Faktencheck
Der Faktencheck (von {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)) ist ein journalistisches Konzept, das die Überprüfung von Aussagen einer oder mehrerer Personen anhand von recherchierbaren und objektiv nachprüfbaren Fakten (Tatsachen) beinhaltet. Dabei werden die mündlichen oder schriftlichen Aussagen den recherchierten Fakten gegenübergestellt. Auch in der wissenschaftlichen Analyse von politischen Prozessen werden Faktenchecks vorgenommen.<ref>David Christoph Lerch: Faktencheck: Länderspezifische Befunde in acht Wahlkämpfen. Wahlkampf in den Bundesländern. Springer Fachmedien Wiesbaden, 2014. 229-278.</ref><ref>Thomas Unnerstall: Faktencheck Energiewende: Konzept, Umsetzung, Kosten–Antworten auf die 10 wichtigsten Fragen. Springer-Verlag, 2016.</ref>
Der Begriff wird auch außerhalb des Journalismus verwendet, beispielsweise von Ermittlungsbehörden<ref>Stuttgarter Nachrichten, Stuttgart Germany: Tatort „Die Wahrheit“: Münchner Polizei macht auf Twitter den Faktencheck. Abgerufen am 2. April 2023.</ref>, oder von gesellschaftlichen Gruppen oder Parteien<ref>cducsu.de – Die CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag. Abgerufen am 2. April 2023.</ref> in deren eigenen Medien, wobei hier nicht zwingend die Nachvollziehbarkeit von Belegen gewährleistet ist.
Beispiele in deutschsprachigen Medien[Bearbeiten]
Mit der Zunahme der Politik-Talksendungen im deutschen Fernsehen hat auch die Bedeutung dieser Methode zugenommen. Die Sendung hart aber fair (ARD) war unter Moderator Frank Plasberg die erste deutschsprachige Talkshow, die nach jeder Sendung einen Faktencheck wichtiger Aussagen der Sendung im Netz anbot.<ref>DWDL de GmbH: "Für mich ist der Abgang wunderbar gelungen, für die Firma leider nicht". Abgerufen am 6. Dezember 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Im US-Wahlkampf 2016 nahmen deutsche Medien nach den Fernsehdebatten der Kandidaten auch Faktenchecks vor.<ref>Aziza Kasumov, Los Angeles: Faktencheck zur TV-Debatte: Trumps Märchenkiste und Clintons Halbwahrheiten. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 10. Oktober 2016, ISSN 0174-4909 (faz.net [abgerufen am 21. November 2016]).</ref><ref>Hakan Tanriverdi, Sebastian Gierke: Faktencheck: Wer im TV-Duell wann gelogen hat. In: Süddeutsche.de. 1. September 2016, ISSN 0174-4917 (sueddeutsche.de [abgerufen am 21. November 2016]).</ref>
Schließlich startete die ARD im April 2017 das „Anti-Fake-News-Portal“ Faktenfinder bei tagesschau.de. Um gefälschte Meldungen besser zu erkennen, will das Portal „ein Knotenpunkt im ARD-Netzwerk“ sein, „um solche Phänomene zu sammeln.“<ref>Mit „faktenfinder“ gegen gezielte Falschmeldungen: ARD startet Anti-Fake-News-Portal › Meedia. 3. April 2017, abgerufen am 9. April 2017.</ref> Einige ARD-Anstalten wie z. B. der Bayerische Rundfunk bieten inzwischen Faktenchecks im Rahmen ihrer regulären Berichterstattung an.
