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Maestrani

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Maestrani Schweizer Schokoladen AG

colspan="2" class="notheme" style="background:#Vorlage:Standardfarbe; color:#Vorlage:Standardfarbe; padding:1em 0;" | Maestrani 2009 logo.svg
Rechtsform Aktiengesellschaft
Gründung 1852
Sitz Flawil, Schweiz
Leitung Christoph Birchler
Mitarbeiterzahl 160
Branche Lebensmittelindustrie
Website www.maestrani.ch

Die Maestrani Schweizer Schokoladen AG mit Sitz in Flawil produziert und vertreibt Schweizer Schokolade und Confiserieprodukte. Das Unternehmen vertreibt auch die Marken Munz und Minor.

Geschichte[Bearbeiten]

Datei:Aquilino Maestrani (1814–1880) Unternehmer. Grab, Friedhof in Aquila, Tessin 3.jpg
Grabbüste, Ludovico Aquilino Maestrani. Friedhof in Aquila.
Datei:CH-000957-X-13813 Arlen.tif
Werbeplakat, 1924

Ludovico «Aquilino» Maestrani (1814–1880) stammte aus Aquila (heute Blenio) im Bleniotal. Er hatte bei seinem Vater Giuseppe in Lugano die Kunst der Schokoladenherstellung erlernt. Nach Wanderjahren in Italien und Deutschland (1846–1852) eröffnete er im Jahr 1852 sein erstes Geschäft an der Krongasse in Luzern.<ref>Peter Müller: Aquilino Maestrani. In: Historisches Lexikon der Schweiz. 22. Oktober 2009, abgerufen am 16. November 2018.</ref> Giuseppe Maestrani seinerseits hatte sein Handwerk, wie viele andere in jener Zeit, in der Lombardei erlernt (→ Schweizer Schokolade). 1859 verlegte Aquilino Maestrani seinen Betrieb nach St. Gallen, an die Multergasse.<ref>Tobias Haag: «Eine verrückte Idee»: Maestrani feiert 170. Geburtstag mit Plakataktion auf Gallusplatz. In: St. Galler Tagblatt. 12. Mai 2022, abgerufen am 21. Dezember 2022.</ref> Um seine Produkte anzupreisen, baute er mit dem sogenannten «Marmorhaus» einen Prachtbau mitten in der Altstadt.

1875 überstieg die Nachfrage die vorhandenen Produktionskapazitäten, daher wurde im Osten der Stadt ein neues Fabrikationsgebäude gebaut. Aquilino Maestrani starb 1880. Er wurde zunächst in St. Gallen, später in Aquila beigesetzt. Seine drei Söhne Ludovico, Roberto und Savino Maestrani führten das Unternehmen gemeinsam weiter.<ref>Manfred Rösch: Vom Bleniotal an den Königshof zu Rom. In: Finanz und Wirtschaft. 22. Januar 2014, abgerufen am 21. Dezember 2022.</ref> 1887 bis 1897 hatte dieses eine Filiale in Bregenz. 1884 erwarb das Unternehmen das Gebäude einer ehemaligen Spinnerei in St. Georgen (St. Gallen), wohin ein Jahr später auch die Fabrikation verlagert wurde. St. Georgen blieb bis ins 21. Jahrhundert Sitz des Unternehmens. 1905 wurden umfangreiche Fremdmittel aufgenommen. In den Jahren 1912–1913 entglitt der Familie Maestrani die Kontrollmehrheit über das Unternehmen. Die in Schieflage geratene «Maestrani Schweizer Schokoladen AG» wurde ab 1923 vom Treuhänder Jakob Guyer im Auftrag der Gläubigerbank saniert.<ref>Marco Marcacci: Maestrani. In: Historisches Lexikon der Schweiz. 22. Oktober 2009, abgerufen am 16. November 2018.</ref>

Das Unternehmen Maestrani war bereits früh weithin bekannt; der italienische König Umberto I. bestimmte sie zu seinem Hoflieferanten.<ref>Mélanie Rietmann: Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Alessandro Rigoni: Verschmelzer von Kulturen (Memento vom 23. Dezember 2022 im Internet Archive). In: Handelszeitung. 23. März 2005.</ref> 1912 erhielt das Unternehmen seinen heutigen Namen «Maestrani Schweizer Schokoladen AG». Die Jahre der Weltkriege brachten nach anfänglichem Aufschwung schwere Zeiten auch für das Unternehmen mit sich, besonders die Rohstoffknappheit machte ihm zu schaffen.

