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Nassanger

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Datei:D-4-78-139-223 Nassanger (1).JPG
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Nassanger (auch Naßanger, bis ins 19. Jahrhundert Aasanger<ref>gge: Knauer, Gallus. In: Biographia Cisterciensis. 2019, abgerufen am 14. Dezember 2025.</ref><ref>Peter Ruderich: Der Nassanger bei Lichtenfels. Untersuchungen zu Form und Funktion eines einmaligen Profanbaus des 17. Jahrhunderts. In: Beiträge zur Fränkischen Kunstgeschichte, Bd. 1/2, 1995/1996, Hrsg. Markus Hörsch, Peter Ruderich, Collibri, Bamberg 1995, ISBN 3-926946-28-8, S. 180–191, hier S. 181.</ref>) ist ein barocker Gutshof bei Trieb, das als Gemeindeteil zur Stadt Lichtenfels im gleichnamigen Landkreis in Bayern gehört.

Geschichte[Bearbeiten]

Ein Gutshof ist dort seit dem 16. Jahrhundert nachweisbar. Das heutige Gebäude wurde 1692–1693 anstelle von drei Höfen als Wirtschafts- und Lagerhof des Klosters Langheim unter Abt Gallus Knauer neu errichtet. Der entwerfende Baumeister ist archivalisch nicht überliefert, wird aber in der Familie Dientzenhofer vermutet, die für das Kloster Langheim tätig war. Kunsthistoriker vermuten aufgrund baustilistischer Vergleiche Leonhard Dientzenhofer.<ref name=":3" /><ref name=":4">Peter Ruderich: Der Nassanger bei Lichtenfels. Untersuchungen zu Form und Funktion eines einmaligen Profanbaus des 17. Jahrhunderts. In: Beiträge zur Fränkischen Kunstgeschichte, Bd. 1/2, 1995/1996, Hrsg. Markus Hörsch, Peter Ruderich, Collibri, Bamberg 1995, ISBN 3-926946-28-8, S. 180–191, hier S, 182.</ref> Zum Gut gehörten neben etwa 63 Hektar Feldern und Weideflächen eine Ziegelhütte, ein großer steinerner Stadel und ein Backhaus.<ref>Schautafel am Gebäude</ref> 1805 kam Nassanger im Zuge der Säkularisation in Bayern in Privatbesitz an einen Baron Malsen aus Niederbayern.<ref name=":0">Gutshof Nassanger. In: Denkmalnetz Bayern. Abgerufen am 13. Dezember 2025.</ref><ref name=":5">Peter Ruderich: Der Nassanger bei Lichtenfels. Untersuchungen zu Form und Funktion eines einmaligen Profanbaus des 17. Jahrhunderts. In: Beiträge zur Fränkischen Kunstgeschichte, Bd. 1/2, 1995/1996, Hrsg. Markus Hörsch, Peter Ruderich, Colibri, Bamberg 1995, ISBN 3-926946-28-8, S. 180–191, hier S. 188.</ref> Danach wechselte der Nassanger mehrfach den Besitzer und wurde weiter landwirtschaftlich genutzt. Im 19. Jahrhundert kam in den linken Treppenturm eine Grünfuttersiloanlage, angeblich die erste dieser Art in Deutschland.<ref name=":5" /> Später war das Gebäude in einen Tierpark integriert und diente dann als Nachtclub.<ref name=":5" /> Der vorläufig letzte Besitzerwechsel des Gutshofs Nassanger fand 2025 statt; aktuell (Stand Sommer 2025) ist die künftige Nutzung unklar.<ref>Wird der historische Gutshof Nassanger Trieb zum Friedenzentrum? In: mainpost.de. 7. August 2025, abgerufen am 13. Dezember 2025.</ref><ref>Christian Kreuzer: Denkmal in Lichtenfels: Nisten sich Reichsbürger im Nassanger ein? - Neue Presse Coburg. In: np-coburg.de. 5. August 2025, abgerufen am 13. Dezember 2025.</ref>