In der österreichischen ZiB2-Nachrichtensendung werden in Wahlkämpfen die Äußerungen der Spitzenkandidaten<ref>Der ZIB 2 Faktencheck – wir schauen allen auf die Finger - Nationalratswahl 2013 - news.ORF.at. Abgerufen am 2. April 2023.</ref> sowie in unregelmäßigen Abständen vielbeachtete oder umstrittene Interviewäußerungen (nicht nur aus der Politik) einem Faktencheck unterzogen. Dabei führen die Analysen von Journalisten zusammen mit den Untersuchungen von Experten, wie etwa Sozial- und Wirtschaftswissenschaftlern, zu einer Bewertung des Wahrheitsgehalts der ursprünglichen Aussage mit einer zusammenfassenden Tendenz (z. B. wahr, eher/überwiegend wahr/unwahr, falsch). Der Faktencheck des ORF wird häufig in Print- und Onlinemedien rezipiert und journalistisch aufgegriffen.<ref>Christian Böhmer: Lugner gegen Wolf: Wer hat recht? 30. März 2016, abgerufen am 2. April 2023.</ref><ref>ORF-Faktencheck: Häupl log. In: Zur Zeit. 10. Oktober 2015, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 10. Oktober 2015; abgerufen am 25. Juli 2023.</ref>
Auch beim Schweizer Radio und Fernsehen werden Faktenchecks zu umstrittenen Äußerungen in allen Medien (Fernsehen, Radio, Online) veröffentlicht. Der Tages-Anzeiger veröffentlicht Faktenchecks unter Berücksichtigung der Analysen verschiedener Medien, wobei aus jedem der rezipierten Medien ein Hauptaspekt beleuchtet wird. Zu jeder einzelnen Journalistenanalyse desselben Themas wird eine zusammenfassende Tendenz zum Wahrheitsgehalt veröffentlicht.<ref>Der Faktencheck zum Atomausstieg - Schweiz - tagesanzeiger.ch. 30. Oktober 2016, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 30. Oktober 2016; abgerufen am 2. April 2023.</ref>
Das Team des Faktenchecks von der Deutschen Presse-Agentur überprüft je nach Relevanz oder Emotionalisierung eines Themas Behauptungen aus den Ressorts Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Panorama und weiteren sowie Aussagen zu Großereignissen mit unklarer Quellenlage.<ref>Deutsche Presse-Agentur: dpa Faktencheck-Regeln. dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH, abgerufen am 26. August 2020.</ref> Das Team ist vom International Fakt-Checking Network (IFCN), das zur University of South Florida gehört, nach dessen Qualitäts- und Transparenzstandards zertifiziert.
Das gemeinnützige Recherchenetzwerk Correctiv hat eine eigenständige Faktencheck-Redaktion, die ebenfalls nach den Kriterien des IFCN zertifiziert ist. Die Redaktion wählt Themen nach Aktualität, Relevanz und dem potenziellen Schaden aus, den die Falschmeldung in der Gesellschaft anrichten kann.<ref>Faktencheck - Häufig gestellte Fragen. In: correctiv.org. 4. Oktober 2018, abgerufen am 2. Juni 2021 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Überprüft werden können alle Beiträge, die öffentlich verfügbar sind.
Das German-Austrian Digital Media Observatory (GADMO) ist eine seit November 2022 bestehende Vereinigung von Organisationen, die sich mit Faktenchecks befassen. Das Projekt steht unter der Leitung des Instituts für Journalistik an der TU Dortmund.<ref>Einsatz gegen Desinformation geht in die nächste Runde. tu-dortmund.de, 9. Oktober 2025, abgerufen am 13. Februar 2026.</ref>
Beispiele in US-Medien[Bearbeiten]
Die Washington Post entwickelte dagegen ein ausdifferenziertes „Rating“ und unterteilt den Wahrheitsgehalt von Aussagen in vier Klassen von „einige Dinge nicht richtig dargestellt“ bis zu „komplett falsch und gelogen“.<ref>NDR: Faktencheck bei der „Washington Post“. Abgerufen am 21. November 2016.</ref> Die „Pinocchio Ratings“ in dieser Zeitung sind einer der bekanntesten Faktenchecks für Politiker und wurden stark von Redakteur Glenn Kessler für die Zeitung entwickelt.<ref>Pinocchio ratings in the 2016 election reach an all-time high. Abgerufen am 2. April 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Im Wahlkampf zur US-Präsidentschaftswahl 2016 wurden Unwahrheiten mittels sozialer Medien verbreitet. Gefälschte Nachrichtenseiten wie im USA Newsflash führten dazu, dass sich Barack Obama zu dem Phänomen äußerte und u. a. Facebook-Geschäftsführer Mark Zuckerberg entgegen der firmenüblichen Zurückhaltung dazu Stellung nahm und Verbesserungen versprach. Laut einer Studie des Pew Research Center (PEW) lasen 44 Prozent aller US-Amerikaner die Nachrichten, die ihnen die persönliche Timeline von Facebook anzeigte.<ref>Benjamin Breitegger: US-Wahl: Wenn die Propaganda siegt. In: Zeit Online. 14. November 2016, abgerufen am 21. November 2016.</ref>
Der Journalistik-Professor Jeff Jarvis sieht den Faktencheck als eines der wichtigsten Instrumente gegen bewusste Falschmeldungen.<ref>BuzzMachine. Abgerufen am 2. April 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Nach der Präsidentschaftswahl 2016 führten viele Medien regelmäßige Faktenchecks ein, die die Aussagen der Administration Trump überprüften. Die US-Nachrichtenagentur Associated Press (AP) veröffentlicht seit Trumps Wahl unter der Überschrift Not Real News ('Keine echten Nachrichten', oft übersetzt als Der Blödsinn der Woche) regelmäßig eine Liste von Unwahrheiten der US-Regierung.
