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Hans-Thomas Tillschneider

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Hans-Thomas Tillschneider (2014)

Hans-Thomas Tillschneider (* 5. Februar 1978 in Timișoara, Rumänien) ist ein rechtsextremer deutscher Politiker (AfD). Seit März 2016 ist er Abgeordneter im Landtag von Sachsen-Anhalt und kulturpolitischer Sprecher der AfD-Landtagsfraktion.<ref>Kultur – die neue Kampfzone. Das Erste, Titel, thesen, temperamente, 2017</ref><ref>So sieht die Kulturpolitik der AfD aus. Bayerischer Rundfunk, 10. Juli 2019</ref><ref name="20171221-dlf-kultur">Christopher Richter: Kulturpolitik in Sachsen-Anhalt: AfD will Theater sanktionieren. In: Deutschlandfunk Kultur. 21. Dezember 2017, abgerufen am 14. Januar 2026.</ref> Er ist seit 2020 stellvertretender Landesvorsitzender der AfD Sachsen-Anhalt<ref>Parteitag in Dessau-Roßlau: Rechtsaußen-Vertreter Tillschneider neuer AfD-Vize in Sachsen-Anhalt. In: F.A.Z. ISSN 0174-4909 (faz.net [abgerufen am 12. Februar 2022]).</ref> und seit 2021 auch 2. stellvertretender Vorsitzender der AfD-Fraktion im Landtag von Sachsen-Anhalt.<ref>D.H.: Fraktion im Landtag Sachsen-Anhalt. In: AfD Fraktion im Landtag Sachsen-Anhalt. Abgerufen am 12. Februar 2022.</ref> Tillschneider galt als Akteur des formal aufgelösten rechtsextremen Flügels seiner Partei und war Sprecher der ebenfalls aufgelösten Patriotischen Plattform der AfD. Tillschneider hat enge Kontakte zur rechtsextremen Identitären Bewegung<ref>Lea Frehse, Paul Middelhoff: Die Gewaltorientierung wächst. In: Zeit Online, 4. April 2018, abgerufen am 16. August 2018.</ref> und ist Mitbegründer des IB-nahen Kampagnennetzwerks Ein Prozent für unser Land. Er kooperiert eng mit dem Institut für Staatspolitik und dem Monatsmagazin Compact, die beide auch an Ein Prozent beteiligt sind.<ref>Henrik Merker: AfD in Schnellroda: Auf ein Bier mit Identitären. Störungsmelder, 21. September 2019.</ref><ref>Rainer Roeser: Manna für „Flügel“-Fans. Blick nach Rechts, 29. Januar 2020.</ref><ref>Alexander Schierholz: Rechtsextreme Verfassungsschutz sieht „Institut für Staatspolitik“ als Verdachtsfall. In: Mitteldeutsche Zeitung, 24. April 2020.</ref> Entsprechend wird er der „Neuen Rechten“ zugeordnet. Am 13. Februar 2020 wurde bekannt, dass er – neben Björn Höcke und Andreas Kalbitz – seit Jahresbeginn vom Verfassungsschutz beobachtet wird.<ref>Verfassungsschutz beginnt mit Überwachung von drei AfD-Politikern. Abgerufen am 14. Februar 2020.</ref>

Leben[Bearbeiten]

Kindheit und Jugend[Bearbeiten]

Tillschneider wurde 1978 als Rumäniendeutscher (Banater Schwabe) in Timișoara im westlichen Rumänien, dem Zentrum des Banats, geboren.<ref name="landtag" /> Die Familie floh in den frühen 1980er-Jahren nach Jugoslawien und von dort in die Bundesrepublik. Tillschneiders Vater war Leiter einer Kolchose. Über Kontakte zum Geheimdienst Securitate erhielt er Hinweise, wann die Grenze unbewacht sein würde.<ref name=":0">Mariam Lau: Hans-Thomas Tillschneider: Der Deutsch-Ultra. In: Die Zeit. 27. August 2026, ISSN 0044-2070 (zeit.de [abgerufen am 30. August 2026]).</ref> Tillschneider wuchs im baden-württembergischen Freudenstadt auf,<ref name="landtag">Kurzbiografie beim Landtag von Sachsen-Anhalt</ref> besuchte das dortige Kepler-Gymnasium<ref name="landesw" /> und legte 1997<ref name="landtag">Kurzbiografie beim Landtag von Sachsen-Anhalt</ref> das Abitur ab. Beim Landeswettbewerb Deutsche Sprache und Literatur Baden-Württemberg von 1997 gehörte er zu den Preisträgern.<ref name="landesw">Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Landeswettbewerb Deutsche Sprache und Literatur Baden-Württemberg: 10 Jahre Preisträger (Memento vom 1. Januar 2016 im Internet Archive), landeswettbewerb-deutsch.de, abgerufen am 8. August 2016.</ref>

Ausbildung und akademische Laufbahn[Bearbeiten]

Nach einem Urlaub in Tunesien begann sich Tillschneider für den Islam zu interessieren.<ref name=":0" /> Ab 1998 studierte er Islamwissenschaften, Philosophie und Deutsche Literaturgeschichte an den Universitäten in Freiburg im Breisgau und Leipzig sowie 2000/2001<ref name="lsa">Hans-Thomas Tillschneider, afd-lsa.de, abgerufen am 20. März 2016.</ref> in Damaskus und beendete das Studium 2004 als Magister Artium (M.A.). In einem Podcast der Generation Deutschland Sachsen-Anhalt erklärte er, dass er zwar "de facto" Arabistik studiert habe, gleichzeitig legte er dar, dass es sich dabei lediglich um ein Studium Generale gehandelt habe.<ref>GD Sachsen-Anhalt: Jugend mit Format: Dr. Hans-Thomas Tillschneider über Bildung, Preußen und Philosophie. 24. Juli 2026, abgerufen am 24. August 2026.</ref> Seine Arbeit Die Entstehung der juristischen Hermeneutik (uṣūl al-fiqh) wurde u. a. im Journal of the American Oriental Society überwiegend positiv aufgenommen.<ref>Ahmed El Shamsy: Die Entstehung der juristischen Hermeneutik (uṣūl al-fiqh) im frühen Islam. Arbeitsmaterialien zum Orient, 20 by Hans-Thomas Tillschneider. In: Journal of the American Oriental Society, 129 (2009) 3, S. 522–525.</ref> Der Islamwissenschaftler Jens Scheiner bemerkte in einer Rezension für Sehepunkte: „Tillschneider ist es gelungen, eine bisher kaum untersuchte Methode der juristischen Hermeneutik, die 'āmm/ḫāṣṣ-Exegese, dem Fachleser auf exzellente Weise näherzubringen und durch seine These, der zufolge diese Exegesemethode entscheidende Anstöße zur Entwicklung der uṣūl al-fiqh gegeben hat, die Forschung zur Entstehung des frühislamischen Rechts ein gutes Stück voranzubringen.“<ref>Jens Scheiner: Hans-Thomas Tillschneider: Die Entstehung der juristischen Hermeneutik (uṣūl al-fiqh) im frühen Islam. Sehepunkte, Ausgabe 9 (2009), Nr. 10.</ref>

2005 begann er als Stipendiat der Studienstiftung des deutschen Volkes eine Promotion an der Friedrich-Schiller-Universität Jena zum Thema Die Offenbarungsanlässe (asbāb an nuzūl) im klassischen und modernen Islam. 2009 wurde er beim Islamwissenschaftler Ulrich Rebstock an der Philosophischen Fakultät der Universität Freiburg zum Dr. phil. promoviert. Die überarbeitete Fassung seiner Dissertation – 2011 erschienen als Monografie – wurde in Fachrezensionen positiv bewertet.<ref>Gabriel Said Reynolds: Typen historisch-exegetischer Überlieferung: Formen, Funktionen und Genese des asbāb an-nuzūl-Materials by Hans-Thomas Tillschneider. In: Bulletin of the School of Oriental and African Studies 76 (2013) 1, S. 120–122.</ref><ref>Dirk Hartwig: Hans-Thomas Tillschneider: Typen historisch-exegetischer Überlieferung: Formen, Funktionen und Genese des asbāb an-nuzūl-Materials. In: Der Islam 93 (2016) 1, S. 332–346, doi:10.1515/islam-2016-0030.</ref>

