Madleinlawine
| Madleinlawine | ||||||
|---|---|---|---|---|---|---|
| Daten | ||||||
| Anriss | regelmäßig | |||||
| Größter Abgang<ref name="rundschau 2011" /> | ins Ortszentrum (1817, 1984) | |||||
| Folgen | ||||||
| Betroffene Gebiete | Ischgl | |||||
KNr. 7060805 Madlein Lawine 47° 01′ N, 010° 17′ O
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|
dim=430 | globe= | name=Madlein Lawine (Rote Zone) | region=AT-7 | type=landmark
}};<ref>Angabe nach TIRIS → Raumordnung → Naturgefahren → GZW - Gefahrenzone Lawine; der Lawinenstrich selbst ist unter Lawinenkataster anzeigbar (Stand 1/2015).</ref> bis 2010 großräumig verbaut | |
| Karte mit allen verlinkten Seiten Vorlage:SeitenKoordinaten | Vorlage:CoordinatesPage | |||||
Die Madleinlawine ist ein Lawinenstrich im Paznaun in Tirol. Die Lawine bedroht den Ort Ischgl und führte regelmäßig zu schweren Verwüstungen im Ort. Sie wurde mit einer Lawinenverbauung aufwändig gesichert.
Orographie und Meteorologie[Bearbeiten]
Die Madleinalpe ist ein Hochtal des Verwall nordöstlich über Ischl im engen Tal der Trisanna, dem Paznaun. Besonders die beiden talseitigen Flanken des Karkessels fallen steil ab: Das Mutmanör liegt orographisch links (von Tal aus rechts) auf um die 2600 m, der Felsgipfel darüber ist 2723 m ü. A. hoch. Der Katzenkrätzer ist rechts (links) am Lattenkopf (2454 m ü. A.).
Diesen beiden Hänge sind die Anrisszonen einer Lawine, die regelmäßig durch das untere Tal des Madleinbach abgeht und Madleinlawine genannt wird<ref name="tirolatlas" /> (Kataster-Nr. 7060805).<ref name="IAN" /> Fällt diese Lawine besonders mächtig aus, bedroht sie direkt den Ort Ischgl (1376 m ü. A.), wo der Madleinbach in die Trisanna mündet. Sie überspringt dann im schmalen Talboden die Trisanna und erreicht das Ortszentrum.
Ein weiterer Lawinenstrich vom Lattenkopf, die Bischgraben-Lawine, geht taleinwärts vom Lattenkopf ab.<ref>Von dieser Lawine sind beispielsweise Schäden aus 1945, 1951, 1961 und 1970 bekannt, jeweils nur Nebengebäude oder die Straße betroffen; Suche Pischgraben, Tirol Atlas: Naturchronik Tirol, tirolatlas.uibk.ac.at (abgerufen am 28. Dezember 2014).</ref> Talauswärt trennt die Innere Pfann Ischgl und Innerversahl von Versahl. Diese drei Lawinen engen den Siedlungsraum des sich durch Tourismus stark entwickelnden Ort nördlich und westlich ein – zusammen mit der Hochwasser- und Murengefahr der Trisanna durch den Ort und vom Fimbabach von Süden, da der Ort auf dessen Schwemmkegel erbaut ist.<ref name="FZ 72">Allgemeine Forstzeitung 1972, S. 176.</ref>
Das sonst von den Nordalpen vergleichsweise geschützte Paznaun wird besonders bei stürmischen Staulagen betroffen, die die Schneefälle meist über Vorarlberg her einbringen. Üblicherweise gehen an den Steilhängen die Lawinen recht schnell ab, bei stabilem Unterbau, großen Schneemengen in kurzer Zeit und Windverfrachtung bilden auch aber auch Großlawinen aus. Selbstauslösung entsteht dann entweder schon während der Niederschläge, aber auch bei einem nachfolgenden Föhn, wenn der Schnee schwer wird.
Schadereignisse[Bearbeiten]
Bedeutende Schadereignisse sind:
- 1817, 6. März: die erste offiziell registrierte Schadlawine.<ref name="rundschau 2011" /> Ein Staublawine deckte durch den Luftdruck etliche Häuser ab, zwei brannten ab.<ref name="tirolatlas" /> Der Kirchturmhelm der Pfarrkirche steht seither etwas schief.<ref name="katastrophenchronik" /> In den Tagen darauf wurden auch Innermathon und Unterschrofen getroffen.<ref name="katastrophenchronik" /> (Nach dem Jahr ohne Sommer 1816, bedingt durch einen Vulkanausbruch in Indonesien – ein vulkanischer Winter – war auch der folgende Winter sehr streng)
- 1888, Faschingssonntag: Das Haus im Kichali wurde bis auf das Erdgeschoß fortgerissen.<ref name="katastrophenchronik" />
- 1951, 20. Jänner: die Madleinbach-Brücke zerstört.<ref name="tirolatlas" /> (Dieser Lawinenwinter forderte in den ganzen Alpen an die 250 Opfer)
- 1952, 10. Februar 6:30: Das Haus Brosis im Kichali wurde von einer Staublawine völlig zerstört.<ref name="katastrophenchronik" />
- 1984, 9. Februar, 14:20:<ref>Ingo E. Merwald, Wolfgang Schweighofer: Die Schadenslawinen in Oesterreich im Winter 1983/84. In: Allgemeine Forstzeitung 95 (6), 1984, Folge 223, S. 169–172;
Ingo Merwald: Lawinenereignisse und Witterungsablauf in Österreich. Winter 1982/83, 1983/84. Reihe FBVA-Berichte 38, Wien 1989, S. 63 ff.</ref> Die Niederschlagsperiode kumulierte 170–270 cm.<ref>Bildersuche: Lawinen, Schutzbauten, Muren, Permafrost etc., Thread auf alpinforum.com, Beitrag Gletscherfloh 28. April 2005</ref> Die Madlein verlegte die Bundesstraße, sprang über die Parkgarage und fuhr bis in das Ortszentrum, wo sie die Gemeindestraße erreichte.<ref name="rundschau 2011" /> Trotz schon bestehender Teilverbauung starb ein Mensch. (Der Lawinenwinter 1984 forderte im Alpenraum einige Todesopfer)
Weitere größere Abgänge<ref>Bei den meisten dieser Ereignisse war die noch viel häufigere Pleißen-Lawine zwischen Ischgl und Mathon die Hauptlawine; sie ist der Grund, warum zwischen diesen beiden Orten keine Ansiedlung ist; Suche Pleißen, tirolatlas.uibk.ac.at (abgerufen am 28. Dezember 2014).</ref> waren 1892,<ref name="rundschau 2011" /> 1919<ref name="rundschau 2011" /> (lange Schneefälle durch Südwetter 23./24. Dezember; sonst in Tirol Starkregen),<ref name="tirolatlas" /> 1935<ref name="rundschau 2011" /> (Schneefälle 31. Jänner – 6. Februar, dann Föhn; zahlreiche Lawinen in Tirol),<ref name="tirolatlas" /> 1939<ref name="rundschau 2011" /> (Jänner),<ref name="tirolatlas" /> 1941<ref name="rundschau 2011" /> (23. Jänner).<ref name="tirolatlas" /> Im Lawinenwinter 1999, mit der Katastrophe von Galtür und Valzur (23./24. Februar, in der Gemeinde Ischgl allein gingen um die 40 Lawinen ins Tal), blieb die Madlein-Lawine dann schon vergleichsweise harmlos.<ref name="IAN">Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Wirkung von temporären und permanenten Lawinenschutzmaßnahmen im Winter 1999 Band 1: Grundlagenerhebung ( des Vorlage:IconExternal vom 28. Dezember 2014 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis., IAN Report 121, Universität für Bodenkultur Wien, Institut für Alpine Naturgefahren (IAN), Wien, Dezember 2008, Grafik Paznauntal Lawinen 1999, Teil 1 Galtür und Ischgl, S. 36 (pdf, baunat.boku.ac.at; Nummer lt. Tabelle 8 Namensschlüssel für die Lawinen aus der GBL Oberes Inntal, Paznauntal B, S. 39).</ref>
Verbauung[Bearbeiten]
Die hochgefährlichen Lawinenanrisszonen wurden über 35 Jahre sukzessive verbaut.<ref name="rundschau 2011" /> Der gesamte freie Hang der Mutmanör, von der Baumgrenze um 2000 m bis hinauf auf 2700 m, wie auch der etwas weniger beitragende vordere Katzenkrätzer auf 2400 m, wurden mit einer Anbruchverbauung in Form von Stahl-Schneebrücken („Lawinenzäune“) versehen.<ref name="Schnerfr 2010">Madlein-Lawine – Abschluss der Lawinenverbauungen auf Mutmanör und Katzenkrätzer. In: Schnerfr Nr. 40/Dezember 2010, Gemeindezeitung Ischgl, S. 20 f (pdf, ischgl.tirol.gv.at).</ref> Diese Verbauungen haben ein Ausmaß von 4,7 Hektar und einer gesamten Lauflänge von 14,14 km.<ref name="Schnerfr 2010" /> Dazu kommen zwei Lawinenleitdämme unterhalb von Mutmanör und ein Steinschlagschutzdamm im Bereich der Jörgertal-Lawine<ref name="Schnerfr 2010" /> (die kleinere Lawine talauswärts vor der Inneren Pfanntal). An Nebenarbeiten waren 11 Kilometer Erschließungswege zu errichten.<ref name="rundschau 2011" /> Weitere gut 19,5 Hektar wurden mit Lawinenschutzwald aufgeforstet.<ref name="Schnerfr 2010" />
Insgesamt wurden 12,6 Mio. Euro aufgewendet,<ref name="Schnerfr 2010" /> dabei fielen 135.000 Handarbeitsstunden an.<ref name="Schnerfr 2010" /> Die endgültige Kollaudierung fand am 3. August 2010 statt. Betraut wurde das Projekt von der Gebietsbauleitung Oberes Inntal der Wildbachverbauung (die.wildbach).
Für die Silvrettastraße (B188) ist ein Lawinentunnel direkt taleinwärts von Ischgl angedacht.<ref>Günter Hepke: Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Lawinenschutzbauten an der B188 ( des Vorlage:IconExternal vom 24. September 2015 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. Bericht, Baubezirksamt Imst (pdf, galtuer.gv.at).</ref>
Literatur[Bearbeiten]
- Erich Hanausek: Lawinenschutz und Fremdenverkehr am Beispiel des Paznauntales. In: Wald- und Holzwirtschaft 34 (9), 1986, S. 21–24.
- Gottfried Hagen: Der Wildbach- und Lawinenschutz im Paznauntal. In: Österreichische Forstzeitung 99 (5), 1988, S. 48–49.
Einzelnachweise[Bearbeiten]
<references> <ref name="rundschau 2011"> Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Die "Madlein" ist gebändigt – Ischgl: Die Madleinlawine wurde in 35-jähriger Arbeit verbaut ( des Vorlage:IconExternal vom 26. Dezember 2014 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.. Daniel Haueis in: Rundschau online, 15. Februar 2011. </ref> <ref name="katastrophenchronik"> Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Katastrophenchronik ( des Vorlage:IconExternal vom 24. September 2015 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis., Freiwillige Feuerwehr Ischgl, o. D., Abschnitt Lawinen 2 ff (pdf, feuerwehrischgl.info). </ref> <ref name="tirolatlas"> Suche Madlein und Ischgl, Tirol Atlas: Naturchronik Tirol, tirolatlas.uibk.ac.at (abgerufen am 28. Dezember 2014). </ref> </references>
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