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Hetepsechemui

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
colspan="2" style="background:#Vorlage:Ägyptologie Farbe; color:inherit; padding: 0 .5em;"| Namen von Hetepsechemui
colspan="2" class="center" style="padding: .2em; font-size:11px; color:#Vorlage:Ägyptologie Farbe;" | Datei:Hotepsekhemwy serekh (levels).jpg
Steinvase mit Hetepsechemuis Horusnamen, der Horusfalke trägt die Doppelkrone Ägyptens
style="background:#Vorlage:Ägyptologie Farbe; color:inherit; padding: 0 .5em;" | Horusname
<hiero>G5</hiero> <hiero>R4:S42*S42</hiero> Datei:Srxtail2 transparent.svg
Hetep-sechemui
Ḥtp-sḫm.wj
Versöhnung der beiden Mächte
style="background:#Vorlage:Ägyptologie Farbe; color:inherit; padding: 0 .5em;" | Thronname
<hiero>M23:X1-L2:X1</hiero> <hiero>G16-R4</hiero>
Nesut-Bitj-Nebti Hotep
Nsw.t-bitj-nbtj Ḥtp
König von Ober- und Unterägypten, der von den beiden Herrinen, Hotep
style="background:#Vorlage:Ägyptologie Farbe; color:inherit; padding: 0 .5em;" | Eigenname
<hiero>D58-DA-U30-G43</hiero>
Bedjatau
B(w)ḏ3w
Der Metallgießer<ref name="WoHe">Wolfgang Helck: Untersuchungen zur Thinitenzeit. Wiesbaden 1987, S. 117.</ref><ref name="Brovarski">Edward Brovarski: Two old writing boards from Giza. In: Annales du Service des Antiquités de l'Egypte. Band 71, 1987, ISSN 1687-1510, S. 27–52, hier: Tafel 1, Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.online (PDF; 11 MB) (Memento vom 29. Januar 2013 im Internet Archive).</ref>
style="background:#Vorlage:Ägyptologie Farbe; color:inherit; padding: 0 .5em;" | Königspapyrus Turin (Nr.II./20)

<hiero>M23:X1-L2:X1-HASH-HASH-G30-R4:Z2-HASH</hiero><ref>Alan H. Gardiner: The royal canon of Turin. Reissued / Griffith Institute, Oxford 1997, ISBN 0-900416-48-3, Bildtafel 1.</ref>
... bau-hetepiu
...-b3w-ḥtpjw
... Bas sind versöhnt

style="background:#Vorlage:Ägyptologie Farbe; color:inherit; padding: 0 .5em;" | Königsliste von Abydos (Sethos I.) (Nr.9)
<hiero>D58-DA-G43-P11</hiero>
Bedjau
B(w)ḏ3w
Der Metallgießer<ref name="WoHe" />
style="background:#Vorlage:Ägyptologie Farbe; color:inherit; padding: 0 .5em;" | Königsliste von Sakkara (Nr.3)
<hiero>nTr-G30</hiero>
Netjer-bau
Nṯr-b3w
Göttlich an Bas
style="background:#Vorlage:Ägyptologie Farbe; color:inherit; padding: 0 .5em;" | Griechisch Manetho-Varianten:
Africanus: Boëthôs<ref group="A">Regierungsdauer: 38 Jahre.</ref>
Eusebius: Bochos<ref name="E" group="A">Regierungsdauer: Keine Angabe.</ref>
Eusebius, AV: Bochus<ref name="E" group="A" />

Hetepsechemui (eigentlich Hor-Hetepsechemui) ist der Horusname eines altägyptischen Königs (Pharaos) der 2. Dynastie während der Frühdynastischen Zeit. Er regierte etwa um 2860 v. Chr. Er war möglicherweise der Begründer einer neuen Dynastie, nachdem es unter seinen Vorgängern vielleicht zu Thronstreitigkeiten kam.

