Mesitylensulfochlorid
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| Allgemeines | |||||||||||||||||||
| Name | Mesitylensulfochlorid | ||||||||||||||||||
| Andere Namen |
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| Summenformel | C9H11ClO2S | ||||||||||||||||||
| Kurzbeschreibung |
hellgrauer<ref name="Sigma">Datenblatt Mesitylen-2-sulfochlorid bei Sigma-AldrichVorlage:Abrufdatum (PDF).</ref> bzw. cremefarbener bis weißer kristalliner Feststoff<ref name="Alfa">Datenblatt Mesitylene-2-sulfonyl chloride bei Alfa AesarVorlage:Abrufdatum (Seite nicht mehr abrufbar).</ref> | ||||||||||||||||||
| Externe Identifikatoren/Datenbanken | |||||||||||||||||||
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| Eigenschaften | |||||||||||||||||||
| Molare Masse | 218,72 g·mol−1 | ||||||||||||||||||
| Aggregatzustand |
fest | ||||||||||||||||||
| Schmelzpunkt | |||||||||||||||||||
| Siedepunkt |
150 °C bei 20 mm Hg<ref name="Alfa"/> | ||||||||||||||||||
| Löslichkeit |
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| Sicherheitshinweise | |||||||||||||||||||
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| Toxikologische Daten | |||||||||||||||||||
| Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen (0 °C, 1000 hPa). | |||||||||||||||||||
Mesitylensulfochlorid ist eine chemische Verbindung aus der Gruppe der Sulfonsäurechloride. Es ist ein räumlich anspruchsvolles aromatisches Sulfonsäurechlorid, das wegen seiner Reaktivität als Ausgangsverbindung von Mesitylensulfonylverbindungen dient, die besonders als biochemische Reagentien Verwendung finden. Fachsprachlich wird Mesitylensulfochlorid auch als MSCl oder Mts-Cl abgekürzt.
Darstellung[Bearbeiten]
Die Darstellung von Mesitylsulfochlorid aus Mesitylen, Sulfurylchlorid und Aluminiumchlorid wurde bereits 1893 beschrieben.<ref>A. Töhl, O. Eberhard: Ueber die Einwirkung des Sulfurylchlorids auf aromatische Kohlenwasserstoffe. In: Ber. Dtsch. Chem. Ges. Band 26, 1893, S. 2940–2945, doi:10.1002/cber.189302603118.</ref>
Nach einer Laborvorschrift<ref name="OrgSynth">J.R. Reid, R.F. Dufresne, J.J. Chapman: Benzenesulfonic acid, 2,4,6-trimethyl-, hydrazide In: Organic Syntheses. 74, 1997, S. 217, doi:10.15227/orgsyn.074.0217; Coll. Vol. 9, 1998, S. 281 (PDF).</ref> wird Mesitylensulfochlorid erhalten durch Zugabe von Chlorsulfonsäure zu Mesitylen bei Temperaturen zwischen −15 und 60 °C und anschließendem Ausfällen des entstandenen Sulfochlorids durch Eingießen in Eiswasser und Extraktion mit Dichlormethan. Das in einer Rohausbeute von 80 % anfallende Mesitylensulfochlorid erstarrt zu weißlichen Kristallen.
Sehr hohe Ausbeuten (94 %) werden nach einer neueren Methode bei der Umsetzung des Natriumsalzes der Mesitylensulfonsäure mit Cyanurchlorid in Gegenwart des Phasentransferkatalysators 18-Krone-6 in Aceton erzielt.<ref>G. Blotny: A new, mild preparation of sulfonyl chlorides. In: Tetrahedron Lett. Band 44, Nr. 7, 2003, S. 1499–1501, doi:10.1016/S0040-4039(02)02853-8.</ref>
Eigenschaften[Bearbeiten]
Mesitylensulfochlorid ist ein weißer bis creme-farbener hygroskopischer Feststoff mit unangenehm stechendem Geruch, der sich unter Zersetzung in Wasser löst. Die dabei entstehende Mesitylensulfonsäure wirkt stark ätzend und korrosiv. In einer Vielzahl von trockenen organischen Lösungsmitteln ist die Substanz gut löslich. Zur Reinigung kann Mts-Cl aus Hexan oder Pentan umkristallisiert werden.<ref name="Vaillancourt"/>
Verwendung[Bearbeiten]
Sulfonamidbildung[Bearbeiten]
Mesitylsulfochlorid findet zur Einführung der Mesitylsulfonyl-(Mst)-Schutzgruppe für Aminosäuren und Peptide breitere Anwendung.<ref>M. Bodanszky, A. Bodanszky: The Practice of Peptide Synthesis, 2nd. Ed. Springer, 1994, doi:10.1007/978-3-642-85055-4.</ref> Durch Umsetzung mit Mesitylensulfochlorid können Guanidinogruppen, wie z. B. in (an der α-Aminogruppe mit der p-Methoxybenzyloxycarbonyl-Gruppe geschütztem) L-Arginin mit der Mst-Schutzgruppe blockiert werden.<ref name="Yajima" >H. Yajima, M. Takeyama, J. Kanaki, O. Nishimura, M. Fujino: Studies on Peptides. LXXX. NG-Mesitylene-2-sulfonylarginine. In: Chem. Pharm. Bull. Band 26, Nr. 12, 1978, S. 3752–3757, doi:10.1248/cpb.26.3752., pdf</ref>
Die Mesitylensulfonyl-Schutzgruppe kann mittels Methansulfonsäure (MSA), Trifluormethansulfonsäure (TFMSA)/Fluorwasserstoff<ref>H. Yajima, M. Takeyama, J. Kanaki, K. Mitani: The mesitylene-2-sulphonyl group, an acidolytically removable NG-protecting group for arginine. In: J. Chem. Soc., Chem. Commun. 1978, S. 482–483, doi:10.1039/C39780000482.</ref> und mit TFMSA/Trifluoressigsäure (TFA)/Thioanisol<ref name="Yajima"/> quantitativ abgespalten werden.