Der Soziologie-Professor Todd Gitlin hat darauf hingewiesen, dass Faktenchecks zwar notwendig seien, aber auch Folgen hätten. „Ein Reporter, der all den Müll und Blödsinn von Trump auf den Wahrheitsgehalt überprüft, ist ein Reporter weniger, der über die Vorgänge im Regierungsapparat berichten kann.“<ref>USA - Medien stemmen sich gegen Trumps Propaganda-Maschine. In: Deutschlandfunk. (deutschlandfunk.de [abgerufen am 12. Februar 2017]).</ref>
Aufdecken von Falschinformationen in sozialen Netzwerken[Bearbeiten]
Mit den sozialen Netzwerken und Suchmaschinen verbreiten sich Falschnachrichten und digitale Desinformation viral. Das gemeinnützige Recherchezentrum Correctiv überprüft irreführende Informationen in den sozialen Netzwerken. Wenn Meldungen im Internet eine große Reichweite erreichen, werden sie einem Faktencheck unterzogen und auf ihre Quellen geprüft und die Quellen der Überprüfung offengelegt.<ref>Wie arbeitet CORRECTIV.Faktencheck? CORRECTIV – Recherchen für die Gesellschaft gemeinnützige GmbH, abgerufen am 26. August 2020.</ref>
Falschmeldungen, die auf der Plattform Facebook verbreitet werden, überprüft Facebook nicht selbst.<ref>Facebooks Programm zur Faktenprüfung durch unabhängige Partner. Facebook, abgerufen am 26. August 2020.</ref> Facebook wählt Organisationen weltweit aus, die vom IFCN zertifiziert sind und Faktenchecks durchführen.<ref>Áine Kerr: Facebook Addresses Fake News Globally. Facebook Inc., 1. Mai 2017, abgerufen am 26. August 2020.</ref> Die Plattform schickt automatisch Hinweise auf mögliche Falschinformationen, die am meisten gemeldet werden. Faktenchecks werden mit Originalbeiträgen auf Facebook verlinkt. Wenn Faktenchecker erkennen, dass Inhalte komplett oder zum Teil falsch sind, wird auf Facebook ein entsprechender Hinweis direkt unter dem Link zu dem fraglichen Inhalt angezeigt.<ref>Bernd Oswald: Wie Faktenchecks auf Facebook und Twitter funktionieren Corona-Zeit ist Fake-News-Zeit. Deswegen haben Facebook und Twitter Corona-Falschnachrichten den. BR24 Bayerischer Rundfunk, 22. April 2020, abgerufen am 26. August 2020.</ref><ref>Till Eckert: CORRECTIV Faktencheck. Abgerufen am 26. August 2020.</ref>
Seit der COVID-19-Pandemie werden in den sozialen Medien und im Internet Desinformationen zahlreicher.<ref>Mehrheit der Bürger durch Zunahme von Fake News in Corona-Krise beunruhigt. Rheinische Post online, abgerufen am 17. Juli 2020.</ref> Das Bundesministerium für Bildung und Forschung überprüft Falschmeldungen auf der Webseite des Ministeriums.<ref>Faktencheck zum Coronavirus. Bundesministerium für Bildung und Forschung, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 13. August 2020; abgerufen am 26. August 2020.</ref>
Methodische Grenzen und Kritik[Bearbeiten]