Hetepsechemui gehört zu den gut erforschten Herrschern dieser Zeit. Es sind zahlreiche Artefakte in Form von Grabfunden aus seiner Zeit erhalten geblieben. Es scheint, dass unter ihm neue Gottheiten eingeführt wurden, außerdem ließ er offenbar den Königsfriedhof zu Abydos schließen und in Sakkara eine neue Nekropole anlegen. Mit Hetepsechemui enden zwei Traditionen aus der 1. Dynastie: einmal der Gebrauch beschrifteter Jahrestäfelchen sowie das Anlegen komplexer und kompakter Königsgräber mit integrierten Nebenbegräbnissen. Die Motive hierfür liegen allerdings im Dunkeln.

Namen und Identität[Bearbeiten]

Datei:Abydos KL 02-01 n09.jpg
Kartusche Nr. 9 in der Königsliste von Abydos mit dem Namen „Bedjau“.

Hetepsechemui ist zeitgenössisch ausschließlich durch seinen Horusnamen und seinen Thronnamen belegt. In der Königsliste von Abydos soll Hetepsechemui unter dem Kartuschennamen Bedjau erscheinen.<ref>Thomas Schneider: Lexikon der Pharaonen. Düsseldorf 2002, S. 134.</ref> Auf der Schreibtafel von Gizeh des Höflings Mesdjeru (5. Dynastie) aus der Mastaba G-1011 erscheint ein ähnlicher Name, Bedja-tau.<ref name="Brovarski"/> Nach Wolfgang Helck bedeutet er „Der Metallgießer“. In der Königsliste von Sakkara hingegen erscheint der Kartuschenname „Netjer-bau“, im Königspapyrus Turin das Namensfragment „...bau-hetepju“, der Name mag ebenfalls mit „Netjer...“ begonnen haben.<ref name="WHU"/>

Ägyptologen beschäftigen sich mit der Frage, warum für einen einzelnen Herrscher (in diesem Falle Hetepsechemui) zwei so gänzlich unterschiedliche Kartuschennamen verwendet wurden. Wolfgang Helck argwöhnt, dass hier insgesamt zwei verschiedene Herrscher gemeint waren, was seiner Ansicht nach die Theorie verstärkt, dass es während der Übergangszeit von 1. zu 2. Dynastie zu Thronwirren kam und mehrere Herrscher um die Macht buhlten. Demnach würde „Netjer-bau“ Hetepsechemui meinen und „Bedjau“ einen seiner obskuren Vorgänger – oder umgekehrt.<ref name="WHU"/> Der griechisch schreibende Chronist Manetho (ca. 270 v. Chr.) nennt Hetepsechemui Boëthôs (Βοηθός), ein Name, den er sehr wahrscheinlich den Kartuschennamen „Bedjau“ und/oder „Bedjatau“ entlehnt hatte.

Hetepsechemuis Geburts- oder Eigenname ist unbekannt. Während seiner Regierungszeit setzte sich die Tradition durch, für die zu dieser Zeit üblichen Königstitel wie Horusname, Thronname und Nebtiname dieselbe Namensversion zu verwenden. Die tatsächlichen Geburtsnamen wurden möglicherweise nur noch inoffiziell gebraucht. Hintergrund dieser neuen Tradition mag gewesen sein, dass mit Beginn der 2. Dynastie den Namen eines Herrschers eine theophore oder philosophische Bedeutung beigemessen wurde. Das Ersetzen des wahren Geburtsnamens durch immer gleich geschriebene Versionen deutet darauf hin, dass der Königsname erst nach der Thronbesteigung angenommen wurde.<ref>Wolfgang Helck: Untersuchungen zur Thinitenzeit. Wiesbaden 1987, S. 105f., 117, 124.</ref>

Weiters sind Herkunft und Familie des Hetepsechemui unbekannt. Auch der Name seiner Gemahlin(nen) und Kinder konnten bis heute nicht identifiziert werden. Ein möglicher Sohn war vielleicht der „Sohn des Königs“ (Prinz) Perneb, doch dessen Tonsiegel wurden in einem Labyrinthgrab entdeckt, das sowohl Hetepsechemui als auch dessen Nachfolger Nebre zugeschrieben wird.<ref>Peter Kaplony: Inschriften der Ägyptischen Frühzeit. Band 3 (= Ägyptologische Abhandlungen. Band 8). Harrassowitz, Wiesbaden 1963, ISBN 3-447-00052-X, S. 96 sowie Objekt Nr. 367.</ref>

