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Kuhschellen

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Kuhschellen
Datei:Pasque Flower (Pulsatilla vulgaris) (17022184800).jpg

Gewöhnliche Kuhschelle (Pulsatilla vulgaris)

Systematik
Eudikotyledonen
Ordnung: Hahnenfußartige (Ranunculales)
Familie: Hahnenfußgewächse (Ranunculaceae)
Unterfamilie: Ranunculoideae
Tribus: Anemoneae
Gattung: Kuhschellen
Wissenschaftlicher Name
Pulsatilla
Mill.

Die Kuhschellen oder Küchenschellen (Pulsatilla) bilden eine Pflanzengattung innerhalb der Familie der Hahnenfußgewächse (Ranunculaceae).<ref name="Sramkóa2019" /> Ihre Arten blühen alle im Frühjahr und sie sind auf der Nordhalbkugel in Eurasien und Nordamerika weitverbreitet.

Beschreibung und Ökologie[Bearbeiten]

Datei:Curtis's botanical magazine (Tab 7858) (8347271400).jpg
Illustration aus Curtis's Botanical Magazine, Tafel 7858 von Pulsatilla cernua
Datei:Pulsatilla vulgaris0.jpg
Federschweifigen Früchtchen kurz vor der Reife bei der Gewöhnlichen Kuhschelle (Pulsatilla vulgaris)

Vegetative Merkmale[Bearbeiten]

Kuhschellen-Arten sind ausdauernde krautige Pflanzen. Sie bilden aufrechte Rhizome als Überdauerungsorgane. Blätter und Stängel sind meist lang, weich, silbergrau behaart.

Die in grundständigen Rosetten zusammenstehenden Laubblätter sind in lang Blattstiel und Blattspreite gegliedert. Die Blattspreite ist ein- bis mehrfach gefiedert oder gefingert, mit fiederspaltigen bis fiederschnittigen Fiederblättchen.

Generative Merkmale[Bearbeiten]

Am Blütenstandsschaft befindet sich ein Quirl aus drei in unterschiedlichem Ausmaß reduzierten und am Grund meist miteinander verwachsenen Blättern, die eine glockenförmige Hülle bilden. Die Blüten stehen einzeln am Ende des Stängels.

Die zwittrigen Blüten sind radiärsymmetrisch. Die weiße, rosa, violette oder rote Blütenhülle besteht aus zwei untereinander nicht sehr verschiedenen Kreisen aus jeweils drei Blütenhüllblättern, die außen meist dicht zottig behaart sind. Die Form der Blüte ähnelt oft einem Glöckchen oder auch einer Kuhschelle. Die Verkleinerungsform Kühchen hat zur Bezeichnung Küchen-Schelle geführt. Der botanische Name stammt ebenfalls von der glockigen Blütenform (lateinisch pulsare für „schlagen“, „läuten“). Es sind viele gelb oder purpur gefärbte, freie Staubblätter vorhanden und außer bei Pulsatilla kostyczewii eine Reihe Staminodien (staminodialen Nektarien). Die zahlreichen, nicht miteinander verwachsenen Fruchtblätter besitzen jeweils nur eine Samenanlage. Die langen Griffel sind federförmig und vergrößern sich bis zur Fruchtreife.

In einem kugeligen Fruchtstand stehen viele, kleine, spindelförmige Nüsschen („Achänen“) zusammen. Die Nüsschen entwickeln sich jeweils aus einem freien Fruchtblatt, an denen der Griffel, stark verlängert und zottig behaart, einen Federschweif bildet. Die Früchte der Kuhschellen sind Federschweifflieger und bohren sich mit scharfen Spitzen durch hygroskopische Bewegungen tief in den Boden ein.

Chromosomensätze[Bearbeiten]

Die Chromosomengrundzahl beträgt einheitlich x = 16. Bei den meisten Taxa der Gattung Pulsatilla liegt Diploidie mit Chromosomenzahl von 2n = 16 vor.<ref name="Sramkóa2019" />

Datei:5-methylenefuran-2(5H)-one 200.svg
Struktur von Protoanemonin

Inhaltsstoffe[Bearbeiten]

Vorlage:Hinweisbaustein Kuhschellen-Arten enthalten wie alle Hahnenfußgewächse das Glukosid Ranunculin das enzymatisch in das sehr giftige Protoanemonin (Anemonol), welches wiederum beim Trocknen oder Erhitzen in das weniger giftige Anemonin umgewandelt wird. Das Anemonin ist nicht beständig und wandelt sich leicht in Anemoninsäure, die ungiftig ist.<ref>Gerhard Habermehl, Petra Ziemer: Mitteleuropäische Giftpflanzen und ihre Wirkstoffe. Hrsg.: Springer-Verlag. 2. Auflage. Springer-Verlag GmbH, Berlin / Heidelberg 1999, ISBN 978-3-642-64198-5, S. 74.</ref> Das Verfüttern von Heu, welches Hahnenfußgewächse enthält, ist für damit gefüttertes Vieh ungefährlich.<ref>Christoph Greifenhagen: Schlitzblättriger Hahnenfuß - Ranunculus polyanthemopyllus. In: Pflanzen in Deutschland. Pflanzen in Deutschland, 2020, abgerufen am 7. Mai 2021.</ref>