Faktenchecks sind auch immer wieder Anlass für Kontroversen, besonders im Fall von polarisierenden Themen. Ein Beispiel bietet hier die Talksendung Maischberger, welche nach ihren Sendungen regelmäßig Faktenchecks anbietet.<ref>„Faktencheck“. 15. Januar 2020, abgerufen am 15. Januar 2020.</ref> Zur Diskussion anlässlich der Sendung Auserwählt und ausgegrenzt – Der Hass auf Juden in Europa wurde am Folgetag ein Faktencheck angeboten, der als „tendenziös“ kritisiert wurde, und dem vereinzelt vorgeworfen wurde, „die Thesen der Autoren zu relativieren“.<ref>«Auserwählt und Ausgegrenzt»: Kein Antisemitismus, nirgends! 23. Juni 2017, abgerufen am 2. April 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Im Juli 2018 übte die Stiftung Neue Verantwortung Kritik an der Methodik des Faktenchecks. Das Konzept gleiche einer „Feuerwehr ohne Wasser“. Kritisiert wird u. a., dass die oft emotionalisierenden Fake News eine wesentlich höhere Reichweite haben als seriöse Informationen der Faktenchecks. Sie behandelten „nur die Symptome von Desinformation, nicht jedoch die Gründe, wegen derer Desinformation überhaupt gestreut wird. Fake News den gesellschaftlichen Nährboden zu entziehen, sollte daher die höhere Priorität haben.“<ref>Alexander Sängerlaub: Feuerwehr ohne Wasser? (PDF; 241 kB) Möglichkeiten und Grenzen des Fact-Checkings als Mittel gegen Desinformation. Stiftung Neue Verantwortung, Juli 2018, abgerufen am 17. August 2018.</ref>
Joachim Steinhöfel kritisiert die einzigartige Stellung und die Autoritätsanmaßung, die Faktenchecker im Ökosystem des Informations- und Meinungsaustausches einnehmen. Sie sprechen finale Urteile über Wahr oder Unwahr, ohne jede Verantwortung, ohne Rechenschaftspflicht, ohne neutrale Kontrolle, ohne kodifizierte Widerspruchsmöglichkeit, ohne Ombudsmann und ohne Peer Review. Jeder Faktenchecker überwache nur sich selbst.<ref>Joachim Steinhöfel: Die Digitale Bevormundung. Wie Facebook, X (Twitter) und Google uns vorschreiben wollen, was wir denken, schreiben und sagen dürfen. München 2023, S. 167 f.</ref>
Der Amerikanist Michael Butter sieht als Funktion von Faktenchecks in erster Linie die Selbstbestätigung der etablierten Medien und ihres Publikums sowie das Othering von Desinformationen und Verschwörungstheorien. Häufig würden Fakten gecheckt, die von Verschwörungstheoretikern selbst kaum wahrgenommen würden, und so deren Sichtbarkeit vergrößert. Zwar würden auch Anhänger von Verschwörungstheorien Faktenchecks rezipieren, allerdings nur als weitere Belege dafür, dass die etablierten Medien von den von ihnen angenommenen geheimen Strippenziehern kontrolliert würden. Komme es zu Fehlern bei Faktenchecks, würden diese von Verschwörungstheoretikern als Beweis für die Richtigkeit ihrer Annahmen gewertet. Als Beispiel hierfür führt Butter die missglückte Widerlegung der Behauptungen Seymour Hershs zum Anschlag auf die Nord-Stream-Pipelines in der ARD an, wo aufgrund eines Übersetzungsfehlers von Sprengstoff in „Pflanzenform“ die Rede war.<ref>Michael Butter: Die Alarmierten. Was Verschwörungstheorien anrichten. Suhrkamp, Berlin 2025, ISBN 978-3-518-02992-3, S. 180 ff.</ref>
Literatur[Bearbeiten]
- Alexander Heimann: Die Beurteilung von Faktenchecks nach dem Äußerungsrecht (= Schriften zum Äußerungs- und Medienrecht. Nr. 6). Nomos, Baden-Baden 2026, ISBN 978-3-7489-5593-1, doi:10.5771/9783748955931 (inlibra.com [abgerufen am 6. Februar 2026] Dissertation, Universität Greifswald 2025).
Weblinks[Bearbeiten]
Einzelnachweise[Bearbeiten]
<references />