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Frank Magnitz

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Frank Magnitz (2019)

Frank Rüdiger Heinrich Magnitz (* 29. Juni 1952 in Neuenkirchen, Landkreis Grafschaft Diepholz) ist ein deutscher Politiker (AfD). Er war von 2015 bis September 2019 Sprecher des Landesverbandes der AfD Bremen und von 2019 bis 2023 Mitglied der Bremischen Bürgerschaft. Er war Spitzenkandidat der AfD Bremen zur Bürgerschaftswahl am 26. Mai 2019. Von September 2017 bis Oktober 2021 war er Mitglied des Bundestages.

Magnitz wird der rechtsextremistischen und völkisch-nationalistischen AfD-Strömung Der Flügel zugerechnet, welche vom Verfassungsschutz überwacht wird.<ref name="zeit-201901">Sasan Abdi-Herrle: „Die Stimmung hatte sich aufgeheizt“. In: zeit.de. 8. Januar 2019, abgerufen am 26. Januar 2019.</ref><ref>Folkert Lenz: Portrait: Wer ist Frank Magnitz? In: buten un binnen. 8. Januar 2019, abgerufen am 26. Januar 2019.</ref><ref>Hinterhalt im Theaterhof: Anschlag auf AfD-Politiker. In: rtl.de. 9. Januar 2019, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 16. Januar 2019; abgerufen am 26. Januar 2019.</ref><ref name="taz5563270">Jean-Philipp Baeck: „Mediale Betroffenheit“ erzeugen. In: Die Tageszeitung. 15. Januar 2019, abgerufen am 26. Januar 2019.</ref>

Leben[Bearbeiten]

Magnitz schloss seine schulische Ausbildung 1968 mit der mittleren Reife ab und absolvierte danach eine Ausbildung zum Bankkaufmann.<ref name="Vita">Frank Magnitz. Sprecher des Landesvorstandes. Vita. In: alternativefuer-bremen.de. Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 29. Oktober 2015; abgerufen am 4. Oktober 2015 (Lebenslauf auf der damaligen Website der AfD Bremen).</ref> Anschließend studierte er auf dem zweiten Bildungsweg Pädagogik.<ref name="Vita" /> Während seines Pädagogikstudiums war Magnitz Anfang der 1970er Jahre einige Monate lang Mitglied der DKP.<ref name="weser-ku-651490">Frank Hethey: Magnitz profitiert von Ausgleichsmandat. Bremer AfD-Mann schafft es in den Bundestag. In: weser-kurier.de. 25. September 2017, abgerufen am 9. Januar 2019.</ref> Ab 1976 war er im öffentlichen Dienst bei der Sozialbehörde des Landes Bremen tätig. Danach studierte er Jura, brach das Studium aber ab.<ref name="weser-ku-645275">Jürgen Theiner: AfD-Kandidat Frank Magnitz im Porträt. Gegen Merkel und Mohammed. In: weser-kurier.de. 8. September 2017, abgerufen am 9. Januar 2019.</ref> Ende der 1970er Jahre gründete Magnitz in Bremen eine Firma für Bauelemente, die er 1988 nach Bremerhaven verlagerte und 1999 verkaufte. Später war er als Berater in der Baustoffindustrie und im Immobilienbereich tätig.<ref name="Vita" />

Magnitz lebt in Bremen-Nord.<ref name="Vita" /> Er ist verheiratet und Vater von sechs Kindern;<ref name="weser-ku-645275" /> seine Ehefrau hat eine türkische Familienbiographie.<ref>FOCUS Online: Er war früher bei linker Partei: Das weiß man über den attackierten AfD-Mann. Abgerufen am 12. Januar 2019.</ref> Tochter Ann-Katrin Magnitz wurde im August 2018 per Kooptierung in den Landesvorstand der AfD Bremen berufen.<ref>Weser Kurier.de: TV-Reporter im AfD-Vorstand; eingesehen am 22. Januar 2019</ref> Vorher war sie in Hochschulgruppen der Jungen Alternative (JA) aktiv.<ref>taz.de>: Renitente Jungalternative in Bremen. Die Reihen fast geschlossen; eingesehen am 22. Januar 2019</ref> Die AfD Bremen teilte Anfang 2019 mit, Ann-Katrin Magnitz stehe auf Platz 5 der Kandidatenliste für die Bremer Bürgerschaftswahl 2019.<ref>AfD Bremen: Pressemitteilung; eingesehen am 22. Januar 2019</ref>