Anschließend war er Postdoktorand im ERC-Projekt „Islamic Law Materialized“ am Institut de recherche et d’histoire des textes (IRHT) des Centre national de la recherche scientifique (CNRS) in Paris. Von 2010 bis Ende Juli 2016 war Tillschneider Akademischer Rat auf Zeit am Lehrstuhl für Islamwissenschaft (Professur Rainer Oßwald) an der Sprach- und Literaturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Bayreuth.<ref>Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Lebenslauf von Hans-Thomas Tillschneider (Memento vom 26. Juni 2013 im Internet Archive), Universität Bayreuth, abgerufen am 29. Juni 2015 (PDF-Datei).</ref><ref>Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Dr. Hans-Thomas Tillschneider, Mitarbeiterseite im Webauftritt der Universität Bayreuth (Memento vom 15. März 2016 im Internet Archive), abgerufen am 10. August 2016.</ref>

Zurzeit ruht seine universitäre Tätigkeit wegen des Landtagsmandats.<ref>Ralf Pauli: Rechte Hochschuldozenten. Dürfen sie so etwas twittern? In: die tageszeitung, 1. August 2016, S. 4.</ref><ref>Olaf Przybilla: Bayreuth. AfD-Politiker soll Uni-Job aufgeben. In: Süddeutsche Zeitung, 16. März 2016, S. R17.</ref>

Weiteres[Bearbeiten]

Tillschneider ist konfessionslos und Vater.<ref name="landtag" /> Seit 2015 lebt er in Sachsen-Anhalt.<ref name="lsa" />

Am 12. Februar 2020 wurde bekannt, dass seine außerparlamentarischen Aktivitäten ab sofort vom Verfassungsschutz beobachtet werden.<ref>zu radikal auf www.zeit.de, abgerufen am 13. Februar 2020</ref>

Politische Tätigkeit[Bearbeiten]

Partei[Bearbeiten]

Tillschneider, der 1996<ref name="landtag" /> der FDP angehörte, ist seit 2013<ref name="landtag" /> Mitglied der Alternative für Deutschland (AfD); er gehörte 2014/2015 dem Landesvorstand der AfD Sachsen an.<ref name="volksstimme">Hagen Eichler: AfD setzt auf das Thema Asyl. In: Volksstimme. 28. September 2015.</ref><ref>Kai Kollenberg: Parteitag in Zwickau: Familie steht im Zentrum des Wahlkampfes. In: Leipziger Volkszeitung. 3. März 2014, S. 5.</ref> Von Seiten der Leipziger AfD-Geschäftsstelle wurden seine Funktionen als „Vorstandsmitglied, Schriftführer, Programmkommission“ ausgewiesen.<ref name="HäuslerRoeser" /> So trägt er auch Mitverantwortung für das interne Papier „AfD Sachsen – Kernforderungen der AG Familie, Bildung, Hochschule, Wissenschaft“.<ref>Andreas Kemper: Keimzelle der Nation – Teil 2: Wie sich in Europa Parteien und Bewegungen für konservative Familienwerte, gegen Toleranz und Vielfalt und gegen eine progressive Geschlechterpolitik radikalisieren. Friedrich-Ebert-Stiftung, Forum Politik und Gesellschaft, Berlin 2014, S. 49.</ref> Darüber hinaus war Tillschneider Gründer des Arbeitskreises Islam.<ref>Eva Marie Kogel: Korankritik: Darf man behaupten, Allah sei gar nicht so groß? In: Die Welt. 28. März 2014, Nr. 74, S. 21.</ref> Im September 2015 kandidierte er, mittlerweile in Sachsen-Anhalt aktiv, erfolglos<ref name="Schierholz">Alexander Schierholz: AfD in Sachsen-Anhalt: Harte Linie gegen Flüchtlinge. In: Mitteldeutsche Zeitung. 27. September 2015, abgerufen am 16. Juni 2021.</ref> beim Landesparteitag der AfD Sachsen-Anhalt in Güsten für das Amt des Schriftführers<ref name="volksstimme" /> und des Beisitzers im Landesvorstand.<ref>Rainer Roeser: AfD Sachsen-Anhalt: Mit rechten Parolen in den Landtag. In: Blick nach Rechts. 28. September 2015.</ref>

Außerdem war er Mitglied der völkischen Patriotischen Plattform (PP).<ref>vgl. Oskar Niedermayer: Eine neue Konkurrentin im Parteiensystem? Die Alternative für Deutschland. In: Ders. (Hrsg.): Die Parteien nach der Bundestagswahl 2013. Springer, Wiesbaden 2014, ISBN 978-3-658-02852-7. S. 175–207, hier: S. 204; Alexander Häusler: Die AfD. Partei des rechten Wutbürgertums am Scheideweg (= Expertisen für Demokratie. 1/2015). Friedrich-Ebert-Stiftung, FORUM BERLIN, Berlin 2015, ISBN 978-3-95861-163-4, S. 7; Gudrun Hentges: Sarrazins Erben: Ressentiments von PEGIDA und AfD finden sich schon beim Ex-Finanzsenator. In: ROSALUX. Journal der Rosa Luxemburg Stiftung. Ausgabe 1/2015, 20 f.; Alexander Hensel, Lars Geiges, Robert Pausch, Julika Förster: Die AfD vor den Landtagswahlen 2016. Programme, Profile und Potenziale (= OBS-Arbeitspapier. 20). Ein Projekt der Otto Brenner Stiftung, Frankfurt am Main 2016, S. 14.</ref><ref>Siehe auch: „Patriotischen Plattform, die durch ultrarechte stark ins Völkische abdriftende Positionen und vor allem durch Islamhass auffällt“ bei Michael Lühmann: Meinungskampf von rechts Über Ideologie, Programmatik und Netzwerke konservativer Christen, neurechter Medien und der AfD. Heinrich-Böll-Stiftung Sachsen, Dresden 2016, ISBN 978-3-946541-02-8, S. 24.</ref><ref>Deutschland: Bericht: Verfassungsschutz nimmt „Patriotische Plattform“ in der AfD ins Visier. In: Die Zeit. 2. Juni 2017, ISSN 0044-2070 (zeit.de [abgerufen am 14. August 2017]).</ref><ref>Lars Geiges, Stine Marg, Franz Walter: Pegida. Die schmutzige Seite der Zivilgesellschaft? (= X-Texte). Transcript, Bielefeld 2015, ISBN 978-3-8376-3192-0, S. 159.</ref> Die PP wurde maßgeblich von Mitgliedern des sächsischen AfD-Landesverbandes initiiert; Tillschneider tritt öffentlich als „deren Sprecher“ in Erscheinung<ref name="HäuslerRoeser">Alexander Häusler, Rainer Roeser: Die rechten ›Mut‹-Bürger. Entstehung, Entwicklung, Personal & Positionen der »Alternative für Deutschland«. VSA, Hamburg 2015, ISBN 978-3-89965-640-4, S. 104; ders.: Die »Alternative für Deutschland« – eine Antwort auf die rechtspopulistische Lücke? In: Stephan Braun, Alexander Geisler, Martin Gerster (Hrsg.): Strategien der extremen Rechten: Hintergründe – Analysen – Antworten. 2. aktualisierte und erweiterte Auflage, Springer Fachmedien, Wiesbaden 2015, ISBN 978-3-658-01983-9, S. 108.</ref> – er gilt als Vorsitzender bzw. Leiter der Vereinigung.<ref name="Funke75" /><ref>Alexander Häusler, Rainer Roeser: „Erfurt ist schön deutsch – und schön deutsch soll Erfurt bleiben!“ Das politische Erscheinungsbild der Partei „Alternative für Deutschland“ (AfD) in Thüringen. Hrsg. von der Friedrich-Ebert-Stiftung, Landesbüro Thüringen, Erfurt 2015, ISBN 978-3-95861-322-5, S. 38.</ref> Der Politikwissenschaftler Hajo Funke bezeichnet die PP als „Kampfverband zur Durchsetzung rechtsradikaler Positionen in der AfD“;<ref name="Funke75">Hajo Funke (unter Mitarbeit von Ralph Gabriel): Von Wutbürgern und Brandstiftern. AfD – Pegida – Gewaltnetze. vbb, Berlin 2016, ISBN 978-3-945256-64-0, S. 129.</ref> Verfassungsschützern verschiedener Bundesländer fiel die PP durch „rechtsextreme Positionen“ ähnlich der der „Identitären Bewegung“ auf.<ref>„Patriotische Plattform“. Verfassungsschutz nimmt AfD-Gruppe ins Visier. In: Der Spiegel vom 2. Juni 2017.</ref> Die Ablehnung des Aufnahmeantrags des Verlegers Götz Kubitschek und dessen Frau Ellen Kositza in die AfD durch den Bundesvorstand wurde von Tillschneider in seiner Funktion als Vorstand der PP öffentlich kritisiert.<ref name="Hentges">Gudrun Hentges: Sarrazins Erben: Ressentiments von PEGIDA und AfD finden sich schon beim Ex-Finanzsenator. In: ROSALUX. Journal der Rosa Luxemburg Stiftung. Ausgabe 1/2015, 20 f.</ref><ref>Andreas Kemper: „… die neurotische Phase überwinden, in der wir uns seit siebzig Jahren befinden“. Die Differenz von Konservativismus und Faschismus am Beispiel der „historischen Mission“ Björn Höckes (AfD). Rosa-Luxemburg-Stiftung Thüringen, Jena 2015, S. 44 (Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.PDF (Memento vom 6. November 2015 im Internet Archive)).</ref>

