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Leukophosphit

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Leukophosphit
Datei:Hureaulite-Leucophosphite-sea73c.jpg
Leukophosphit in Paragenese mit Hureaulith
Allgemeines und Klassifikation
IMA-Symbol

Lpp<ref name="Warr"></ref>

Chemische Formel KFe3+2[(PO4)2|OH]·2H2O
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Phosphate, Arsenate und Vanadate
System-Nummer nach
Strunz (8. Aufl.)
Lapis-Systematik
(nach Strunz und Weiß)
Strunz (9. Aufl.)
Dana

VII/D.14
VII/D.27-030

8.DH.10
42.11.06.01
Kristallographische Daten
Kristallsystem Monoklin
Kristallklasse; Symbol monoklin-prismatisch; 2/m
Raumgruppe P21/n (Nr. 14, Stellung 2)Vorlage:Raumgruppe/14.2
Gitterparameter a = 9,782 Å; b = 9,658 Å; c = 9,751 Å
β = 102,24°<ref name="Handbookofmineralogy" />
Formeleinheiten Z = 4<ref name="Handbookofmineralogy" />
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte 3,5<ref name="Mindat" />
Dichte (g/cm3) gemessen: 2,948; berechnet: 2,911<ref name="Handbookofmineralogy" />
Spaltbarkeit Vollkommen an {100}
Farbe weiß, gelbbraun, orangebraun, pink, grünbraun, bräunliches Lila
Strichfarbe weiß<ref name="Mindat" />
Transparenz durchscheinend
Glanz Glasglanz bis Wachsglanz
Kristalloptik
Brechungsindizes nα = 1,707
nβ = 1,721
nγ 1,739<ref name="Handbookofmineralogy" />
Doppelbrechung δ 0,032<ref name="Mindat" />
Optischer Charakter zweiachsig positiv
Achsenwinkel 2V = berechnet: 84°<ref name="Handbookofmineralogy" />
Weitere Eigenschaften
Chemisches Verhalten Sehr gut in Säuren<ref name="Mineralienatlas" />

Leokophosphit ist ein seltenes Mineral aus der Mineralklasse der Phosphate, Arsenate und Vanadate. Er kristallisiert im monoklinen Kristallsystem mit der chemischen Zusammensetzung KFe3+2[(PO4)2|OH]·2H2O. Es ist also ein Kalium-Eisen-Phosphat mit zusätzlichen Hydroxidionen, welches Kristallwasser enthält.

Er bildet diamantartige, 1 cm große Kristalle, aber auch feinkörnig, kreideartige, teilweise amorphe Massen. Das Mineral hat eine braune Farbe, die in verschiedenen Ausprägungen andersfarbige Einflüsse haben kann. Leukophosphit ist durchscheinend (transluzent) mit Brechungsindexen zwischen 1,70 und 1,74.<ref name="Handbookofmineralogy" />

Mit einer Mohshärte von 3,5 gehört es zu den weichen Mineralen.

Etymologie und Geschichte[Bearbeiten]

Leukophosphit wurde erstmals 1931 von E. S. Simpson beschrieben. Er entdeckte es im Rahmen einer Untersuchung an einem stark phosphathaltigen Felsen und benannte es nach leukos (Gr. für Weiß) und phosphoros (engl. für Phosphor). Nach der Untersuchung, die in Gegenüberstellung zu Variscit (Fe3+[PO4]·2H2O, damals teilweise auch Redonit genannt) vollzogen wurde, stellte er die Formel des neuen Minerals mit K2(Fe, Al)7(OH)11(PO4)4·6H2O fest. Seine Untersuchungsergebnisse gaben folgendes Mischungsverhältnis an:<ref name="Simpson" />

Al2O3 12,5 % Fe2O3 32,82 % Cr2O3 in Spuren
FeO in Spuren MnO 0,22 % MgO 0,73 %
(NH4)2O 0,09 % Na2O 0,13 % K2O 7,88 %
H2O (+) 12,28 % P2O5 26,29 % CO2 0,17 %
SiO2 in Spuren TiO2 in Spuren H2O (-) 6,59 %

In einer chemischen Neuanalyse im Jahre 1952 kamen J. M. Axelrod, Maxwell K. Carron, Charles Milton und T. P. Thayer auf die Formel K2[Fe3+4(OH)2(H2O)2(PO4)4]·2H2O.<ref name="Moore" /> Die Formel ist in ihrer Vereinfachten Form KFe3+2[(PO4)2|OH]·2H2O heute noch gültig.<ref name="IMAListe" />

Klassifikation[Bearbeiten]

In der veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Leukophosphit zur Mineralklasse der „Phosphate, Arsenate, Vanadate“ und dort zur Abteilung „Wasserhaltige Phosphate, Arsenate und Vanadate mit fremden Anionen“, wo er gemeinsam mit Barium-Alumopharmakosiderit, Bariopharmakosiderit und Pharmakosiderit in der „Leukophosphit-Pharmakosiderit-Gruppe“ mit der Systemnummer VII/D.14 steht.

In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer VII/D.27-030. Dies entspricht der Klasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ und dort der Abteilung „Wasserhaltige Phosphate, mit fremden Anionen“, wo Leukophosphit zusammen mit Kapundait, Minyulit, Spheniscidit und Tinsleyit eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer VII/D.27 bildet.<ref name="Lapis" />

Die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte<ref name=IMA-Liste-2009 /> 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Leukophosphit in die Klasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ und dort in die Abteilung „Phosphate usw. mit zusätzlichen Anionen; mit H2O“ ein. Hier ist das Mineral in der Unterabteilung „Mit großen und mittelgroßen Kationen; (OH usw.) : RO4 < 1 : 1“ zu finden, wo es zusammen mit Spheniscidit und Tinsleyit die „Leukophosphitgruppe“ mit der Systemnummer 8.DH.10 bildet.

