Formaler Garten
Ein formaler Garten ist ein klar gegliederter Garten, der geometrische Formen aufweist und meist symmetrisch angelegt ist. Er hat seinen Ursprung in von Mauern geschützten Gärten der Wüstengebiete Vorderasiens<ref name="waldeyer185" /> und spiegelt sich in den Persischen Gärten des Iran sowie den Klostergärten des späten Mittelalters wider. Er findet seine Fortsetzung in den renaissancezeitlichen italienischen Gärten und gipfelt in den französischen Gärten des Barocks. Durch seine Gestaltung vermittelt der Garten dem Betrachter den Eindruck von konzipierter Ordnung und Übersichtlichkeit.<ref name="simon2-121" /> In der Gartenkunst gilt er als Gegensatz zu dem der Natur nachempfundenen Landschaftsgarten, der im 18. Jahrhundert in Mode kam.
Merkmale[Bearbeiten]
Typisches Merkmal eines formalen Gartens ist die axiale, symmetrische Anordnung von Wegen und Beeten. Beide Elemente besitzen normalerweise Einfassungen, zum Beispiel durch niedrige Buchshecken oder Blumenbordüren.<ref name="simon2-132" /> Der Garten ist meist von „grünen Wänden“ wie bewachsenen Mauern, Zäunen oder Schnitthecken eingefasst. Der dadurch entstandene Gartenraum ist noch einmal durch Hecken, Spaliere und Rankgerüste (Treillagen) unterteilt. Die Flächen der so entstandenen einzelnen Gartenteile werden durch niedrige Elemente strukturiert, deren Klarheit und Gradlinigkeit zugleich eine gewisse Schlichtheit ausstrahlen. Die Gartenmitte ist oft durch ein Rondell, Oval oder Quadrat besonders betont.<ref name="simon1-22" />
Als Belag der Gehwege dienen Materialien wie Ziegel, Blaustein und Pflastersteine.<ref name="deavita" /> Alternativ können die Wege auch mit hellem Kies oder farbigem Glaskies ausgestreut sein.<ref name="wohnen" /> Ihre geraden Linien bilden Sichtachsen, an deren Enden oft Blickfänge wie Skulpturen, Zierbecken, Springbrunnen, Pflanzgefäße, Vasen oder Sitzgelegenheiten stehen.<ref name="simon2-132" />
Weitere Blickfänge können ornamentale Gestaltungselemente wie Schmuckbeete mit ineinander verschlungenen Mustern (sogenannte Knotenbeete) oder mit komplizierten geometrischen Pflanzenanordnungen sein. Solche formalen Gärten geben allerdings nicht nur ihre zurückhaltend schlichte Gestaltung zum Teil auf, sondern verlieren auch den Vorteil, in der Regel pflegeleicht zu sein. Die meisten Pflanzen eines formalen Gartens kommen mit nur einem Schnitt pro Jahr aus.<ref name="deavita" /> Dieser wird oft für den Formschnitt genutzt, das heißt, immergrüne Gehölze wie Buchsbaum, Eiben, Stechpalmen oder Kiefern werden in geometrische Formen wie Kugeln, Pyramiden, Kegel oder auch in Tier- und Fantasieformen gebracht. In größeren formalen Gärten gibt es häufig ein durch Formschnitt gestaltetes Heckenlabyrinth mit Torbögen, verborgenen Ruheplätzen und Sackgassen.
Für die Bepflanzung der Beete werden in der Regel niedrige Stauden und Blumen gewählt, die optisch zueinander passen. Wichtig ist bei der Auswahl nicht ihre Blüte, sondern die Form und die Farbwirkung ihres Laubes, weshalb oft Blattschmuckstauden dafür ausgewählt werden.<ref name="wohnen" /> Wenn Rasen in einem formalen Garten verwendet wird, dann nur in der Form von kurz geschnittenem Zierrasen.<ref name="simon2-132" />
- Beispiele
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Formaler Garten, Tryon Palace, North Carolina
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Die Sabatinigärten des Palacio Real in Madrid
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Moderner formaler Garten, Dallas
Literatur[Bearbeiten]
- Mark Laird, Hugh Palmer: The Formal Garden. Traditions of Art and Nature. Thames and Hudson, London 1992, ISBN 0-500-01542-2.
- Günter Mader, Laila Neubert-Mader: The English Formal Garden. Five Centuries of Design. Aurum, London 1997, ISBN 1-85410-473-X.
- Herta Simon: Gärten gestalten. Wie aus Gartenwünschen Wunschgärten werden. Gräfe und Unzer, München 2013, ISBN 978-3-8338-2108-0, S. 21–22 (Digitalisat).
- Herta Simon, Marion Nickig, Jürgen Becker: Das große GU Gartenbuch. Das Standardwerk für jeden Gartenliebhaber. Gräfe und Unzer, München 2016, ISBN 978-3-8338-5392-0, S. 132–133 (Digitalisat).
- Allen S. Weiss: Mirrors of Infinity. The French Formal Garden and 17th-Century Metaphysics. Princeton Architectural Press, New York 1995, ISBN 1-56898-050-7.
Weblinks[Bearbeiten]
Einzelnachweise[Bearbeiten]
<references> <ref name="waldeyer185"> Christina Waldeyer: Homo hortulanus. Die Sinnzuschreibungen in privaten Hausgartengestaltungen. Springer, Wiesbaden 2016, ISBN 978-3-658-13453-2, S. 185.</ref> <ref name="simon2-121">H. Simon et al.: Das große GU Gartenbuch. 2016, S. 121.</ref> <ref name="simon2-132">H. Simon et al.: Das große GU Gartenbuch. 2016, S. 132.</ref> <ref name="simon1-22">H. Simon: Gärten gestalten. 2013, S. 22.</ref> <ref name="deavita">deavita.com, Zugriff am 13. September 2016.</ref> <ref name="wohnen">Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Formaler Garten auf wohnen.de ( des Vorlage:IconExternal vom 16. September 2016 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis., Zugriff am 13. September 2016.</ref> </references>