Friedrich Sacher
Friedrich Sacher, Pseudonym Fritz Silvanus (* 10. September 1899 in Wieselburg, Niederösterreich; † 22. November 1982 in Wien) war ein österreichischer Lyriker, Erzähler und Essayist.
Leben[Bearbeiten]
Sacher besuchte das Stiftsgymnasium Melk und studierte anschließend an der Universität Wien Germanistik. Der Titel seiner Dissertation lautete Der gegenwärtige Stand der Frage des Sprachlehrunterrichts in den niederen Schulen, das Doktorat erlangte er 1924. Friedrich Sacher war ab 1919 als Lehrer an der Bürgerschule in Klosterneuburg tätig, ab 1934 war er freier Schriftsteller. Er wohnte seit 1934 bis zu seinem Tode in der Ruckergasse 20 in Wien-Meidling. Sacher war seit 1941 mit Marie Christine Bentivoglio verheiratet.
Bereits im Juli 1926, kurz nach deren Gründung, wurde Sacher Mitglied der NSDAP. Ebenfalls trat er der bis 1934 bestehenden deutschnational und völkisch ausgerichteten ‚Großdeutschen Partei‘ bei.<ref>Vgl. Bundesarchiv, BArch R 9361-V/33083.</ref> Schon in den 1930er-Jahren galt Sacher dem einschlägig einflussreichen Germanisten Franz Koch als wichtiger Vertreter und Vermittler einer ‚neuen‘, völkisch-national eingestellten Dichtung.<ref>Vgl. Koch, Franz: Gegenwartsdichtung in Österreich. Berlin: Junker und Dünnhaupt 1935, S. 35. </ref> 1938 beantragte Sacher abermals die Aufnahme in die NSDAP (es wurde vermutet, er habe seine Mitgliederkarte von 1926 nie erhalten) und wurde am 1. April 1940 neuerlich aufgenommen.<ref>Vgl. Bundesarchiv, BArch R 9361-II/866900.</ref> Die politischen Führungszeugnisse bezeichneten ihn als äußerst zuverlässig und engagiert. Ab Juni 1939 war er Blockwalter in der NS-Volkswohlfahrt, er war Mitglied beim NS-Lehrerbund, der Deutschen Arbeitsfront und dem Reichsluftschutzbund.<ref>NSDAP Gauleitung Wien Personalamt an NSDAP Gauleitung Personalamt bzw. Kreisleitung Ortsgruppe Meidling. Universitätsarchiv Graz, Forschungsstelle Österreichische Literatur im Nationalsozialismus, Dossier Friedrich Sacher.</ref> Nach dem ‚Anschluss‘ hielt Sachers hohe Publikationsfrequenz an – zwischen 1938 und 1944 erschienen zehn Bände mit Prosa, Lyrik sowie eine Komödie. Auch in Zeitungen publizierte Sacher nach 1938 ohne Unterbrechung weiter, auffällig dabei insbesondere die gleich auf den ‚Anschluss‘ folgenden hochgestimmten Aufbruchs- und Erneuerungsgedichte.
Zwischen 1938 und 1945 war Sacher in zahlreichen Anthologien vertreten.<ref>Vgl. Baur, Uwe/Gradwohl-Schlacher, Karin: Literatur in Österreich 1938–1945. Zensur und Förderung – Literarische Vereine – Anthologien. Bd. 5: Literarisches System in Österreich 1933/1938–1945. Wien etc.: Böhlau 2021, S. 283 f. </ref> Sowohl in den wichtigen ‚Anschluss-Anthologien‘ als auch den repräsentativen NS-Sammlungen war er präsent. Im Bekenntnisbuch dichtete er über den ‚Anschluss‘ als das „Binden eines Straußes“ und rief auf: „Nun mach dich bereit zum Dienst“.<ref>Sacher, Friedrich: Am Ziel. In: Bund deutscher Schriftsteller Österreichs (Hg.): Bekenntnisbuch österreichischer Dichter. Wien: Krystall-Verlag 1938, S. 91.</ref> Auch in Gesänge der Ostmark (1938), Stimmen der Ostmark (1938), Ostmark-Lyrik (1939), Die Landschaft der deutschen Ostmark im lyrischen Gedicht (1939), Heimkehr ins Reich (1939), Die Ernte der Gegenwart (1940) und weiteren waren seine Beiträge zu lesen. So etwa in einer der wenigen Niederdonau-spezifischen Anthologien Das Waldviertel im Gedicht (1942) in der Reihe Niederdonau, Ahnengau des Führers.