Politik[Bearbeiten]

Magnitz trat im Mai 2013 der neugegründeten AfD bei.<ref name="Vita" /> Bei den Bremer Kommunalwahlen 2015 wurde er in Burglesum in den Beirat gewählt.<ref>Jürgen Theiner: Ergebnisse der Kommunalwahlen in Bremen-Nord liegen vor. Beiräte ohne klare Mehrheiten. In: weser-kurier.de. 15. Mai 2015, abgerufen am 4. Oktober 2015.</ref> Auf dem Landesparteitag der AfD Bremen wurde Magnitz im Juni 2015 zum Sprecher des Bremer Landesverbandes gewählt.<ref name="afd-8/15">Presseerklärung 8/15. (PDF; 34 kB) In: afd-bremerhaven.de. 7. Juni 2015, abgerufen am 9. Januar 2019.</ref> Nach der Wahl zum 19. Bundestag zog er im September 2017 per Ausgleichsmandat für die AfD in den Bundestag ein.<ref name="weser-ku-651490" /> Im 19. Deutschen Bundestag war Magnitz ordentliches Mitglied im Ausschuss für Bau, Wohnen, Stadtentwicklung und Kommunen, sowie im Ausschuss für Verkehr und digitale Infrastruktur. Er gehörte zudem als stellvertretendes Mitglied dem Ausschuss für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit an.<ref>Deutscher Bundestag - Abgeordnete. Abgerufen am 17. September 2020.</ref>

Am 25. Oktober 2018 fand eine von Magnitz organisierte Veranstaltung im Haus der Bürgerschaft in Bremen statt, bei der unter anderem der kulturpolitische Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion Marc Jongen und die Politikwissenschaftler Benedikt Kaiser (vom neurechten Institut für Staatspolitik, das u. a. die Zeitschrift Sezession herausgibt) und Werner J. Patzelt auftraten.<ref name="weser-ku-777926">Jürgen Theiner: Diskussion über Populismus. AfD-Veranstaltung in der Bürgerschaft. In: weser-kurier.de. 22. Oktober 2018, abgerufen am 9. Januar 2019.</ref><ref name="weser-ku-778769">Lisa-Maria Röhling: Podiumsdiskussion der Bundestagsfraktion. Proteste begleiten AfD-Veranstaltung in der Bürgerschaft. In: weser-kurier.de. 25. Oktober 2018, abgerufen am 9. Januar 2019.</ref> Die von Protesten begleitete Veranstaltung erregte erhebliche Kritik in der regionalen Politik und Öffentlichkeit;<ref name="weser-ku-777926" /><ref name="weser-ku-778769" /><ref name="taz-5543343">Gareth Joswig: AfD-Podium in der Bremer Bürgerschaft. Rechte Türpolitik. In: taz.de. 26. Oktober 2018, abgerufen am 9. Januar 2019.</ref> danach wurden die Nutzungsbedingungen für das Haus der Bürgerschaft verschärft.<ref name="weser-ku-780025">Alice Echtermann: Massive Kritik an Einlasskontrolle. Wegen Ärger um AfD-Veranstaltung: Bürgerschaft ändert Richtlinien. In: weser-kurier.de. 30. Oktober 2018, abgerufen am 9. Januar 2019.</ref>