1987 war Maestrani auch weltweit das erste Schokoladenunternehmen, das mit der Produktion von Bio-Schokolade begann.<ref>Kunstaktion zur Feier von 170 Jahren Firmengeschichte. In: lifepr.de. 12. Mai 2022, abgerufen am 9. Februar 2023.</ref>

1998 erwarb Maestrani die Konkurrentin «Munz» in Flawil. Diese war dort 1874 von Johann Georg Munz gegründet worden.<ref>Wie kam die Schokolade eigentlich in die Schweiz? In: Nau.ch. 20. Dezember 2021.</ref> Ein Jahr später begann in Flawil der Neubau einer Fabrikationshalle, mit der Absicht, die ganze Produktion von St. Georgen nach Flawil zu verlagern. Dies erfolgte in den Jahren 2003 und 2004.

Ein Jahr nach dem (geplanten) endgültigen Wegzug des Traditionsunternehmens aus der Gallusstadt wurde in unmittelbarer Nähe der Stiftskirche St. Gallen ein neues Verkaufslokal – genannt «Chocolaterie» – eröffnet. Dort wird Schokolade verkauft, und die Besucher können einen Einblick in deren Herstellung erhalten, wozu im Verkaufslokal Maschinen zur Schokoladenherstellung installiert sind. Die «Chocolaterie» wurde nach der Schliessung der Fabrik in St. Georgen verkauft und wechselte 2016 abermals den Besitzer.<ref>Chocolaterie öffnet wieder. In: St. Galler Tagblatt. 31. August 2016, abgerufen am 23. Dezember 2022.</ref> Im Jahr 2017 eröffnete Maestrani das «Chocolarium» genannte Schokoladen-Museum in Flawil.<ref>Chocolarium Maestrani. Flawil bekommt neues Schokoladen-Museum. In: SRF News. 30. März 2017, abgerufen am 23. Dezember 2022.</ref> Es bietet unter anderem einen interaktiven Rundgang, sowie Einblicke in die Produktion an.<ref>Chocolarium – die Glücksfabrik von Munz und Minor. Stadt Zürich, 2026, abgerufen am 23. Dezember 2022.</ref>

Seit Anfang 2021 ist Christoph Birchler CEO des Unternehmens; er löste den in Pension gehenden Markus Vettiger ab.<ref>Thomas Griesser Kym: In der Schoggiwelt tut sich was: Maestrani bekommt bald einen neuen Chef und erweitert sein Freizeitangebot. In: St. Galler Tagblatt. 7. Juli 2020, abgerufen am 23. Dezember 2022.</ref>

Mit der Schweizer Firma Favarger ging Maestrani im Januar 2022 eine Kooperation ein und gründete im Zuge dessen die «Avelines Chocolats SA».<ref>Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Strategische Kooperation von Maestrani und Favarger ab 2022 (Memento vom 11. Januar 2022 im Internet Archive). In: hallowil.ch. 7. Januar 2022.</ref>

Im April 2025 wurde erst bekannt gegeben, dass die Übernahme der «Chocolat Ammann AG» aus Heimberg geprüft werde,<ref>Kauft Maestrani Chocolat Ammann? In: Schweizer Bauer. 7. April 2025, abgerufen am 7. April 2025.</ref> nachdem der im Pensionsalter stehende Inhaber Eric von Graffenried keine Nachfolgelösung gefunden hatte. Ende des Monats wurde die Übernahme ab August 2025 verkündet. Die dortige Produktion solle ab diesem Zeitpunkt nach Flawil verlagert und der Standort in Heimberg geschlossen werden, wobei die gesamte Belegschaft am Standort Heimberg, im Umfang von 18,4 Vollzeitstellen, entlassen werden solle.<ref>Keine Angaben zum Kaufpreis. Maestrani kauft Chocolat Ammann. In: SRF News. 24. April 2025, abgerufen am 24. April 2025.</ref> Am 18. Juli 2025 wurde die Fabrikation eingestellt, am 24. Juli schloss der Fabrikladen und wurde die ganze Produktionslinie nach Flawil transportiert. Knapp zwei Drittel der 40 entlassenen Mitarbeiter fanden eine Anschlusslösung oder waren bereits im Pensionsalter.<ref>Chocolat Ammann geräumt. Eine Schokoladenfabrik zügelt quer durch die Schweiz. In: Blick.ch. 25. Juli 2025.</ref>

Im Juni desselben Jahres übernahm Maestrani zudem den belgischen Pralinenhersteller Delafaille, zusammen mit dessen Tochterfirma Ostrapack, durch eine Nachfolgeregelung.<ref>Michael Hotz: Schweizer Schoggi-Firma kauft belgischen Praliné-Produzenten. In: Blick.ch. 19. Juni 2025, abgerufen am 10. Februar 2026.</ref><ref>Maestrani übernimmt belgischen Pralinenhersteller. In: foodaktuell.ch. 20. Juni 2025, abgerufen am 10. Februar 2026.</ref>