Tillschneider ist Unterstützer der von Björn Höcke und André Poggenburg initiierten parteiinternen Plattform Der Flügel und dessen Positionspapiers Erfurter Resolution.<ref>Sebastian Haak: „Erfurter Resolution“ heizt Flügelstreit in AfD an. In: Freie Presse. 16. März 2015, S. 4.</ref> AfD-Landesvorsitzender Höcke schlug auf dem Kyffhäuser-Treffen des Flügels Tillschneider und Poggenburg für die Wahl des Bundesvorstandes beim Essener Parteitag vor.<ref>Rainer Roeser: Endkampfstimmung in der AfD. In: Blick nach Rechts. 24. Juni 2015.</ref> Tillschneider seinerseits unterstützte 2015 offen die gegen Bernd Lucke gerichtete Kandidatur von Frauke Petry für den Bundesvorsitz.<ref>Tilman Steffen: Alternative für Deutschland: Petry spricht von Sabotage. In: Zeit Online. 10. Juli 2015.</ref>

Im August 2016 wurde er wegen unvereinbarer Äußerungen<ref>AfD-Landesvorstand rügt eigene Abgeordnete. n-tv.de, 5. August 2016.</ref> als PP-Sprecher vom Landesvorstand der AfD Sachsen-Anhalt gerügt.<ref>Sachsen-Anhalts AfD rügt eigene Abgeordnete. In: Dresdner Neueste Nachrichten, 6. August 2016, S. 5.</ref>

Im September 2021 wurde er zum stellvertretenden Landesvorsitzenden der AfD Sachsen-Anhalt gewählt.<ref>Parteitag in Dessau-Roßlau: Rechtsaußen-Vertreter Tillschneider neuer AfD-Vize in Sachsen-Anhalt. In: F.A.Z. ISSN 0174-4909 (faz.net [abgerufen am 12. Februar 2022]).</ref>

Abgeordneter[Bearbeiten]

Bereits bei der Bundestagswahl 2013 kandidierte er erfolglos auf Listenplatz 7<ref>Stadt Leipzig, Amt für Statistik und Wahlen (Hrsg.): Bundestagswahl am 22. September 2013. Ergebnisse und Analysen. Leipzig 2013, S. 7.</ref> seines Landesverbandes. Bei den Kommunalwahlen in Sachsen 2014 trat er dann erfolglos im Wahlkreis 5 – Stadt Leipzig an;<ref>Beilage. In: Leipziger Volkszeitung. 24. Mai 2014, S. 33.</ref> er vereinigte 490 Stimmen.<ref>Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Wahlergebnis der Stadtratswahl 2014 im Wahlkreis 5 (Memento vom 8. August 2014 im Internet Archive) (Stand: 16. Oktober 2014), leipzig.de, abgerufen am 30. Juni 2015.</ref> Im Vorfeld der Europawahl 2014 unterlag er parteiintern Joachim Starbatty und konnte sich somit keinen Platz auf der Liste sichern.<ref>Jürgen Kochinke, Kai Kollenberg: Die Europawahl am 25. Mai: Der Einfluss des Freistaats im EU-Parlament könnte schwinden. In: Leipziger Volkszeitung. 12. Mai 2014, S. 4.</ref> Aus beruflichen Gründen verzichtete er bei der Landtagswahl in Sachsen 2014 auf eine Kandidatur.<ref>Tino Moritz: Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Alternatives Sammelsurium. (Memento vom 24. September 2015 im Internet Archive) In: Freie Presse. 28. April 2014, S. 4.</ref>

Nach seinem Umzug nach Sachsen-Anhalt wurde Tillschneider von der AfD Sachsen-Anhalt bei der Kandidatenaufstellung zur Landtagswahl 2016 auf Listenplatz 10 der Landesliste gewählt<ref>Rainer Roeser: AfD-Spitze im Spagat. In: Blick nach Rechts. 30. Dezember 2015</ref> und zudem als Direktkandidat seiner Partei im Wahlkreises Bad Dürrenberg-Saalekreis (Wahlkreis 34) aufgestellt. Er zog mit 30,9 Prozent der Erststimmen als Gewinner des Wahlkreises in den Landtag von Sachsen-Anhalt ein.<ref>Landtagswahlkreis 34 Bad Dürrenberg-Saalekreis. Webseite des Statistischen Landesamtes Sachsen-Anhalt, abgerufen am 14. März 2016.</ref> Er ist dort Mitglied des Ausschusses für Bundes- und Europaangelegenheiten sowie Medien und des Ausschusses für Bildung und Kultur.<ref name="landtag" />

Im Juni 2017 hielt Tillschneider im Landtag in Magdeburg eine Rede, in der er die Ablösung von Operndirektor Florian Lutz sowie „gediegene, stolze und intelligente Werkinterpretationen […] statt hohler Experimente und statt dümmlicher Willkommenspropaganda“ forderte.<ref>Kultur – die neue Kampfzone, Das Erste Titel, thesen, temperamente 2017</ref><ref>So sieht die Kulturpolitik der AfD aus. Bayerischer Rundfunk, 10. Juli 2019.</ref><ref name="20171221-dlf-kultur" />

2016 beteiligte er sich an der neurechten<ref>Anna-Lena Herkenhoff: Neurechte Netzwerke und die Initiative »Ein Prozent für unser Land«. In: Alexander Häusler, Fabian Virchow (Hrsg.): Neue soziale Bewegung von rechts? Zukunftsängste. Abstieg der Mitte. Ressentiments – Eine Flugschrift. VSA, Hamburg 2016, ISBN 978-3-89965-711-1, S. 73–83, hier: S. 73.</ref> Kampagne „Ein Prozent für unser Land“ um Götz Kubitschek.<ref>Helmut Kellershohn: „Es geht um Einfluss auf die Köpfe“ – Das Institut für Staatspolitik. Bundeszentrale für politische Bildung, Dossier Rechtsextremismus, 7. Juli 2016.</ref> Von September 2017 bis Ende 2019 unterhielt Tillschneider in Halle ein zweites Abgeordnetenbüro im Haus der Identitären Bewegung, die dort als Kontrakultur Halle auftritt,<ref name="mz-web-166252">Robert Briest: AfD im Saalekreis: Wie Tillschneider die Partei geschlossen nach rechts rücken will. In: mz-web.de. 10. März 2017, abgerufen am 21. Oktober 2017.</ref> in der Adam-Kuckhoff-Straße 16 außerhalb seines Wahlkreises.