1942 wurde Sacher als Sanitäter zur Wehrmacht eingezogen, die Publikationstätigkeit reduzierte sich 1943 und hörte (ausgenommen Die Wende als Feldpostausgabe) 1944 ganz auf. 1945 geriet Sacher in kanadische Kriegsgefangenschaft, aus der er 1946 zurückkehrte. 1946 wurde Sacher als minderbelastet eingestuft.<ref>Dzugan, Franziska: Chamäleons im Blätterwald. Die Wurzeln der ÖVP-ParteijournalistInnen in Austrofaschismus, Nationalsozialismus, Demokratie und Widerstand. Eine kollektivbiografische Analyse an den Beispielen Wiener Tageszeitung und Linzer Volksblatt 1945 bzw. 1947 bis 1955. Dissertation Universität Wien 2011, S. 134.</ref>
Friedrich Sacher ist in Klosterneuburg auf dem Weidlinger Friedhof bestattet.
In Klosterneuburg wurde die Friedrich Sacher-Gasse ⊙
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}} nach ihm benannt.
Bedeutung[Bearbeiten]
Sachers Lyrik orientiert sich an Rilke, er war seit 1929 mit Josef Weinheber befreundet. Er initiierte den Dichterkreis „Die Gruppe“. Sein umfangreicher Nachlass an Briefen befindet sich in der Wiener Stadt- und Landesbibliothek.
Ehrungen[Bearbeiten]
- 1934 Julius-Reich-Preis
- 1956 Professor
- 1960 Kulturpreis des Landes Niederösterreich
- 1970 Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. Klasse
- 1978 Goldenes Ehrenzeichen für Verdienste um das Land Wien
- Gedenktafel am Wohnhaus Ruckergasse 20, Wien-Meidling
Werke[Bearbeiten]
- Gesammelte Schriften, 3 Bände, 1932–34
- Maß und Schranke, 1937, Adolf Luser Verlag
- Mensch in den Gezeiten, 1937, Adolf Luser Verlag
- Leben, das dank ich dir, herausgegeben von H. Schwarzbauer, 1979
- Ausgewählte Werke, 3 Bände, 1988
Einzelnachweise[Bearbeiten]
<references />
Literatur[Bearbeiten]
- Barbara Sanders: Zur Motivik in den Erzählungen Friedrich Sachers, Dissertation, Salzburg 1975.
- Franz Patzer (Hrsg.): F. Sacher – Leben und Werk, Ausstellungskatalog, Wien 1980.
- Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien. Band 5, Kremayr & Scheriau, Wien 1997.
- W. Ebner: F. Sacher 1899–1982, 1999.
Weblinks[Bearbeiten]
- Eintrag zu Friedrich Sacher im Austria-Forum (im AEIOU-Österreich-Lexikon)
- Literatur von und über Friedrich Sacher im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Friedrich Sacher in der Datenbank Gedächtnis des Landes zur Geschichte des Landes Niederösterreich (Museum Niederösterreich)
- Friedrich Sacher im Wien Geschichte Wiki der Stadt Wien
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Sacher, Friedrich |
| ALTERNATIVNAMEN | Sacher, Fritz Silvanus |
| KURZBESCHREIBUNG | österreichischer Lyriker, Erzähler und Essayist |
| GEBURTSDATUM | 10. September 1899 |
| GEBURTSORT | Wieselburg, Niederösterreich |
| STERBEDATUM | 22. November 1982 |
| STERBEORT | Wien |
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- Autor
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- Träger des österreichischen Ehrenkreuzes für Wissenschaft und Kunst I. Klasse
- Träger des Goldenen Ehrenzeichens für Verdienste um das Land Wien
- Österreicher
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- Gestorben 1982
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