Maestrani ist Mitglied bei der IG Bio.<ref>Mitglieder. Interessengemeinschaft Bio Schweiz, abgerufen am 8. April 2021.</ref> Heute beschäftigt das Unternehmen nach eigenen Angaben etwa 160 Personen. Die Produktionsmenge wird mit rund 3500 Tonnen pro Jahr angegeben.<ref>Unser Portrait. Maestrani, abgerufen am 16. November 2018.</ref>

Marken[Bearbeiten]

Maestrani vertrieb seine Schokolade unter dem eigenen Namen. Später kam die 1936 gegründete Marke «Minor» dazu.<ref>Maestrani: ein Haus, zwei Marken, eine Erlebniswelt. In: chocolarium.ch. Archiviert vom Vorlage:IconExternal am 29. November 2022; abgerufen am 10. Februar 2026.</ref> Nach der Übernahme von Munz wurden die drei Marken «Maestrani», «Minor» und «Munz» produziert. Im Laufe des Jahres 2021 wurden die Maestrani-Tafelschokoladen auf die Marke Munz umgeflaggt und wurde zu einer Zweimarkenstrategie gewechselt.<ref>Die Bio-Linie von Maestrani. Maestrani, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 17. April 2021; abgerufen am 10. Februar 2026.</ref><ref>Bald im neuen Design. Maestrani, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 29. November 2020; abgerufen am 10. Februar 2026.</ref> Gleichzeitig werden die Schokoladen im Ausland seit 2008 ausschliesslich unter dem Namen «Maestrani» verkauft, da eine Marke wie «Minor» (englisch «unwichtig») oder «Munz» in der angelsächsischen oder französischsprechenden Welt kaum zu vermarkten sind.<ref>Mélanie Knüsel-Rietmann: Do you want to buy a minor chocolate? In: Handelszeitung. 10. Juni 2008, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 29. September 2022; abgerufen am 10. Februar 2026.</ref>

Produkte[Bearbeiten]

Datei:Minor Classic split.jpg
Minor-Schokoladenstengel in markanter eckiger Form
  • eckige (Minor) und runde (Munz) Schokoladenstengel
  • Tafelschokoladen aus biologischer Schokolade aus fairem Handel (früher Maestrani, seit 2021 Munz)
  • koschere Schokolade
  • Schokoladenbananen (Munz)
  • Glückskäfer, Schokoladenmäuse (Munz)
  • «Munzli» (Mini-Praliné mit Schokoladenmantel)
  • Caramel (Munz)
  • Gelée (Munz)

Trivia[Bearbeiten]

Datei:St. Gallen -WikiCon- 2018 by-RaBoe 005.jpg
Maestrani-Schriftzug am Bahnhof St. Gallen
  • Der Schriftzug Maestrani ist oftmals das erste, was Touristen sehen, wenn sie mit dem Zug in St. Gallen ankommen; prangt doch eine grossflächige Leuchtreklame über dem östlichen Ende des St. Galler Bahnhofs.
  • Über dem Eingang der Halle 7 der OLMA hing bis kurz vor deren Brand eine Werbung des Unternehmens, die zuletzt für einige Diskussionen gesorgt hatte. Die Werbung zeigte mehrere Schwarze in einer Weise, welche der Verherrlichung der Sklaverei und der Ausbeutung nahekam.
  • Ein Automat zur Ausgabe von «Minor-Prügeli» wurde 2016 in Davos eingeweiht, um Kunden zur Benutzung von Bankautomaten zu ermutigen.<ref>Bancomat spuckt Schoggi aus. In: 20 Minuten. 3. Dezember 2016, abgerufen am 23. Dezember 2022.</ref>
  • Das Firmenareal erhielt im Jahre 2021 ein «Zertifikat für naturnahe Umgebungsgestaltung» von der Stiftung Natur & Wirtschaft.<ref>Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Zertifikat für naturnahe Umgebungsgestaltung für Maestrani (Memento vom 23. Dezember 2022 im Internet Archive). In: hallowil.ch. 25. November 2021.</ref>
  • Das Unternehmen ist von der gemeinnützigen Stiftung «myclimate» mit dem Label «klimaneutral» ausgezeichnet worden. Dies bedeutet, dass die durch die Produktion entstandenen Emissionen durch Klimaschutzprojekte ausgeglichen wurden.<ref>Maestrani – Schokoladengenuss mit Verantwortung. myclimate, abgerufen am 9. Februar 2023.</ref><ref>Maestrani setzt ganz auf Nachhaltigkeit. In: St. Galler Tagblatt. 8. Oktober 2015, abgerufen am 9. Februar 2023.</ref>

Einzelnachweise[Bearbeiten]

<references />