Hans Soeder
Hans Soeder (* 18. Oktober 1891 in Berlin als August Hans Soeder; † 4. August 1962 in Basel) war ein deutscher Architekt und Hochschullehrer.
Leben[Bearbeiten]
Hans Soeder wurde 1891 in Berlin als Sohn des Regierungsbaumeisters Hans Soeder und dessen Ehefrau Marie Soeder (geb. Fink) geboren.
Soeder studierte ab 1910 an der Technischen Hochschule Darmstadt Architektur bei Friedrich Pützer und Kunstgeschichte bei Wilhelm Pinder sowie an der Technischen Hochschule München Architektur bei Theodor Fischer.
1921 wurde er als Architekt in Wetzlar tätig. Er war Mitglied der Architektenvereinigung Der Ring und des Deutschen Werkbundes. Ab 1928 war er Mitglied der Darmstädter Sezession und lebte ab 1931 wieder in Darmstadt.
Er erhielt 1933 in Düsseldorf und nochmals 1939 Berufsverbot, verbunden mit dem Verbot der Teilnahme an Wettbewerben und dem Entzug der öffentlichen Aufträge. 1944 wurde seine Wohnung in Darmstadt zerstört; danach war er in Jugenheim an der Bergstraße ansässig.
Hans Soeder starb am 4. August 1962 im Alter von 70 Jahren in Basel. Zu diesem Zeitpunkt war sein begonnenes Buch über die Urformen abendländischer Baukunst bis auf wenige Seiten und Zeichnungen fertiggestellt. Sein jüngster Sohn, Carl Johannes Soeder, führte die abschließenden Arbeiten daran aus und gab das Buch mit dem Titel Urformen der abendländischen Baukunst 1964 im DuMont-Verlag heraus.<ref name="Erbbau" />
Lehre und Wirkung als Hochschullehrer[Bearbeiten]
Hans Soeder bewarb sich wohl 1919 als Werkstattleiter am Bauhaus in Weimar<ref>http://www.archive-in-thueringen.de/findbuch/view/searchall/Staatliches+Bauhaus+Weimar++Personal/bestand/25055/systematik/79060"</ref>. Er lehrte von 1923 bis 1931 als Professor für Baukunst an der Kunstakademie Kassel, deren reformorientierter geschäftsführender Direktor er zugleich war (heute: Kunsthochschule Kassel).<ref>https://www.documenta-bauhaus.de/de/narrative/469/hans-soeder-und-die-reformierung-der-kasseler-kunstakademie, zuletzt abgerufen am 29. Januar 2022.</ref> Von 1932 bis 1933 war er Professor an der Kunstakademie Düsseldorf, wo er 1933 gleichzeitig mit Paul Klee und Heinrich Campendonk entlassen wurde. 1944 wurde er Professor an der Technischen Hochschule Breslau.
1947 wurde Soeder an die Handwerker- und Kunstgewerbeschule Wiesbaden berufen. Er entwickelte ein „Programm für den Aufbau einer Schule für angewandte Kunst der Stadt Wiesbaden“.<ref>Hans Soeder, Typoskript vom 18. November 1947, im Archiv Wiesemes an der Fachhochschule Wiesbaden, zitiert nach: Klaus Klemp: Dieter Rams. Frühe Arbeiten. In: Less and more. 2009, S. 316 f.</ref> Sein Konzept machte die handwerkliche Lehre zur Grundlage der künstlerischen Gestaltung, wie es das Bauhaus in Weimar und Dessau zwischen 1919 und 1932 erprobt hatte. Für dieses Konzept, das er als Direktor der Schule ab 1948 umsetzte, schuf er den Namen „Werk-Kunst-Schule“ (Werkkunstschule). Dieser Begriff wurde von 18 weiteren deutschen (früheren) Kunstgewerbeschulen zeitweise übernommen, bevor sie sich ab Anfang der 1970er Jahre zu Fachhochschulen und Kunsthochschulen weiterentwickelten.
Soeder etablierte in Wiesbaden eine Schule, die der „sozial-ethischen Verantwortung verpflichtet“ war. In ihrer Arbeit stellte sie „den praktischen Gebrauch zu formaler und stofflicher Gediegenheit“<ref>Zitat nach: Klaus Klemp: Dieter Rams. Frühe Arbeiten. In: Less and more. 2009, S. 316 f.</ref> in den Mittelpunkt. Zu Soeders Schülern in Wiesbaden gehörte der Industriedesigner Dieter Rams, der sich in Vorträgen und Schriften mehrfach auf die innovativen Lehr- und Ausbildungskonzepte Hans Soeders bezog.
Familie[Bearbeiten]
Seit August 1914 war Hans Soeder in erster Ehe mit der Malerin Gertrude Christaller (1894–1924) verheiratet, einer Tochter des Pfarrers und Schriftstellers Erdmann Gottlob Christaller.<ref>Standesamt Darmstadt, Heiratsregister-Eintrag Nr. 454 vom 11. August 1914; eingesehen auf ancestry.de am 22. August 2026.</ref> Aus der Ehe gingen die Tochter Ursula und zwei Söhne hervor, darunter der Arzt und Schriftsteller Michael Soeder.