Magnitz gilt als Unterstützer von Björn Höcke, mit dem er mehrmals (unter anderem im Jahr 2016) gemeinsam auftrat.<ref name="zeit-201901" /><ref name="weser-ku-645275" /> Er wird der völkisch-nationalistischen AfD-Strömung Der Flügel um Höcke zugerechnet,<ref name="zeit-201901" /> die im Januar 2019 vom Bundesamt für Verfassungsschutz als Verdachtsfall für rechtsextremistische Bestrebungen eingestuft wurde.<ref name="tagesspiegel-23867460">Frank Jansen: Verfassungsschutz stuft AfD als „Prüffall“ ein. In: tagesspiegel.de. 16. Januar 2019, abgerufen am 27. Januar 2019.</ref> Zudem sollen Verbindungen von Magnitz zur Identitären Bewegung bestehen, da er im Jahr 2017 gemeinsam mit Aktivisten der Identitären eine Demonstration gegen Angela Merkel veranstaltete.<ref name="weser-ku-637171">Jan Oppel: AfD demonstriert mit Aktivisten der Identitären Bewegung. In: weser-kurier.de. 17. August 2017, abgerufen am 9. Januar 2019.</ref><ref name="Speit-112">Jean-Philipp Baeck: Unter einer Decke. Die Liebesaffäre von Identitären und AfD. In: Andreas Speit (Hrsg.): Das Netzwerk der Identitären: Ideologie und Aktionen der Neuen Rechten. Ch. Links Verlag, Berlin 2018, ISBN 978-3-96289-008-7, S. 112 ff.</ref> Magnitz hat die Aktionen der seit 2016 unter Beobachtung des Verfassungsschutzes stehenden Identitären in einem Interview als „witzig, intelligent und harmlos“ bezeichnet.<ref name="Speit-113">Jean-Philipp Baeck: Unter einer Decke. Die Liebesaffäre von Identitären und AfD. In: Andreas Speit (Hrsg.): Das Netzwerk der Identitären: Ideologie und Aktionen der Neuen Rechten. Ch. Links Verlag, Berlin 2018, ISBN 978-3-96289-008-7, S. 113.</ref> In seinem im Juni 2018 in Bremen-Walle eröffneten Abgeordnetenbüro beschäftigt Magnitz zwei Teilzeit-Mitarbeiter, von denen einer Mitglied der Identitären Bewegung, der andere der Landesvorsitzende der vom Bremer Verfassungsschutz beobachteten Bremer Jungen Alternative ist.<ref>Andreas Speit: Das rechtsextreme Regionalbüro. In: die tageszeitung. 26. April 2018.
Jan Oppel: Bremer AfD-Chef soll Identitären beschäftigen. In: buten un binnen. 25. April 2018.
Anne Gerling: Widerstand gegen AfD-Büro in Walle wächst. In: Weser-Kurier. 24. Juni 2018.</ref>

Auf der Mitgliederversammlung der AfD Bremen am 20. Januar 2019 setzte sich Magnitz bei der Abstimmung über den ersten Platz der Landesliste für die Bürgerschaftswahl in Bremen 2019 gegen den Journalisten Hinrich Lührssen durch, der seine Kandidatur erst kurz vorher angekündigt hatte.<ref name="weser-ku-799443">Lisa Boekhoff: Journalist Hinrich Lührssen will AfD-Spitzenkandidat werden. In: weser-kurier.de. 17. Januar 2019, abgerufen am 28. Januar 2019.</ref><ref name="weser-ku-800117">Lisa-Maria Röhling: Bremer AfD kürt Magnitz zum Spitzenkandidaten. In: weser-kurier.de. 20. Januar 2019, abgerufen am 28. Januar 2019.</ref><ref name="nwzonlin-290739">Jörg Esser: AfD-Chef Magnitz ist Spitzenkandidat. In: nwzonline.de. 21. Januar 2019, abgerufen am 28. Januar 2019.</ref> Die Gegenkandidatur von Magnitz kam überraschend; noch wenige Wochen zuvor hatte er gegenüber dem Bremer Weser-Kurier bestritten, dass er die Spitzenkandidatur für die Bürgerschaftswahl anstrebe.<ref name="weser-ku-800117" /><ref name="weser-ku-800523">Jürgen Theiner: Frank Magnitz: ungeeignet für jedes Amt. In: weser-kurier.de. 23. Januar 2019, abgerufen am 27. Januar 2019.</ref> Lührssen, der inzwischen den Bremer AfD-Vorstand verlassen hat,<ref>Weser-Kurier.de: TV-Journalist verlässt den AfD-Vorstand; eingesehen am 22. Januar 2019</ref> kommentierte die Wahlversammlung, die als „Bürgertreff“ getarnt war und unter Ausschluss der Presse stattfand, mit den Worten: „Ein demokratischer Neuanfang der AfD Bremen ist heute gescheitert.“<ref>Lisa-Maria Röhling: Bremer AfD kürt Magnitz zum Spitzenkandidaten, www.weser-kurier.de 20. Januar 2019</ref> Jürgen Theiner, Journalist beim Weser-Kurier, schrieb zu den Vorgängen auf dem Wahlparteitag: „Der einstige Kommunist und heutige Rechtspopulist Frank Magnitz hat den Landesverband der Alternative für Deutschland in eine Mischung aus Kaderpartei und Familienbetrieb verwandelt.“.<ref name="weser-ku-800523" />