Belege[Bearbeiten]

Hetepsechemuis Horusname und Thronname erscheinen eingeritzt auf Steingefäßen, auf Tonsiegelabdrücken und eingebrannt auf Zylindern aus Akazienholz, Knochen und Elfenbein. Die meisten Artefakte mit seinem Namen stammen aus der Grabanlage Galeriegrab A und der Pyramidennekropole des Königs Djoser in Sakkara. Auch in zahlreichen Mastabas hoher Beamter und Adliger in Sakkara wurden ihm geweihte Objekte entdeckt. Weitere Funde stammen aus Abydos, El-Badari, Helwan und Gizeh.<ref>Jochem Kahl: Das System der ägyptischen Hieroglyphenschrift in der 0.–3. Dynastie. Wiesbaden 1994, S. 309–313.</ref> Aus Mit Rahina stammt eine Statuette aus poliertem, rötlichem Granit, die dem hohen Beamten und Priester Redjit gehörte. Auf der Rückseite seiner Schulter sind die Horusnamen der Könige Hetepsechemui, Nebre und Ninetjer sowie eine Darstellung der Gottheit Netjer-achti eingraviert.<ref>Toby Wilkinson: Early dynastic Egypt. London / New York 1999, S. 83 und 85.</ref>

Regierungszeit[Bearbeiten]

Die tatsächliche Regierungsdauer von Hetepsechemui ist unbekannt. Der Turiner Königspapyrus aus der 19. Dynastie bescheinigt dem Regenten 95 Jahre, was aber als Verlesung oder unbeabsichtigte Übertreibung aufgrund unsauber ausgeführter Vorlagen angesehen wird. Manetho schreibt „Boëthôs“ (aka Hetepsechemui) eine Regierungsdauer von 38 Jahren zu. Da für Hetepsechemui kein Sed-Fest belegt ist, dürfte er nicht länger als etwa 30 Jahre regiert haben, da dieses Jubiläumsfest erstmalig im 30. Regierungsjahr gefeiert wurde.<ref>Nabil Swelim: Some Problems on the History of the Third Dynasty (= Archaeological and historical Studies. Band 7, ZDB-ID 800015-3). Archaeological Society of Alexandria, Alexandria 1983, S. 67–77 (Zugleich: Dissertation, Universität Budapest, 1982).</ref> Die Ägyptologin Sabine Kubisch schätzt, dass er ca. 2850 v. Chr. den Thron bestieg und wohl 2825 v. Chr. nach etwa 25 Jahren Herrschaft verstarb oder abgelöst wurde.<ref>Sabine Kubisch: Das alte Ägypten. Stuttgart 2008, S. 184.</ref>

Mit Regierungsantritt endet unter Hetepsechemui überraschend der Gebrauch von beschrifteten Elfenbein-Plaketten, den sogenannten Jahrestäfelchen, wie man sie bisher von Gräbern der 1. Dynastie kennt. Diese Plaketten waren an Krügen aus Ton oder Stein befestigt und beschrieben deren Inhalt, die Menge und die Herkunft. Der Grund für die Aufgabe dieses Brauchs ist unbekannt. Die letzten Schriftzeugnisse in dieser Gestalt wurden im Eingangsbereich des Grabes von König Qaa gefunden.<ref>Peter Kaplony: „Er ist ein Liebling der Frauen“ – Ein „neuer“ König und eine neue Theorie zu den Kronprinzen sowie zu den Staatsgöttinnen (Kronengöttinnen) der 1./2. Dynastie. In: Ägypten und Levante. Band 13, 2006, ISSN 1015-5104, S. 107–126, doi:10.1553/AEundL13.</ref> Unter Hetepsechemui wird außerdem der Königsfriedhof zu Abydos überraschend geschlossen und Sakkara als neue Königsnekropole ausgewählt.<ref name="RJC"/>

