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Glaskorrosion

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Datei:Jarra.jpg
Glaskorrosion auf alter römischer Flasche

Als Glaskorrosion, Glasrost, Glasbrand, Glaspest oder Glaskrankheit wird die strukturelle Veränderung und damit verbundene Verwitterung der Oberfläche von Glas durch verschiedenartige chemische und physikalische Einflüsse bezeichnet.

Beschreibung[Bearbeiten]

Von Glaskorrosion betroffene Gläser zeigen im Falle durchsichtiger Objekte eine Trübung, die ihre Ursache in mikroskopisch dünner Aufrauung der Oberfläche hat. Gläser, die Jahrzehnte bis Jahrhunderte im Erdreich lagen, zeigen eine typisch schmutzig-regenbogenfarbige Oberfläche.

Erklärung[Bearbeiten]

Datei:Spidergraph ChemDurab DE.PNG
Einfluss der Zugabe ausgewählter Glasbestandteile auf die chemische Beständigkeit eines vorgegebenen Basisglases gegenüber Korrosion durch Wasser (Korrosionstest ISO 719)<ref>Calculation of the Chemical Durability (Hydrolytic Class, Corrosion) of Glasses. In: glassproperties.com. Abgerufen am 19. Februar 2026.</ref>

Die Glaskorrosion beginnt mit dem Herauslösen von Oxiden diverser Elemente, etwa der von Natrium, Kalium, Calcium, Barium oder Bor. An den betroffenen Stellen verändern sich die physikalischen Eigenschaften des Materials. Es bildet sich eine Gelschicht, die mit Ionen des einwirkenden Stoffes weiter zu einem schleierhaften Überzug reagiert. Dieser beeinträchtigt die Transparenz der Oberfläche und führt zu mikroskopisch feinen Rissen. Aus den ausgelaugten Elementen können sich durch Reaktion mit säurebildenden Schadgasen in der Luft auch Krusten aus sekundären Korrosionsprodukten bilden, die von Restauratoren mit dem Sammelbegriff Wetterstein bezeichnet werden.<ref>Gottfried Frenzel: Probleme der Restaurierung, Konservierung und prophylaktischen Sicherung mittelalterlicher Glasmalereien. In: Maltechnik/Restauro 88, 1982 (Wiederabdruck in: Ernst Bacher (Hg.) Stained Glass (ICONOS), S. 238-257.). Ehemals im Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar); abgerufen am 9. Januar 2022.@1@2Vorlage:Toter Link/www.icomos.org (Seite nicht mehr abrufbar. Suche im Internet Archive)</ref>

Einfluss der Glaszusammensetzung[Bearbeiten]

Die Korrosion kann durch die Zugabe gewisser Oxide bei der Glasherstellung reduziert werden. Gebräuchlich sind Aluminiumoxid, Zirconiumoxid, moderate Konzentrationen an Bortrioxid (siehe Borosilikat-Glas) oder hohe Konzentrationen an Siliciumdioxid. Zu hohe Boroxidgehalte reduzieren die Beständigkeit gegenüber Korrosion. Spezielle Phosphat- oder Borosilikatgläser korrodieren sehr stark aufgrund von Phasentrennungserscheinungen im Glas, was im Vycor-Prozess technisch genutzt wird.

Einfluss des einwirkenden Stoffs[Bearbeiten]

Datei:Glaskorrosion.jpg
Durch Maschinenspülmittel verursachter Glasbrand

In saurem Milieu findet ein Austausch von Kationen aus der Glasoberfläche durch aus Oxoniumionen stammende Protonen statt. Werden die entstehenden Salze weggespült (Wasserüberschuss), entsteht auf dem Glas eine Gelschicht, die die weitere Korrosion bremst. Im Falle von Wasserunterschuss entstehen Salze, die sich auf dem Glas ablagern. In neutralem Milieu findet der gleiche Austausch von Kationen gegen Wasserstoffionen statt, jedoch führen die herausgelösten Kationen zu einer Alkalisierung der Umgebung. In alkalischem Milieu werden Bestandteile des Glasnetzwerkes (SiO−) gegen OH-Gruppen ausgetauscht, wodurch das Glasnetzwerk abgebaut wird. Im Falle von Wasserunterschuss beschleunigt sich dieser Vorgang.<ref>Hans Joachim Gläser: Dünnfilmtechnologie auf Flachglas. Karl Hofmann, Schorndorf 1999.</ref><ref>Werner Vogel: Glaschemie, Springer 1992.</ref> Transport und Lagerung von Gläsern sollten folglich in leicht saurer Umgebung erfolgen.