Anfang September 2019 verließ Magnitz mit zwei Parteikollegen die AfD-Fraktion in der Bremische Bürgerschaft.<ref>AfD-Fraktion in Bremen löst sich auf. Abgerufen am 2. September 2019.</ref> Hintergrund war eine Auseinandersetzung mit dem bisherigen AfD-Fraktionschef Thomas Jürgewitz.<ref>Zeit.de: Frank Magnitz. Bremer AfD-Fraktion ist zerbrochen; eingesehen am 3. September 2019</ref> Mit dem Austritt von Magnitz und seinen beiden Kollegen wurde die AfD-Fraktion in der Bremer Bürgerschaft aufgelöst. Magnitz wurde Vorsitzender der Gruppe „Magnitz, Runge, Felgenträger“.

Mitte September 2019 legte er den Vorsitz der AfD Bremen nieder und erklärte, auf dem anstehenden Landesparteitag nicht erneut für ein Parteiamt kandidieren zu wollen. Die Veranstaltung sei „zutiefst undemokratisch zustande gekommen“ und „die pauschale Ablehnung von Neumitgliedern, nur weil man glaubt, es könnten sich dadurch Mehrheitsverhältnisse ändern“, sei „ein Skandal erster Güte“.<ref>FAZ.net 15. September 2019 / dpa: Frank Magnitz legt Parteivorsitz nieder.</ref>

Zur Bürgerschaftswahl in Bremen 2023 wurde die AfD wegen der Einreichung zweier konkurrierender Listen nicht zugelassen, weswegen Magnitz kein Mandat mehr erhielt und aus der Bürgerschaft ausschied.

Ermittlungen wegen Verdachts der Veruntreuung von Parteigeldern[Bearbeiten]

Am 11. Januar 2019 wurde bekannt, dass gegen Magnitz wegen des Verdachts der Veruntreuung von Parteigeldern ermittelt wird. Magnitz soll Parteigelder für private Zwecke verwendet haben. Im Dezember 2018 sei deswegen seine Immunität aufgehoben worden. Magnitz hat die Vorwürfe bestritten und vermutet, parteiinterne Gegner seien die Anzeigeerstatter.<ref>Magnitz bestätigt Ermittlungen wegen Verdachts auf Veruntreuung von Parteigeldern, auf nzz.ch</ref><ref>Bremer AfD-Chef: Ermittlungen gegen Frank Magnitz wegen Verdacht der Untreue. Abgerufen am 12. Januar 2019.</ref><ref>Ermittlungen gegen Bremer AfD-Chef Magnitz. Die Welt vom 12. Januar 2019</ref>

Tätlicher Angriff auf Magnitz[Bearbeiten]

Ermittlungen[Bearbeiten]