Datei:Nebra Hotepsekhemwy vase.png
Gefäßritzung mit den Namen der Könige Hetepsechemui und Nebre vor der Darstellung der Göttin Bastet<ref>Pierre Lacau, Jan-Phillip Lauer: La Pyramide a Degrees IV. - Inscriptions Gravees sur les Vases: Fouilles à Saqqarah. Kairo 1936, Bildtafel Nr. 11, Obj. 58.</ref>

Zeitgenössische Funde deuten möglicherweise darauf hin, dass es für Hetepsechemui schwierig war, den Thron zu übernehmen. Sein Vorgänger, König Qaa, wird allgemein als der letzte Herrscher der 1. Dynastie angesehen. Funde aus Abydos, Sakkara und Gizeh deuten an, dass ein gewisser Sneferka und ein sehr spärlich belegter König „Vogel“ für mehrere Jahre zwischenregiert haben müssen. Beide Herrscher erscheinen augenscheinlich nicht in späteren Königslisten. Ein Erklärungsversuch lautet, dass beide Vorgänger um den Thron stritten und Hetepsechemui die Gelegenheit ergriff und den Machtkampf kurzerhand für sich entschied (entweder militärisch oder durch einen Putsch). Oder beide Vorgänger regierten so kurz, dass ihre Namen in späteren Chroniken gewissermaßen untergingen. Wolfgang Helck weist ergänzend auf die Eigentümlichkeit hin, dass bis König Qaa regelmäßig Gefäße und Tonsiegel mit kurzen Herrscherlisten in diversen Mastabas und Königsgräbern gefunden wurden, ein weiteres Mal im Galeriegrab des Ninetjer aus der 2. Dynastie, wo die Horusnamen von Hetepsechemui, Raneb und Ninetjer gemeinsam aufgereiht sind. Eine solche „Königsliste“ fehlt für die Übergangszeit von 1. zu 2. Dynastie.<ref name="WHU">Wolfgang Helck: Untersuchungen zur Thinitenzeit. Wiesbaden 1987, S. 164–166.</ref> Unterstützt werden diese Vermutungen durch den ausgefallenen Horusnamen des Hetepsechemui: Diesen hatte der Herrscher betont beiden Landeshälften (Ober- und Unterägypten) von Ägypten gewidmet. George Andrew Reisner und Dietrich Wildung argumentieren, dass er keinen Grund dazu gehabt hätte, wenn der Übergang von der ersten zur zweiten Dynastie reibungslos verlaufen wäre.<ref>Dietrich Wildung: Die Rolle ägyptischer Könige im Bewußtsein ihrer Nachwelt. Teil 1. Berlin 1969, S. 36–41.</ref>

Inschriften auf Tonsiegeln zufolge gründete Hetepsechemui eine neue Königspfalz nahe Thinis und nannte sie Hor-chaj-seba („Horus, der strahlende Stern“). Er ließ wohl auch einen Tempel für die nur äußerst selten belegte Gottheit Netjer-Achti nahe Buto errichten.<ref>Wolfgang Helck: Untersuchungen zur Thinitenzeit. Wiesbaden 1987, S. 194–195.</ref> Auf Steingefäßen aus Sakkara und Gizeh erscheint unter Hetepsechemui zum ersten Mal der Name der Göttin Bastet, weshalb vermutet wird, dass sie unter Hetepsechemui eingeführt worden war. Zu dieser Zeit wurde Bastet als Löwengöttin und entweder stehend oder auf einem Thron sitzend dargestellt. Interessanterweise wird ihr Name schon zu dieser Zeit in leicht abweichenden Schreibungen überliefert und die Übersetzung und Deutung ihres Namens ist bis heute umstritten. Auch die Göttin Neith scheint besondere Verehrung genossen zu haben, sie erscheint unter Hetepsechemui zum ersten Mal in anthropomorpher Gestalt.<ref>Wolfgang Helck, Eberhard Otto, Wolfhart Westendorf: Lexikon der Ägyptologie. Band 4. Harrassowitz, Wiesbaden 1975, ISBN 3-447-02262-0, S. 365.</ref><ref>Evelyne Martin, Michael Herles, Barbara Hufft u. a.: Tiergestaltigkeit der Göttinnen und Götter zwischen Metapher und Symbol (= Biblisch-Theologische Studien. Band 129). Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2012, ISBN 978-3-7887-2606-5, S. 48.</ref>