Seit Anfang des Jahres 2020 beobachtet der Verfassungsschutz Tillschneider mit nachrichtendienstlichen Mitteln. Diese Überwachung bezieht sich auf außerparlamentarische Aktivitäten, nicht auf die parlamentarische Arbeit.<ref>Holger Stark: AfD: Zu radikal. www.zeit.de, 12. Februar 2020.</ref>

Ende September 2020 wurde Tillschneider beim Parteitag der AfD Sachsen-Anhalt mit 84 Prozent zum stellvertretenden Landesvorsitzenden gewählt. Tillschneider äußerte dazu mit Bezug auf seine Beobachtung durch den Verfassungsschutz, dieses Ergebnis zeige, „wenn hier jemand angegriffen wird, dann wirkt sich das als eine Empfehlung aus“. Weiter sagte er: „Wir, die AfD, sind der einzige Verfassungsschutz in diesem Land.“<ref name="mdr2020">Thomas Vorreyer: Hans-Thomas Tillschneider, die AfD und der Verfassungsschutz. www.mdr.de, 23. September 2020.</ref>

Bei der Landtagswahl 2021 zog Tillschneider über Platz 3 der AfD-Landesliste wieder in den Landtag von Sachsen-Anhalt ein.<ref>Statistisches Landesamt Sachsen-Anhalt. Wahl des Landtages von Sachsen-Anhalt am 6. Juni 2021. Landeswahlleiterin Sachsen-Anhalt, Juni 2021, abgerufen am 14. Juni 2021.</ref> Bei der Landtagswahl 2026 erreichte Tillschneider in seinem Wahlkreis Querfurt mit 54,9 Prozent das landesweit beste Erststimmenergebnis für die AfD und übertraf damit sogar seinen Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund (Wahlkreis Genthin, 49,0 Prozent).<ref>Das sind die Direktsieger in Sachsen-Anhalt. In: T-Online. 7. September 2026, abgerufen am 7. September 2026.</ref>

Sonstige Aktivitäten[Bearbeiten]

Datei:Tillschneider legida 2015 04 20.jpg
Tillschneider auf einer LEGIDA-Demonstration in Leipzig (2015)

Er besuchte 2014 die neurechte, durch Felix Menzel organisierte Messe zwischentag auf dem Haus der Alten Breslauer Burschenschaft der Raczeks in Bonn,<ref>Achim Pollmeier, Kim Otto, Peter Onneken: Alternative für Deutschland – Wie eine Partei immer stärker nach rechts kippt. In: Monitor. 11. September 2014.</ref> die nach Beobachtern eine „Scharnierfunktion zwischen konservativer und extremer Rechter“ einnimmt.<ref>Info- und Bildungsstelle gegen Rechtsextremismus im NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln/mbr – Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus im Regierungsbezirk Köln (Hrsg.): Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Bonn. (Memento vom 5. Mai 2016 im Internet Archive) Stand: 31. Dezember 2015.</ref> Er gab zudem Menzels neurechter Zeitschrift Blaue Narzisse (2014), Manuel Ochsenreiters rechtsextremer Zeitschrift Zuerst! (2015) und Götz Kubitscheks neurechter Zeitschrift Sezession<ref>Fabian Leber: AfD-Führung vergleicht Pöbel-Parteitag mit Fußballspiel. In: Der Tagesspiegel. 8. Juli 2015.</ref> (2015) Interviews. Zuvor war er bereits Autor eines Kurzbeitrages in der Sezession und Referent beim 10. Staatspolitischen Salon des neurechten Instituts für Staatspolitik<ref>Dietmar Neuerer: Alternative für Deutschland: AfD-Vorstände suchen Nähe zu rechter Denkfabrik. In: Handelsblatt. 1. Juni 2015.</ref> (IfS) auf dem Haus der Berliner Burschenschaft Gothia. Gemeinsam mit Götz Kubitschek und Jürgen Elsässer referierte er noch im selben Jahr bei einer Veranstaltung des Querfront-Magazins Compact in Berlin.<ref>Stefan Locke: AfD und rechter Rand: Sing, mei Sachse, sing! In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 21. Juli 2015.</ref>

Tillschneider ist der Pegida-Bewegung verbunden; so nahm er an der Demonstration in Dresden teil und stand nach eigenen Angaben dem Leipziger Ableger, LEGIDA, als Berater zur Verfügung. Tillschneider lobte, so die Politikwissenschaftler Lars Geiges, Stine Marg und Franz Walter, PEGIDA öffentlich und stellte zugleich fest, dass eine Partei fehle, „die den Protest in die Parlamente“ trage.<ref>Lars Geiges, Stine Marg, Franz Walter: Pegida. Die schmutzige Seite der Zivilgesellschaft? (= X-Texte). Transcript, Bielefeld 2015, ISBN 978-3-8376-3192-0, S. 154 f.</ref> Im Mai 2016 sprach er als erster AfD-Mandatsträger auf einer PEGIDA-Demonstration in Dresden<ref>AfD-Politiker spricht auf Pegida-Kundgebung in Dresden. abendblatt.de, 9. Mai 2016.</ref> und forderte das Bundesverdienstkreuz für den Pegida-Chef Lutz Bachmann.<ref>SZ/uwo/epd: Schlappe für AfD-Chefin Petry. In: Sächsische Zeitung, 9. August 2016, S. 6.</ref>

Politische Positionen[Bearbeiten]

Der Sozialwissenschaftler Alexander Häusler bezeichnet Tillschneider als „Rechtsaußenvertreter der AfD“.<ref>Alexander Häusler, Rainer Roeser: „Erfurt ist schön deutsch – und schön deutsch soll Erfurt bleiben!“ Das politische Erscheinungsbild der Partei „Alternative für Deutschland“ (AfD) in Thüringen. Hrsg. durch die Friedrich-Ebert-Stiftung, Landesbüro Thüringen, Erfurt 2015, ISBN 978-3-95861-322-5, S. 60.</ref> Der Soziologe Andreas Kemper rechnet Tillschneider zur „fundamentalistische[n] Neue[n] Rechten“.<ref>Andreas Kemper: Antiemanzipatorische Netzwerke und die Geschlechter- und Familienpolitik der Alternative für Deutschland. In: Alexander Häusler (Hrsg.): Die Alternative für Deutschland. Programmatik, Entwicklung und politische Verortung. Springer Fachmedien, Wiesbaden 2016, ISBN 978-3-658-10638-6, S. 81–97, hier: S. 93.</ref>

2016 sagte Tillschneider, Völker seien „Gedanken Gottes“, daher habe „niemand […] das Recht, sie bis zur Unkenntlichkeit zu entstellen. Mit der Globalisierung und der zügellosen Masseneinwanderung erhebt sich der Mensch gegen die Schöpfung.“ Die Publizistin Liane Bednarz bezeichnete dies als „[v]ölkisches Denken im christlichen Gewand“.<ref>Liane Bednarz: Die Angst-Prediger. Wie rechte Christen Gesellschaft und Kirchen unterwandern. Droemer, München 2018, S. 40</ref>

