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Kamel Daoud

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Datei:Kamel Daoud par Claude Truong-Ngoc février 2015.jpg
Kamel Daoud (2015)

Kamel Daoud (arabisch كمال داود, DMG {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value); * 17. Juni 1970 in Mesra, Wilaya Mostaganem, Algerien) ist ein algerisch-französischer Journalist und Autor, der in französischer Sprache schreibt.<ref name="lemag-portr">[https://www.lemonde.fr/m-le-mag/article/2024/11/08/kamel-daoud-dans-le-monde-d-une-voix-influente-de-la-societe-civile-algerienne-a-laureat-du-prix-goncourt_6383038_4500055.html Kamel Daoud dans « Le Monde », d’une voix influente…] In: Le Monde, M le magazine. 8. November 2024, abgerufen am 23. August 2025.</ref><ref name="britannica-2025">[https://www.britannica.com/biography/Kamel-Daoud Kamel Daoud.] In: Encyclopaedia Britannica. 19. August 2025, abgerufen am 23. August 2025.</ref> Bekannt wurde er in Algerien mit seiner Kolumne „Raïna Raïkoum“ („Unsere Meinung, eure Meinung“) im Le Quotidien d’Oran und schreibt zudem eine regelmäßige Kolumne für das französische Magazin Le Point.<ref name="lepoint-chronique">[https://www.lepoint.fr/tags/chroniques-kamel-daoud La chronique de Kamel Daoud.] In: Le Point. 30. September 2024, abgerufen am 23. August 2025.</ref> Für seinen Roman Houris erhielt er am 4. November 2024 den Prix Goncourt; er war damit der erste Algerier, dem diese Auszeichnung zuerkannt wurde.<ref name="academie-2024">[https://academiegoncourt.com/actualite/prix-goncourt-2024-communique Prix Goncourt 2024 : communiqué.] In: Académie Goncourt. 4. November 2024, abgerufen am 23. August 2025.</ref><ref name="lemonde-goncourt">[https://www.lemonde.fr/livres/article/2024/11/04/le-prix-goncourt-recompense-kamel-daoud-pour-houris_6375489_3260.html Le prix Goncourt récompense Kamel Daoud pour « Houris ».] In: Le Monde. 4. November 2024, abgerufen am 23. August 2025.</ref> 2020 wurde er als französischer Staatsbürger eingebürgert.<ref name="lemonde-2024-id">[https://www.lemonde.fr/en/france/article/2024/11/08/kamel-daoud-winning-the-goncourt-prize-is-a-snub-to-those-who-reduce-him-to-his-identity_6732114_7.html Kamel Daoud winning the Goncourt prize is a snub to those who reduce him to his identity.] In: Le Monde (engl.). 8. November 2024, abgerufen am 23. August 2025.</ref> 2024 führte ihn das Magazin New African in seiner Liste der „100 Most Influential Africans“.<ref name="newafrican-2024">[https://100.newafricanmagazine.com/ 100 Most Influential Africans 2024 (Profil: Kamel Daoud).] In: New African Magazine. 27. Dezember 2024, abgerufen am 23. August 2025.</ref><ref name="guardian-na-2024">[https://guardian.ng/life/full-list-new-african-magazine-unveils-100-most-influential-africans-of-2024/ Full List: New African Magazine unveils 100 Most Influential Africans of 2024.] In: The Guardian (Nigeria). 27. Dezember 2024, abgerufen am 23. August 2025.</ref>

Leben[Bearbeiten]

Daoud ist der Sohn eines Polizisten und hat als einziges Kind der Familie studiert. Nach dem Studium der Mathematik studierte er Literatur an der Universität Oran.<ref name="ilb-2025">[https://literaturfestival.com/en/authors/kamel-daoud/ Kamel Daoud.] In: international literature festival berlin. 15. Januar 2025, abgerufen am 23. August 2025.</ref><ref name="britannica-2025" /> 1994 ging er zur französischsprachigen Tageszeitung Le Quotidien d’Oran, wo er später acht Jahre lang Chefredakteur war.<ref name="lepoint-auteur">[https://www.lepoint.fr/journalistes-du-point/kamel-daoud Kamel Daoud — Auteur au « Point » (Biohinweis).] In: Le Point. 30. September 2024, abgerufen am 23. August 2025.</ref><ref name="ilb-2025" /> In dieser Zeit schrieb er sein erstes Buch Raina raïkoum (Unsere Meinung, eure Meinung). Er entwickelte sich und seine Meinungen von „konservativ“ zu „bissig“, besonders gegenüber den algerischen Machthabern unter Abdelaziz Bouteflika. Seine Artikel erschienen unzensiert auf Facebook, des Weiteren schrieb er für die elektronische Zeitschrift Algérie-focus und für Slate Afrique. Daoud lebt und arbeitet in Oran; seit den 2010er Jahren lebt und arbeitet er zeitweise auch in Frankreich.<ref name="lemonde-2024-int">[https://www.lemonde.fr/livres/article/2024/09/08/kamel-daoud-les-islamistes-ont-perdu-militairement-mais-gagne-politiquement_6307521_3260.html Kamel Daoud : « Les islamistes ont perdu militairement mais gagné politiquement ».] In: Le Monde. 8. September 2024, abgerufen am 23. August 2025.</ref> Er hat zwei Kinder und ist geschieden.