Ein hoher pH-Wert und geringer Salzgehalt der Flüssigkeit und eine hohe Temperatur beschleunigen die Korrosion gegenüber der in leicht saurem Milieu. So bewirken weicheres Wasser im Geschirrspüler oder saurer Regen bei Glasfenstern eine höhere Herauslösung von Mineralstoffen aus der Oberfläche.<ref name="test">Stiftung Warentest: Gläser und Besteck in der Spülmaschine (test 02/2004)</ref> Dementsprechend existieren verschiedene standardisierte Verfahren zur Quantifizierung der Glaskorrosion, einschließlich Tests zur Bestimmung der chemischen Beständigkeit von Glas gegenüber Wasser (DIN 12111 bzw. ISO 719 mit Einteilung in hydrolytische Klassen), Säuren (DIN 12116), Basen (DIN 52322 bzw. ISO 695) und Witterungseinflüssen.

Beispiele[Bearbeiten]

  • Glaskorrosion stellt nicht nur ein Problem dar, sondern wird auch gezielt als Messmethode zur Umweltbewertung eingesetzt. Mit der Glassensor-Methode<ref>Patent EP0330144B1: Verfahren zur direkten Bestimmung von komplexen korrosiven Umgebungsbedingungen. Angemeldet am 21. Februar 1989, veröffentlicht am 3. Juli 1996, Anmelder: Fraunhofer-Gesellschaft zur Förderung der angewandten Forschung e. V., Erfinder: Dieter Fuchs, Helmut Patzelt, Gerhard Tünker.‌</ref><ref>JPRS Report: Science & technology. Europe/international. Foreign Broadcast Information Service, Februar 1993, S. 23 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref><ref name=":1">Glastechnische Berichte. Verlag der Deutschen Glastechnischen Gesellschaft., 1993, S. 20 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref> existiert eine Messtechnik, welche mittels spezieller sensitiver Glaspräparate die Korrosionsabläufe an anorganischen Materialien wie im Zeitraffer simulieren lässt. Diese Methode wird erfolgreich in der Denkmalpflege und Museumsbetrieben sowie zum Umweltmonitoring korrosiver Belastungen als Standardmethode eingesetzt.<ref>VDI 3955 Blatt 2 - Bestimmung der korrosiven Wirkung komplexer Umgebungsbedingungen auf Werkstoffe; Exposition von Glassensoren. (vdi.de [abgerufen am 19. Januar 2020]).</ref> Anwendung finden solche Glassensoren auch bei der Prüfung und Optimierung von Außenschutzverglasungen an Kirchenfenstern.

Sonstiges[Bearbeiten]

Die Hersteller von Geschirrspülmitteln verwenden die Begriffe Glasrost und Glaskorrosion gerne zur Beschreibung angeblich verbesserter neuer Stoffe in ihren Produkten.<ref>Telering.de: Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Geschirrspüler-Ratgeber: Glaskorrosion (Memento vom 28. September 2007 im Internet Archive)</ref> Tatsächlich hängt die Glaskorrosion in der Spülmaschine primär von der Qualität des verwendeten Glasmaterials ab.<ref name="test" /> Weiterhin entstehen Beschädigungen oft auch durch rein mechanische Effekte, wie Aneinanderreiben der Gläser oder Kontakt mit Teilen der Spülmaschine.

Ähnliche Erscheinungen[Bearbeiten]

  • Glaspilz – Ein Pilzbefall auf Glas, der entfernt werden kann.

Weblinks[Bearbeiten]

Commons: Glass disease – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

<references />