Manetho (Africanus) berichtet, dass unter Hetepsechemui „eine Kluft aufging bei Bubastis und viele starben“. Diese Beschreibung könnte auf ein schweres Erdbeben deuten, da die Region um Bubastis tatsächlich in einer seismologisch aktiven Zone liegt.<ref>William Gillian Waddell: Manetho. Cambridge (MA) u. a. 1997, S. 35.</ref>

Grab[Bearbeiten]

Lage und Umgebung[Bearbeiten]

Hetepsechemui wurde mit einiger Sicherheit in Nord-Sakkara bestattet. Flinders Petrie und Alessandro Barsanti halten das dortige Galeriegrab A für das des Hetepsechemui, da sich dort Siegelabrollungen sowohl Hetepsechemuis als auch des Nebre fanden. Wolfgang Helck ist unschlüssig und sieht dieses Grab als das von König Nebre an, da die Grabstätte von Hetepsechemui seiner Ansicht nach noch nicht zweifelsfrei lokalisiert sei und an anderer Stelle in diesem Gebiet liegen mag.<ref>Peter Munro: Der Unas-Friedhof Nord-West. Band 1: Topographisch-historische Einleitung. Das Doppelgrab der Königinnen Nebet und Khenut. von Zabern, Mainz 1993, ISBN 3-8053-1353-5.</ref>

Die ursprüngliche Mastaba, die dereinst die Grabanlage überdeckte, war offenbar schon zu König Unas’ Zeiten, während der 5. Dynastie, zerstört und komplett abgetragen. Unas ließ sowohl Hetepsechemuis Grabanlage überbauen, als auch jene des Nachfolgerkönigs Ninetjer (dessen Labyrinthgrab befindet sich knapp 60 m östlich von Galeriegrab A). Möglicherweise wussten Unas und sein Hofgefolge nichts von der unterirdisch verborgenen Grabanlage. Der Eingang zu Hetepsechemuis Grab befindet sich heute ziemlich genau unter dem Totentempel der Unas-Pyramide. Er liegt etwa 30 m südlich von der Umfassungsmauer der königlichen Nekropole des Königs Djoser (3. Dynastie) entfernt.

Architektur[Bearbeiten]

Das eigentliche Galeriegrab befindet sich in einer Tiefe von etwa 7,85 m. Der Eingang liegt am nördlichen Ende, die gesamte Anlage weist in südliche Richtung. Eine 35 m lange Treppe führt in die etwa 122 m lange und 48 m breite unterirdische Labyrinth-Anlage aus Korridoren, Kammern und Magazinen, die eine Gesamtfläche von etwa 5856 m2 einnimmt. Die Treppe weist vier Absätze auf, die für vier massive Verschlusssteine eingerichtet worden waren. Ein fünfter Verschlussstein dürfte die unterirdische Eingangstür zur eigentlichen Grabanlage verschlossen haben. Die Korridore, Kammern und Magazine weisen unterschiedliche Deckenhöhen auf, sie schwanken zwischen 2,0 und 2,2 m. Insgesamt wurden 122 Räume archäologisch erfasst und erforscht. Interessanterweise weist Galeriegrab A zwei größere Kammern (Kammer H und Kammer J) auf, die gleichermaßen als Grabkammern in Frage kommen. Das bewusst labyrinthartig angelegte Korridor- und Magazinsystem kann als weitere Sicherheitsmaßnahme gewertet werden.<ref name="RJC">Reg J. Clark: Tomb Security in Ancient Egypt from the Predynastic to the Pyramid Age. Oxford (UK) 2016, S. 40–43.</ref>

