Zum Inhalt springen

Jihadi John

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Mohammed Emwazi (* 17. August 1988 in al-Dschahra, Kuwait, als Muhammad Jassim Abulkarim Olayan al-Dhafri; arabisch محمد جاسم عبد الكريم عليان الظفيري, DMG {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value); † 12. November 2015 in ar-Raqqa), Kampfname Abu Abdullah al-Britani,<ref>Dozens of jihadis in fighting in Syria using the name ‘al-Britani’ independent.co.uk, 27. Februar 2015.</ref> war ein kuwaitisch-britischer islamistischer Terrorist der Terrororganisation Islamischer Staat (IS). Er war in verschiedenen im Internet verbreiteten Videos an der Hinrichtung von Geiseln des IS beteiligt und wurde in diesem Zusammenhang als Jihadi John bekannt. Der Spitzname wurde ihm von der britischen Presse verliehen.<ref name="independent.co.uk nicknames"/> Emwazi zählte zu einer Gruppe von vier Terroristen, die aufgrund ihrer britischen Herkunft als „die Beatles“ bezeichnet wurden, in Anlehnung an die britische Popband The Beatles.<ref name="independent.co.uk nicknames">‘Jihadi John’: Why do we give notorious criminals nicknames?, The Independent, 2. März 2015</ref>

Leben[Bearbeiten]

Leben in London[Bearbeiten]

Emwazi wurde 1988 in Kuwait geboren, seine Eltern zählten zu der sozialen Gruppe der Bidun.<ref>Martin Chulov: ‚The best employee we ever had‘: Mohammed Emwazi's former boss in Kuwait, The Guardian, 2. März 2015</ref> Mit sechs Jahren kam er nach Großbritannien und wuchs in Londoner Stadtteil West End auf. Er war Absolvent des Studiengangs Informatik an der University of Westminster.<ref name="spiegel.de Enttarnung">Geheimdienste enttarnen „Jihadi John“ spiegel.de, 26. Februar 2015.</ref> Der Security Service versuchte Emwazi nach seinem Abschluss als Informant für den Geheimdienst anzuwerben; als er sich weigerte, erteilte man ihm ein Ausreiseverbot. Er flog daraufhin ins Ausland, ohne seiner Familie Bescheid zu geben. Im Jahr 2012 reiste er nach Syrien.<ref>‚Jihadi John‘ killer from Islamic State beheading videos unmasked as Londoner Reuters, 26. Februar 2015.</ref>

Morde[Bearbeiten]

Zu den mutmaßlich von ihm getöteten Personen zählen James Foley, Steven Sotloff, David Haines, Alan Henning, Peter Kassig, Haruna Yukawa und Kenji Goto Jogo.<ref>Opfer-Angehörige fordern Prozess gegen „Jihadi John“ spiegel.de, 27. Februar 2015.</ref> In den Videos wird meist gezeigt, wie der vermummte Täter mit der Enthauptung der Opfer beginnt. Die Tat selbst ist in der Regel nicht zu sehen, danach wird jedoch der enthauptete Leichnam eingeblendet. Die Videos lassen daher offen, ob die Opfer während der Aufnahme oder im Anschluss getötet wurden und ob eine andere Person die Enthauptung vollzogen hat. Einige Forensiker hielten die dargestellten Hinrichtungen für inszeniert, die Bilder der Toten jedoch für echt.<ref>Foley murder video may have been staged The Telegraph, 25. August 2014.</ref>

Ein IS-Deserteur gab Mitte März 2015 an, dass mit den Opfern zum Schein schon vorher zahlreiche Videos gedreht wurden, in denen ihnen nichts passierte. Dies soll ihnen auch kurz vor der tatsächlichen Exekution versichert worden sein, so dass sie ihren bevorstehenden Tod nicht erahnten und bei den Aufnahmen gefasst wirkten. Der Zeuge behauptete, dass Jihadi John die Hinrichtungen persönlich durchgeführt habe.<ref>Deserteur packt aus: Deshalb bleiben IS-Geiseln in Hinrichtungsvideos so ruhig, Focus, 13. März 2015.</ref> Ehemalige Gefangene des IS berichteten zudem von Folter, Psychoterror und Scheinexekutionen während der Geiselhaft.<ref>The Horror Before the Beheadings, New York Times, 25. Oktober 2014</ref><ref> Eine IS-Geisel berichtet: Im grausamen Universum von "Jihadi John" spiegel.de, 16. März 2015.</ref>

Identifizierung[Bearbeiten]

Britische Journalisten vermuteten aufgrund seines Akzents und Soziolekts (Multicultural London English), dass „Jihadi John“ aus Großbritannien stamme. Der MI5 und das FBI kannten die mutmaßliche Identität seit September 2014.<ref> MI5 and Mohammed Emwazi: agency must answer serious questions theguardian.com, 26. Februar 2015.</ref> Ende Februar 2015 berichteten Medien, nach den Erkenntnissen westlicher Geheimdienste handele es sich um den britischen Staatsbürger Mohammed Emwazi.<ref name="spiegel.de Enttarnung"/> Der Vater Emwazis zweifelte die Angaben der Geheimdienste an.<ref>„Mein Sohn ist nicht ‚Jihadi John‘“, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 4. März 2015</ref> Da jedoch einige Familienmitglieder nach Emwazis Enttarnung Morddrohungen erhalten haben sollen, soll er sich bei diesen angeblich für die „Unannehmlichkeiten“ entschuldigt haben.<ref>"Jihadi John" entschuldigt sich bei Familie für "Unannehmlichkeiten" Augsburger Allgemeine, 9. März 2015.</ref>

Im August 2015 tauchte ein weiteres Video auf, das Jihadi John unmaskiert zeigen soll. Darin kündigt er an, nach Großbritannien zurückkehren und dort „weiter Köpfe abschneiden“ zu wollen.<ref>Jihadi John will nach Großbritannien zurückkehren, blick.ch, 24. August 2015</ref> Quelle ist die britische Boulevardzeitung Daily Mail, die sich bei der Identifikation auf einen namentlich nicht genannten Experten für Gesichtserkennung beruft.<ref>Jihadi John - ‘I will go back to Britain... and will carry on cutting heads off’: In a chilling new video, man said to be hooded butcher vows to return... and murder all unbelievers Daily Mail, 22. August 2015.</ref>

Tod[Bearbeiten]

Am 12. November 2015 wurde nahe Ar-Raqqa in Syrien ein Fahrzeug, in dem sich Emwazi befand, durch eine von einer „Reaper“-Drohne abgefeuerten Hellfire-Rakete zerstört. Das Pentagon teilte dies am folgenden Tag mit.<ref>Pentagon Says ‘Jihadi John’ Was Probably Killed in Airstrike nytimes.com, 13. November 2015.</ref> Laut Angaben des US-Militärs war die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass Emwazi unter den Insassen war, die bei diesem Angriff getötet wurden.<ref>‘High degree of certainty’' that US strike killed Mohammed Emwazi The Guardian, 13. November 2015.</ref>

Sein Tod wurde am 19. Januar 2016 in einem Artikel des vom IS herausgegebenen Magazins Dabiq bestätigt.<ref>The Rafidah: From Ibn Saba' to the Dajjal. In: Islamischer Staat (Hrsg.): Dabiq. Nr. 13, 2016, S. 23.</ref> Die dort gemachten Angaben zu den Umständen seines Todes decken sich mit denen des US-Militärs.<ref>Dschihadisten bestätigen Tod von Jihadi John welt.de, 19. Januar 2016.</ref>

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

<references />

Vorlage:Hinweisbaustein