Früh verwitwet, heiratete Hans Soeder im April 1925 in Michelstadt die Försterstochter Annemarie Heyer.<ref>Standesamt Michelstadt, Heiratsregister-Eintrag Nr. 427 vom 4. April 1925; eingesehen auf ancestry.de am 22. August 2026.</ref>
Würdigung und Gedenken[Bearbeiten]
Andreas Soeder, sein Sohn aus erster Ehe, veröffentlichte 1994 in der Festschrift zum 75-jährigen Jubiläum der Kasseler Erbbau-Genossenschaft einen ausführlichen Lebenslauf seines Vaters mit dem Titel Hans Soeder. Der Architekt der Riedwiesen-Siedlung.<ref name="Erbbau">Andreas Soeder: Hans Soeder. Der Architekt der Riedwiesen-Siedlung. In: Erbbau-Genossenschaft Kassel eG (Hrsg.): 75 Jahre Erbbau-Genossenschaft Kassel eG 1919–1994. Kassel 1994, S. 56, 57 (erbbau-genossenschaft-kassel.de [PDF] mit Foto).</ref>
Die Künstlerin Silke Riechert bezog sich 2003 in einer Ausstellung „settings #1“ in Berlin auf einen Entwurf Hans Soeders aus dem Jahr 1920.<ref>settings #1 auf loop raum für aktuelle kunst, 2012.</ref>
In Kassel wurde nach Hans Soeder eine Straße im Gebiet der documenta urbana (an das Naturschutzgebiet Dönche grenzend) benannt.
Soeders Nachlass befindet sich im Bauhaus-Archiv Berlin.<ref>https://www.bauhaus.de/files/Pressemappe.pdf" (PDF), S. 5, zuletzt abgerufen am 4. April 2018.</ref>
Werk[Bearbeiten]
Bauten und Entwürfe[Bearbeiten]
- 1921: Ehrenfriedhof in Wetzlar
- 1922: Beamtenwohnhäuser in Gießen
- 1921/1922: Wettbewerbsentwurf für ein Hochhaus am Bahnhof Friedrichstraße in Berlin (Kennwort „Spreestern“)<ref>Der Schrei nach dem Turmhaus. 1988, S. 142 f., dort auch Kurzbiografie mit weiteren Nachweisen S. 324</ref>
- 1925 entwickelte Soeder ein Typenhaus, das mal in konventioneller, mal in industrieller Bauweise über demselben Grundriss errichtet ist.<ref>Gabriele Schickel: Theodor Fischer als Lehrer der Avantgarde. In: Reform und Tradition. Moderne Architektur in Deutschland 1900–1950. Frankfurt am Main 1992, S. 55.</ref>
- 1926: Sechseck-Holzhaus für den Bühnenbildner Ewald Dülberg in Kassel (als Prototyp geplant)<ref name="nextroom.at">Sechseck-Holzhaus auf nextroom.at</ref>
- 1926–1927: Riedwiesen-Siedlung in Kassel für die Erbbau-Genossenschaft Kassel eG<ref name="Erbbau" />
- 1928: Wohnhaus für den Kunstmaler Prof. Wilhelm Michel, Kassel, Schwengebergstraße 21
- 1930: Mitarbeit an der Rothenbergsiedlung in Kassel
- 1937: Fernmeldeturm auf dem Großen Feldberg
Außerdem entwarf Soeder Lufthäfen für die Zeppelin-Reederei in Frankfurt am Main.<ref name="Erbbau" />
Schriften[Bearbeiten]
- Das Dorf Tritschuny im litauisch-weißruthenischen Grenzgebiet. Ein Beitrag zur Geschichte des Holzbaues. Dissertation, Technische Hochschule Darmstadt 1918.
- Das Holzwerk des Kleinhauses auf wirtschaftlicher Grundlage. Berlin 1923.
- Architektur auf der Großen Berliner Kunstausstellung 1924. In: Der Neubau, 4. Jahrgang 1924, S. 153–158.
- (posthum erschienen mit Carl Johannes Soeder als Herausgeber): Urformen der abendländischen Baukunst in Italien und dem Alpenraum. DuMont, Köln 1964.
Literatur[Bearbeiten]
- Tendenzen der Zwanziger Jahre. (Katalog der 15. Europäischen Kunstausstellung) Berlin 1977, S. B/62 (mit Biografie Hans Soeder)
Weblinks[Bearbeiten]
Einzelnachweise[Bearbeiten]
<references />
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Soeder, Hans |
| ALTERNATIVNAMEN | Soeder, August Hans (vollständiger Name) |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Architekt und Hochschullehrer |
| GEBURTSDATUM | 18. Oktober 1891 |
| GEBURTSORT | Berlin |
| STERBEDATUM | 4. August 1962 |
| STERBEORT | Basel |
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