Im Juni 2017 hielt er als kulturpolitischer Sprecher der AfD-Landtagsfraktion Sachsen-Anhalt im Landtag in Halle eine Rede, in der er den ukrainisch-ungarischer Theaterregisseur und -intendant Attila Vidnyánszky als aus seiner Sicht positives Beispiel für eine Kulturpolitik in seinem Sinne erwähnte.<ref>Kultur – die neue Kampfzone, bei Titel, thesen, temperamente, 2017</ref><ref>So sieht die Kulturpolitik der AfD aus, Bayerischer Rundfunk, 10. Juli 2019</ref><ref>Christoph Richter: Kulturpolitik in Sachsen-Anhalt. AfD will Theater sanktionieren, Deutschlandfunk Kultur, 21. Dezember 2017</ref> Hinsichtlich Theaterprojekten spricht sich Tillschneider gegen „Vielfaltsideologien“ aus und fordert in diesem Zusammenhang die Streichung von Subventionen. Das Bauhaus bezeichnet er in Anlehnung an den NS-Ideologen Paul Schultze-Naumburg als „Irrweg der Moderne“.<ref>Wie die AfD die Kultur in Sachsen-Anhalt umdeutet. tagesschau.de, 6. September 2025, abgerufen am 6. September 2026.</ref>

Er unterstützt die Frankfurter Erklärung zur Gleichstellungspolitik um Günter Buchholz,<ref>[1], Frankfurter Erklärung, veröffentlicht am 28. April 2019.</ref> die sich gegen die derzeitige Gleichstellungspolitik ausspricht und anmahnt, dass man Gleichstellungspolitik nicht mit Gleichberechtigung verwechseln dürfe.<ref>Ralf Steinbacher: Qual der Quote. In: Süddeutsche Zeitung, 18. November 2013, S. 15.</ref> Im Mai 2016 gab er MANNdat, einem Akteur der antifeministischen Männerrechtsbewegung, in einem längeren Interview Auskunft über weitere geschlechterpolitische und familienpolitische Forderungen.<ref>Thomas Gesterkamp: Getarnte Antifeministen. taz.de, 30. Oktober 2017</ref> In der Bildungspolitik setzt er sich dafür ein, den „Schulzwang“ durch eine „Bildungspflicht“ zu ersetzen, da Schulen eine „sozialistische Idealisierung des Kollektivs“ und Indoktrinierungsgefahr bedeuten würden. Die Alternative sei die Unterrichtung der Kinder durch die Eltern. In öffentlichen Schulen und Kindertagesstätten sieht er auch die Gefahr einer „Frühsexualisierung“ und dass schon bei Grundschulkindern um ein Verständnis für Homo- und Intersexualität geworben würde.<ref>Dirk Walter: „Feind aller linken Spießer“ – Das ist der Chefideologe der AfD. In: Münchner Merkur vom 14. März 2016</ref> Im Juni 2018 bezeichnete Tillschneider beim Kyffhäusertreffen des Flügels die „deutsche Identität“ als „allumfassend“, sie sei daher „nicht erschöpfend definierbar und feststellbar“. Deutsch sei „alles, was wir mit unseren deutschen Augen sehen“. Es gebe, so Tillschneider, „eine deutsche Art, sich zu kleiden, […] zu kochen, […] zu bauen, […] zu musizieren“. Diese Art unterscheide sich „von allen anderen Völkern“. Laut dem Journalisten Michael Kraske ist dieses Verständnis von Deutschtum „übergriffige Vereinnahmung und Entmündigung“. „Verschiedene Herkünfte und Identitäten mit ganz verschiedenen Lebenswegen und Lebensweisen“ seien darin nicht vorgesehen. Das „nationalistische Kollektiv“ sei „alles, der Einzelne hingegen nichts“.<ref>Michael Kraske: Tatworte. Denn AfD & Co. meinen, was sie sagen. Ullstein, Berlin 2021, ISBN 978-3-548-06442-0, S. 77 f.</ref>

2018 kritisierte Tillschneider in der neurechten Sezession, dass die AfD-„Parteioberen“ bei der Demonstration am 1. September 2018 in Chemnitz einer Polizeianordnung zur Auflösung des Demonstrationszugs Folge geleistet und „kapituliert“ hätten, und schrieb von „Würdelosigkeit“. Man hätte, so Tillschneider, die Polizei „zwingen [müssen]“, gegen die Demonstranten vorzugehen, „damit sie sich so zur Kenntlichkeit entstellt“, denn ein „Strahl aus dem Wasserwerfer“ bringe „bei Temperaturen um die 18 Grad niemanden um“. Man habe „lange genug den Mund gehalten und die Faust in der Tasche geballt“. Das „Dahinvegetieren dieser Republik“ bis zum Auftreten von AfD und Pegida sei „doch schon ein einziger Schweigemarsch“ gewesen.<ref>Steffen Kailitz: „Sachsen – eine Hochburg der AfD? Entwicklung, Perspektiven und Einordnung der Bundespartei und des sächsischen Landesverbandes.“ In: Uwe Backes/Steffen Kailitz (Hrsg.): Sachsen – Eine Hochburg des Rechtsextremismus? Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2020, S. 195.</ref><ref>Katja Bauer, Maria Fiedler: Die Methode AfD. Der Kampf der Rechten: Im Parlament, auf der Straße – und gegen sich selbst. Klett-Cotta, Stuttgart 2021, ISBN 978-3-608-98412-5, S. 64.</ref>

Im selben Jahr erklärte Tillschneider in einem Interview, er halte „diese Sakralisierung des Holocaust […] für hochgradig irrational“.<ref>Jana Merkel, Tim Schulz: Der Antisemitismus in der AfD. www.mdr.de, 20. März 2022.</ref>

Eigenem Bekunden nach sympathisiert er mit der Identitären Bewegung und den Burschenschaften, wobei er sich von der Mehrheit der „gleichgeschalteten, linksliberalen Studenten“ abgrenzen möchte. Die AfD wolle, so Tillschneider, das Gleiche wie die Identitäre Bewegung, inhaltlich gebe es keinen Dissens.<ref>Jörg Köpke, Jan Sternberg: Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Die Identitäre Bewegung. Jung, hip, rechtsextrem. (Memento vom 11. August 2016 im Internet Archive) In: Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 12. Juli 2016</ref><ref>„Patriotische Plattform“: Rechte AfD-Gruppe löst sich auf. www.tagesschau.de, 21. September 2018</ref> Beim „Identitären Stammtisch“ in Halle (Saale) hielt er einen Vortrag über „Parlament und Straße – gemeinsamer Widerstand.“<ref>Peter Felixberger, Armin Nassehi (Hrsg.): Kursbuch 186: Rechts. Ausgrabungen. 2016</ref>

Laut dem Journalisten Marcus Bensmann ist Tillschneider ein Anhänger des Konzepts der „multipolaren Weltordnung“, das auch von russischen Nationalisten wie Alexander Dugin propagiert werde und dessen Kennzeichen die Infragestellung universeller Menschenrechte sei. Dementsprechend sollen regionale Mächte in ihrem Einflussgebiet ohne Rücksicht auf diese Menschenrechte über die benachbarten kleineren Länder verfügen können und dürfen. In einem Video erklärte Tillschneider, die „multipolare Weltordnung“ sei „der Gegenbegriff zur unipolaren Weltordnung, zur Weltherrschaft der USA“.<ref>Marcus Bensmann: „Wie die AfD zu einer Partei des Kremls wurde.“ In: Matthias Quent, Fabian Virchow (Hrsg.): Rechtsextrem, das neue Normal? Die AfD zwischen Verbot und Machtübernahme. Piper, München 2024, S. 135–145, hier S. 139 f.</ref>

Unter Bezugnahme auf eine Bluttat in Illerkirchberg (Erstechung eines Mädchens; verurteilt wurde später ein Mann aus Eritrea) kommentierte Tillschneider Anfang Dezember 2022 die aufgrund des dringenden Tatverdachts der Planung eines Staatsstreichs erfolgte Razzia bei der Reichsbürger-Gruppierung „Patriotische Union“ in einem Facebook-Video folgendermaßen: „Um die Bürger vollends abzulenken von der Geschichte, zaubert man eine rechtsextreme Reichsbürger-Terror-Gruppe aus dem Hut.“<ref>Kai Küstner, Martin Schmidt: Die einen schweigen, die anderen raunen. www.tagesschau.de, 9. Dezember 2022.</ref>