Werk und Rezeption[Bearbeiten]

International bekannt wurde Daoud mit dem Debütroman Meursault, contre-enquête (Barzakh 2013; Actes Sud 2014), einer postkolonialen Gegenlektüre zu Albert Camus’ Der Fremde.<ref name="lemonde-2014-camus">[https://www.lemonde.fr/livres/article/2014/06/25/kamel-daoud-double-camus_4445128_3260.html « Meursault, contre-enquête » : Kamel Daoud double Camus.] In: Le Monde. 25. Juni 2014, abgerufen am 23. August 2025.</ref> Der Roman polarisierte: Tobias Lehmkuhl kritisierte in der Süddeutschen Zeitung die Sprache und die Gegengeschichte als monologisierendes Gerede,[[#Einzelnachweise|<ref>Tobias Lehmkuhl: Brüder unter der Sonne, Rezension, in: Süddeutsche Zeitung, 19. Februar 2016, S. 14</ref>]] während Dirk Fuhrig im Deutschlandradio Kultur den Roman als „einer der anregendsten und wichtigsten … über das Verhältnis des Westens zur arabischen Welt“ lobte.[[#Einzelnachweise|<ref>Dirk Fuhrig: Eine arabische Antwort auf Camus, Rezension, in: Deutschlandradio Kultur, 25. Februar 2016.</ref>]] Meursault, contre-enquête stand 2014 in der Endauswahl für den Prix Goncourt und wurde 2015 mit dem Goncourt du premier roman ausgezeichnet.<ref name="goncourt-1er-2015">[https://www.academiegoncourt.com/goncourt-du-premier-roman Goncourt du premier roman — Lauréats (2015 : Kamel Daoud).] In: Académie Goncourt. 5. Mai 2015, abgerufen am 23. August 2025.</ref>

Mit Houris (Gallimard, 2024; dt. Huris, Matthes & Seitz Berlin, 2025) literarisierte Daoud die algerische „décennie noire“ (Bürgerkrieg 1992–2002) und thematisierte die bis heute strittige Aufarbeitung dieser Zeit; das Buch wurde in Algerien verboten. Für Houris erhielt er 2024 den Prix Goncourt. In den Büchern Meine Nacht im Picasso-Museum (2018/2020) und Houris thematisiert Daoud zudem das Verhältnis des Islams zu Körperlichkeit und zur Situation der Frau. Houris sind die Jungfrauen, die nach der religiösen Vorstellung mancher Menschen im Jenseits die Märtyrer erwarten sollen.<ref>Kamel Daouds neuer Roman „Huris“: Der unsagbare Krieg, SWR vom 29. Dezember 2025, abgerufen am 8. Januar 2026</ref>

Neben der Kolumne im Quotidien d’Oran veröffentlichte Daoud seine journalistischen Texte u. a. gesammelt in Mes indépendances : Chroniques 2010–2016 (Actes Sud, 2017).<ref name="fnac-mesindep">[https://www.fnac.com/a10152994/Kamel-Daoud-Mes-independances Mes indépendances : Chroniques 2010–2016.] In: Fnac. 15. Februar 2017, abgerufen am 23. August 2025.</ref> Er schreibt zudem eine regelmäßige Kolumne für Le Point.<ref name="lepoint-chronique" />

Kontroversen und juristische Auseinandersetzungen[Bearbeiten]

Kölner Silvesternacht (2015/16)[Bearbeiten]

Daoud äußerte sich in Le Monde kritisch zu den sexuellen Übergriffen in der Silvesternacht 2015/16 in Köln durch maghrebinische Migranten und beklagte eine Naivität des Westens, der die Gegensätze zwischen westlicher und islamischer Kultur herunterspiele.[[#Einzelnachweise|<ref>Kamel Daoud: Cologne, lieu de fantasmes, Le Monde, 31. Januar 2016.</ref>]] Er wurde daraufhin von einer Gruppe von neunzehn französischen Intellektuellen angeklagt, Islamophobie zu schüren und Pegida zu unterstützen; bereits vorher wegen Kommentare im Quotidien d'Oran mit einer Fatwa belegt, kündigte Daoud an, sich aus dem Journalismus zurückzuziehen.[[#Einzelnachweise|<ref>Iris Radisch: Das Tribunal der Pariser Mandarine, Die Zeit, 25. Februar 2016.</ref>]]

