Lisa Baumfeld
Lisa Baumfeld (Pseudonym: Ewald Bergen und Lizzy; * 27. April 1877 in Wien; † 3. Februar 1897 ebenda) war eine österreichische Lyrikerin und Schriftstellerin.
Im JewishGen Online Worldwide Burial Registry (JOWBR) wird sie als Elise Baumfeld geführt.<ref name="JOWBR">Elise Baumfelds Eintrag im JewishGen Online Worldwide Burial Registry (JOWBR), abgerufen am 7. August 2026</ref>
Leben[Bearbeiten]
Lisa Baumfeld wurde am 27. April 1877 als einzige Tochter des jüdischen Bankdirektors, ausgebildeten Juristen und späteren Regierungsrats<ref name="NWJ, 02.01.1907">unserer Zeit. Deutsche Dichterinnen der Gegenwart.“ Artikel in: Neues Wiener Journal, 2. Jänner 1907, S. „Frauenlyrik unserer Zeit. Deutsche Dichterinnen der Gegenwart.“ (online bei ANNO).</ref> Isidor Baumfeld (* 13. Februar 1849 in Tarnow; † ?) und dessen Ehefrau Paula, geborene Hoffman (* 28. November 1855 in Saybusch, Königreich Galizien und Lodomerien; † 8. Dezember 1903 in Wien), in Wien geboren. Sie hatte mindestens ein jüngeres Geschwister, den 1881 geborenen Bruder Richard.
Sie erhielt eine sorgfältige Erziehung, sprach Französisch und Englisch und interessierte sich schon im Kindesalter für Philologie und Literatur. Bereits im Alter von zwölf Jahren schrieb sie – ohne dabei von ihren Eltern gefördert zu werden – erstmals Gedichte, die unter den Pseudonymen Ewald Bergen und Lizzy in Wiener Zeitschriften wie Gesellschaft (1895) und Wiener Mode (1896) veröffentlicht wurden.
Zeitgenossen lobten ihr „ungewöhnliches poetisches Talent“<ref>Pataky, 478.</ref> und ihre „Gedichte, welche durch die Schönheit der Sprache und Formvollendung auffielen.“<ref>Brümmer, S. 148.</ref> Dichter Adolf Bartels kritisierte ihre Dichtung, wie auch die Hugo von Hofmannsthals, als zu kompliziert und unanschaulich: „Trotzdem wollte ich doch, daß ihr und Hofmannsthals Stil erst überwunden wäre, im Grunde leben wir Deutschen ja doch nicht in orientalischen Palästen, deren Wände durch verwirrendes Arabeskengekräusel, deren Fußböden durch farbenprächtige Teppiche ohne klare Zeichnung verdeckt sind.“<ref>Adolf Bartels um 1895; zit. nach: Gerhard Kratzsch: Kunstwart und Dürerbund. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1969, S. 236.</ref>
Baumfeld erkrankte schwer und verstarb innerhalb weniger Tage am 3. Februar 1897 im Alter von 19 Jahren in ihrer Heimatstadt. Sie wurde zwei Tage später am alten jüdischen Friedhof am Wiener Zentralfriedhof beerdigt (Gruppe 8, Reihe 62, Nummer 12). Das Grab, in dem über sechs Jahre später auch ihre Mutter bestattet wurde, existiert noch heute. Zum Zeitpunkt ihres Todes lebte sie mit ihrer Familie in der Zedlitzgasse 7, unweit des Wiener Stadtparks.<ref name="JOWBR"/> Nach ihrem Ableben erschien ein Nachruf auf sie in der Zeitschrift Wiener Mode.<ref name="WMM, 1897">Lisa Baumfeld. In: Wiener Mode, Jahrgang 1897, S. 243 (Heft 6) (online bei ANNO).</ref>
