Genthelvin
| Genthelvin | |
|---|---|
(Größe: 18 × 18 × 14 mm) | |
| Allgemeines und Klassifikation | |
| IMA-Symbol |
Ghv<ref name="Warr" /> |
| Chemische Formel |
|
| Mineralklasse (und ggf. Abteilung) |
Silikate und Germanate – Gerüstsilikate (Tektosilikate) |
| System-Nummer nach Strunz (8. Aufl.) Lapis-Systematik (nach Strunz und Weiß) Strunz (9. Aufl.) Dana |
VIII/F.08 VIII/J.12-030<ref name="Lapis" /> 9.FB.10 76.02.04.03 |
| Kristallographische Daten | |
| Kristallsystem | kubisch |
| Kristallklasse; Symbol | hexakistetraedrisch; 43m<ref name="Webmineral" /> |
| Raumgruppe | P43n (Nr. 218)<ref name="StrunzNickel" /> |
| Gitterparameter | a = 8,15 Å<ref name="StrunzNickel" /> |
| Formeleinheiten | Z = 2<ref name="StrunzNickel" /> |
| Physikalische Eigenschaften | |
| Mohshärte | 6 bis 6,5<ref name="Lapis" /> |
| Dichte (g/cm3) | gemessen: 3,44 bis 3,70; berechnet: 3,70<ref name="Handbookofmineralogy" /> |
| Spaltbarkeit | undeutlich nach {111}, {111}<ref name="Handbookofmineralogy" /> |
| Bruch; Tenazität | uneben; spröde<ref name="Handbookofmineralogy" /> |
| Farbe | farblos, hell- bis smaragdgrün, rosa bis rot, gelb bis gelbbraun<ref name="Handbookofmineralogy" /> |
| Strichfarbe | weiß |
| Transparenz | durchsichtig<ref name="Handbookofmineralogy" /> |
| Glanz | Glasglanz<ref name="Handbookofmineralogy" /> |
| Kristalloptik | |
| Brechungsindex | n 1,738 bis 1,752<ref name="Mindat" /> |
| Doppelbrechung | keine, da optisch isotrop |
| Weitere Eigenschaften | |
| Besondere Merkmale | gelegentlich grüne Fluoreszenz und Phosphoreszenz<ref name="Handbookofmineralogy" /> |
Genthelvin ist ein selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Silikate und Germanate“. Es kristallisiert im kubischen Kristallsystem mit der chemischen Zusammensetzung Zn4[S|(BeSiO4)3]<ref name="StrunzNickel" />
Genthelvin ist das Zink-Analogon zum eisenhaltigen Danalith (Fe4[S|(BeSiO4)3]<ref name="StrunzNickel" />) und manganhaltigen Helvin (Mn4[S|(BeSiO4)3]<ref name="StrunzNickel" />) und bildet mit diesen jeweils eine lückenlose Mischkristallreihe. Auch Epitaxien mit Danalith sind möglich.<ref name="Mindat" />
In reiner Form ist Genthelvin farblos und durchsichtig. Da er aber einerseits mit Danalith und Helvin Mischkristalle bildet und andererseits verschiedene Fremdbeimengungen enthalten kann, kommt er meist in verschiedenen Farben vor, wobei hell- bis smaragdgrüne, rosa bis rote und gelbe bis gelbbraune Farben überwiegen. Auf der Strichtafel hinterlässt Genthelvin allerdings immer einen weißen Strich.
Das Mineral entwickelt meist tetraedrische oder tristetraedrische Kristalle, findet sich aber auch in Form unregelmäßiger Segregationen. Unverletzte Kristallflächen weisen einen glasähnlichen Glanz auf, Bruchflächen dagegen eher Fett- bis Harzglanz.
Etymologie und Geschichte[Bearbeiten]
Benannt wurde Genthelvin einerseits in Anlehnung an seine nahe Verwandtschaft zum Helvin und andererseits zu Ehren des deutsch-amerikanischen Chemikers und Mineralogen Friedrich August Genth, der das Mineral 1892 erstmals beschrieb, ohne ihm jedoch einen Namen zu geben.<ref name="Glass-et-al" /><ref name="Mindat" />
Erstmals entdeckt wurde Genthelvin am St. Peters Dome (West Cheyenne Canon), einem Ausläufer des Pikes Peak<ref name="Mindat" /> etwa 10 Kilometer südwestlich von Colorado Springs<ref name="MineralienatlasStPetersDome" /> im El Paso County des US-Bundesstaates Colorado und beschrieben 1944 durch Jewell J. Glass, Richard H. Jahns und Rollin E. Stevens.
Klassifikation[Bearbeiten]
In der letztmalig 1977 überarbeiteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Genthelvin zur Mineralklasse der „Silikate“ und dort zur Abteilung „Gerüstsilikate (Tektosilikate)“, wo er gemeinsam mit Danalith und Helvin in der „Helvin-Reihe“ mit der Systemnummer VIII/F.08 steht.
In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer VIII/J.12-030. Dies entspricht der ebenfalls der Abteilung „Gerüstsilikate“, wo Genthelvin zusammen mit Danalith und Helvin eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer VIII/J.12 bildet.<ref name="Lapis" />
Die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte<ref name=IMA-Liste-2009 /> 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Genthelvin in die erweiterte Klasse der „Silikate und Germanate“ und dort in die Abteilung „Gerüstsilikate (Tektosilikate) ohne zeolithisches H2O“ ein. Diese ist weiter unterteilt nach der möglichen Anwesenheit zusätzlicher Anionen, so dass das Mineral entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „Gerüstsilikate (Tektosilikate) mit zusätzlichen Anionen“ zu finden ist, wo es zusammen mit Bicchulith, Danalith, Haüyn, Helvin, Kamaishilith, Lasurit, Nosean, Sodalith, Tsaregorodtsevit und Tugtupit die „Sodalith-Danalith-Gruppe“ mit der Systemnummer 9.FB.10 bildet.