Es ist unbekannt, warum genau Hetepsechemui/Nebre seine Grabanlage nach Saqqara verlegen ließ. Möglicherweise war es unter anderem eine Entscheidung aus Sicherheitsgründen: der eher weiche Untergrund von Abydos bot nicht genug Schutz vor räuberischen Grabungen, wie die Könige der 1. Dynastie wohl leidlich feststellen mussten (sämtliche Königsgräber waren bereits in der Frühzeit vandaliert und geplündert worden). Der felsige Untergrund von Sakkara (welcher aus besonders hartem Kalkstein und Granit besteht) versprach mehr Sicherheit, zumindest vor Grabungen von außen her.<ref name="RJC"/>

Literatur[Bearbeiten]

  • Reg J. Clark: Tomb Security in Ancient Egypt from the Predynastic to the Pyramid Age. Archaeopress, Oxford (UK) 2016, ISBN 978-1-78491-300-7.
  • Walter B. Emery: Ägypten. Geschichte und Kultur der Frühzeit, 3200–2800 v. Chr. Fourier, Wiesbaden 1980, ISBN 3-921695-39-2.
  • Martin von Falck, Susanne Martinssen-von Falck: Die großen Pharaonen. Von der Frühzeit bis zum Mittleren Reich. Marix, Wiesbaden 2015, ISBN 3-7374-0976-5, S. 54–57.
  • Wolfgang Helck: Untersuchungen zur Thinitenzeit (= Ägyptologische Abhandlungen. Band 45). Harrassowitz, Wiesbaden 1987, ISBN 3-447-02677-4.
  • Jochem Kahl: Inscriptional Evidence for the Relative Chronology of Dyn. 0–2. In: Erik Hornung, Rolf Krauss, David A. Warburton (Hrsg.): Ancient Egyptian Chronology (= Handbook of Oriental studies. Section One. The Near and Middle East. Band 83). Brill, Leiden / Boston 2006, ISBN 90-04-11385-1, S. 94–115 (Online).
  • Peter Kaplony: Inschriften der ägyptischen Frühzeit (= Ägyptologische Abhandlungen. Band 8, 3). Harrassowitz, Wiesbaden 1963.
  • W. M. Flinders Petrie: The royal tombs of the earliest dynasties: 1901. Part II (= Memoir of the Egypt Exploration Fund. Band 21). Egypt Exploration Fund u. a., London 1901 (Digitalisierung).
  • Thomas Schneider: Lexikon der Pharaonen. Albatros, Düsseldorf 2002, ISBN 3-491-96053-3.
  • Rainer Stadelmann: Die ägyptischen Pyramiden. Vom Ziegelbau zum Weltwunder (= Kulturgeschichte der Antiken Welt. Band 30). 2. überarbeitete und erweiterte Auflage. von Zabern, Mainz 1991, ISBN 3-8053-1142-7.
  • Jürgen von Beckerath: Handbuch der Ägyptischen Königsnamen (= Münchner ägyptologische Studien. Band 20). Deutscher Kunstverlag, München u. a. 1984, ISBN 3-422-00832-2.
  • Jürgen von Beckerath: Chronologie des pharaonischen Ägypten. Die Zeitbestimmung der ägyptischen Geschichte von der Vorzeit bis 332 v. Chr. (= Münchner ägyptologische Studien. Band 46). von Zabern, Mainz 1997, ISBN 3-8053-2310-7.
  • William Gillian Waddell: Manetho (= The Loeb classical Library. Band 350). Harvard University Press u. a., Cambridge (MA) u. a. 1997, ISBN 0-674-99385-3.
  • Dietrich Wildung: Die Rolle ägyptischer Könige im Bewußtsein ihrer Nachwelt. Teil 1: Posthume Quellen über die Könige der ersten vier Dynastien (= Münchner ägyptologische Studien. Band 17, ZDB-ID 500317-9). Hessling, Berlin 1969.
  • Toby A. H. Wilkinson: Early Dynastic Egypt. Routledge, London u. a. 1999, ISBN 0-415-18633-1.

Weblinks[Bearbeiten]

Commons: Hetepsechemui – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen[Bearbeiten]

<references group="A" />

Einzelnachweise[Bearbeiten]

<references responsive />

VorgängerAmtNachfolger
Hor Qaa?
Sneferka?
„Vogel“?
König von Ägypten
2. Dynastie (Anfang)
Nebre

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