In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Leukophosphit die System- und Mineralnummer 42.11.06.01. Das entspricht der Klasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ und dort der Abteilung „Wasserhaltige Phosphate etc., mit Hydroxyl oder Halogen“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Wasserhaltige Phosphate etc., mit Hydroxyl oder Halogen mit (AB)4(XO4)3Zq × x(H2O)“ in der „Leukophosphitgruppe“, in der auch Tinsleyit und Spheniscidit eingeordnet sind.

Kristallstruktur[Bearbeiten]

Leukophosphite kristallisiert monoklin in der Raumgruppe P21/n (Raumgruppen-Nr. 14, Stellung 2)Vorlage:Raumgruppe/14.2 mit den Gitterparametern a = 9,782 Å, b = 9,658 Å, c = 9,751 Å und ß = 102,24° sowie vier Formeleinheiten pro Elementarzelle.<ref name="Handbookofmineralogy" />

Die Kristallwassermoleküle liegen in größeren Hohlräumen in der Kristallstruktur. Die Phosphatanionen ([PO4]3−) bilden Tetraeder.<ref name="Mineralienatlas" />

Bildung und Fundorte[Bearbeiten]

Leukophosphit wird durch Reaktion von Guano mit eisenhaltigen Mineralien gebildet. Er entsteht auch bei hydrothermalen Umwandlungen von Eisenphosphaten in Pegmatitgesteinen oder durch Ersetzen von fossilem Holz. Es ist vergemeinschaftet mit Variscit, Strengit, Phosphosiderit, Cyrilovit, manganhaltiges Lipscombit, Frondelit, Vivianit, Diadochit, Ferrostrunzit, Fluorapatit, Rockbridgeit und Triphylin.<ref name="Handbookofmineralogy" />

Es sind ungefähr 100 Fundorte von Leukophosphit bekannt.<ref name="Fundorte" />

In Deutschland gibt es nur in Bayern Fundorte. In der Oberpfalz findet sich ein Fundort bei Pleystein und bei Hagendorf, Gemeinde Waidhaus. Eine Fundstelle gibt es auch in Althütte, Gemeinde Waldmünchen. Im Bezirk Niederbayern gibt es einen Fundort in Bodenmais, im Bezirk Oberfranken einen Fundort in Leupoldsdorf.<ref name="Fundorte" />

Weitere europäische Fundorte finden sich in den französischen Regionen Auvergne-Rhône-Alpes, Bretagne, Nouvelle-Aquitaine und Okzitanien, in den portugiesischen Distrikten Guarda und Viseu, in der rumänischen Region Hunedoara, in den spanischen autonomen Gemeinschaft Kastilien und León, in den tschechischen Regionen Böhmen und Mähren sowie in den Ländern England und Schottland des Vereinigten Königreichs.<ref name="Fundorte" />

Des Weiteren gibt es Fundorte in der Antarktis, in Argentinien, Australien, Brasilien, Chile, Libyen, Madagaskar, Malaysia, Mexiko, Marokko, Namibia, Ruanda, Südafrika und den US-Bundesstaaten Alabama, Arizona, Kalifornien, Colorado, Indiana, Maine, Nevada, New Hampshire, New Mexico, North Carolina, South Dakota, Virginia und Wisconsin.<ref name="Fundorte" />

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • J. M. Axelrod, M. K. Carron, C. Milton, T. P. Thayer: Phosphate mineralization at bomi hill and bambuta, liberia, west africa. In: American Mineralogist. Band 37 (Ausgabe November/Dezember), 1952, S. 883–909 (PDF).
  • Marie Louise Lindberg: Leucophosphite from the sapucaia pegmatite mine, minas gerais, brazil. In: American Mineralogist. Band 42 (Ausgabe Januar/Februar), 1957, S. 214–221 (PDF).
  • M. J. Wilson, D. C. Bain: Occurrence of leucophosphite ina soil from Elephant Island, British Antarctic Territory. In: American Mineralogist. Band 1, 1976, S. 1027–1028 (PDF).

Weblinks[Bearbeiten]

Commons: Leucophosphite – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

<references> <ref name="Fundorte"> Fundortliste für Leukophosphit beim Mineralienatlas und bei Mindat </ref> <ref name="Handbookofmineralogy"> Leucophosphite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy. Mineralogical Society of America, 2001 (PDF). </ref> <ref name="IMAListe"> The New IMA List of Minerals (Stand Dezember 2014) </ref> <ref name="IMA-Liste-2009"> Ernest H. Nickel, Monte C. Nichols: IMA/CNMNC List of Minerals 2009. (PDF; 1,9 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Januar 2009, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 29. Juli 2024; abgerufen am 30. Juli 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="Lapis"> Stefan Weiß: Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9. </ref> <ref name="Mindat"> Mindat - Leucophosphite (englisch) </ref> <ref name="Mineralienatlas"> Mineralienatlas:Leukophosphit </ref> <ref name="Simpson"> E. S. Simpson: Contributions to the mineralogy of Western Australia: Variscite (renardite) and leucophosphite (Sp. nov.), Ninghanboun hills, S.W. In: Journal of the Royal Society of Western Australia. Band 18, 1932 (PDF). </ref> <ref name="Moore"> Paul Brian Moore: Octahedral tetramer in the crystal structure of leucophosphite, K2[Fe3+4(OH)2(H2O)2(PO4)4]·2H2O. In: American Mineralogist. Band 57, 1972 (PDF). </ref> </references>