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Else Dormitzer

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Else Dormitzer, geborene Forchheimer, Pseudonym Else Dorn, (geboren 17. November 1877 in Nürnberg; gestorben 3. Juni 1958 in London) war eine deutsche Journalistin, Aktivistin, Kinderbuchautorin und Lyrikerin. Als erste Frau in Deutschland überhaupt zog sie in jüdische Spitzengremien ein. Sie war zudem eine frühe Befürworterin der Feuerbestattung.<ref>Else Dormitzer. In: MEKOMOT-Nürnberg. Geschichte Für Alle e.V., abgerufen am 9. Mai 2026.</ref>

Leben[Bearbeiten]

Else Forchheimer war eine Tochter des Holzhändlers und Sägewerksbesitzers Salomon Forchheimer und der Klara Ehrlich. Sie besuchte die höhere Töchterschule in Nürnberg und ein Töchterinstitut in Heidelberg. Sie heiratete 1898 den Nürnberger Rechtsanwalt Sigmund Dormitzer (1869–1943).

Dormitzer schrieb für verschiedene Zeitungen, darunter das Nürnberger-Fürther Israelitische Gemeindeblatt und ab 1914 Feuilletons im Fränkischen Kurier. Zwischen 1923 und 1927 veröffentlichte sie, vornehmlich unter dem Pseudonym Else Dorn, Kinderbücher in der Pestalozzi-Verlagsanstalt.

Sie arbeitete ab 1919 in der Verwaltung der jüdischen Kultusgemeinde in Nürnberg. 1922 wurde sie als erste Frau in Deutschland Vorstandsmitglied einer jüdischen Gemeinde, nämlich der Israelitischen Kultusgemeinde Nürnberg, und 1924 zudem das erste weibliche Vorstandsmitglied des bedeutenden Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens.<ref>Arndt Peltner: Eine ganz besondere Nürnbergerin. In: Das Blättchen. 14. März 2016, abgerufen am 9. Mai 2026.</ref>

In ihrem 1925 erschienenen Buch Berühmte jüdische Frauen in Vergangenheit und Gegenwart stellte Dormitzer bedeutende jüdische Frauen der Kulturgeschichte vor, wobei sie Rahel Levin Varnhagen besonders ausführlich behandelte. Im Vorwort formulierte sie ihre Absicht, „das Märchen von der ‚Minderwertigkeit‘ der Juden zu widerlegen und zerstören“, und betonte, dass es „gerade jetzt, da man die Juden als ‚volksfremd‘ zu stempeln versucht“, wichtig sei daran zu erinnern, dass Juden und Jüdinnen seit Jahrhunderten Anteil an deutscher Kultur und Bildung hatten. Dormitzer erschien zudem auf einer Spenderliste für das vom Jüdischen Frauenbund getragene Heim in Isenburg, was auf eine Nähe zur jüdischen Frauenbewegung hindeutet.<ref>Natalie Naimark-Goldberg: „Die erste moderne deutsche Frau“. Rahel Levin Varnhagen's Reception in the Jewish Women's Movement. In: Jewish Women in Europe in the Long Nineteenth Century. De Gruyter, 2024, S. 139–140, doi:10.1515/9783111342979-009.</ref>

Das Ehepaar Dormitzer wurde in der Reichspogromnacht 1938 zweimal in ihrer Wohnung überfallen, misshandelt und verletzt. Ihr Haus und Grundstück mussten sie anschließend für 10 % des Wertes arisieren lassen. Am 1. März 1939 emigrierten sie in die Niederlande, wo sie in Hilversum bei ihrer Tochter Hildegard Haas wohnten, die zuvor mit ihrem Ehemann Richard Haas, dem Sohn des Malers und Architekten Hermann Haas, in die Niederlande geflohen war. Ihrer älteren Tochter Elisabeth Rosenfelder war zuvor die Flucht nach Großbritannien gelungen.<ref name="Traces of memory">Sandra Alfers, Cornelius Partsch: Traces of memory: the life and work of Else Dormitzer (1877–1958), S. 67, 95 (= The Holocaust : history and literature, ethics and philosophy). Academic Studies Press, Boston 2024, ISBN 979-88-8719473-8.</ref>

1942 wurden sie aus Hilversum vertrieben und in Amsterdam ghettoisiert und am 22. April 1943 mit dem ersten Transport aus Holland in das Ghetto Theresienstadt deportiert. Ihr Ehemann starb am 9. Dezember 1943 in der Lagerhaft in Theresienstadt. Else Dormitzer setzte ihre Familie auf einem Weg an der Zensur vorbei vom Tod ihres Mannes in Kenntnis: Am Todestag sandte sie eine offizielle Postkarte, die eigentlich dem Dank für ein Liebespaket dienen sollte, an ihren Schwiegersohn Richard Haas und unterzeichnete sie mit „Witwe Else Dormitzer“.<ref name="Traces of memory" />

Dormitzer wurde zu verschiedenen körperlichen Arbeiten herangezogen und engagierte sich im Kulturprogramm des Judenrats im Ghetto. Ab Oktober 1944 arbeitete sie in der Poststelle des Lagers. Nach der Übergabe an das Internationale Komitee vom Roten Kreuz und der Befreiung durch die Rote Armee wurden die Niederländer, einschließlich der ehedem aus Deutschland nach Holland emigrierten Deutschen, im Juni 1945 mit Autos aus Theresienstadt nach Bamberg und von dort in Viehwaggons in die Niederlande transportiert. Die Emigranten wurde im Quarantänelager Sittard interniert und im Juli 1945 entlassen.

Dormitzer übersiedelte nach England und teilte ihre Zeit fortan bis 1957, ein Jahr vor ihrem Tod, zwischen ihren Töchtern auf: Sie verbrachte jeweils sechs Monate im Jahr in Hilversum und die übrigen sechs im Haus der Rosenfelders in London.<ref name="Traces of memory" />

Sie erhielt 1951 die britische Staatsbürgerschaft. Sie berichtete nach Kriegsende in drei Folgen über Theresienstadt und hielt Rundfunkvorträge im BBC. Sie beschrieb unter anderem ihr Ansehen im Ghetto mittels persönlicher Beziehungen zu anderen Inhaftierten. Der Rabbiner Leo Baeck hatte sich beispielsweise persönlich um sie gekümmert und ihr Essen und Rosinenbrot geschickt. Die Historikerin Anna Hájková beschrieb in ihren Forschungen zum Ghetto Theresienstadt, die Bedeutung dieser Gesten; das Geben als auch das Annehmen von Essen diente als symbolisches Mittel des Ansehens.<ref>Anna Hájková: The Age of Pearl Barley. Food and Hunger In: The Last Ghetto An Everyday History of Theresienstadt. Oxford University Press Inc 2021, ISBN 978-0-19-005177-8. S. 121</ref> Ihre in der Haft geschriebenen Gedichte konnte sie 1945 in Hilversum veröffentlichen.

Ihre Manuskripte gingen bei der Flucht aus dem nationalsozialistischen Deutschland verloren, ihre Tagebuchaufzeichnungen wurden auf ihren eigenen Wunsch nach ihrem Tod vernichtet.

Gedenken[Bearbeiten]

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Stolperstein für Else Dormitzer in Nürnberg

Im Jahr 2015 erschien eine Biografie über Dormitzer, Weiter schreiben. Leben und Lyrik der Else Dormitzer, die im 2024 ins Englische unter dem Titel Traces of Memory übersetzt wurde.<ref name="Traces of memory" /><ref>Sandra Alfers: Weiter schreiben: Leben und Lyrik der Else Dormitzer. 1. Auflage. Hentrich & Hentrich, Berlin 2015, ISBN 978-3-95565-114-5.</ref>

Im Jahr 2024 wurden in Nürnberg in der Blumenstraße 9a auf Anregung ihrer Urenkelin Judith Haas zwei Stolpersteine für Else Dormitzer und ihren Ehemann verlegt.<ref>Ehepaar Dormitzer. Abgerufen am 9. Mai 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Der Bürgermeister von Nürnberg, Marcus König, hielt bei der Verlegung eine Rede.<ref>Speech König. Abgerufen am 9. Mai 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Werke (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Kulturträger der Gegenwart über die Feuerbestattung : Umfrage, veranstaltet im Auftr. d. Verbandes der Feuerbestattungs-Vereine deutscher Sprache. Nürnberg : Thümmel, 1910
  • Berühmte jüdische Frauen in Vergangenheit und Gegenwart. Berlin : Philo Verlag, 1925
  • Rings um die Erde geht der Ritt; Ihr lieben Kleinen kommet mit!. Bilder von Suska. Fürth in Bayern : G. Löwensohn, 1925
  • Gute Freunde vom Lande. Berlin-Grunewald : Pestalozzi Verlags-Anstalt, 1927
  • Gute Kameraden. Berlin-Grunewald : Pestalozzi Verlags-Anstalt, 1927
  • Hurra, Hurra, jetzt sind wir da !. Berlin-Grunewald : Pestalozzi Verlags-Anstalt, 1927
  • Kinderfreuden. Berlin-Grunewald : Pestalozzi Verlags-Anstalt, 1927
  • Komische Tiere. Berlin-Grunewald : Pestalozzi Verlags-Anstalt, 1927
  • Ländliche Freuden. Berlin-Grunewald : Pestalozzi Verlags-Anstalt, 1927
  • Lasst's Euch schmecken. Berlin-Grunewald : Pestalozzi Verlags-Anstalt, 1927
  • Lust'ges vom Lande. Berlin-Grunewald : Pestalozzi Verlags-Anstalt, 1927
  • Was spielen wir?. Berlin-Grunewald : Pestalozzi Verlags-Anstalt, 1927
  • Gute Freunde vom Lande. Berlin-Grunewald : Pestalozzi Verlags-Anstalt, 1927
  • Wilde und zahme Tiere. Berlin-Grunewald : Pestalozzi Verlags-Anstalt, 1927
  • Allerlei Zeitvertrieb. Berlin-Grunewald : Pestalozzi Verlags-Anstalt, 1927
  • Am Meeresstrand. Berlin-Grunewald : Pestalozzi Verlags-Anstalt, 1927
  • Ferien an der See. Berlin-Grunewald : Pestalozzi Verlags-Anstalt, 1927
  • Beitrag in: Für die Dämmerstunde. Fürth in Bayern : G. Löwensohn, 1928
  • Beitrag in: Das neue Frida Schanz Buch. Fürth in Bayern : G. Löwensohn, 1929
  • Theresienstädter Bilder. Hilversum : De Boekenvriend, 1945

Literatur[Bearbeiten]

  • Dormitzer, Else. In: Lexikon deutsch-jüdischer Autoren. Band 6: Dore–Fein. Hrsg. vom Archiv Bibliographia Judaica. Saur, München 1998, ISBN 3-598-22686-1, S. 4–7.
  • Wolfgang Benz: Station auf dem Weg zur Vernichtung. Unaufhaltbarer Niedergang: Das Honoratioren-Ehepaar Sigmund und Else Dormitzer. In: Wolfgang Benz: Theresienstadt : eine Geschichte von Täuschung und Vernichtung. München : Beck, 2013, S. 96–101
  • Sandra Alfers: weiter schreiben. Leben und Lyrik der Else Dormitzer. Berlin : Hentrich und Hentrich Verlag Berlin 2015, ISBN 978-3-95565-114-5 [hier nicht verwendet]
  • Dormitzer, Else, in: Joseph Walk (Hrsg.): Kurzbiographien zur Geschichte der Juden 1918–1945. München : Saur, 1988, ISBN 3-598-10477-4, S. 69

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

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