Architektur[Bearbeiten]

Beschreibung[Bearbeiten]

Nassanger war ein landwirtschaftlicher Betrieb, dessen baulicher Mittelpunkt ein dreigeschossiger Ringbau bildete. Umgangssprachlich wird der Bau selber als der Nassanger bezeichnet. Der Grundriss ist nahezu kreisförmig und leicht ovalförmig (die etwas längere Gebäudeachse liegt in Nordsüdrichtung); der Durchmesser beträgt 51 Meter.<ref name=":1">Thomas Gunzelmann: Klöster als landschaftsprägende Denkmale. Die Abteien Banz und Langheim im Vergleich – Dorf – Stadt – Kulturlandschaft. In: thomas-gunzelmann.net. 23. Februar 2023, abgerufen am 13. Dezember 2025.</ref> Auf dem verschieferten Satteldach sitzen in zwei Reihen zahlreiche Ziergauben mit Spitzhelmen.

Im Innern befinden sich im kreuzgratgewölbten Erdgeschoss vor allem Stallungen, in den beiden Obergeschossen mit Balkendecken Schüttböden für Heu und Stroh, die Dachböden wurden als Getreidespeicher genutzt. Es gab ehemals zwei rundbogige Zufahrtstore; das südliche ist heute zugemauert. Beidseits der an der Nordseite gelegenen Hauptzufahrt waren im Erdgeschoss ehemals Amtsstuben und im hier hohen Obergeschoss eine Kapelle sowie Wohnräume des Abtes angeordnet. Über dem Zufahrtstor sind das Amtswappen des Klosters Langheim mit einem lateinischen Chronostichon und auf dem Schlussstein die Initialen des Bauherrn „FGAL“ (= Frater Gallus abbas Langheimensis<ref name=":4" />) sowie als Jahr der Fertigstellung „1693“ angebracht.<ref name=":3">Dehio-Handbuch, Bayern I. Franken. Bearbeitet von Tilmann Breuer, Friedrich Oswald, Friedrich Piel, Wilhelm Schwemmer und anderen Fachkollegen. Deutscher Kunstverlag, München 1979, ISBN 3-422-00359-2, S. 522. (Abschrift auf de.dehio.org, abgerufen am 14. Dezember 2025)</ref> Zwei in die Innenhoffassaden eingefügte runde Treppentürme mit hölzernen Wendeltreppen erschließen die oberen Geschosse.<ref>Peter Ruderich: Der Nassanger bei Lichtenfels. Untersuchungen zu Form und Funktion eines einmaligen Profanbaus des 17. Jahrhunderts. In: Beiträge zur Fränkischen Kunstgeschichte, Bamberg 1995, S. 180–191, hier S. 183.</ref>

Die äußeren Putzfassaden sind weitgehend schmucklos und zeigen eine „fast abweisende Form“, die „nahezu ausschließlich der Funktion verpflichtet“ gewesen sein soll, da sie „möglichst viel Stauraum bei kleinstmöglicher Wandfläche“ bieten sollte.<ref name=":5" /><ref name=":1" /> Dabei sind als weitere Besonderheit die Fenster der Wirtschaftsgeschosse als Querovale ausgebildet, die an „Kanonenscharten“<ref name=":2">Franz Willax: Nassanger. In: Burgen und Schlösser. Jg. 22, 1981, Heft 2, S. 112–116, hier S. 112. (Digitalisat auf journals.ub.uni-heidelberg.de, abgerufen am 13. Dezember 2025)</ref> eines Festungsbaus erinnern.

