Luigi Toscano

Luigi Toscano (* 9. Mai 1972 in Mainz) ist ein deutsch-italienischer Fotograf und Filmemacher. Bekannt ist er für das Projekt Gegen das Vergessen, für das er Holocaust-Überlebende porträtierte und die großformatigen Bilder an öffentlichen Orten ausstellte.
Leben[Bearbeiten]
Toscano wurde 1972 als ältestes von sieben Kindern sizilianischer<ref>Convivio mundi eV: Gegen das Vergessen. Abgerufen am 2. März 2021.</ref> Gastarbeiter geboren.<ref name=":0" /> Seine Eltern waren beide alkoholkrank, Toscano selbst kämpfte als Jugendlicher mit Drogenabhängigkeit. Mit sechzehn wurde er in einem Jugendheim untergebracht.<ref name=":0" /> Nach dem Hauptschulabschluss arbeitete er als Dachdecker, Türsteher und Fensterputzer. Über einen Volkshochschulkurs kam er mit Fotografie in Berührung.<ref>SWR: Luigi Toscano: Vom „Kanakenkind“ zum Fotografen, Filmemacher und Autor</ref>
Seine frühen fotografischen Arbeiten beschäftigte er sich überwiegend mit unbewegten Szenen und Objekten. Bekanntheit erlangte er mit Portraitaufnahmen, die er im öffentlichen Raum ausstellt. Seit 2006 ist Luigi Toscano als Filmemacher tätig. Er gründete die Firma Luigi Toscano Production, die sich auf die Produktion von Image-, Werbefilme und Musikvideos konzentriert.<ref>Luigi Toscanos Production: Portfolio</ref>
Ausstellungen seiner Arbeiten fanden in Mannheim, New York, Pittsburgh, Paris, Kansas City, St, Louis, Leipzig, Dortmund, Heidelberg, San Francisco, Washington, Wien, Hannover, Düsseldorf, Berlin, Esslingen, Heidelberg, Stuttgart, Genf, Kiew und Dnipro statt.<ref name=":0">Mannheimer Künstler stellt 200 Porträts von Holocaust-Überlebenden in Paris aus - Mannheimer Morgen. Abgerufen am 7. Februar 2021.</ref>
2026 veröffentlichte er zusammen mit der Journalistin Silke Kettelhake beim Herder-Verlag seine Autobiografie Kanakenkind - Mit der Kamera durch Licht, Dunkelheit und Hoffnung. Vom Einwandererkind zum Fotografen der Holocaustüberlebenden.<ref>Wie aus einem „Kanakenkind“ ein erfolgreicher Fotograf und Autor wurde. 26. März 2026, abgerufen am 3. April 2026.</ref>
Toscano ist mit der Geschäftsführerin des Kulturzentrums Karlstorbahnhof Heidelberg Cora Malik verheiratet.<ref>Cora Malik @ About Pop in Stuttgart. In: About Pop. Abgerufen am 29. September 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Zusammen haben sie eine Tochter und leben in Mannheim.<ref>Claudia Henzler: Mannheim: Kann Graffiti ein Stadt-Image retten? Abgerufen am 25. Juli 2020.</ref><ref>Mannheim, wie wär’s … mit einer lebendigeren Erinnerungskultur? - 75-Jahre-MM. Abgerufen am 23. Oktober 2021.</ref>
Werk[Bearbeiten]
2015 begann Toscano mit seiner Ausstellungsreihe Gegen das Vergessen. Er porträtierte für dieses Projekt über 400 Holocaust-Überlebende und stellte die Aufnahmen an öffentlichen Orten aus. Bei einer Ausstellung am Wiener Burgring 2019 wurden die Bilder dreimal von unbekannten Tätern beschädigt.<ref name="derstand-888399">Irene Brickner, Maria von Usslar: Porträts NS-Überlebender am Wiener Burgring mit Messern zerfetzt. In: derstandard.de. 2. August 2001, abgerufen am 8. Mai 2020.</ref> Nach dem dritten Angriff – die örtliche Polizei hatte sich geweigert zu kommen – organisierten mehrere Freiwilligenorganisationen Mahnwachen zum Schutz der Ausstellung, auch Bundespräsident Alexander Van der Bellen kam.<ref name="SPON-1269604">mxw/AFP/AP: Unbekannte zerstören Bilder von NS-Opfern in Wien. In: Spiegel Online. 27. Mai 2019, abgerufen am 8. Mai 2020.</ref><ref>Erneut-portraets-von-holocaustopfern-in-leipzig-beschaedigt. In: zeit.de. 23. November 2022, abgerufen am 3. Dezember 2022 (automatisch von der Deutschen Presse-Agentur (dpa) übrtnommen).</ref> 2019 veröffentlichte er einen gleichnamigen Dokumentarfilm über das Projekt.
2017 stellte er für seine Arbeit Heimat_Asyl großformatige Porträts von Asylbewerber im Kulturzentrum Alte Feuerwache in Mannheim aus.