Nachdem Frank Magnitz am 7. Januar 2019 eine Veranstaltung der Zeitung Weser-Kurier in der Bremer Kunsthalle besucht hatte, ging er am späten Nachmittag zu seinem Pkw, den er in dem am Osterdeich gelegenen Parkhaus Ostertor/Kulturmeile geparkt hatte.<ref name=":1">Erste Ermittlungsergebnisse nach Angriff auf Frank Magnitz. Weser-Kurier, 7. Januar 2019, abgerufen am 8. Januar 2019.</ref> In der Nähe des Theaters am Goetheplatz blieb Magnitz kurz bei einer Gedenkveranstaltung für den durch zwangsweisen Einsatz von Brechmitteln im Polizeigewahrsam gestorbenen Asylbewerber Laya-Alama Condé stehen. Er wählte dann einen abkürzenden Weg über den (öffentlich zugänglichen) Theaterhof, wo sich ihm gegen 17:20 Uhr<ref name=":2">Angriff auf Bundestagsabgeordneten und Landesvorsitzenden der AfD Bremen. Polizei Bremen, 7. Januar 2019, abgerufen am 8. Januar 2019.</ref> von hinten<ref name=":3">Gemeinsame PM der Staatsanwaltschaft und der Polizei Bremen: Erste Ermittlungsergebnisse. Polizei Bremen, 8. Januar 2019, abgerufen am 8. Januar 2019.</ref> drei dunkel gekleidete Personen mit Kapuzen oder Mützen näherten.<ref>„Kamera 7 zeigt den Tathergang“. taz, 8. Januar 2019, abgerufen am 8. Januar 2019.</ref> Er bezeichnete später beides als „Fehler“.<ref name=":1" />

Aus dieser Dreier-Gruppe sprang eine Person Magnitz aus vollem Lauf von hinten mit dem Ellenbogen voraus in den Nacken oder an den Hinterkopf, wodurch dieser zu Boden fiel und „eine stark blutende Kopfverletzung“<ref name=":1" /> erlitt.<ref>Kein Kantholz, keine Tritte – ein Schlag und ein Sturz. Welt Online, 9. Januar 2019, abgerufen am 9. Januar 2019.</ref> Die mutmaßlichen Täter flüchteten. Zwei Handwerker, die in der Nähe ihren Wagen beluden, fanden Magnitz und alarmierten den Rettungsdienst, der Magnitz in ein Krankenhaus brachte und die Polizei informierte.<ref name=":4">Polizei bildet Sonderkommission. Polizei Bremen, 7. Januar 2019, abgerufen am 8. Januar 2019.</ref> Die Polizei leitete Ermittlungen wegen gefährlicher Körperverletzung ein<ref name=":3" /> und bildete zur Aufklärung der Tat eine Sonderkommission.<ref name=":4" /> Wegen der Funktion von Magnitz vermuteten die Behörden eine politische Motivation, weshalb der polizeiliche Staatsschutz die Ermittlungen übernommen hat.<ref name=":2" />

Am 11. Januar 2019 gab die Polizei Bremen ein Fahndungsvideo zur Veröffentlichung frei. Zahlreiche Medien verbreiteten es auf ihren Websites.<ref>Polizei sucht Zeugen: Video zeigt Angriff auf AfD-Politiker Magnitz. t-online.de, 11. Januar 2019, abgerufen am 11. Januar 2019.</ref> Die Staatsanwaltschaft setzte für Hinweise, die zu Ergreifung und Verurteilung der Täter führen, eine Belohnung von 3000 Euro aus. Innerhalb eines Monats gingen über 200 Hinweise ein.<ref>Ermittlern liegen zahlreiche Hinweise im Fall Frank Magnitz vor, Zeit online, 11. Februar 2019.</ref>

Im August 2019 stellte die Bremer Staatsanwaltschaft die Ermittlungen ein, da kein Tatverdächtiger gefunden worden sei. Das Bundeskriminalamt ordnete den Überfall in einer Publikation als Fallbeispiel der gewaltbereiten linken Szene zu; die zuständigen Behörden hätten den Überfall als „politisch links motivierte Straftat“ gemeldet. Die Bremer Polizei betonte dagegen, sie habe in alle Richtungen ermittelt.<ref>Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Überfall auf AfD-Politiker Magnitz: Ermittlungen eingestellt (Memento vom 12. August 2019 im Internet Archive), Focus online, 12. August 2019.</ref>

Kontroverse um Darstellung der Bremer AfD[Bearbeiten]