Im Innenhof gab es einen großen Misthaufen, der in Querrichtung ebenfalls einen leicht ovalen Grundriss aufwies. Die ursprüngliche weiß-ockergelbe Farbgebung der Fassaden wurde 1977 wiederhergestellt.<ref name=":3" />

Nutzung, Ikonographie und Bedeutung[Bearbeiten]

Der Nassanger diente nicht nur als Gutshof, sondern offenbar auch als geplante „Fluchtburg“ des Abtes.<ref name=":6">Peter Ruderich: Der Nassanger bei Lichtenfels. Untersuchungen zu Form und Funktion eines einmaligen Profanbaus des 17. Jahrhunderts. In: Beiträge zur Fränkischen Kunstgeschichte, Bd. 1/2, 1995/1996, Hrsg. Markus Hörsch, Peter Ruderich, Collibri, Bamberg 1995, ISBN 3-926946-28-8, S. 180–191, hier S. 186.</ref> Der wehrhafte Charakter der Architektur wurde früher zusätzlich durch einen fast zehn Meter breiten Wassergraben unterstützt, der ein schwer überschreitbares Annäherungshindernis bildete.<ref name=":2" /> Einen verklausulierten Hinweis auf die Verteidigungsfunktion könnte auch das Chronistichon über dem Nordportal enthalten: „sVb GaLLI aVspICYs eXtrVCta est / MaCsIna praesens HanC regat / dC serVet qVI regIt astra poLI“ (aufgelöst: Sub Galli auspiciis extructa est machina praesens – Hanc regat et servet qui regit astra poli; zu deutsch: Unter des Gallus Leitung gebaut ist dieses Kunstwerk – Es schützen und bewahren möge derjenige, der lenkt die Sterne des Pols), denn „machina“ kann neben Kunstwerk auch Belagerungsgerät oder Kriegslist bedeuten.<ref name=":6" />

Die Bauform des Nassangers ist für einen Amts- oder Guthof völlig unüblich, da ein solcher normalerweise als ein- oder mehrflügelige Rechteckanlage gebaut wurde; auch nur entfernt ähnliche Bauformen kamen bis dahin im ganzen europäischen Barock nicht vor.<ref name=":6" /> Angeblich soll Abt Gallus die Idee zur Rundform aus Rom „nach dem Muster dortiger Gebäude“<ref name=":6" /><ref>Max Heid: Abt Gallus Knauer von Langheim. Ein Förderer der Baukunst in Franken. In: Geschichte am Obermain, Bd. 3 (= Jahresgabe 1965/66 des Colloquium Historicum Wirsbergense). Lichtenfels 1965, S. 88–103, hier S. 92. (Digitalisat auf chw-franken.de, abgerufen am 14. Dezember 2025)</ref> mitgebracht haben, womit wohl die Engelsburg, eine Fluchtburg der Päpste, gemeint gewesen sein dürfte. In Bauformen habe sich Abt Knauer als Bauherr auch sonst „unbekümmert um architektonische Konventionen“<ref>Peter Ruderich: Der Nassanger bei Lichtenfels. Untersuchungen zu Form und Funktion eines einmaligen Profanbaus des 17. Jahrhunderts. In: Beiträge zur Fränkischen Kunstgeschichte, Bd. 1/2, 1995/1996, Hrsg. Markus Hörsch, Peter Ruderich, Collibri, Bamberg 1995, ISBN 3-926946-28-8, S. 180–191, hier S. 191, Anmerkung 82.</ref> gezeigt. So wird schließlich als Grund für die Wahl der besonderen Bauform der politische Anspruch des Klosters Langheim auf Exemption vom Bamberger Bischof und die Nähe zum Papst in Rom vermutet, von dem man sich wie vom Kaiser in Wien, der „nova Roma“<ref>Peter Ruderich: Der Nassanger bei Lichtenfels. Untersuchungen zu Form und Funktion eines einmaligen Profanbaus des 17. Jahrhunderts. In: Beiträge zur Fränkischen Kunstgeschichte, Bd. 1/2, 1995/1996, Hrsg. Markus Hörsch, Peter Ruderich, Collibri, Bamberg 1995, ISBN 3-926946-28-8, S. 180–191, hier S. 191, Anmerkung 83.</ref>, Unterstützung gegen das Hochstift Bamberg erhoffte.<ref name=":5" />