In ähnlicher Weise lässt sich die Indol-Gruppe der Aminosäure L-Tryptophan mit Mesitylensulfochlorid unter Bildung des entsprechenden Sulfonamids schützen und mit TFMSA/TFA oder Methansulfonsäure entschützen.<ref>N. Fuji, S. Futaki, K. Yasumura, H. Yajima: Studies on Peptides. CXXI. NIn-Mesitylenesulfonyl-tryptophan, a New Derivative for Peptide Synthesis. In: Chem. Pharm. Bull. Band 32, Nr. 7, 1984, S. 2660–2665, doi:10.1248/cpb.32.2660., pdf</ref>
Sulfonatbildung[Bearbeiten]
In Gegenwart von Pyridin können primäre und sekundäre Hydroxygruppen, z. B. in Mono- und Oligosacchariden durch Umsetzung mit Mesitylensulfochlorid blockiert werden.<ref>S.E. Creasey, R.D. Guthrie: Mesitylenesulphonyl chloride: a selective sulphonating reagent for carbohydrates. In: J. Chem. Soc., Perkin Trans. 1. 1974, S. 1373–1378, doi:10.1039/P19740001373.</ref>
Dabei werden mit Methyl-α-D-Glucopyranosid Ausbeuten von 98 % des in 2,6-Stellung Mst-disubstituierten Methylglucosids erhalten.
Kondensationsreaktionen[Bearbeiten]
Mesitylensulfochlorid wurde auch zur Aktivierung von Carbonsäuren bei der Herstellung von Estern eingesetzt, wie z. B. der Verknüpfung der selektiv geschützten so genannten Nonactinsäure zum Dimeren
und anschließend zum Tetrameren, aus dem durch Ringschluss in Gegenwart von Silber-Ionen das Makrotetrolid-Antibiotikum Nonactin entsteht,<ref>H. Gerlach, K. Oertle, A. Thalmann, S. Servi: Synthese des Nonactins. In: Helv. Chim. Acta. Band 58, Nr. 7, 1975, S. 2036–2043, doi:10.1002/hlca.19750580718.</ref> das kronenetherartige Eigenschaften aufweist.
Nucleotidsynthesen[Bearbeiten]
Mesitylensulfonylchlorid hat trotz längerer Reaktionszeiten im Vergleich zu komplizierter aufgebauten aromatischen Sulfochloriden, wie z. B. 1-Mesitylensulfonyl-3-nitro-triazol (MSNT) oder 1-(Mesitylsulfonyloxy)-4,6-dinitrobenztriazol, zusammen mit nucleophilen Katalysatoren, wie z. B. 3-Nitro-1H-1,2,4-triazol oder 1-Hydroxy-4,6-dinitrobenztriazol, Vorteile bei der Aktivierung von Phosphodiestern zur Umsetzung mit Nucleosiden nach dem Phosphotriester-Verfahren zum Aufbau von Oligonucleotiden.<ref>C.B. Reese: The chemical synthesis of oligo- and poly-nucleotides by the phosphotriester approach. In: Tetrahedron. Band 34, Nr. 21, 1978, S. 3143–3179, doi:10.1016/0040-4020(78)87013-6.</ref>
Weitere Verwendungen[Bearbeiten]
Die Reaktion von Mesitylsulfonylchlorid mit stickstoffhaltigen Heteroaromaten eignet sich zur Herstellung von Diarylsulfonamiden, die als spezifische Antagonisten für das Protein EPAC 2 (exchange protein directly activated by cAMP), das als cAMP-Mediator unterschiedliche biologische Funktionen steuert.
Das Sulfonamid mit 2,4-Dimethylpyrrol erwies sich als 133-mal wirksamer als cAMP.<ref>H. Chen, T. Tsalkova, O.G. Chepurny, F.C. Mei, G.G. Holz, X. Cheng, J. Zhou: Identification and Characterization of Small Molecules as Potent and Specific EPAC2 Antagonists. In: J. Med. Chem. Band 56, Nr. 3, 2013, S. 952–962, doi:10.1021/jm3014162.</ref>
Aus Mesitylensulfonylchlorid und 3-Nitro-1H-1,2,4-triazol wird das Kondensationsmittel 1-(Mesityl-2-sulfonyl)-3-nitro-1H-1,2,4-triazol (MSNT) erhalten,<ref>R. Petersen, J.F. Jensen, T.E. Nielsen: An Improved Protocol for the Synthesis of 1-(Mesitylenesulfonyl)-3-nitro-1,2,4-triazole (MSNT). In: Org. Prep. Proc. Int. Band 46, Nr. 3, 2014, S. 267–271, doi:10.1080/00304948.2014.903145.</ref> das als Aktivierungsagens für Nucleotidsynthesen Verwendung findet.<ref name="Reese"/>
Anstelle von Hydroxylamin-O-sulfonsäure wird häufig auch das wirksamere (aber erheblich teurere) O-Mesitylensulfonylhydroxylamin (MSH) für z. B. Aminierungsreaktionen eingesetzt.<ref>J. Mendolia et al.: Preparation, Use, and Safety of O-Mesitylenesulfonylhydroxylamine. In: Org. Process Res. Dev. Band 13, Nr. 2, 2009, S. 263–267, doi:10.1021/op800264p.</ref>
Einzelnachweise[Bearbeiten]
<references/>
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- Ätzender Stoff
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- Wikipedia:Defekter Dateilink
- Trimethylbenzol
- Sulfonsäurechlorid