Postum gab Ferdinand Groß im Jahre 1900 im Verlag der Gesellschaft der graphischen Künste in Wien eine Sammlung Baumfelds Gedichte unter dem Titel Gedichte heraus.<ref name="WRZ, 26.04.1900">Feuilleton. Lyrik.. In: Wiener Zeitung, 26. April 1900, S. 5 (in der Beilage zur Nr. 96 der „Wiener Abendpost“. (online bei ANNO).</ref> Im Jahr 1902 erhielt der Wiener Verein „Heim für obdachlose Familien“ eine Spende in Höhe von 190,80 Kronen, die aus dem Erlös von Gedichten Lisa Baumfelds stammte.<ref>Mittheilungen aus dem Publicum. Spenden.. In: Neue Freie Presse, 15. November 1909, S. 8 (online bei ANNO).</ref> Im Buch Frauenlyrik unserer Zeit, das im Jahr 1907 von Julia Virginia im Berliner Verlag Schuster & Loeffler herausgegeben wurde, ist Baumfeld ebenso mit Beiträgen vertreten.<ref name="ZEIT, 20.01.1907">Bücher. Frauenlyrik unserer Zeit.. In: Die Zeit, 20. Jänner 1907, S. 23 (online bei ANNO).</ref>
Publikationen (Auswahl)[Bearbeiten]
- Ferdinand Groß (Hrsg.): Gedichte, Verlag der Gesellschaft der graphischen Künste, Wien 1900.<ref name="WRZ, 26.04.1900"/>
- Beiträge, In: Julia Virginia (Hrsg.) Frauenlyrik unserer Zeit, Schuster & Loeffler, Berlin 1907 (2. Auflage).<ref name="ZEIT, 20.01.1907"/>
- Auswahl an Gedichten
- Sommertraum. In: Wiener Mode. Im Boudoir, Heft 20, IX. Jahrgang, 15. Juli 1896 (unter dem Pseudonym Ewald Bergen).<ref>Sommertraum. In: Wiener Mode, Jahrgang 1896, S. 769 (Heft 20) (online bei ANNO).</ref><ref>Romane, Erzählungen, Gedichte, kunstwissenschaftliche Aufsätze, Plaudereien u. s. w.. In: Wiener Mode, Jahrgang 1897, S. 923 (Heft 24) (online bei ANNO).</ref>
- Hier sollten Verse blüh’n… In: Wiener Mode, Heft 6, XI. Jahrgang, S. 243.<ref name="WMM, 1897"/><ref>Romane, Erzählungen, Gedichte, kunstwissenschaftliche Aufsätze, Plaudereien u. s. w.. In: Wiener Mode, Jahrgang 1898, S. 987 (Heft 24) (online bei ANNO).</ref>
- Ich brauche Menschen. In: Wiener Mode, Heft 6, XI. Jahrgang, S. 243.<ref name="WMM, 1897"/>
- Samstag Abends. In: Neue Freie Presse, 30. September 1900, S. 30/31<ref>Artikel in: Neue Freie Presse, 30. September 1900, S. 30 (online bei ANNO).</ref>
- Matt. In: Neues Wiener Journal, 2. Jänner 1907, S. 11.<ref name="NWJ, 02.01.1907"/>
Literatur[Bearbeiten]
- Baumfeld, Lisa. In: Franz Brümmer: Lexikon der deutschen Dichter und Prosaisten vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart. Band 1. Brockhaus, Leipzig 1913, S. 148.
- Baumfeld, Frl. Lisa. In: Sophie Pataky (Hrsg.): Lexikon deutscher Frauen der Feder. Band 2. Verlag Carl Pataky, Berlin 1898, S. 478 (literature.at).
- Ilse Korotin: biografiA. Lexikon österreichischer Frauen (vier Bände). Band 1. Böhlau Verlag, Wien/Köln/Weimar 2016, ISBN 978-3-205-79590-2, S. 225.
Weblinks[Bearbeiten]
Einzelnachweise[Bearbeiten]
<references />
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Baumfeld, Lisa |
| ALTERNATIVNAMEN | Bergen, Ewald (Pseudonym); Lizzy (Pseudonym); Baumfeld, Elise |
| KURZBESCHREIBUNG | österreichische Lyrikerin und Schriftstellerin |
| GEBURTSDATUM | 27. April 1877 |
| GEBURTSORT | Wien, Österreich-Ungarn |
| STERBEDATUM | 3. Februar 1897 |
| STERBEORT | Wien, Österreich-Ungarn |