Drohungen, Prozesse und Haftbefehle[Bearbeiten]

2014 rief der salafistische Prediger Abdelfattah Hamadache nach einem TV-Auftritt Daouds öffentlich zu dessen Hinrichtung auf. Daoud verklagte ihn deswegen; im März 2016 gewann Daoud den Prozess in Oran, bevor die Berufungsinstanz im Juni 2016 das Urteil wegen Unzuständigkeit aufhob. 2025 wurde Daoud in Frankreich wegen Houris zivilrechtlich verklagt; parallel meldeten algerische Behörden internationale Haftbefehle gegen ihn. Im April 2026 wurde er wegen seines preisgekrönten Romans Houris – der in Algerien nicht veröffentlicht werden kann, da ein Gesetz Veröffentlichungen über den Bürgerkrieg verbietet – in Abwesenheit von einem algerischen Gericht zu drei Jahren Freiheitsstrafe ohne Bewährung und einer hohen Geldstrafe verurteilt. Gegen Daoud läuft auch ein Verfahren vor einem französischen Gericht wegen Verletzung der Privatsphäre.<ref>Roman über Bürgerkrieg - Algerisches Gericht verurteilt Schriftsteller Kamel Daoud in Abwesenheit zu Haftstrafe. In: Deutschlandfunk. 22. April 2026, abgerufen am 25. April 2026.</ref>

Preise und Auszeichnungen[Bearbeiten]

Werke[Bearbeiten]

  • Raina raïkoum, Zusammenstellung einiger seiner im Le Quotidien d’Oran veröffentlichten Artikel. Éditions Dar el Gharb, Oran 2002.
  • La Fable du Nain, Nacherzählung. Dar el Gharb, Oran 2003.
  • Ô Pharaon. Dar el Gharb, Oran 2005.
  • L’Arabe et le vaste pays de Ô.... Erzählungen. Barzakh, Algier 2008.
    • Der Araber und das weite Land O. (L’Arabe et le vaste pays Ô), Auszug; Übers. Sonja Finck. In: Den gegenwärtigen Zustand der Dinge festhalten. Zeitgenössische Literatur aus Frankreich. die horen, 267. Wallstein, Göttingen 2017, S. 85–91.
  • La Préface du Nègre. Algerien 2008.
    • in Frankreich: Minotaure 504. Éditions Sabine Wespieser, Paris 2011, ISBN 978-2-84805-098-0
    • Minotaurus 504. Erzählungen. Aus dem Französischen von Sonja Finck. Persona Verlag, Mannheim 2012, ISBN 978-3-924652-38-8.
  • Meursault, contre-enquête. Actes Sud, Arles 2014, ISBN 978-2-330-03372-9.
    • Der Fall Meursault – eine Gegendarstellung. Roman. Aus dem Französischen von Claus Josten, Kiepenheuer & Witsch, Köln 2016, ISBN 978-3-462-04798-1.[[#Einzelnachweise|<ref>Jetzt hat der Tote endlich einen Namen, FAZ, 17. Februar 2016, S. 10</ref>]]
  • Zabor ou Les Psaumes. Actes Sud, Arles 2017.
    • Zabor. Roman. Aus dem Französischen von Claus Josten, Kiepenheuer & Witsch, Köln 2019, ISBN 978-3-462-05202-2.
  • Le Peintre dévorant la femme. Stock, Paris 2018. ISBN 978-2-234-08373-8.<ref name="stock-peintre">[https://www.editions-stock.fr/livre/le-peintre-devorant-la-femme-9782234083738/ Le Peintre dévorant la femme.] In: Éditions Stock. 21. März 2018, abgerufen am 23. August 2025.</ref>
  • Mes indépendances : Chroniques 2010–2016. Actes Sud, Arles 2017 (dt. Auswahl: Chroniques: Selected Columns, 2010–2016, Other Press 2018).<ref name="fnac-mesindep" />
  • Meine Nacht im Picasso-Museum: über Erotik und Tabus in der Kunst, in der Religion und in der Wirklichkeit. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2020, ISBN 978-3-462-05331-9.
  • Houris. Roman. Gallimard, Paris 2024. ISBN 978-2-07-299999-4.
    • Huris. dt. von Holger Fock. Matthes & Seitz Berlin, Berlin 2025, ISBN 978-3-7518-1031-9.
  • Das vom Rest der Welt abgeschottete Land, in Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 26. Oktober 2025, S. 41f

Adaptionen[Bearbeiten]

Hörspiel[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Commons: Kamel Daoud – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten]

<references />

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