Die AfD Bremen schrieb in einer Pressemitteilung, Magnitz sei von drei vermummten Tätern angegriffen worden, die ihn mit einem „Kantholz“ bewusstlos geschlagen hätten. Danach sei Magnitz auf dem Boden liegend mit Tritten gegen den Kopf weiter angegriffen worden, bis Bauarbeiter eingriffen.<ref name=":0">Attentat auf Frank Magnitz, MdB Pressemitteilung vom 07.01.2019. AfD Bremen, 7. Januar 2019, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 9. Januar 2019; abgerufen am 8. Januar 2019.</ref> Die Pressemitteilung war von seiner Tochter Ann-Katrin Magnitz, seit August 2018 Mitglied des Bremer AfD-Landesvorstands, nach seinen Angaben erstellt worden. Magnitz hatte selbst noch am Tatabend entschieden, diese mit einem auf seine Bitte von einem Pfleger im Krankenhaus erstellten Foto zu verbreiten, das ihn blutverschmiert, mit einer klaffenden Kopfverletzung und zugeschwollenem Auge zeigte. In einem internen AfD-Schreiben bekannte Magnitz später, er habe so „mediale Betroffenheit“ erzeugen wollen. Magnitz schrieb, die Berichterstattung habe „den Weg um den gesamten Erdball innerhalb von 24 Stunden genommen“, während sonst AfD-Pressemitteilungen „zu nahezu 100 Prozent nicht veröffentlicht“ würden. Hier sei für die AfD mal „etwas gut gewesen“; das Thema dürfte „für Sympathien gesorgt haben“.<ref name="taz5563270" /><ref>Frank Magnitz wollte mit Foto „mediale Betroffenheit“ erzeugen. In: Zeit Online. 15. Januar 2019.
„Wir haben die gesamte Nation aufgerüttelt“. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 15. Januar 2019.</ref> Die Bremer Staatsanwaltschaft ermittelte anfangs wegen eines versuchten Tötungsdeliktes.<ref name="Spon" />

Magnitz sagte, einer der Handwerker habe ihn auf das Kantholz und die Tritte aufmerksam gemacht. Nach Polizeiangaben sagten die beiden Handwerker hingegen aus, die Tat nicht gesehen zu haben. Sie seien etwa 10 bis 15 Sekunden nach der Tat bei dem am Boden liegenden Magnitz gewesen.<ref>Ungebremster Sturz. In: Spiegel Online. 9. Januar 2019</ref> Einer der Handwerker, der Deutsch-Libanese Mohammed Houri, sagte aus, er habe auf Magnitz’ Wunsch ein Foto der Verletzung angefertigt.<ref>Überfall auf AfD-Politiker: Jetzt spricht der Handwerker aus Papenburg, auf noz.de</ref> Der Handwerker bestritt, dass er Magnitz auf das Kantholz hingewiesen habe. Er habe bei seinem Eintreffen keine Waffe gesehen, den Überfall nicht beobachtet und sei nur durch Magnitz’ Schreie auf ihn aufmerksam geworden, nachdem die Täter bereits geflohen waren. Dabei gehe er davon aus, „dass wir dem Opfer das Leben gerettet haben“.<ref>Bremer AfD-Vorsitzender Zeuge widerspricht Magnitz, Der Tagesspiegel, 21. Januar 2018</ref> Magnitz bedankte sich später mit zwei Flaschen Wein.<ref>AfD-Politiker Magnitz bedankt sich bei Helfern mit Wein, rtl.de, 24. Januar 2019</ref>

Auf gesichteten Überwachungsvideos ist weder ein Einsatz eines Schlagwerkzeuges zu sehen<ref name=":3" /> noch Tritte gegen den Kopf des Opfers, weshalb diese Version von den Ermittlern ausgeschlossen wird. Die Handwerker haben Magnitz erst nach der Tat gefunden und die Tat nicht, wie von der AfD dargestellt, unterbrochen. „Die Tat passierte blitzschnell“, so die Staatsanwaltschaft. Deswegen werde wegen gefährlicher Körperverletzung ermittelt.<ref name="Spon" /><ref>Polizei widerspricht AfD-Version vom Angriff in Bremen. T-Online, abgerufen am 8. Januar 2019.</ref><ref name=":4" /> Nach Bekanntwerden der Ermittlungsergebnisse äußerte Thomas Jürgewitz, stellvertretender Landesvorsitzender der Bremer AfD: „Dass kein Kantholz zu sehen war, heißt für uns nicht automatisch, dass es nicht da war. Wir gehen weiterhin davon aus, dass Herr Magnitz mit einem Gegenstand niedergeschlagen wurde.“<ref>Videoaufnahmen widersprechen AfD-Schilderung - Magnitz äußert sich, auf weser-kurier.de</ref>