Wissenschaftlich diskutiert wurden auch geplante Nutzungen des Nassangers als Jagdschloss<ref name=":7">Peter Ruderich: Der Nassanger bei Lichtenfels. Untersuchungen zu Form und Funktion eines einmaligen Profanbaus des 17. Jahrhunderts. In: Beiträge zur Fränkischen Kunstgeschichte, Bd. 1/2, 1995/1996, Hrsg. Markus Hörsch, Peter Ruderich, Collibri, Bamberg 1995, ISBN 3-926946-28-8, S. 180–191, hier S. 187.</ref> oder zu astronomischen Beobachtungen; letzteres wegen der ungefähren Ausrichtung der längeren Ovalachse auf den Nordpol.<ref name=":7" /> Ebenso wenig historisch belegt ist die örtliche Überlieferung, nach der die zwölf Hoftüren und die einst angeblich 365 Fenster Bezug zum Kalender gehabt hätten.<ref>Die Entstehung von Trieb. In: ffwtrieb.de. Abgerufen am 14. Dezember 2025.</ref><ref>Peter Ruderich: Der Nassanger bei Lichtenfels. Untersuchungen zu Form und Funktion eines einmaligen Profanbaus des 17. Jahrhunderts. In: Beiträge zur Fränkischen Kunstgeschichte, Bd. 1/2, 1995/1996, Hrsg. Markus Hörsch, Peter Ruderich, Collibri, Bamberg 1995, ISBN 3-926946-28-8, S. 180–191, hier S. 191, Anmerkung 63.</ref> Solche Architekturdeutungen nach dem Kalender<ref>Alfred Stohl: Der Narrenturm oder Die dunkle Seite der Wissenschaft. Böhlau Verlag, Wien / Köln / Weimar 2000, ISBN 3-205-99207-5, S. 20 und öfters. (Digitalisat auf dokumen.pub, abgerufen am 14. Dezember 2025)</ref> in Kombination mit einem festungsartigen Ringbau teilt der Nassanger mit dem rund 90 Jahre jüngeren Narrenturm in Wien.

Die Anlage des Nassanger-Ringbaus gilt innerhalb der Architekturgeschichte als „ein Unikum, einer der interessantesten Zweckbauten der deutschen Barockarchitektur“.<ref name=":3" /> Das Dehio-Handbuch meint, dass sich hier „höchste Funktionalität verbindet [...] mit einer möglicherweise von antiken Vorbildern angeregten idealen Form.“<ref name=":3" />

Literatur[Bearbeiten]

  • Vorlage:Breuer Landkreis Lichtenfels
  • Günter Dippold: Trieb. Ein langheimisches Klosterdorf und seine Entwicklung im 19. Jahrhundert. In: Heimatbeilage zum Oberfränkischen Schulanzeiger. Nr. 322, Bayreuth März 2005, S. 8–12, S. 36–39. (Digitalisat auf yumpu.com, abgerufen am 14. Dezember 2025).
  • Peter Ruderich: Der Nassanger bei Lichtenfels. Untersuchungen zu Form und Funktion eines einmaligen Profanbaus des 17. Jahrhunderts. In: Beiträge zur Fränkischen Kunstgeschichte, Bd. 1/2, 1995/1996, Hrsg. Markus Hörsch, Peter Ruderich, Collibri, Bamberg 1995, ISBN 3-926946-28-8, S. 180–191.
  • Franz Willax: Nassanger. In: Burgen und Schlösser, Jg. 22, 1981, Heft 2, S. 112–116. (Digitalisat auf journals.ub.uni-heidelberg.de, abgerufen am 14. Dezember 2025) – Enthält Bauaufnahmezeichungen.

Weblinks[Bearbeiten]

Commons: Gutshof Nassanger – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

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