Mozartit
| Mozartit | |
|---|---|
| Allgemeines und Klassifikation | |
| IMA-Nummer |
1991-016<ref name="IMA-Liste">Malcolm Back, Cristian Biagioni, William D. Birch, Michel Blondieau, Hans-Peter Boja und andere: The New IMA List of Minerals – A Work in Progress – Updated: July 2024. (PDF; 3,6 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Marco Pasero, Juli 2024, abgerufen am 13. August 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> |
| IMA-Symbol |
Moz<ref name="Warr"></ref> |
| Chemische Formel | CaMn[OH|SiO4]<ref name="StrunzNickel" /> |
| Mineralklasse (und ggf. Abteilung) |
Silikate und Germanate – Inselsilikate |
| System-Nummer nach Lapis-Systematik (nach Strunz und Weiß) Strunz (9. Aufl.) Dana |
VIII/B.23-015 9.AG.60 52.04.02.01 |
| Kristallographische Daten | |
| Kristallsystem | orthorhombisch |
| Kristallklasse; Symbol | orthorhombisch-disphenoidisch; 222 |
| Raumgruppe | P212121 (Nr. 19) |
| Gitterparameter | a = 7,22 Å; b = 8,69 Å; c = 5,84 Å<ref name="StrunzNickel" /> |
| Formeleinheiten | Z = 4<ref name="StrunzNickel" /> |
| Physikalische Eigenschaften | |
| Mohshärte | nicht definiert<ref name="Handbookofmineralogy" />; 6<ref name="Mindat" /><ref name="Webmineral" /> |
| Dichte (g/cm3) | gemessen: 3,63(4); berechnet: 3,68<ref name="Handbookofmineralogy" /> |
| Spaltbarkeit | Bitte ergänzen |
| Bruch; Tenazität | muschelig; spröde<ref name="Handbookofmineralogy" /> |
| Farbe | rötlichbraun bis tiefrot |
| Strichfarbe | rot |
| Transparenz | durchsichtig |
| Glanz | Glasglanz |
| Kristalloptik | |
| Brechungsindizes | nα 1,840(5)<ref name="Mindat" /> nβ 1,855(5)<ref name="Mindat" /> nγ 1,920(5)<ref name="Mindat" /> |
| Doppelbrechung | δ 0,080<ref name="Mindat" /> |
| Optischer Charakter | zweiachsig positiv |
| Achsenwinkel | 2V = gemessen: 50° bis 52,8°; berechnet: 54°<ref name="Mindat" /> |
| Pleochroismus | Stark: X= gelbbraun, Y= gelb, Z= rotorange<ref name="Mindat" /> |
Mozartit ist ein extrem selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Silikate und Germanate“. Es kristallisiert im orthorhombischen Kristallsystem mit der chemischen Zusammensetzung CaMn[OH|SiO4]<ref name="StrunzNickel" /> und ist damit chemisch gesehen ein Calcium-Mangan-Silikat mit zusätzlichen Hydroxidionen. Strukturell gehört Mozartit zu den Inselsilikaten.
Mozartit entwickelt nur selten hypidiomorphe (teilgestaltige) und nach der a-Achse gestreckte, kurzprismatische Kristalle von etwas mehr als vier Zentimeter Länge mit einem glasähnlichen Glanz auf den Oberflächen. Meist findet er sich in Form von körnigen Mineral-Aggregaten und Einschlüssen in anderen Mineralen. Die durchsichtigen Kristalle sind von rötlichbrauner bis tiefroter Farbe und hinterlassen auch auf der Strichtafel einen roten Strich.
Etymologie und Geschichte[Bearbeiten]
Erstmals entdeckt wurde Mozartit 1991 im Bergwerk „Cerchiara“ (Cerchiara Mine) im Val di Vara (deutsch Varatal) nahe den Gemeinden Borghetto di Vara und Pignone in der norditalienischen Region Ligurien. Wissenschaftlich beschrieben und publiziert wurde das Mineral erstmals 1993 durch Riccardo Basso, Gabriella Lucchetti, Livio Zefiro und Andrea Palenzona, die es nach dem herausragenden Musiker und Komponisten Wolfgang Amadeus Mozart (1756–1791) benannten.
Begründet wurde die unkonventionelle Wahl des Namens damit, dass das Mineral im 200. Todesjahr des Musikers entdeckt wurde und unter anderem nach den Worten des Mineralogen Alfred Whittaker eine enge Verbindung der geologischen und mineralogischen Wissenschaften mit Mozarts Musik – vor allem mit seiner letzten Oper Die Zauberflöte – bestehe.<ref name="Basso-et-al" /> Die Oper sei zu einer Zeit komponiert worden, als sich die Geologie aus der Mineralogie, die Chemie aus der Alchemie, die Astronomie aus der Astrologie und die Mathematik aus der Numerologie entwickelt habe. Wenig bekannt sei auch die Zusammenarbeit Mozarts mit den Wissenschaftlern seiner Zeit, vor allem mit den Mineralogen Ignaz von Born und Sir Carl Ludwig Giesecke.<ref name="Whittaker" />
Das Typmaterial des Minerals wird an der Universität Genua in Italien aufbewahrt.<ref name="Handbookofmineralogy" />
Klassifikation[Bearbeiten]
In der veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz war der Mozartit noch nicht aufgeführt.