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Genthelvin die System- und Mineralnummer 76.02.04.03. Auch dies entspricht der Klasse der „Silikate“ und dort der Abteilung „Gerüstsilikate: Al-Si-Gitter“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Gerüstsilikate: Al-Si-Gitter, Feldspatvertreter und verwandte Arten“ in der „Helvingruppe“, in der auch Helvin und Danalith eingeordnet sind.
Kristallstruktur[Bearbeiten]
Genthelvin kristallisiert kubisch in der Raumgruppe P43n (Raumgruppen-Nr. 218) mit dem Gitterparameter a = 8,15 Å sowie 2 Formeleinheiten pro Elementarzelle.<ref name="StrunzNickel" />
Eigenschaften[Bearbeiten]
Vor dem Lötrohr bildet Genthelvin eine unklare Perle. In starker Salzsäure zersetzt sich das Mineral, wobei Schwefelwasserstoff mit seinem charakteristischen Geruch nach faulen Eiern entsteht.<ref name="Klockmann" />
Unter UV-Licht zeigen manche Genthelvine eine grüne Fluoreszenz mit anschließender Phosphoreszenz.
Bildung und Fundorte[Bearbeiten]
Genthelvin bildet sich in miarolitischen Hohlräumen granitischer oder alkalischer Pegmatite und Syenite sowie in Greisen und Skarnen. Als Begleitminerale treten unter anderem Bertrandit, Gahnit, Hambergit, Mikroklin, Phenakit, Quarz, Siderit, Sphalerit, Topas, Willemit, verschiedene Zeolithe und/oder Zirkon auf.
Als seltene Mineralbildung konnte Genthelvin nur an wenigen Fundorten nachgewiesen werden, wobei bisher rund 60 Fundorte als bekannt gelten.<ref name="MindatAnzahl" /> Neben seiner Typlokalität St. Peters Dome (West Cheyenne Canon) trat das Mineral noch an weiteren Fundpunkten in Colorado wie unter anderem am Stove Mountain (Cookstove Mountain) im El Paso County und in Crystal Peak im Teller County auf. Weitere bisher bekannte Fundorte in den Vereinigten Staaten von Amerika (USA) sind Rockport im Essex County (Massachusetts); Blue Mountyin, Iron Mountain und Sugarloaf Mountain in New Hampshire; mehrere Fundpunkte im Bergbaugebiet um Franklin (New Jersey) und Cumberland (Rhode Island) sowie der Washington Pass im Okanogan County (Washington).
Weitere Fundorte liegen unter anderem in Argentinien, Brasilien, China, Grönland, Italien, Japan, Kanada, Kasachstan, Malawi, der Mongolei, Niger, Nigeria, Norwegen, Pakistan, Rumänien, Russland, der Sambia, Ukraine und im Vereinigten Königreich (England, Schottland).<ref name="Fundorte" />
Verwendung[Bearbeiten]
Trotz seines relativ hohen Zinkgehaltes von rund 40 %<ref name="Webmineral" /> hat Genthelvin aufgrund seiner Seltenheit bisher keine wirtschaftliche Bedeutung. Da er allerdings bisweilen schön gefärbte und durchsichtige Kristalle bildet, wird er gelegentlich für Sammler in verschiedenen Schmucksteinschliffen angeboten.<ref name="realgems.org" />
Siehe auch[Bearbeiten]
Literatur[Bearbeiten]
Weblinks[Bearbeiten]
- Mineralienatlas: Genthelvin (Wiki)
- Database-of-Raman-spectroscopy – Genthelvite
- American-Mineralogist-Crystal-Structure-Database - Genthelvite
Einzelnachweise[Bearbeiten]
<references> <ref name="Handbookofmineralogy"> </ref> <ref name="Fundorte"> Fundortliste für Genthelvin beim Mineralienatlas (deutsch) und bei Mindat (englisch), abgerufen am 12. August 2024. </ref> <ref name="Glass-et-al"> </ref> <ref name="IMA-Liste"> Malcolm Back, Cristian Biagioni, William D. Birch, Michel Blondieau, Hans-Peter Boja und andere: The New IMA List of Minerals – A Work in Progress – Updated: July 2024. (PDF; 3,8 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Marco Pasero, Juli 2024, abgerufen am 13. August 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="IMA-Liste-2009"> Ernest H. Nickel, Monte C. Nichols: IMA/CNMNC List of Minerals 2009. (PDF; 1,9 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Januar 2009, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 29. Juli 2024; abgerufen am 13. August 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="Klockmann"> </ref> <ref name="Lapis"> </ref> <ref name="Mindat"> Genthelvite. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 10. August 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="MindatAnzahl"> Localities for Genthelvin. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 10. August 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="MineralienatlasStPetersDome"> Typlokalität St. Peters Dome. In: Mineralienatlas Lexikon. Geolitho Stiftung, abgerufen am 10. August 2024. </ref> <ref name="realgems.org"> Michael R. W. Peters: Bilder zu rohen und geschliffenen Genthelviten. In: realgems.org. Abgerufen am 10. August 2024. </ref> <ref name="StrunzNickel"> Hugo Strunz, Ernest H. Nickel: Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S. 699. </ref> <ref name="Warr"> </ref> <ref name="Webmineral"> Genthelvite Mineral Data. Abgerufen am 10. August 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> </references>