Systematik, botanische Geschichte und Verbreitung[Bearbeiten]

Datei:Pulsatilla albana.jpg
Kaukasische Kuhschelle (Pulsatilla albana)
Datei:Pulsatilla alpina (1).JPG
Alpen-Kuhschelle (Pulsatilla alpina subsp. alpina)
Datei:Pulsatilla alpina subsp apiifolia 01.jpg
Gelbe Alpen-Kuhschelle (Pulsatilla alpina subsp. apiifolia)
Datei:Pulsatilla alba (Kastelberg).jpg
Brockenanemone (Pulsatilla alba)
Datei:Pulsatilla halleri1LEST.jpg
Hallers Kuhschelle (Pulsatilla halleri)
Datei:Pulsatilla montana 1.jpg
Berg-Kuhschelle (Pulsatilla montana)
Datei:Pulsatilla pratensis subsp nigricans.jpg
Schwarze Kuhschelle (Pulsatilla nigricans)
Datei:Anemone occidentalis 0774.JPG
Pulsatilla occidentalis
Datei:Pulsatilla rubra Haute-Loire.jpg
Rote Kuhschelle (Pulsatilla rubra)
Datei:Pulsatilla tatewakii Kudô, J. Col. Agric. Sapporo xii. 36 (1923). (49827457928).jpg
Pulsatilla tatewakii
Datei:Pulsatilla vernalis, Seiser Alm.JPG
Frühlings-Kuhschelle (Pulsatilla vernalis)

Die Gattung Pulsatilla wurde 1754 durch Philip Miller in The Gardeners Dictionary. Abridged, fourth edition, Rivington, London. Volume 3 aufgestellt. Typusart ist Anemone pulsatilla Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.L. Der botanische Gattungsname Pulsatilla leitet sich vom lateinischen Wort pulsare für "läuten, schlagen" ab und bezieht sich auf die glockenförmigen Blüten vieler Arten.

Die Gattung Pulsatilla gehört zur Tribus Anemoneae in der Unterfamilie Ranunculoideae innerhalb der Familie Ranunculaceae.<ref name="Sramkóa2019" /> Innerhalb der Tribus Anemoneae bilden die Gattungen Pulsatilla, Anemone s. str., Barneoudia, Knowltonia sowie Oreithales eine Klade.<ref name="Sramkóa2019" />

Die etwa 40 Arten gedeihen auf der Nordhalbkugel in den nördlich-gemäßigten, subarktischen und montanen Gebieten.<ref name="Sramkóa2019" /> In Europa kommen neun Arten und in Nordamerika kommen nur zwei Arten vor. Die meisten, 29, Arten kommen in Asien vor.<ref name="Sramkóa2019" /> In China gibt es elf Arten, eine davon nur dort.<ref name="FoC"/> Die meisten Arten gedeihen in Graslandhabitaten.<ref name="Sramkóa2019" />

Der Umfang der Gattungen in der Tribus Anemoneae wird kontrovers diskutiert. Synonyme für Pulsatilla Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Mill. im Rang einer Gattung Pulsatilla sind: Anemone sect. Pulsatilla Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.(Mill.) DC., Anemone sect. Pulsatilla Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.(Mill.) Le Maout & Decne. comb. superfl., Anemone subg. Pulsatilla Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.(Mill.) Thomé. Genetische Untersuchungen haben gezeigt, dass die Arten der Gattung Pulsatilla eigentlich der Gattung Windröschen (Anemone), bei denen sie ursprünglich durch Carl von Linné beschrieben wurden, zugerechnet werden könnten.<ref name="Hoot1994" /> Beispielsweise erfolgte 2015 ein nomenklatorischer Transfer der chinesischen Pulsatilla-Arten zur Gattung Anemone.<ref name="Jiang2015" />

Nach Sramkóa et al. 2019 wurden molekularphylogenetische Untersuchungen durchgeführt mit dem Ergebnis einer angepassten Systematik sowie der rDNA-Evolution. Dabei wurde die Trennung der Gattungen Anemone s. str. und Pulsatilla bestätigt. Die Gattungen Anemone s. str. und Pulsatilla trennten sich vor etwa 25 Millionen Jahren.<ref name="Sramkóa2019" />

Nach Sramkóa et al. 2019 wird die Gattung Pulsatilla in drei Untergattungen gegliedert und enthält etwa 40 Arten.<ref name="Sramkóa2019" /> Die Untergattung Kostyczewianae enthält nur eine Art, die sich morphologisch zwischen Anemone s. str. und Pulsatilla ausgeprägt ist. Die Untergattung Pulsatilla ist artenreicher als ihre Schwester, Untergattung Preonanthus.<ref name="Sramkóa2019" />