In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer VIII/B.23-015. Dies entspricht der Klasse der „Silikate“ und dort der Abteilung „Inselsilikate mit tetraederfremden Anionen“, wo Mozartit zusammen mit Cebollit, Chantalit und Vuagnatit eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer VIII/B.23 bildet.<ref name="Lapis" />
Die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte<ref name=IMA-Liste-2009 /> 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Mozartit in die Klasse der „Silikate und Germanate“ und dort in die Abteilung „Inselsilikate (Nesosilikate)“ ein. Hier ist das Mineral in der Unterabteilung „Inselsilikate mit zusätzlichen Anionen; Kationen in meist [6]er- und > [6]er-Koordination“ zu finden, wo es zusammen mit Vuagnatit die „Vuagnatitgruppe“ mit der Systemnummer 9.AG.60 bildet.
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Mozartit die System- und Mineralnummer 52.04.02.01. Das entspricht der Klasse der „Silikate“ und dort der Abteilung „Inselsilikate: SiO4-Gruppen und O, OH, F und H2O“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Inselsilikate: SiO4-Gruppen und O, OH, F und H2O mit Kationen in [6] und/oder > [6]-Koordination“ in der „Vuagnatitgruppe“, in der auch Vuagnatit eingeordnet ist.
Kristallstruktur[Bearbeiten]
Mozartit kristallisiert orthorhombisch in der Raumgruppe P212121 (Raumgruppen-Nr. 19) mit den Gitterparametern a = 7,22 Å; b = 8,69 Å und c = 5,84 Å sowie 4 Formeleinheiten pro Elementarzelle.<ref name="StrunzNickel" />
Bildung und Fundorte[Bearbeiten]
Mozartit bildet sich im metamorphosierten Mangan-Lagerstätten. Als Begleitminerale treten unter anderem Calcit, Hausmannit, Pektolith und Quarz auf.
Mozartit gehört zu den sehr seltenen Mineralbildungen, von denen bisher nur wenige Proben existieren, die an bisher (Stand 2015) vier bekannten Fundorten gesammelt wurden. Neben seiner Typlokalität Cerchiara Mine in Italien kennt man das Mineral noch aus der Kamisugai Mine in der Präfektur Ehime auf der japanischen Insel Shikoku sowie die Wessels Mine bei Hotazel und die N'Chwaning II Mine bei Kuruman in den Manganfeldern der Kalahari in der südafrikanischen Provinz Nordkap.<ref name="Fundorte" />
Siehe auch[Bearbeiten]
Literatur[Bearbeiten]
- Riccardo Basso, Gabriella Lucchetti, Livio Zefiro, Andrea Palenzona: Mozartite, CaMn(OH)SiO4, a new mineral species from the Cerchiara Mine, Northern Apennines, Italy. In: The Canadian Mineralogist. Band 31 (1993), S. 331–336 (PDF 484,2 kB)
Weblinks[Bearbeiten]
- Mineralienatlas:Mozartit (Wiki)
- Database-of-Raman-spectroscopy - Mozartite
- American-Mineralogist-Crystal-Structure-Database - Mozartite
Einzelnachweise[Bearbeiten]
<references> <ref name="Basso-et-al"> Riccardo Basso, Gabriella Lucchetti, Livio Zefiro, Andrea Palenzona: Mozartite, CaMn(OH)SiO4, a new mineral species from the Cerchiara Mine, Northern Apennines, Italy. In: The Canadian Mineralogist. Band 31 (1993), S. 331–336 (PDF 484,2 kB) </ref> <ref name="Handbookofmineralogy"> Mozartite, In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America, 2001 (PDF 69,3 kB) </ref> <ref name="Fundorte"> Fundortliste für Mozartit beim Mineralienatlas und bei Mindat </ref> <ref name="IMA-Liste-2009"> Ernest H. Nickel, Monte C. Nichols: IMA/CNMNC List of Minerals 2009. (PDF; 1,9 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Januar 2009, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 29. Juli 2024; abgerufen am 30. Juli 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="Lapis"> Stefan Weiß: Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9. </ref> <ref name="Mindat"> Mindat - Mozartite </ref> <ref name="StrunzNickel"> Hugo Strunz, Ernest H. Nickel: Strunz Mineralogical Tables. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S. 557. </ref> <ref name="Webmineral"> Webmineral - Mozartite </ref> <ref name="Whittaker"> Alfred Whittaker: Mineralogy and Magic Flute. In: Mitteilungen der Österreichischen Mineralogischen Gesellschaft Band 143 (1998), S. 107–134 (PDF 655,1 kB) </ref> </references>