2024 fotografierte Toscano für seine Serie Black Shabbat Überlebende des Terrorangriffs vom 7. Oktobers 2023 im israelischen Kibbuz Nir Oz.<ref>"Black Shabbat" in Mannheim: Luigi Toscano darf Fotoprojekt zum Hamas-Massaker nicht in der Feuerwache zeigen. Abgerufen am 11. Oktober 2024.</ref> Auch diese Aufnahmen stellte er als großformatige Bilder im öffentlichen Raum aus.<ref>Berlin.de: „Black Shabbat“ – Eine Open-Air-Fotoausstellung auf der Schloßstraße</ref>
Auszeichnungen[Bearbeiten]
2021 wurde Toscano von der UNESCO als erster Fotograf zum „Artist for peace“ ernannt.<ref>SWR2: Ehrung für das Projekt „Gegen das Vergessen“ Mannheimer Fotograf Luigi Toscano wird „Artist for Peace“ der UNESCO. Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 21. April 2021; abgerufen am 2. März 2021. Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.</ref> Im selben Jahr wurde er mit der Verdienstmedaille der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet.<ref>Ordensverleihung zum Tag der Deutschen Einheit. Abgerufen am 28. August 2021.</ref><ref>Mannheimer Fotograf Luigi Toscano erhält Verdienstorden der Bundesrepublik - Mannheim - Nachrichten und Informationen. Abgerufen am 4. Oktober 2021.</ref> Als Reaktion auf den CDU/CSU-Bundestagsantrag zur Migrationspolitik im Januar 2025, der durch die Stimmen der AfD eine Mehrheit erhielt, gab Toscano seine Bundesverdienstmedaille zurück.<ref>Christian Hauck: Merz: Fotograf und Holocaust-Überlebender geben Verdienstkreuz ab. In: swr.de. 30. Januar 2025, abgerufen am 30. Januar 2025.</ref><ref>Anastasia Magasowa: Toscano trifft Steinmeier: „Ich bin nicht als Feind gekommen“. In: Die Tageszeitung: taz. 11. Februar 2025, ISSN 0931-9085 (taz.de [abgerufen am 11. Februar 2025]).</ref>
Fotoprojekte[Bearbeiten]
- Colorblind (2003)
- 72 Stunden Prag (2003)
- 72 Stunden NYC (2004)
- 72 Stunden Mannheim (2004)
- „Details“ – Sport (Athen Olympische Spiele 2004)
- 72 Stunden Jim Clark (2005)
- SAP-Inside (Cebit Hannover) (2005)
- 72 Stunden Istanbul (2006)
- 72 Stunden Shanghai (2006)
- Inszenierung des Werksgeländes der Glaab-Brauerei (2006)
- 72 Stunden Teheran (2007)
- Reloaded (2007)
- Augenprojekt für die Firma Hengstenberg
- Bandfotografie diverse (2003–2006) Cinnamon Love Candy, Laith Al-Deen, Mini Mousse Tasche, Sprachtot, Stadtranderholung, Tom Keller
- „People are people“ – Menschen und Momente rund um Playing the angel Tour von Depeche Mode (2005/2006)
- „Details“ – Individuals of electronic Lifestyle (2006) (Mit Sven Väth, Chris Liebing, Richie Hawtin, Mougwai, Tiefschwarz, Seebase, Nekes usw.)
- Modeschöpfer trifft Fotokünstler Esteticar – Video und Fotoprojekt mit dem Modehaus Orwell
- Coverfotografie (neues Programm 2007) mit dem Comedian Bülent Ceylan
- Coverfotografie Thomas Siffling TRIO „Cruisen“
- Bülent Ceylan „Backstage“ (2008)
- Der Türsteher Komplex (2009)
- Kaugummiautomaten und Pistolen (2010)
- Vaterland (2010)
- Daywalker (2010)
- Eastside (2010)
- Gründer der Galerie Art Monkeys (2011)
- Pizzart Performance (2013)
- Heimat_Asyl (2014)
- Gegen das Vergessen (2015)
- Schwarzer Zucker Rotes Blut
Videoprojekte[Bearbeiten]
- Tom Keller: „Here comes the rain again“
- Tobias Pender: „Chill“
- Dirk Schneider aka Quesh: „New York Ghetto Bitch“
- Cinnamon loves candy - „You rip my life away“
- Videoanimation: „People are People“
- Videoanimation „72 Stunden Istanbul“
- Videoanimation „72 Stunden Mannheim“ für Laith al Deen Deutschlandtour 2005
- Videoproduktion für Laith al Deen Live in Hanau (2006)
Filme[Bearbeiten]
- 2014: Wir sind Mannheim (Imagefilm Stadtmarketing Mannheim)
- 2009: Transmission (2009)
- 2019: Gegen das Vergessen (Dokumentarfilm)
- 2023: Schwarzer Zucker Rotes Blut (Dokumentarfilm)
Veröffentlichungen[Bearbeiten]
- Bildband „72 Stunden“ (2007), Kunstanstifter Verlag
- Kochbildband „Cusine d'auteur“ von Gregor Ruppenthal, Foodfotografie (2007), Kunstanstifter Verlag
- Bildband „Backstage“ mit dem Mannheimer Comedian Bülent Ceylan (2008)
- Bildband „Gegen das Vergessen“, Edition Panorama
- Bildband „Gegen das Vergessen“ Zweite Auflage Edition Panorama
- 2026 (mit Silke Kettelhake): Kanakenkind - Mit der Kamera durch Licht, Dunkelheit und Hoffnung. Vom Einwandererkind zum Fotografen der Holocaustüberlebenden
Weblinks[Bearbeiten]
- Homepage von Luigi Toscano
- Vorlage:IMDb/1
- Jan-Heiner Tück: Die fragile Autorität der Opfer, in: Feinschwarz, 1. Juni 2019.
Einzelnachweise[Bearbeiten]
<references />
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Toscano, Luigi |
| KURZBESCHREIBUNG | italienisch-deutscher Fotograf und Filmemacher |
| GEBURTSDATUM | 9. Mai 1972 |
| GEBURTSORT | Mainz |