Folgen und Reaktionen[Bearbeiten]

Magnitz selbst schilderte seine Erinnerungen an die Tat einen Tag nach den Ereignissen vom Krankenbett aus, empfing Kamerateams und einzelne Reporter.<ref name="Spon">Hinterrücks angegriffen, auf spiegel.de</ref> Er habe an die Tat selbst keine Erinnerungen und könne die Täter nicht beschreiben.<ref>Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Frank Magnitz: "Solche Gewalt gegen Menschen ist ein absolutes Unding" (Memento vom 9. Januar 2019 im Internet Archive), auf rtl.de</ref> Magnitz erklärte, es sei zwar wenig wahrscheinlich, aber bei der Tat könne es sich auch um einen Raubüberfall gehandelt haben.<ref>„Es kann auch ein Raubüberfall gewesen sein“. Die Welt vom 9. Januar 2019</ref> Neben einer Gehirnerschütterung erlitt Magnitz Wunden und Prellungen.<ref name="Spon" /> Bleibende Schäden sind laut den behandelnden Ärzten nicht zu befürchten.<ref>Parteiübergreifende Empörung nach Attacke auf Bremer AfD-Landeschef Magnitz, auf welt.de</ref> Zwei Tage nach der Tat verließ Magnitz das Krankenhaus.<ref>Nach „Mordanschlag“: AfD-Mann Magnitz verlässt Krankenhaus auf eigene Verantwortung, auf merkur.de</ref>

Unmittelbar nach dem Angriff, vor Aufklärung der Tat, äußerten sich zahlreiche Vertreter politischer Parteien. Die Bundesregierung und Politiker aller relevanten Parteien verurteilten die Tat. Bundespräsident Steinmeier bezeichnete sie als „einen Angriff auf den Rechtsstaat“.<ref>Steinmeier schreibt an AfD-Politiker – „Angriff auf Rechtsstaat“, auf welt.de</ref> Außenminister Heiko Maas (SPD) forderte eine konsequente Bestrafung der Täter: „Gewalt darf niemals ein Mittel der politischen Auseinandersetzung sein – völlig egal, gegen wen oder was die Motive dafür sind.“ Cem Özdemir (Bündnis 90/Die Grünen) twitterte: „Auch gegenüber der AfD gibt es keinerlei Rechtfertigung für Gewalt. Wer Hass mit Hass bekämpft, lässt am Ende immer den Hass gewinnen. #nazisraus aber mit den Methoden unseres Rechtsstaates!“<ref>Cem Özdemir: Ich hoffe der oder die Täter werden bald ermittelt & verurteilt. Twitter, 7. Januar 2019;.</ref>

Der AfD-Vorsitzende Alexander Gauland warf den anderen Parteien eine Mitverantwortung vor, weil diese die AfD ausgrenzen und damit für „vogelfrei“ erklären würden. Insbesondere bezeichnete er Özdemirs Reaktion als „Unverschämtheit“, dieser bereite damit einen Anlass für den nächsten Anschlag.<ref>Gauland kritisiert Özdemir scharf. ZDF, 8. Januar 2019, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 19. Juni 2019;.</ref> Dagegen sprach er Dietmar Bartsch (Die Linke) seine Anerkennung aus, der die Tat ein durch nichts zu rechtfertigendes Verbrechen genannt hatte.<ref name="Jesse">Extremismusforscher warnt vor „Gewalt von links“, WeltN24, 9. Januar 2019.</ref>

Weblinks[Bearbeiten]

Commons: Frank Magnitz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

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