Dass der katholische Bischof von Magdeburg, Gerhard Feige, die AfD als „größte Bedrohung des Christentums“ darstelle, zeige, dass „so mancher geistliche Würdenträger im Dienste des Widersachers“ unterwegs sei, sagte Tillschneider 2024 im Landtag von Sachsen-Anhalt.<ref>Annette Langer: Wie die Kirchen gegen rechts kämpfen. In: Der Spiegel. Spiegel-Verlag Rudolf Augstein GmbH & Co. KG, 25. Februar 2025, abgerufen am 25. September 2025.</ref> Er, Tillschneider, „fürchte die Verfolgung nicht, denn ich weiß, Gott ist mit uns, Gott ist mit der AfD“. Diese habe eine historische Mission als „Drachentöter unserer Zeit“ und stehe „in dem Weltkampf zwischen den Mächten des Lebens und des Todes, des Lichtes und der Dunkelheit auf der Seite des Lebens und des Lichts“. Der Historiker Volker Weiß wies anhand dieser Zitate auf die Russland- und Putin-Affinität Tillschneiders hin, da das von diesem bemühte Motto „Gott mit uns“ nicht nur die Koppelschlösser deutscher Soldaten in zwei Weltkriegen zierte, sondern auch ein Wappenspruch der russischen Zaren war. Der erwähnte „Drachentöter“ verweist laut Weiß auf den Nationalheiligen Russlands St. Georg.<ref>Volker Weiß: Das Deutsche Demokratische Reich. Wie die extreme Rechte Geschichte und Demokratie zerstört. Klett-Cotta, Stuttgart 2025, S. 13 ff.</ref>

Den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Georg Bätzing, der von der Wahl der AfD abgeraten hatte („Ich rate ab, diesen Spaltern noch mehr Stimmen in unserem Land zu geben“), bezeichnete Tillschneider am 24. September 2025 als „vom Teufel geschickt“, da dieser „die klare Trennung zwischen Wahrheit und Irrtum, Licht und Dunkelheit, Rechtleitung und Irreführung als Spaltung kritisiert“ habe. Beide christliche Kirchen könnten „den Glauben an Gott, ohne den keine nationale Renaissance gelingt, nicht wiederbeleben“. Der Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz, Matthias Kopp, wies diese Äußerungen mit deutlichen Worten zurück.<ref>AfD-Politiker attackiert Bischof Bätzing: „Vom Teufel geschickt“. In: Kirche+Leben. Dialog Medien Publicity GmbH, 24. September 2025, abgerufen am 24. September 2025.</ref><ref>AfD-Politiker hält Bischof für „vom Teufel geschickt“. www.t-online.de, 24. September 2025.</ref>

Auf dem sozialen Netzwerk X verteidigte Tillschneider die sexuelle Beziehung des Liedermachers Konstantin Wecker mit einer 16-Jährigen. So schrieb er über die Beziehung des damals 63-Jährigen: „Na und? Es war eindeutig einvernehmlich und sie war über 16. Daraus überhaupt eine Nachricht zu machen, ist nichts anderes als männerfeindliche Propaganda.“ Später löschte Tillschneider seinen Beitrag.<ref>Konstantin Wecker: „Na und?“, sagt Tillschneider von der AfD über die Sänger-Affäre mit einer Schülerin. In: Die Welt. Abgerufen am 26. November 2025.</ref>

Im März 2025 hielt Tillschneider bei einer AfD-Karnevalsveranstaltung eine im Stil einer Büttenrede gehaltene Rede, in der er über Afrikaner, „Orientale[] und Afghanen“ unter anderem sagte: „Sie strömen hier herein in Massen und wollen unser Geld verprassen. Ohne Arbeit gibt es hier zu essen. Die köstlichsten Delikatessen, wer sie nicht fängt, weil er zu faul dem, fliegen sie von selbst ins Maul [sic!]. [...] Ein lauter Rülpser bringt ein Kompliment und sticht der Ali mit dem Messer, lebt er im Gefängnis bei uns besser als frei in seiner fernen Heimat. So hält er es für äußerst guten Rat, sich hier daneben zu benehmen und sich dafür auch nicht zu schämen.“<ref>Verfassungsschutzbericht Sachsen-Anhalt 2025, S. 26 f.</ref>

Muslimfeindlichkeit[Bearbeiten]

Hans-Thomas Tillschneider war 2013 und 2014 dreimal Gastautor der FAZ.<ref name="Traditionskritik">Hans-Thomas Tillschneider: Nicht ohne die nötige Traditionskritik. In Frankfurter Allgemeine Zeitung, 1. Februar 2013, Nr. 27, S. 7.</ref><ref name="Fragwürdiges Plädoyer">Hans-Thomas Tillschneider: Fragwürdiges Plädoyer für eine infantile Theologie. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 7. Juni 2013, S. 7.</ref><ref name="deutscher Islam">Hans-Thomas Tillschneider: Ein deutscher Islam muss sich erst entwickeln. Lehrstühle für islamische Theologie zu früh und zu flächendeckend. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27. März 2014, S. 6.</ref> In dem Artikel Nicht ohne die nötige Traditionskritik<ref name="Traditionskritik" /> kritisiert er den Einzug bekenntnisorientierter Hochschul-Lehrstühle für islamische Theologie. Diese sei „ein Hätschelkind der Politik“: Im Gegensatz zu den neutralen Islamwissenschaften seien bekenntnisgebundene Lehrstühle für Islamische Theologie und Islamische Religionspädagogik an deutschen Universitäten eingerichtet, „um die Hinterhofmoscheen auszutrocknen, doch wie es aussieht, kommt nun die Hinterhofmoschee an die Universität“.<ref>Andrea Eibl: Den Islam studieren. Ein Gott, zwei Perspektiven. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22. Juli 2013.</ref> Noch 2010 hatte er einen Aufruf deutscher Islamwissenschaftler zur Einführung Islamischer Theologie Universitäten unterstützt.<ref>Stellungnahme mit Unterschriftenliste auf der Website der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft, abgerufen am 4. September 2016</ref> Weiter vertritt Tillschneider die Auffassung, der Islam habe sich in den „kranken“ westeuropäischen Gesellschaften „eingenistet“ und „Parallelgesellschaften“ gebildet, „die wie ein Baumpilz am Stamm der deutschen Eiche wuchern“. Ein Einwanderungsgesetz bräuchte es „nur als Gesetz gegen, aber nicht als Gesetz für Einwanderung“.<ref name="mdr2020" />

Der Münsteraner Islamwissenschaftler Marco Schöller, der nach eigenen Worten von einem Standpunkt des „Szenarios der globalisierten Postmoderne“ ausgeht, befand, dass Tillschneider „einen essenzialistischen Kultur- und Nationalbegriff vertrete, wie er im 19. Jahrhundert von vielen propagiert worden sei und heute als obsolet gelten“ müsse. Es sei interessant, zu sehen, dass Tillschneider mit seiner Idee der Nationalkultur so unkritisch und historisch unreflektiert hantiere, wie er es gerne den muslimischen Theologen im Hinblick auf deren Überzeugungen vorwerfe.<ref>Marco Schöller: Aus der Ferne ist die Sicht getrübt. Warum islamische Theologie an deutschen Universitäten eine Bereicherung und kein Problem ist. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10. April 2014, S. 6.</ref> Beispielhaft hierfür sind Aussagen wie „Deutschland den Deutschen!“, das äußerte Tillschneider in einer Rede auf einer Demonstration im September 2017.<ref>andre, anna, Markus Reuter: Verfassungsschutz-Gutachten zur AfD 2019. In: siehe Textstelle mit dortigem Beleg Nr. 275. 28. Januar 2019, abgerufen am 6. November 2024.</ref>