Die Gattung Pulsatilla Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Mill. wird nach Sramkóa et al. 2019 wie folgt gegliedert:<ref name="Sramkóa2019" />

Quellen[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

<references> <ref name="Hoot1994"> S. B. Hoot, A. A. Reznicek, J. D. Palmer: Phylogenetic relationships in Anemone (Ranunculaceae) based on morphology and chloroplast DNA. In: Syst. Bot. Volume 19, 1994, S. 169–200. </ref> <ref name="FoC"> Wang Wencai, Bruce Bartholomew: In: Wu Zhengyi, Peter H. Raven, Deyuan Hong (Hrsg.): Flora of China. Volume 6: Caryophyllaceae through Lardizabalaceae. Science Press und Missouri Botanical Garden Press, Beijing und St. Louis 2001, ISBN 1-930723-05-9. Pulsatilla, S. 329 textgleich online wie gedrucktes Werk. </ref> <ref name="Zander2008"> Walter Erhardt, Erich Götz, Nils Bödeker, Siegmund Seybold: Der große Zander. Enzyklopädie der Pflanzennamen. Band 2: Arten und Sorten. Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 2008, ISBN 978-3-8001-5406-7. </ref> <ref name="Euro+Med2014"> E. von Raab-Straube, Ralf Hand, E. Hörandl, E. Nardi, 2014+: Ranunculaceae.: Datenblatt Pulsatilla. In: Euro+Med Plantbase – the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity. </ref> <ref name="Jiang2015"> N. Jiang, Z. Zhou, K. Y. Guan, W. B. Yu: Nomenclatural transfer of Chinese Pulsatilla to Anemone (Ranunculaceae). In: Nordic Journal of Botany, Volume 33, Issue 4, 2015, S. 469–471. doi:10.1111/njb.00700 Volltext-PDF. </ref> <ref name="Sramkóa2019"> Gábor Sramkóa, Levente Laczkó, Polina A. Volkova, Richard M. Bateman, Jelena Mlinarec: Evolutionary history of the Pasque-flowers (Pulsatilla, Ranunculaceae): Molecular phylogenetics, systematics and rDNA evolution. In: Molecular Phylogenetics and Evolution, Volume 135, 2019, S. 45–61. doi:10.1016/j.ympev.2019.02.015 Volltext-PDF. </ref> </references>

Literatur[Bearbeiten]

  • Dietmar Aichele, Heinz-Werner Schwegler: Die Taxonomie der Gattung Pulsatilla. In: Feddes Repertorium, Band 60, 1957, Seite 1–230.
  • Wang Wencai, Bruce Bartholomew: In: Wu Zhengyi, Peter H. Raven, Deyuan Hong (Hrsg.): Flora of China. Volume 6: Caryophyllaceae through Lardizabalaceae. Science Press und Missouri Botanical Garden Press, Beijing und St. Louis 2001, ISBN 1-930723-05-9. Pulsatilla, S. 329 textgleich online wie gedrucktes Werk.
  • David Aeschimann, Konrad Lauber, Daniel Martin Moser, Jean-Paul Theurillat: Flora alpina. Band 1. Lycopodiaceae-Apiaceae. Haupt Verlag, Bern, Stuttgart, Wien, 2004, ISBN 3-258-06600-0.
  • Eckehart J. Jäger, Friedrich Ebel, Peter Hanelt, Gerd K. Müller: Exkursionsflora von Deutschland. Band 5: Krautige Zier- und Nutzpflanzen. Spektrum Akademischer Verlag. Berlin, Heidelberg 2008, ISBN 978-3-8274-0918-8.
  • N. Jiang, Z. Zhou, K. Y. Guan, W. B. Yu: Nomenclatural transfer of Chinese Pulsatilla to Anemone (Ranunculaceae). In: Nordic Journal of Botany, Volume 33, Issue 4, 2015, S. 469–471. doi:10.1111/njb.00700 Volltext-PDF.
  • Gábor Sramkóa, Levente Laczkó, Polina A. Volkova, Richard M. Bateman, Jelena Mlinarec: Evolutionary history of the Pasque-flowers (Pulsatilla, Ranunculaceae): Molecular phylogenetics, systematics and rDNA evolution. In: Molecular Phylogenetics and Evolution, Volume 135, 2019, S. 45–61. doi:10.1016/j.ympev.2019.02.015 Volltext-PDF.
  • Qiu-jie Li1, Xi Wang, Jun-ru Wang, Na Su, Ling Zhang, Yue-ping Ma, Zhao-yang Chang, Liang Zhao, Daniel Potter: Efficient Identification of Pulsatilla (Ranunculaceae) Using DNA Barcodes and Micro-Morphological Characters. In: Frontiers in Plant Science, Volume 10, Oktober 2019, 1196. doi:10.3389/fpls.2019.01196

Weblinks[Bearbeiten]

Commons: Kuhschellen (Pulsatilla) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Kuhschelle – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen