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Hilligsfeld

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Hilligsfeld
Stadt Hameln
Koordinaten: Vorlage:Deutsches Bundesland/Code_type:city(936)&title=Hilligsfeld 52° 7′ N, 9° 26′ OKoordinaten: Vorlage:Deutsches Bundesland/Code_type:city(936) 52° 7′ 0″ N, 9° 26′ 0″ O
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Fläche: 11,67 km²
Einwohner: 936 (30. Juni 2022)<ref name="Einwo2022">Nahverkehrsplan 2023 – 2027 / ANLAGE 1 – Einwohnerzahlen Ortsteile 2022. (PDF; 406 KB) Landkreis Hameln-Pyrmont, S. 2–3, abgerufen am 8. November 2024.</ref>
Bevölkerungsdichte: 80 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 1973
Postleitzahl: 31789
Vorwahl: 05151
Datei:Klein Hilligsfeld.jpg
Klein Hilligsfeld, Blick vom Eichberg über den Ort nach Nordwesten, im Hintergrund links der Schweineberg und rechts der Süntel, 2025

Hilligsfeld liegt im Nordosten Hamelns, wurde am 1. Januar 1973 als ursprünglich eigenständige Gemeinde im Rahmen der Gebietsreform in die niedersächsische Stadt Hameln eingemeindet und ist flächenmäßig der größte Stadtbezirk. Er besteht aus den beiden Ortsteilen Groß Hilligsfeld und Klein Hilligsfeld.

Datei:Groß Hilligsfeld.jpg
Blick vom Schweineberg über Groß Hilligsfeld und das von Baumreihen verdeckte Klein Hilligsfeld nach Osten. In Bildmitte hinter dem Ort das Gut Oehrsen, im Mittelgrund rechts der Eichberg, im Hintergrund der nördliche Teil des Ith, 2025

Geografie[Bearbeiten]

Hilligsfeld liegt im Naturpark Weserbergland Schaumburg-Hameln in der Hamelaue auf 87 m NHN und ist jeweils von Teilen des Weserberglands im Westen bzw. des Leineberglands im Osten umgeben. Hilligsfeld liegt am mittleren Abschnitt des Flusses Hamel, eines rechtsseitigen Nebenflusses der Weser, deren Quelle im Süntel liegt und die im Stadtgebiet von Hameln in die Oberweser einmündet.<ref>Albrecht Greule: Hamel. Deutsches Gewässernamenbuch. Walter de Gruyter, Berlin, Boston 2014, ISBN 978-3-11-057891-1, S. 207.</ref> Der Fluss Hamel wurde 1309 erstmals schriftlich erwähnt. Der Herksbach fließt im Ortsgebiet von Hilligsfeld als rechtsseitiger Nebenbach in die Hamel; seine Quellen liegen ebenfalls im Süntel. Entlang der Hamel sind abschnittsweise Erlen-Eschen-Auenwälder meist galerieartig ausgebildet. Die Böden der Auen sind sehr fruchtbar und werden vorwiegend landwirtschaftlich genutzt. In der Hamel und im Herksbach gibt es geschützte Vorkommen von Groppe und Bachneunauge. Die Hamelaue ist ein Nahrungsgebiet des Schwarzstorchs.<ref>Hamel und Herksbach mit Liethberg. In: nlwkn.niedersachsen.de. Abgerufen am 21. Oktober 2025.</ref> Die Bundesstraße 217 führt durch Groß Hilligsfeld.

Geschichte[Bearbeiten]

Vorgeschichte[Bearbeiten]

In Groß Hilligsfeld wurde in den späten 1980er Jahren eine aus Quarzit gefertigte Geröllkeule, die in die mittlere Steinzeit datiert wird, im Boden eines Gartens gefunden. Es ist jedoch möglich, dass der Gartenboden von Bauarbeiten an der Rathaus-Tiefgarage in Hameln stammt, so dass die Geröllkeule durch moderne Erdarbeiten verlagert worden sein könnte.<ref>Daniel Lau, Archäologische Fundchronik 2023 für die Stadt Hameln, in: Museumsverein Hameln e. V. (Hrsg.), Hamelner Jahrbuch 2024, ISSN 0947-8566, S. 159.</ref> Beim Bau der Landstraße von Hameln nach Hannover, der heutigen Bundesstraße B217, wurde bei Hilligsfeld ein vorgeschichtliches Gräberfeld gefunden.

Frühmittelalter[Bearbeiten]

Ludolf Fiesel (* 1888, † 1979) deutet die Anfänge von Hilligsfeld in den Hamelauen als fränkische Siedlung im altsächsischen Gebiet<ref>Ludolf Fiesel: Franken im Ausbau altsächsischen Landes. In: Historische Kommission für Niedersachsen und Bremen (Hrsg.): Niedersächsisches Jahrbuch für Landesgeschichte. Band 44. August Lax Verlagsbuchhandlung, Hildesheim 1972, S. 92.</ref>: „Westlich und östlich sind die Orte Wengen (Wangelist), Uisbeccae (Fischbeck) und Hilligesfelde (Hilligsfeld) zum Schutz des Weserüberganges Hamelon (Hameln) vorgelagert.<ref>Ludolf Fiesel, 1972; siehe auch die Fuldaer Traditionen Cap. 3, Nr. 87.</ref> […] Das GW (Grundwort) -feld ist, wie bei Hünfeld, als Bezeichnung einer karolingischen Funktionssiedlung anzusehen.“<ref>Ludolf Fiesel, 1972; siehe auch DKdG 139 a. 781.</ref> Dagegen stellt die neuere Ortsnamenforschung fest, dass die fränkische Interpretation von Ludolf Fiesel mehrfach fehlerhaft sei, dass die Dörfer im Raum um Hameln ausnahmslos altsächsische Siedlungen gewesen seien und dass die Ortsnamen alle altsächsischen Ursprungs seien. Jürgen Udolph schreibt: „Der Name von Hilligsfeld leitet sich vom germanischen/altsächsischen Namen Hilling oder Hilding (abgeleitet von hild = Kampf) ab; es bedeutet Das Feld des Hilling/Hilding.“ Dabei handelte es sich wohl um einen Ort, für den kein Wald gerodet werden musste, weil er auf offenem Land an der Hamel lag.<ref group="Anm.">Der Ortsnamenforscher Jürgen Udolph lehnt die fränkische Interpretation des Historikers Ludolf Fiesel ab und führt den Ortsnamen von Hilligsfeld auf viel frühere germanische bzw. altsächsische Wurzeln zurück. Er schreibt: „Der ON. Hilligsfeld kann aufgrund seiner alten Belege aus dem 9. Jh. (Abschr.12. Jh.) in Hillingesfeldo, 856/69 (A. 12. Jh.), Hillingesfelden, 980-982 (Abschr. 15. Jh.) in Hillikesfelle, (1055-1080) in Hildinesfelda, 1188 Hillingelvelt verschieden erklärt werden: entweder auf Hillingesfeld beruhend zu einem PN. Hilling oder aber wegen der Hildingesfeld-Formen zu einem PN. Hilding.“ Quelle: Jürgen Udolph: Fränkische Ortsnamen in Niedersachsen. Forschungsbeiträge. In: Prof. Udolph Zentrum für Namensforschung. Abgerufen am 5. September 2026.</ref>

Ein Gründungsdatum von Hilligsfeld wird in den Traditiones Fuldenses des Klosters Fulda nicht genannt, und es gab in dieser Zeitstellung auch noch keine anderen Aufzeichnungen über Hilligesfelde. Nach Auffassung der neueren Ortsnamenforschung wurde Hilligsfeld viel früher als in der Zeitstellung der fränkischen Okkupation Sachsens im 9. Jahrhundert gegründet.

Die erste bekannte urkundliche Erwähnung von Groß Hilligsfeld und Klein Hilligsfeld ist eine Abschrift des 12. Jahrhunderts der Traditiones Fuldenses des Reichsklosters Fulda aus dem 8./9. Jahrhundert. Der altsächsische Edle Gibicho (Gibicho de Saxonia) schenkte Hilligesfelde (Hilligsfeld) in der Zeitstellung zwischen 780 und 820 in seinem Namen und im Namen seiner Frau Abba dem fernen, 744 gegründeten Reichskloster Fulda. Die Güter (predia) des Gibicho lagen u. a. im Gebiet der Hamel im Tilithigau. Hilligesfelde, Munimeri (Bad Münder) und Unenhusen (Unsen) wurden explizit als Schenkungen an das Kloster genannt. Daneben übertrug er eine ganze Reihe weiterer im engernschen Tilithigau und im südlich davon gelegenen engernschen Augau (im Raum der heutigen Landkreise Hameln-Pyrmont und Holzminden) liegender Orte aus seinem Besitz, sowie 20 Leibeigene (mancipia 20) an das Reichskloster Fulda. Die Schenkung wurde in den Traditiones Fuldenses (Kapitel 41, Nr. 100) dokumentiert.<ref>Quellen:
a) Ernst Friedrich Johann Dronke (Hrsg.): Traditiones et antiquitates Fuldenses, Fulda, 1844;
b) Kirstin Casemir & Uwe Ohainski: Niedersächsische Orte bis zum Ende des ersten Jahrtausends in schriftlichen Quellen, Hahnsche Buchhandlung, S. 56, ISBN 978-3-77525-843-2.</ref> Auch ein Hitto schenkte dem Reichskloster Fulda Land, ein Haus und eine familia (die Gesamtheit aller von ihm abhängigen Personen) in Hillingesfeldo.<ref>Hilligsfeld-Rohrsen. In: kirchengemeindelexikon.de. Abgerufen am 17. August 2026.</ref> Ältere Ersterwähnungen von Schenkungen an das Reichskloster Fulda wurden im 12. Jahrhundert im Codex Eberhardi (Band II, S. 194), in einer Abschrift zusammengefasst.<ref>Gudrun Pischke: Zur Ersterwähnung von Ortsnamen in Schriftquellen mit 1200 Jahre Bevern, in: Südniedersachsen, Zeitschrift für regionale Forschung und Heimatpflege, 51. Jahrgang, S. 82, 3. Dezember 2023.</ref> Hilligsfeld existierte also bereits in der Zeitstellung der ersten Christianisierungswelle gegen Ende des 8. oder Anfang des 9. Jahrhunderts im Zuge der Okkupation Sachsens durch Karl den Großen. Damit ist Hilligsfeld zusammen mit Munimeri, dem heutigen Bad Münder und Unenhusen (Unsen) einer der ältesten urkundlich erwähnten Orte im Tilithigau.

Erst auf der wirtschaftlichen Basis des durch Schenkungen erworbenen Raumbesitzes im Tilithigau war es dem Reichskloster Fulda möglich, mit seinen Mönchen um 826 das Romanus- und Emerentianakloster in Hameln zu gründen. Es wurde auf der dem Kloster Fulda ebenfalls geschenkten Eigenkirche des sächsischen Grafen Bernhard von Engern und Ohsen († 826) und seiner Frau Christina (oder Odegundina) gebaut. Auf den Mauern des Romanus- und Emerentianaklosters in Hamelon baute das Reichskloster Fulda im Jahr 851 wiederum das Benediktinerkloster St. Bonifatius als Nachfolgeeinrichtung und Filialkloster. Beide Klöster in Hameln dienten dem Reichskloster Fulda nacheinander zur Verwaltung seiner bereits erworbenen Besitzungen im Tilithigau. Im 11. Jahrhundert wurde das Kloster St. Bonifatius in ein Kollegiatstift umgewandelt. Aus dem Kollegiatstift entwickelte sich nach Bränden und Umbauten im 13. Jahrhundert die noch heute bestehende Hamelner Münsterkirche.

Mitte des 9. Jahrhunderts besaß das Stift St. Bonifatius (heute evangelisch-lutherisches Hamelner Münster St. Bonifatius) eine Hufe Land in Hilligsfeld (das sind ca. 30 ha).<ref>Hans Dobbertin: Zur Herkunft der Grafen von Roden. In: Historische Kommission für Niedersachsen (Hrsg.): Niedersächsisches Jahrbuch für Landesgeschichte. Band 35. August Lax Verlagsbuchhandlung, Hildesheim 1963, S. 197.</ref> Der Kirchenkreis Hameln-Pyrmont schreibt: „Die erste Gründung einer Pfarr- oder Hauptkirche geschah im 8. oder 9. Jahrhundert.“<ref>Die St. Martini-Kirche in Hilligsfeld. Kirchenkreis Hameln-Pyrmont, 2025, abgerufen am 14. Oktober 2025.</ref><ref>Karl Kayser: Inspektion Groß Berkel, in: Die hannoverschen Pfarren und Pfarrer seit der Reformation, Braunschweig, 1908.</ref> Erste Kirchen wurden bewusst an Orten errichtet, die seit alter Zeit durch den Glauben geweiht sind. Ludolf Fiesel erläutert: „Die Kirche von Hilligsfeld hat den Stammesheiligen der Merowinger und Karolinger, den Martin von Tours, als Schutzpatron.“ (St. Martinikirche). „Hiltop... unam habam in Hillingesfeldo cum domo et familia.“<ref>Ludolf Fiesel, 1972; siehe auch Fuldaer Traditionen, Kap. 41, Nr. 1-110.</ref> Angeblich hätten Mönche des Reichsklosters Fulda die Kirche errichtet; urkundlich und archäologisch lässt sich diese Aussage jedoch nicht belegen.<ref>Karl Kayser, 1908, S. 85.</ref> Nach Jürgen Udolph kam der fränkische Einfluss mit der Vergabe des Martinspatroziniums für die Kirche erst nachträglich ins Dorf. Um 980/982 schenkte ein Ludolf dem Kloster Corvey eine familia sowie Land in Hillikesfelle.<ref>Hilligsfeld-Rohrsen. In: kirchengemeindelexikon.de. Abgerufen am 17. August 2026.</ref> Die Dorfkirche wird auch im 11. Jahrhundert erwähnt. Der Kirchenkreis Hameln-Pyrmont schreibt: „Im 13. Jahrhundert ist Hilligsfeld ein Kirchspiel (mit umliegenden Höfen, Häusern und Katen). 1540 wird Hilligsfeld durch den Reformator Hamelns, Rudolf Moller, lutherisch.“<ref>Kirchenkreis Hameln-Pyrmont, 2025.</ref> Das Patronat über die Kirche in Hilligsfeld lag 1353 beim Propst des Bonifatiusstifts in Hameln, später beim welfischen Landesherrn, belegt 1588,<ref>Karl Kayser: Die General-Kirchenvisitation von 1588 im Lande Göttingen-Kalenberg, in: Zeitschrift der Gesellschaft für niedersächsische Kirchengeschichte, Teil 1, 1904, S. 207.</ref> 1626 bei der Familie von Quitzow, danach bis 1871 wieder beim Landesherrn.<ref>Karl Kayser, 1904, S. 90.</ref>

Namensvarianten von Hilligsfeld waren Hillikesfelle, Hillingesfeldo, Hilligesulde, Hillingesfelden, Hillingesfelda, Hillingesvelt, Hildingesvelt, Hillincesvelde, Hilliesfelde.<ref>Vgl. zur Ortsnamenforschung das Niedersächsische Ortsnamenbuch (NOB). Es ist ein langfristig angelegtes Projekt des Instituts für Historische Landesforschung an der Universität Göttingen. Siehe auch Gerhard Köhler, 2016, „Feld“ in der deutschen Ortsgeschichte.</ref>

Die Goe auf der Hamel war ein mittelalterlicher Gerichtsbezirk für 14 Dörfer beiderseits der Hamel im altsächsisch-engernschen Tilithigau, der in vorkarolingischer Zeit schon weit vor dem 9. Jahrhundert als altsächsischer Siedlungsraum bestand. Groß Hilligsfeld und Klein Hilligsfeld lagen im Zentrum der Goe. Ein Platz auf dem Eichberg südsüdöstlich von Klein Hilligsfeld war der Gerichtsort der Goe auf der Hamel, auch Malstätte oder Mahlstätte genannt. Dort wurden Versammlungen aller Eingesessenen (erven) der Goe abgehalten.

Die Urgenossen in der Ostermark besaßen nach altem, mündlich überlieferten germanischen Gewohnheitsrecht die sog. „Erbaxt“ bzw. den freien Holzhieb. Die Bauern in Hilligsfeld konnten vom Frühmittelalter bis in das 19. Jahrhundert die Holz- und Weiderechte in den Waldgebieten der Ostermark, einer vom Frühmittelalter bis in die Neuzeit bestehenden Waldmark auf dem Territorium der Goe auf der Hamel, gemeinschaftlich nutzen. Sie konnten, je nach Bauernstand, ihr Vieh, vor allem ihre Gänse, Schweine und Rinder, zur Waldweide (Waldmast) in die Eichen- und Buchenwälder (Hutewälder) des Süntels, des Schweinebergs und des Eichbergs (in die Allmende) treiben.<ref group="Anm.">Die drei Süntelmarkgenossenschaften waren die Schaumburger Mark, die Mündersche Mark und die Ostermark. Die Fischbecker Mark ist der östliche Teil der Schaumburger Mark. Die Aufteilung der Waldmarken wurde bereits in vorkarolingischer Zeit durch die Altsachsen durchgeführt. Manfred Willeke zit. Jakob Grimm: „Die drei Süntelmarkgenossenschaften“, in: Deutsche Rechtsaltertümer und Weistümer, 2. Ausgabe, 1854, Nr. 43. Jakob Grimm schrieb: „Die Mark bedeutet ursprünglich Grenze. Die natürliche älteste Grenze war der Wald. Der Name übertrug sich auf den gemeinsamen Wald. Zur Mark gehörte nicht nur der Wald, sondern auch Viehtriften und Hude im Wald, Wild, Vögel und Bienen. Die meisten großen Waldungen sind früher Markengut gewesen. […] Jeder volle Markgenosse hatte freies Bau- und Brennholz. […] Die Holtting wurde jährlich abgehalten. Sie stellte das Markrecht fest und überlieferte es. Sie urteilten über Verletzungen des Rechtes und konnten Rechtsbrecher aus der Mark verweisen!“ Quelle: Manfred Willeke: 175 Jahre Realverband Forstgenossenschaft Holtensen, hrsg. von der Forstgenossenschaft Holtensen, 1. Auflage. Hameln, 2019, S. 125 f., ISBN 978-3-00-061843-7.</ref> Entscheidungen in Forstfragen wurden auf den Holtings (Holzgerichten) auf dem Eichberg bei Hilligsfeld getroffen. Der Gograf des Gogerichtsbezirks Goe auf der Hamel war in Groß Hilligsfeld ansässig.<ref>Jürgen Schlieckau: Die Geschichte der Dörfer Diedersen und Dadersen. Verlag Jörg Mitzkat, Holzminden 2025, ISBN 978-3-95954-174-9, S. 25.</ref> Im Mittelalter gehörten der Süntel, der Eichberg und das Behrenser Eichholz bei Klein Hilligsfeld sowie der Schweineberg bei Groß Hilligsfeld zur Ostermark, das heißt, die Bauern aus Hilligsfeld konnten diese Waldgebiete etwa für die Viehweide, die Holzgewinnung, die Mergelgewinnung und anfangs, nach altem mündlich überlieferten germanischen Recht noch für die Jagd nutzen.<ref>Ludwig Fricke: Dorfchronik Welliehausen. Druck- und Verlagshaus J. C. Erhardt GmbH, Springe 2002, S. 106.</ref><ref>Siehe auch eine Urkunde von 1578 (Hann. 74 VIII B 6a Nr. 2).</ref>

Die Goe auf der Hamel gehörte kirchenrechtlich vom 11. Jahrhundert faktisch bis 1647/1648 zum Archidiakonat Ohsen der Diözese Minden, das im Hochmittelalter vom Bistum Minden geschaffen, 1257 erstmals urkundlich erwähnt und 1648 infolge des Westfälischen Friedens aufgelöst wurde.

Datei:Martini-Kirche in Groß Hilligsfeld.jpg
St. Martini-Kirche in Groß Hilligsfeld

Hoch- und Spätmittelalter[Bearbeiten]

Die Edelherren von Hilligsfeld waren im Früh- und Hochmittelalter in Hilligsfeld ansässig. Sie tauchen 1231 erstmals urkundlich auf.<ref>Westfälische Geschichte. (PDF) Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL), abgerufen am 3. Dezember 2025.</ref>

Die Edelherren von Brünnighausen übten im 12. und 13. Jahrhundert (Hochmittelalter) als Inhaber der Holzgrafen- und Obermärkerrechte in der Goe auf der Hamel die forstliche Hoheit und höchste Entscheidungsgewalt in der Ostermark aus.

Von 1260 bis 1411 hatten die Reichsgrafen von Hallermund, deren Territorium zwischen der Region Hannover und dem heutigen Landkreis Hameln-Pyrmont lag, die Landesherrschaft und die Obergerichtsbarkeit über die Goe auf der Hamel. Nach dem Aussterben der Edelherren von Brünnighausen im Mannesstamm im Jahr 1260 wurden die Grafen von Spiegelberg mit Sitz in Coppenbrügge vom Bistum Minden mit den Holzgrafen- und Obermärkerrechten belehnt.

Nach dem Niedergang und Verkauf der hallermundischen Güter und Rechte im Jahr 1411 und der 1435 von den Welfen gegen die Grafen von Spiegelberg gewonnenen Spiegelberger Fehde gingen das Obermärkerrecht und das Forst- und Jagdregal an den welfischen Landesherrn über. Aus dem Calenberger Amtsregister lässt sich klar entnehmen, dass die Ostermark und das Holz-/Gografenamt seit 1434 Eigentum des Herzogs zu Braunschweig-Calenberg war.<ref>Manfred Willeke: 175 Jahre Realverband Forstgenossenschaft Holtensen, Forstgenossenschaft Holtensen (Hrsg.), 1. Auflage. Hameln, 2019, S. 26, ISBN 978-3-00-061843-7.; zit. Helga Knoke: Wald und Siedlung im Süntel, 1968, S. 55.</ref> Die welfischen Herzöge setzten herrschaftliche Forstmeister ein, um den Holzeinschlag in den Wäldern der Ostermark zu kontrollieren. Sie hatten die Forsthoheit über die forstwirtschaftliche Nutzung der Wälder und das privilegierte Recht auf Holz- und Forstnutzung. Die Herzöge von Calenberg beanspruchten neben dem Forstregal noch weitere wirtschaftliche Hoheitsrechte in der Ostermark.

Bei Klein Hilligsfeld lag im Mittelalter die Dorfwüstung Oydessen/Oedessen/Othdereshusen (nicht zu verwechseln mit Örshausen im Landkreis Göttingen). Die frühere Siedlung wird mit einem Grundherrn namens Ohteri in der fränkischen Okkupationszeit in Verbindung gebracht.<ref>Ludolf Fiesel, 1972, Nr. 130 und 138; zit. Trad. Fuld. Kap. 41, Nr. 130 und 138.</ref> Vom 13. bis zum 17. Jahrhundert waren die Edelherren von dem Werder (de insula) Grundherren und Lehensgeber in dem Ort, der in dieser Zeitstellung zur Wüstung mit am Ende nur noch einem verbliebenen Einzelgehöft wurde. Die Edelherren von dem Werder wurden im April 1457 und am 16. Oktober 1468 urkundlich als Grundherren des Ortes erwähnt. Das einstige Dorf ging in der Neuzeit in ein landwirtschaftliches Gut über und gehörte vom 13. bis 16. Jahrhundert, anders als Hilligsfeld, zur kleinen Grafschaft Spiegelberg. 1665 starb die Familie von dem Werder im Mannesstamm aus. Im 17. Jahrhundert kam der Besitz an andere Adelsgeschlechter, u. a. die Grafen von Wolff-Metternich, die auch in Bisperode begütert waren und die Familie von Münster. Eine andere, anhaltische Linie des Adelsgeschlechts von dem Werder versuchte noch bis ins 18. Jahrhundert hinein, Erbansprüche auf Öhrsen geltend zu machen. Dies wurde 1720 vom Reichskammergericht endgültig abgewiesen. Heute existiert das Gut Oehrsen als Einzelgehöft und als zertifizierter Bio-Demonstrationsbetrieb.

Zwischen Rohrsen und Hilligsfeld lag im Mittelalter die Siedlung Hillersbüttel. Es wird vermutet, dass die Siedlung 1396 von den „Mordbrennern des Statius von Mandelsloh“ zerstört wurde, 1499 war der Ort vollständig wüst.<ref>Quellen:

a) Christian Kämmerer, Thomas Kellmann & Peter Lufen: Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. Baudenkmale in Niedersachsen, Band 7.2: Stadt Hameln, Verlag C. W. Niemeyer, Hameln, 1989, S. 40.

b) Denkmalatlas Niedersachsen, ID, PPN: 1783043849.</ref>

Neuere Geschichte[Bearbeiten]

Ab dem ausgehenden Spätmittelalter verkomplizierte der Konflikt zwischen dem Landesherrn mit seiner Forsthoheit und den Markgenossen mit ihren althergebrachten bäuerlichen Gewohnheitsrechten die Forstwirtschaft, die noch in keiner Weise nachhaltig war und führte zur massiven Übernutzung und teilweisen Zerstörung der Waldgebiete. Die Situation verschärfte sich in der Zeitstellung der Neueren Geschichte: Je stärker die Bevölkerung wuchs und die landwirtschaftliche und gewerbliche Ausbeutung der Waldgebiete zunahmen, desto knapper wurde das Holz. Dadurch gerieten die Markgenossen in wirtschaftliche Not.

  • Nachwachsende Pflanzen wurden zu wenig gegen tierischen Verbiss geschützt und nahmen über die intensive Waldhude Schaden.
  • Große Waldflächen, u. a. im Süntel, wurden durch Raubbau zerstört. Beispiele sind Steinbrüche, Steinkohlebergwerke und Köhlereien im Süntel und im Osterwald, sowie Glashütten im Süntel, Osterwald und Kleinen Süntel und Salinen in Münder und Klein Süntel, die enorme Mengen an Brennholz und Steinkohle aus dem Deister, Süntel und Osterwald benötigten.
  • Systematische Aufforstungsmaßnahmen mit der Neuanpflanzung von gezüchteten Forstsetzlingen waren im Mittelalter und in der Neuzeit bis zum 18. Jahrhundert noch nicht üblich.

Die welfischen Landesherren schränkten in der Folge die Rechte der Bauern in der Waldnutzung immer weiter ein und schufen strenge Forstordnungen, welche die Dorfbewohner nur weiter unter Druck setzten. Das Holzgrafenamt wurde 1711 per Dekret abgeschafft. An dessen Stelle trat ein landesherrlicher „reitender Förster“, bzw. eine forstamtliche Verwaltung. Daraus entwickelte sich im 18. Jahrhundert die Position des Oberförsters und in der Gegenwart die Position des Leiters eines Forstamtes.

Die Bauern der Goe auf der Hamel waren in der Frühen Neuzeit dem Dorfmeister in Vorwerk Dahle an der Deisterpforte zu Frondiensten, Fuhrdiensten und Abgaben für die Landesherrschaft (Fürstentum Calenberg) verpflichtet. Dort befand sich eine landesherrliche Zehntscheune. Der Unterhalt der ab 1292 zwischen zwei Flussarmen der Leine errichteten herzoglichen Wasserburg Calenberg, einer welfischen Landesfestung (Niederungsburg) bei Pattensen, OT Schulenburg, 13 km westlich von Hildesheim, die später auch als Schloss bezeichnet wurde, finanzierte sich aus den wirtschaftlichen Erträgen des umliegenden Landes und den Pflichten der abhängigen Bauern, auch der Bauern aus Hilligsfeld. Die Feste Calenberg wurde im Dreißigjährigen Krieg (1618–1648) zerstört und abgerissen. Sie existiert heute nur noch als Ruine „Alt Calenberg“.

Die Verwaltung der Stadt Hameln schreibt: „Im Siebenjährigen Krieg erstreckte sich das Lager der Franzosen nach der Schlacht bei Hastenbeck (1757) über 8 Kilometer von der Weser bis über Groß Hilligsfeld hinaus.“<ref>Hilligsfeld. Stadt Hameln, abgerufen am 28. Oktober 2025.</ref> Während des Siebenjährigen Krieges, als die Franzosen im Sommer 1757 einen Teil ihres Lagers in Hilligsfeld hatten, kam es zu einem Jahrhunderthochwasser. Die Hamelauen wurden komplett überschwemmt. Französische Soldaten ertranken teilweise in den Fluten.

Das historische Kirchspiel Hilligsfeld-Rohrsen besaß vom späten 16. Jahrhundert bis ca. 1920 drei eigenständige Schulen in Groß Hilligsfeld, Klein Hilligsfeld und Rohrsen.<ref>Hilligsfeld-Rohrsen. In: kirchengemeindelexikon.de. Abgerufen am 17. August 2026.</ref>

Neueste Geschichte[Bearbeiten]

Die Agrarreformen mit der Flurbereinigung und Teilung der Ostermark fanden in Hilligsfeld im Wesentlichen in der Zeitstellung von 1835 bis 1875 statt. Erst mit den großen Teilungen und Verkoppelungen ab den 1830er Jahren wurde das feudale Forstregal der Herzöge von Braunschweig-Lüneburg abgelöst. In dieser Zeitstellung verloren auch die mittelalterlichen und neuzeitlichen Holzgerichte ihre Funktion. Die mittelalterlichen und neuzeitlichen Gemeinschaftswälder wurden aufgeteilt. Ein Teil der Wälder in der Ostermark ging in staatliches Eigentum (Staatsforst/Landesforst) über, während ein anderer Teil als Genossenschaftsforst/Interessentenforst komplett in den Besitz lokaler Bauerngemeinden überführt und die Forstgenossenschaft Groß Hilligsfeld als Realverband gegründet wurde.

Im 19. Jahrhundert kam es in Hilligsfeld immer wieder zu Dürre- und Wolkenbruch-Zyklen. Das Wasser schoss über die Bäche und Hänge in die Ortsteile, Ernten wurden vernichtet, und unbefestigte Straßen wurden unterspült. Im Frühjahr verkeilten sich Eisschollen an den engen Brücken über die Hamel und stauten das Wasser meterhoch auf. Der historische Ortskern und die landwirtschaftlichen Höfe wurden überflutet. Dies berichten Chroniken des Amtes Hameln.

Im Ersten Weltkrieg hatte Hilligsfeld überdurchschnittlich viele Gefallene zu beklagen. „Die Ortschaft Hilligsfeld lag mit 36 Gefallenen bei 640 Einwohnern (= 56 auf tausend Einwohner) sehr hoch, wobei Klein Hilligsfeld mit 19 Toten bei 179 Einwohnern eine extreme Rate zu verzeichnen hatte.“<ref>Wilfried Altkrüger, Bernhard Gelderblom: Erster Weltkrieg in Hameln und der Region. Verein für regionale Kultur und Zeitgeschichte Hameln e. V., 11. August 2014, abgerufen am 17. Oktober 2025.</ref>

Hilligsfeld wurde in den frühen 1920er Jahren (ca. 1921-1923) an das Stromnetz der Überland-Stromversorgung der Elektrizitätswerk Wesertal GmbH in Hameln-Afferde angeschlossen. Dadurch wurden die Höfe, die drei alten Dorfschulen und die Haushalte schrittweise von Petroleumlampen auf elektrisches Licht und Kraftstrom für landwirtschaftliche Maschinen umgestellt. Nach mehreren Betreiberwechseln liegt die Verantwortung für das Versorgungsnetz seit dem 1. Januar 2015 bei der Stadtwerke Hameln-Weserbergland GmbH.

1935 wurde das Pfarrhaus mit Gemeinderaum in Hilligsfeld gebaut; es wurde 2015 verkauft.

Im Zweiten Weltkrieg wurden auf den Bauernhöfen in Hilligsfeld Zwangsarbeiter eingesetzt.<ref>Bernhard Gelderblom & Mario Keller-Holte: Ausländische Zwangsarbeit in Hameln und im Landkreis Hameln-Pyrmont 1939-1945, Verlag Jörg Mitzkat, Holzminden, 2006.</ref>

Hilligsfeld erhielt in den 1950er und frühen 1960er Jahren eine zentrale moderne Wasserversorgung mit Tiefbrunnen und einem geschlossenen Rohrnetz. Heute sind die Stadtwerke Hameln-Weserbergland GmbH vollumfänglich die Betreiber.⁷

In den 1970er und frühen 1980er Jahren erhielt Hilligsfeld eine moderne geschlossene Abwasserkanalisation mit unterirdischen Pumpwerken, die das Schmutzwasser zur zentralen Kläranlage der Stadt Hameln nahe Wehrbergen pumpen. Die Abwasserbetriebe Weserbergland AöR sorgen für die Verwaltung, Wartung, Instandsetzung und Spülung des Kanalnetzes.

Der Öffis (die Nahverkehr Hameln-Pyrmont GmbH) mit der Buslinie 1 (Stadtbus, Citytakt) und der Buslinie 96 (Freizeitnetz, Kombilinie), verbindet Hilligsfeld und das benachbarte Wohn-/Gewerbegebiet Hottenbergsfeld regelmäßig direkt mit dem Bahnhof und der Stadtmitte von Hameln.

Ende Dezember 2023 ließen extreme tagelange Niederschläge den Fluss Hamel über die Ufer treten. Das Wasser stand direkt bis an die Terrassen und Gärten der Anwohner in Hilligsfeld. Aufgrund des wiederkehrenden Risikos ist die Hamel von Hilligsfeld bis Rohrsen als gesetzliches Überschwemmungsgebiet festgesetzt. Seit Ende 2025 hat ein streng geschützter Biber in der Hamel einen massiven Biberdamm errichtet, der die lokalen Umweltbehörden und Landwirte beschäftigt.

Jagdrecht[Bearbeiten]

Bis zum Hochmittelalter durften die freien Bauern sämtliches Wild für den Eigenbedarf frei jagen und den Fischfang betreiben. Das Jagdrecht, speziell die Jagd auf Braunbären,<ref group="Anm.">Im Süntel gab es im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit noch frei lebende Braunbären, die Karst- und Felsenhöhlen, wie z. B. die Langenfelder Höhle, als Sommer- und Winterquartiere nutzten. Sie wurden durch Bejagung und Verdrängung durch den Menschen schrittweise ausgerottet.</ref> Rothirsche,<ref group="Anm.">Rothirsche wurden im Süntel Mitte des 19. Jahrhunderts durch die Jagd und die starke Holznutzung ausgerottet. Heute gibt es gelegentlich Rothirsche, die durch die Wälder um Hilligsfeld ziehen. Auch im umzäunten Saupark Springe gibt es Rothirsche.</ref> Luchse,<ref group="Anm.">Im Mittelalter lebten noch Luchse im Süntel, die die unübersichtlichen und waldreichen Höhenzüge für die Jagd auf Beutetiere nutzten. Sie wurden als Jagdschädlinge bis ins 19. Jahrhundert gejagt und schließlich in Deutschland ausgerottet. In Deutschland wurden sie ab 1970 (Bayerischer Wald), im Harz ab 2000 wieder ausgewildert. Heute streifen Luchse, die als Jungtiere vom Harz in das Weserbergland einwandern, wieder regelmäßig durch den Süntel. Sie sind scheue Einzelgänger. Im Landkreis Hameln-Pyrmont wurde schon eine Luchsfamilie von einem Jäger gefilmt. Im Jahr 2011 tappte ein Luchs am Hohenstein in eine Fotofalle. Quellen: a) Jahrbuch des Provinzialmuseums zu Hannover, Hannover, 1904, S. 33; b) Jäger filmt Luchsfamilie mit dem Handy. In: DWZ. 31. Januar 2021, abgerufen am 28. Juli 2026.</ref> Wildschweine (Schwarzwild), Steinadler, Fischadler,<ref group="Anm.">Bis ins 19. Jahrhundert gab es im Süntel noch Steinadler, die u. a. auf dem Hohenstein nisteten; sie gibt es in Deutschland heute nur noch in den Alpen. Fischadler befinden sich gelegentlich noch in der Region zwischen Fischbeck und Rinteln in den Weserauen und in den durch Kiesabbau entstandenen Seen. Im Jahr 2007 wurde vom Naturschutzbund Deutschland (NABU) in Kooperation mit dem Energieversorger Westfalen Weser Energie auf einem Hochspannungsmast eine künstliche Nistplattform installiert. Im Jahr 2025 wurde die Plattform von einem Fischadlerpaar angenommen, das erstmals seit mehr als 100 Jahren Nachwuchs großzog. (Quelle: Nach mehr als 100 Jahren: Fischadler zurück im Wesertal. In: ndr.de. 19. Dezember 2025, abgerufen am 18. August 2026.) Kraniche und Auerhähne starben im Weserbergland im Verlauf des 19. Jahrhunderts aus.</ref> ging jedoch im Spätmittelalter ab 1432/1495 als exklusives Hoheitsrecht, „Hohe Jagd“ genannt, auf den welfischen Herzog und Landesherrn über, der damit auch andere höhere Adlige belehnen konnte. Der Adel bevorzugte die Treibjagd sowie die Jagd mit Falken auf edles Federvieh. Der niedere Landadel und die Geistlichkeit durften hingegen nur das sog. Niederwild, wie z. B. Rehe, Wölfe,<ref group="Anm.">Wölfe wurden im Weserbergland in der Zeitstellung zwischen 1840 und 1850 systematisch ausgerottet. Heute sind Wölfe im Süntel wieder auf Durchreise, aber es gibt im Umkreis von Hilligsfeld (noch) kein festes Wolfsrudel.</ref> Hasen, Füchse, Dachse, Marder, Iltisse und Federvieh jagen. Die bäuerliche Bevölkerung wurde von der Jagd auf Wildtiere gänzlich ausgeschlossen, und die Wilderei wurde hart bestraft. Die Bauern mussten von Schwarzwild verursachte Flurschäden bis in das 19. Jahrhundert entschädigungslos hinnehmen.

Mit der Revolution von 1848 wurde das adlige Jagdregal aufgehoben, und das Jagdrecht wurde an den Grundbesitz gekoppelt. Spätestens ab 1848 mussten die Adelsfamilien, wie alle Wald- und Grundbesitzer, die Bauern für Wildschäden entschädigen. In der Zeitstellung von 1848 bis 1934 konnten Jagdgenossenschaften das Jagdrecht pachten.

Seit 1934 (Reichsjagdgesetz, dessen System bis heute im Bundesjagdgesetz fortbesteht) ist die Jagdpacht auf natürliche Personen beschränkt und wird in Jagdgenossenschaften als Körperschaften des öffentlichen Rechts verwaltet. Organisatorisch gehören die Jagdreviere in Hilligsfeld zum Hegering 3 (Hameln) innerhalb der Jägerschaft Hameln-Pyrmont e. V. Für das Gebiet von Hilligsfeld gibt es aufgrund der historischen Aufteilung zwei Jagdgenossenschaften, die Jagdgenossenschaft Groß Hilligsfeld und die Jagdgenossenschaft Klein Hilligsfeld.

Datei:Kriegerdenkmal-in-Klein-Hilligsfeld.jpg
Kriegerdenkmal in Klein Hilligsfeld

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • Früheisenzeitliches Steinhügelgrab (Grabhügel mit Steineinlagen) am Kammweg auf dem Schweineberg, umsäumt von Eiben, ca. 800 v. Chr.
  • Vorgeschichtliches Gräberfeld an der B217 bei Groß Hilligsfeld, Funde zeigen keltische Einflüsse.
  • Gogerichtsstätte („Gohenstuhl“) des mittelalterlichen Gerichtsbezirks "Goe auf der Hamel" im altsächsischen Tilithigau auf dem Eichberg bei Klein Hilligsfeld.
  • St.-Martini-Kirche in Groß Hilligsfeld, erbaut 1815 auf Vorgängerbauten, die seit dem 8./9. Jahrhundert existierten. Die evangelisch-lutherische Kirche verfügt über eine frühromantische Orgel, die 1839 von dem Hoforgelbaumeister Ernst Wilhelm Meyer aus Hannover gebaut wurde. Die Kirche wurde 1989 gründlich renoviert. Das Orgelwerk wurde im Jahre 1991 von der Firma Hillebrand aus Altwarmbüchen renoviert.
  • Herrenhaus auf Gut Oehrsen.<ref>Annemarie Ostermeyer: Öhrsen. Ein Hof und seine Besitzer. Heinz Reise-Verlag, Göttingen 1954.</ref><ref>H. A. Vogell: Geschichte und Beschreibung der alten Grafschaft Spiegelberg älterer und neuerer Zeit. Nachdruck. Antiquariat und Verlag Harro von Hirschheydt, 1976, ISBN 978-3-7777-0844-7.</ref><ref>Adam Friedrich Ernst Jacobi: Die alte Geschichte der Grafschaft Spiegelberg: nebst verschiedenen Anekdoten von den Prinzen Oranien Nassau die zugleich Grafen von Spiegelberg gewesen (digitalisiert am 14. März 2009). Hrsg.: Bayerische Staatsbibliothek. München 1785.</ref>
  • Kragsteingewölbe aus Natursteinquadern, erbaut 1875, Durchlass am Eichberg für die frühe Eisenbahnlinie Elze-Löhne über einen temporären Wasserlauf bei km 23,816, Objekt-Nr. 1362.<ref>Kragsteingewölbe DB 1820. In: Denkmalatlas Niedersachsen. Niedersächsisches Landesamt für Denkmalpflege, abgerufen am 20. Oktober 2025.</ref>

Baudenkmale[Bearbeiten]

In der Liste der Baudenkmale in Hameln sind für Hilligsfeld 29 Baudenkmale aufgeführt.

Vereine[Bearbeiten]

  • Der Turnerbund Hilligsfeld von 1911 e. V. hat heute über 300 Mitglieder. Folgende Sportarten werden angeboten: Badminton, Fußball, Gymnastik und Tischtennis.
  • Der DRK-Ortsverein Hilligsfeld hat über 100 Mitglieder.
  • Freiwillige Feuerwehr von 1909 mit Jugendfeuerwehr und Kinderfeuerwehr „Blaulicht Kids“, heute insgesamt ca. 120 Mitglieder.
  • Schützengilde „Horrido“ Hilligsfeld von 1959 e .V.
  • Heimatverein „Go up der Hamel“ e. V.
  • Dorfladen „Spritzenhaus Hilligsfeld GBR“.
  • Förderverein der Grundschule Hilligsfeld-Rohrsen.

Söhne und Töchter des Ortes[Bearbeiten]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Groß Hilligsfeld
Demografische Entwicklung
Jahr 1689 1848 1933 1950 1961 1970 1972 2000 2001 2002 2003 2006 2023<ref>Stadt Hameln (Hrsg.): Statistische Daten. Hameln 2024, S. 12.</ref>
Einwohnerzahl 230 394 487 881 731 781 770 840 836 857 855 879 756
Klein Hilligsfeld

Klein Hilligsfeld hat am wenigsten Einwohner im Vergleich aller Ortsteile von Hameln.

Demografische Entwicklung
Jahr 1689 1848 1933 1950 1961 1970 1972 2000 2001 2002 2003 2006 2009 2023<ref>Stadt Hameln (Hrsg.): Statistische Daten. Hameln 2024, S. 12.</ref>
Einwohnerzahl 113 222 185 363 255 193 183 155 142 145 147 141 134 139

Die Kirchenbücher der Evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde an der Hamel in Groß-Hilligsfeld und Klein-Hillgsfeld wurden bei Archion digitalisiert. Folgende Einträge sind erhalten geblieben: Taufen, Trauungen und Begräbnisse ab 1666, Kommunikanten ab 1816 und Konfirmationen ab 1745 (Lücken: 1752-1754, 1757-1770 und 1864-1865).

Politische Zugehörigkeiten[Bearbeiten]

Im Frühmittelalter um 1000 n. Chr. gehörte der Ort Hilligsfeld mit den beiden Ortsteilen Groß Hilligsfeld und Klein Hilligsfeld zum Stammesherzogtum Sachsen.

Ab 1260 gehörten beide Ortsteile zum welfischen Herzogtum Braunschweig-Lüneburg und seit der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts zum Amt Springe. Zwischen 1518 und 1537 kam Hilligsfeld zum Amt Calenberg und 1584 wieder zum Amt Springe im welfischen Teilfürstentum Calenberg-Göttingen, das 1692 zum Kurfürstentum Braunschweig-Lüneburg bzw. Kurhannover wurde. Von 1810 bis 1813/1814 gehörten beide Ortsteile zum Königreich Westphalen, Departement Leine, Kanton Münder, Distrikt Hameln bzw. Distrikt Rinteln von Jérôme Bonaparte (* 15. November 1784, † 24. Juni 1860), des jüngeren Bruders des französischen Kaisers Napoleon Bonaparte (* 15. August 1769, † 5. Mai 1821). Von 1814 bis 1866 gehörte Hilligsfeld wieder zum Königreich Hannover und zum Amt Springe, von 1852 bis 1885 zum Amt Hameln, einem Verwaltungsbezirk des Königreichs Hannover. Nach der Annektierung des welfischen Königreichs Hannover durch Preußen gehörte Hilligsfeld von 1866 bis 1946 zur preußischen Provinz Hannover,<ref>Jürgen Schlieckau, 2025, S. 71.</ref> 1885 gehörte es zum Kreis Hameln, der 1922 im Landkreis Hameln-Pyrmont aufging.

Ab 1945 gehörten Groß Hilligsfeld und Klein Hilligsfeld zur Britischen Besatzungszone, 1946 zum Land Hannover und in demselben Jahr zum Regierungsbezirk Hannover im Land Niedersachsen. Am 31. Dezember 2004 wurden die Regierungsbezirke aufgelöst.<ref>Jürgen Schlieckau, 2025, S. 103.</ref>

Das nur ca. 400 Meter nordöstlich von Klein Hilligsfeld gelegene Gut Oehrsen gehörte in der Zeitstellung des Spätmittelalters und der Frühen Neuzeit (13. bis 16. Jahrhundert) zur kleinen Grafschaft Spiegelberg mit dem Hauptort Coppenbrügge.

Am 1. Januar 1973 wurden die Gemeinden Groß Hilligsfeld und Klein Hilligsfeld im Rahmen der Gebietsreform in die Stadt Hameln eingegliedert.<ref>Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 189.</ref>

Politik[Bearbeiten]

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Kommunalwahl 2016
Ortsrat Hilligsfeld
 %
50
40
30
20
10
0
41,92 %
37,84 %
20,24 %
FWGDie Seite Vorlage:FN/styles.css hat keinen Inhalt. a
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a 
FWGH = Freie Wählergemeinschaft Hilligsfeld (FWGH)
   
Insgesamt 5 Sitze

Ortsbürgermeister[Bearbeiten]

Ortsbürgermeister von Groß Hilligsfeld und Klein Hilligsfeld waren seit dem 8. November 2021 Tim Bödecker (CDU). Stellvertretender Ortsbürgermeister war Jan Philipp Schrader (Wählergemeinschaft).

Der Ortsrat Hilligsfeld hat fünf Mitglieder. Nach der Kommunalwahl vom 13. September 2026 ist der Ortsbürgermeister bisher noch nicht gewählt. Dies geschieht erst noch durch die neu gewählten Ortsratsmitglieder.

Ortsrat[Bearbeiten]

Ergebnisse der Ortsratswahlen 2016, 2021 und 2026 für Hilligsfeld<ref>Ergebnisse der Ortsratswahlen von 2016, 2021 und 2026 für Hilligsfeld, aus: Votemanager, abgerufen am 23. September 2026.</ref>
Partei 2016<ref> Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Kommunalwahl 2016 (Memento vom 20. Dezember 2016 im Internet Archive)</ref> Sitze 2021 Sitze 2026 Sitze
FWG 41,92% 2 38,7% 2 24,19% 1
CDU 37,84% 2 38,9% 2 54,65% 3
SPD 20,24% 1 22,4% 1 21,16% 1

Wappen[Bearbeiten]

  • Die Blasonierung des Wappens von Groß Hilligsfeld zeigt drei grüne Spitzen (unten) im silbernen Schild (in der Form ähnlich dem Fränkischen Rechen). Aus den Spitzen ragen ebenfalls grüne Eichenzweige mit je zwei goldenen Früchten. Darunter befinden sich zwei waagerechte „Balken“ in Gold, die einen Altar darstellen, da hier in der Vergangenheit ein germanisches Heiligtum gewesen sein soll.
  • Das Wappen von Klein Hilligsfeld zeigt drei ockerfarbene Spitzen in blauem Schild. Aus den Spitzen wächst je ein Baum, darunter befindet sich ein heraldisch rechtsgewendetes Pferd, von unten nach oben langsam von schwarz zu weiß werdend.

Literatur[Bearbeiten]

  • Ludolf Fiesel: Franken im Ausbau altsächsischen Landes, in: Historische Kommission für Niedersachsen und Bremen (Hrsg.): Niedersächsisches Jahrbuch für Landesgeschichte, Band 44, August Lax Verlagsbuchhandlung, Hildesheim, 1972.
  • Annemarie Ostermeyer: Öhrsen. Ein Hof und seine Besitzer, Heinz Reise Verlag, Göttingen, 1954.

Weblinks[Bearbeiten]

Commons: Hilligsfeld – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten]

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Anmerkungen[Bearbeiten]

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