Der Islamwissenschaftler und Jurist Mathias Rohe nennt im Handbuch Christentum und Islam in Deutschland die von Tillschneider 2014 aufgestellte, „im klaren Gegensatz zur deutschen Verfassungsordnung und zur Europäischen Menschenrechtskonvention“ stehende Forderung, die Errichtung von Moscheen in Deutschland von örtlichen Abstimmungen abhängig zu machen, „exemplarisch für derartige rechtspopulistisch-islamfeindliche Positionen“.<ref>Mathias Rohe: Scharia und deutsches Recht. In: Havva Engin, Mathias Rohe, Mouhanad Khorchide, Ümer Öszoy, Hansjörg Schmid (Hrsg.): Handbuch Christentum und Islam in Deutschland: Grundlagen, Erfahrungen und Perspektiven des Zusammenlebens. Band 1. Im Auftrag der Eugen-Biser-Stiftung, Herder, Freiburg im Breisgau u. a. 2014, ISBN 978-3-451-31188-8, Fn. 44.</ref>

2016 verabschiedete die AfD ihr Grundsatzprogramm, in dem sie festhielt, dass der Islam nicht zu Deutschland gehöre. In der vorangegangenen Diskussion hatte Tillschneider – erfolgreich – darauf gedrungen, dass ein Antrag, der sich für eine Unterstützung eines aufgeklärten Islams aussprach, abgelehnt werden müsse. Man solle „nicht für die Verwestlichung des Islams eintreten“.<ref>Lenz Jacobsen: AfD-Parteitag: AfD spricht Islam Fähigkeit zur Aufklärung ab. In: Die Zeit. 1. Mai 2016, ISSN 0044-2070 (zeit.de [abgerufen am 28. Juni 2025]).</ref> Nach dem Parteitag verdeutlichte er: „Ich kritisiere den Islam nicht an sich und will ihn weder reformieren noch aufklären. Das halte ich gar nicht für möglich. Eine universalistische Islamkritik bezieht sich im Gegensatz zu meiner Islamkritik auf angeblich universelle, global geltende Werte, die auch der Islam respektieren müsse, und deshalb brauche es einen Reformislam.“ Das sei nicht seine Position, sondern die sei: „Die Deutschen haben ihre Kultur, die Muslime haben ihre Kultur, und das passt nicht zusammen.“ Er habe sich im Studium bewusst für einen Aufenthalt in Damaskus entschieden, Kairo wäre ihm zu „verwestlicht“ gewesen. Ihm gehe es um Identitäten, darum seine Unterstützung für die Identitäre Bewegung. Würden „verschiedene Kulturen in einer Gesellschaft zusammengewürfelt, verschmelzen sie entweder zu einem grauen Einheitsbrei oder es entstehen Konflikte. Multikulti funktioniert nicht.“ Er wolle einen „Islam, der islamisch ist, und ein Deutschland, das deutsch ist“.<ref>„Ich will Moscheen lieber im Orient sehen“. In: n-tv Nachrichten. 2. Mai 2016, abgerufen am 28. Juni 2025.</ref>

Patrick Gensing bezeichnet eine Aussage Tillschneiders vor AfD-Mitgliedern 2018, nach der der Islam neben anderen auch vom Zentralrat der Juden in Deutschland instrumentalisiert werde, „um in Deutschland multikulturelle Verhältnisse herbeizuführen“, „die deutsche Kultur zu schwächen“ und die „Abschaffung unseres Volkes“ herbeizuführen, als antisemitische These einer jüdischen Verschwörung gegen Deutschland.<ref>Patrick Gensing: Antisemitismus: Brandgefährliche Verschwörungslegenden. www.tagesschau.de, 9. November 2019</ref><ref name="Gensing-133f">Patrick Gensing: Fakten gegen Fake News oder Der Kampf um die Demokratie. Duden, Berlin 2019, S. 133 f.</ref> Auch Tillschneiders Aussage, die Globalisierung solle „nicht mehr nur ein Projekt der Eliten bleiben, getragen von einer kleinen Schicht internationaler Vagabunden“, und daher solle dieses „internationale Vagabundentum […] nun verbreitert und popularisiert werden, weil es die Säure ist, die unsere Nationalstaaten zerfrißt“, führt Gensing als Beispiel dafür an, „wie die Denk- und Sprachmuster klassischer antisemitischen (sic!) Verschwörungslegenden übernommen werden“.<ref name="Gensing-133f" />

Position zu Putins Russland[Bearbeiten]

Im September 2022 reiste Tillschneider mit zwei anderen AfD-Landtagsabgeordneten nach Russland. Die Reise wurde als Unterstützung der russischen Propaganda zum Überfall auf die Ukraine gewertet. Bundessprecherin Alice Weidel betonte, es handle sich um eine „Privatreise“, und das Unternehmen sei „nicht zielführend“.<ref>Gareth Joswig: Putins deutsche Helfer im Kriegsgebiet. In: taz, 21. September 2022, S. 2.</ref> Die drei Abgeordneten brachen ihre Reise ab und fuhren nicht in den Donbass weiter, um – wie ursprünglich geplant – auch die russisch besetzten Gebiete der Ukraine im Donbass zu besuchen.<ref>Nadja Austel: AfD: Donbass-Reise nach Schelte von oben abgebrochen – „Keiner fährt hin“. fr.de, 20. September 2022.</ref>

Seit Januar 2023 schreibt Tillschneider – nach eigenen Angaben ohne Vergütung – eine monatliche Kolumne für die russische Tageszeitung Wedomosti, in der er den Kreml lobt und russische Propaganda wiedergibt.<ref>Hagen Eichler: AfD-Politiker Tillschneider lobt in russischer Zeitung das Zerstückeln der Ukraine. In: Mitteldeutsche Zeitung. 2. Mai 2024, abgerufen am 3. Mai 2024.</ref><ref>Zwei Tote nach Angriff in Ostukraine. In: tagesschau.de. 4. Mai 2024, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 10. Mai 2024; abgerufen am 27. Juli 2026.</ref>

Am 7. Oktober 2025 nahm er – mit den weiteren AfD-Politikern Schröder und Lizureck – in der russischen Botschaft in Berlin an der Feier zu Wladimir Putins 73. Geburtstag teil.<ref>Heftige Kritik AfD-Politiker bei Putin-Ehrung in russischer Botschaft in Berlin, Berliner Morgenpost 8. Oktober 2025</ref>

Unterstützung für Russlands Angriffskrieg[Bearbeiten]

Kurz vor dem russischen Überfall auf die Ukraine sagte Tillschneider in einer rechten Talkrunde über den russischen Präsidenten Wladimir Putin, dieser sei ein „echter Kerl, ein richtiger Mann mit gesundem Wertegerüst“. Den US-Präsidenten Joe Biden nannte er hingegen eine „giftige alte Kröte“.<ref name="FR22823">Robert Wagner: Nach Putins „Sicherheitskonferenz“: AfD-Politiker feiert Russland als Paradies auf Erden www.fr.de, 22. August 2023</ref>

Zur Tagesschau-Meldung Russland greift an zu Beginn des russischen Überfalls auf die Ukraine twitterte Tillschneider: „Falsch. Russland wehrt sich.“ – diesen Tweet löschte er später.<ref name="correcti-220228">Olaya Argüeso, Marcus Bensmann, Annika Joeres: Russlands Krieg entlarvt Europas Rechte. In: correctiv.org. 28. Februar 2022, abgerufen am 13. März 2022.</ref><ref>Julia Regis, Lara Straatmann: Putins nützliche Idioten: Wo Russlands Propaganda verfängt. In: Manuskript der Fernsehmagazins Monitor, 3. März 2022, abgerufen am 13. März 2022 (PDF).</ref> In der Lokalpresse wurde er daraufhin als „Putin-Versteher“ bezeichnet.<ref name="np-cobur-672976">Joachim Dankbar: Auf einer Linie mit Björn Höcke: Bayreuther AfD-Mann als Putin-Versteher. In: np-coburg.de. 24. Februar 2022, abgerufen am 13. März 2022.</ref> Am 28. Februar 2022 sagte Tillschneider auf einer Demonstrationsrede in Querfurt: „Wladimir Putin verteidigt russische Interessen, und das ist sein gutes Recht.“<ref name="welt-237375831">Frederik Schindler: Ukraine: So streitet die AfD über russische Propaganda und Sanktionen gegen Putin. In: welt.de. 7. März 2022, abgerufen am 13. März 2022.</ref> Er behauptete ferner: „In diesem Fall gilt, wie so oft in der Geschichte, dass der Angreifer nicht der eigentliche Aggressor ist.“<ref>Verdachtsfall AfD – Welche Folgen hat das Kölner Gerichtsurteil? In: Recht – Steuern – Wirtschaft – Verlag C.H. Beck. Abgerufen am 2. April 2022.</ref>

Tillschneider unterschrieb das von Sahra Wagenknecht und Alice Schwarzer verfasste Manifest für Frieden, in dem die Aufnahme von Friedensverhandlungen und ein Ende der Waffenlieferungen an die Ukraine gefordert werden, und nahm Ende Februar 2023 an der entsprechenden Kundgebung „Aufstand für Frieden“ in Berlin teil. Auf einer „Friedensdemo“ des AfD-Landesverbands Sachsen-Anhalt in Magdeburg sagte er, die Bundesregierung habe „dem eigenen Volk den Krieg erklärt“, daher „führen wir Krieg gegen diese Bundesregierung“. Zudem äußerte Tillschneider, Wagenknecht und die AfD trenne weniger voneinander als von CDU, SPD oder Grünen.<ref>Pascal Beucker, Gareth Joswig, Konrad Litschko: Lasst mich bloß in Frieden taz.de, 25. Februar 2023</ref><ref>Thomas Vorreyer: „Sie haben Angst vor uns“. www.tagesschau.de, 25. Februar 2023</ref>

Anfang 2023 gründete Tillschneider zusammen mit dem Herausgeber des rechtsextremen Magazins Compact, Jürgen Elsässer, den Verein Ostwind für „Frieden und Freundschaft mit Russland“. Tillschneider sagte dazu, die USA wollten „uns“ in der Ukraine „als Bauern aufs Schlachtfeld führen“ und das „Regenbogenimperium“ ausbreiten. In Russland herrsche hingegen „eine in der Tradition verwurzelte Lebensweise, die sich mehr und mehr als Gegenentwurf zur traditions-, identitäts- und geschlechtslosen Regenbogengesellschaft des Westens“ begreife. Während die USA „uns […] vom Multikulturalismus bis zum Genderismus nach ihrem Bilde umformen“ wollten, sei „mit Russland eine Partnerschaft möglich, die uns sein lässt, wie wir sind. Freundschaft mit Russland bedeutet nicht Unterwerfung, Freundschaft mit Russland bedeutet Befreiung“.<ref>Andreas Speit: Verein für rechte Putinfreunde. taz.de, 2. Februar 2023.</ref>

Tillschneider besuchte Mitte August 2023 die elfte „Moskauer Sicherheitskonferenz“, zu der Staaten wie China, der Iran oder Saudi-Arabien eingeladen waren. Dazu veröffentlichte er auf TikTok ein Video, in dem er betonte, wie „geschmackvoll erleuchtet“ Moskau bei Dunkelheit und wie angenehm das Leben in Russland sei – alles „sehr sauber“, die Menschen wirkten „ruhig und zufrieden“ und es gehe ihnen gut. Überschrieben war das Video mit: „Glanz, Ordnung, Wohlstand und Sauberkeit“.<ref name="FR22823" /><ref>Eva Kienholz: Eine kurze Geschichte der AfD. Von der Eurokritik zum Remigrationsskandal. Rowohlt, Hamburg 2024, S. 169.</ref> Im März 2024 gehörte er zu den wenigen deutschen Politikern, die Putin zum Wahlsieg gratulierten.<ref>Gareth Joswig: AfD-„Wahlbeobachter“ in Russland. taz.de, 21. März 2024.</ref> Im September 2024 sprach er sich gegen weitere Sanktionen aus.<ref>Justus Bender, Friedrich Schmidt: Putins Helfer. Wie AfD und BSW russische Propaganda verbreiten. 21. Oktober 2024 (Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt."faz.net" (Memento vom 21. Oktober 2024 im Webarchiv archive.today)).</ref>

Antiamerikanismus und Holocaust-Relativierung[Bearbeiten]

Nach dem Terrorangriff der Hamas auf Israel im Oktober 2023 sagte Tillschneider in einem Interview mit dem rechten Magazin Freilich, er würde, auch wenn es „natürlich nicht“ beweisbar sei, „die Vermutung wagen, dass die USA über ihre klandestinen Hamas-Kontakte zumindest einen Impuls für den Angriff gegeben haben könnten“. Das sei in seinen Augen „die wahrscheinlichste Erklärung“.<ref>David Gebhard: AfD streitet über Israel-Unterstützung www.zdf.de, 15. Oktober 2023</ref> Auf seinem TikTok-Kanal sagte Tillschneider, Israel strafe im Gazastreifen „die Palästinenser kollektiv für die Verbrechen der Hamas“. Das sei ein „Verstoß gegen Menschenrecht“. „Genau das Gleiche“ gelte „übrigens für die Deutschen und den Holocaust“; man könne „nicht das ganze deutsche Volk in Verantwortung ziehen für die Verbrechen einiger weniger“.<ref>Nicolas Lelle: Free Antisemitismus form German Guilt. In: Belltower.News, 7. November 2023.</ref>

In seinem Buch Kulturpolitik schrieb er, die sogenannten „Antideutschen“, die gegen den Nationalsozialismus eintreten, würden ihre Gegner „genauso und brutaler noch [entmenschlichen], als die Nationalsozialisten das mit ihren Gegnern taten“. Vor dem Hintergrund des von Nationalsozialisten verübten Holocaust kritisierte Jo Schück diese Aussage als Holocaustrelativierung.<ref>Kulturkampf in Sachsen-Anhalt - Was passiert mit Kunst und Kultur, wenn die AfD regiert? In: Aspekte. ZDF, 14. August 2026, abgerufen am 29. August 2026 (Zitiert wird aus Kulturpolitik, S. 85).</ref>

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten]

Monografien

  • Die Entstehung der juristischen Hermeneutik (uṣūl al-fiqh) im frühen Islam (= Arbeitsmaterialien zum Orient. Bd. 20). Ergon-Verlag, Würzburg 2006, ISBN 978-3-89913-528-2 (zugl. Kurzfassung seiner Magisterarbeit).
  • Typen historisch-exegetischer Überlieferung: Formen, Funktionen und Genese des asbab an-nuzul-Materials (= Mitteilungen zur Sozial- und Kulturgeschichte der islamischen Welt. Bd. 30). Ergon-Verlag, Würzburg 2011, ISBN 978-3-89913-861-0 (zugl. Dissertation).
  • mit Christoph Werner, Daniel Zakrzewski: Die Kujuji-Stiftungen in Tabriz: Ein Beitrag Zur Geschichte der Jalayiriden (Edition, Übersetzung, Kommentar) (= Nomaden und Sesshafte. Bd. 16). Reichert Verlag, Wiesbaden 2013, ISBN 978-3-89500-936-5.
  • Kulturpolitik. Wie es ist deutsch zu sein. Castrum Verlag, Wien 2026, ISBN 978-3-903664-09-8.

Beiträge

  • Allgemeiner Wortlaut und eingeschränkter Sinn. Die Fundierung der juristischen Hermeneutik (usūl al-fiqh) in der Risāla des Šāfiʿī. In: Asiatische Studien: Zeitschrift der Schweizerischen Asiengesellschaft. Band 59 (2005), S. 907–924.
  • Die Entstehung des Salafismus aus dem Geiste des sunnitischen Islams. In: Thorsten Gerald Schneiders (Hrsg.): Salafismus in Deutschland. Ursprünge und Gefahren einer islamisch-fundamentalistischen Bewegung. Transcript Verlag, Bielefeld 2014, ISBN 978-3-8376-2711-4, S. 125 ff.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Commons: Hans-Thomas Tillschneider – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten]

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