 96–116.
  • Jochen Schmidt: Die Krise der romantischen Subjektivität. E. T. A. Hoffmanns Künstlernovelle „Der Sandmann“ in historischer Perspektive. In: Literaturwissenschaft und Geistesgeschichte. Festschrift für Richard Brinkmann. Herausgegeben von Jürgen Brummack [u. a.]. Niemeyer, Tübingen 1981, ISBN 3-484-10421-X, S. 348–370.
  • Ricarda Schmidt: Narrative Strukturen romantischer Subjektivität in E. T. A. Hoffmanns „Die Elixiere des Teufels“ und „Der Sandmann“. In: Germanisch-Romanische Monatsschrift, Band 80 (1999), S. 143–160.
  • Irene Schroeder: Das innere Bild und seine Gestaltung. Die Erzählung „Der Sandmann“ als Theorie und Praxis des Erzählens. In: E. T. A. Hoffmann-Jahrbuch. Mitteilungen der E. T. A. Hoffmann-Gesellschaft, Band 9, Heft 47 (2001), S. 22–33.
  • Ulrich Stadler: Der Sandmann. In: E. T. A. Hoffmann. Epoche – Werk – Wirkung. Herausgegeben von Brigitte Feldges und Ulrich Stadler. Mit je einem Beitrag von Ernst Lichtenhahn und Wolfgang Nehring. Beck, München 1986, ISBN 3-406-31241-1, S. 135–152.
  • Jürgen Walter: Das Unheimliche als Wirkungsfunktion. Eine rezeptionsästhetische Analyse von E. T. A. Hoffmanns Erzählung „Der Sandmann“. In: E. T. A. Hoffmann-Jahrbuch. Mitteilungen der E. T. A. Hoffmann-Gesellschaft, Band 30 (1984), S. 15–33.

Weblinks[Bearbeiten]

Wikisource: Der Sandmann – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise[Bearbeiten]

<references />

Vorlage:Klappleiste/Anfang Romane: Die Elixiere des Teufels | Lebens-Ansichten des Katers Murr

Prosazyklen: Fantasiestücke in Callots Manier
Jaques Callot | Ritter Gluck | Kreisleriana | Nachricht von einem gebildeten jungen Mann | Don Juan | Nachricht von den neuesten Schicksalen des Hundes Berganza | Der Magnetiseur | Der goldne Topf | Die Abenteuer der Sylvester-Nacht

Nachtstücke: Der Sandmann | Das Gelübde | Ignaz Denner | Die Jesuiterkirche in G. | Das Majorat | Das öde Haus | Das Sanctus | Das steinerne Herz

Die Serapionsbrüder: Rat Krespel | Die Fermate | Der Dichter und der Komponist | Ein Fragment aus dem Leben dreier Freunde | Der Artushof | Die Bergwerke zu Falun | Nussknacker und Mausekönig | Der Kampf der Sänger | Die Königsbraut | Die Automate | Doge und Dogaresse | Meister Martin der Küfner und seine Gesellen | Das fremde Kind | Der unheimliche Gast | Das Fräulein von Scuderi | Spieler-Glück | Der Baron von B. | Signor Formica

Erzählungen: Seltsame Leiden eines Theater-Direktors | Haimatochare | Die Marquise de la Pivardiere | Prinzessin Brambilla | Die Irrungen | Die Geheimnisse | Die Räuber | Die Doppeltgänger | Der Elementargeist | Meister Floh | Des Vetters Eckfenster

Märchen: Klein Zaches genannt Zinnober Vorlage:Klappleiste/Ende

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