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Pankehallen

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Datei:Tresorfabrik Karl Arnheim 02.JPG
Pankehallen, Blick von Südwest
Datei:Tresorfabrik Karl Arnheim 01.JPG
Pankehallen, Blick vom Panke-Ufer

Die Pankehallen sind ein nur noch teilweise erhaltener Fabrikgebäudekomplex im Berliner Ortsteil Gesundbrunnen, der vor der Verwaltungsreform 2001 zum Bezirk Wedding gehörte. Die ersten Gebäude waren auf der Pankeinsel, dem Bereich zwischen dem einst zweiarmigen Verlauf der Panke errichtet worden. Die heute als Bildhauerwerkstatt genutzten restaurierten Hallen sind Erweiterungsbauten, die 1897 auf dem zugeschütteten westlichen Pankearm entstanden sind.

Geschichte[Bearbeiten]

Erstnutzungen der „Mühleninsel“[Bearbeiten]

Im Jahr 1708 wurde eine Walkmühle auf dem Terrain zwischen den beiden Armen der Panke errichtet. Hundert Jahre später stand dort ein bald baufälliges Fachwerkhaus mit Mahlwerk. In dem leerstehenden Gebäude ließen sich danach Obdachlose nieder. Ein Lohgerber erwarb das Grundstück und zog damit andere Gerber entlang der Panke an. Nach etwa zehn Jahren ging das Anwesen 1841 in den Besitz eines Bauconducteurs über, der 1843 die Bauerlaubnis für eine neue Mühle erhielt, die er nach Fertigstellung 1844 verschiedenen Müllern zur Pacht überließ. Diese Mühle ist erhalten geblieben.<ref name="Oertzen">Christine von Oertzen: Boulevard Badstrasse. Grossstadtgeschichte im Berliner Norden. Hrsg.: Bezirksamt Wedding von Berlin. Edition Hentrich, Berlin 1993, ISBN 978-3-89468-081-7, Das Grundstück an der Badstraße 40–41. Von der Mühleninsel zum Industriegelände, S. 200–216.</ref>

Anfänge der Bebauung[Bearbeiten]

Nach dem Erwerb 1890 und dem behördlich geforderten Anschluss an die Kanalisation wurde von 1892 bis 1896 die erste mehrgeschossige Fabrikationshalle in Deutschland auf der mittlerweile „Pankeinsel“ genannten ehemaligen Mühleninsel errichtet. Architekt war der Gropius-Schüler und -Schwiegersohn Wilhelm Martens, Auftraggeber der Fabrikant Carl Arnheim, Sohn des Tresorfabrikgründers Simon Joel Arnheim, der das Gebäude als Hofkunstschlosserei des Kaisers und König von Preußen nutzte. Außerdem gehörten verschiedene Schuppen, ein Inspektorenhaus und ein an der Badstraße gelegenes Mehrfamilienwohnhaus zur ersten Bauphase.<ref name="Oertzen" /> Der reichlich vorhandene Platz begünstigte die Entwicklung der ersten deutschen Geldschrankfabrik zur größten Spezialfabrik Europas für Schließkassen und Tresorbau.<ref>Bezirksamt Wedding von Berlin (Hrsg.): Rechts und links der Panke. 100 Jahre Wiedereingemeindung von Wedding in Berlin. Mit über 120 Abbildungen, bearbeitet und gestaltet: Karl Ernst Rimbach. Verlag Heimat und Werk, Berlin-Grunewald September 1961, Von der Feldmark zum Bezirk. Heimatgeschichtliche Wanderung durch ein Jahrhundert. Fabriken, Krankenhäuser, Kirchen, Schulen, S. 42.</ref>

Ursprungsnutzung als Arnheimsche Tresorfabrik[Bearbeiten]

Von 1897 bis 1898 entstand auf dem inzwischen zugeschütteten westlichen Pankearm unter der Leitung des Architekten Th. Siems<ref name="denkmal">Tresorfabrik Karl Arnheim, Fabrikschosserei in der Berliner Denkmaldatenbank</ref> ein weiterer Fabrikationstrakt, nämlich die 180 Meter lange, eingeschossige Sheddachhalle mit durchgängig eingezogener Galerie. Die sägezahnartige Dachkonstruktion über jeder „Dreifenstergruppe“<ref name="denkmal" /> aus vertikalen Schmalfenstern verleiht der Halle ihr markantes Erscheinungsbild.<ref name="Lefèvre">Andrea Lefèvre: Die Arnheimsche Tresorfabrik. In: Helmut Engel, Stefi Jersch-Wenzel, Wilhelm Treue (Hrsg.): Wedding (= Geschichtslandschaft Berlin. Orte und Ereignisse). Band 3. Nicolai, Berlin 1990, ISBN 3-87584-296-0, S. 283–299.</ref> Deren Grundfläche beträgt 3.600 m² und sie hat am niedrigsten Punkt eine lichte Höhe von neun Metern, am höchsten Punkt eine von zwölf Metern.<ref name="Dahlke">Oskar Dahlke: Berliner Bildhauerwerkstatt: Der Betrieb beginnt. In: Interessengemeinschaft Berliner Kunsthändler e. V. (Hrsg.): Berliner Kunstblatt. Informationsmagazin über die Kunst in Berlin. 51, Juli – September 1986. Interessengemeinschaft Berliner Kunsthändler e. V., Juli 1986, ISSN 0170-1665, S. 12–15.</ref> Deutschlands älteste Fabrik für Kassen- und Tresorbau, die 1833 gegründete Arnheimsche Tresorfabrik, übersiedelte an diesen Ort und nahm noch im selben Jahr ihre Tätigkeit auf. Zu dem bereits bestehenden Gebäudekomplex kamen zwischen 1898 und 1900 noch ein zweigeschossiger Hallenbau sowie ein Comptoirgebäude. Mit modernsten Werkzeugmaschinen und fortschreitender Arbeitsteilung lief die Produktion aller erdenklicher Sicherheitsbehältnisse von Geldkassetten bis Tresorraumanlagen auf Hochtouren.<ref name="Lefèvre" />

Kriegsnutzung der aufgegebenen Hallen[Bearbeiten]

Von den Inflationswirren erfasst, zog die Tresorfabrik 1922/1923 ins kurz zuvor nach Berlin eingemeindete Mariendorf um. Das Grundstück an der Badstraße geriet daraufhin aufgrund einer Firmenfusion mit dem Geldschrankkonkurrenten Ade in verwickelte Eigentumsverhältnisse und wurde erst 1931 hochbelastet der Familie Arnheim restituiert.<ref name="Oertzen" /> Die Betriebe, die in der Zwischenzeit dort ihrem Gewerbe nachgegangen waren, hatten an fast allen Gebäuden bauliche Veränderungen vorgenommen. Sie mussten das Gelände nicht verlassen, da das zurückkehrende geschrumpfte Unternehmen ohnehin nur einen Teil der ehemaligen Produktionsfläche benötigte.<ref name="Lefèvre" /> Jedoch währte der Wiederbesitz nicht lange. 1938 beantragte die Dresdner Bank als Hauptgläubigerin die Zwangsversteigerung des Areals. Erworben wurde es von der Kabelfabrik Frischeisen & Co. Der Sicherheitsanlagen-Hersteller Ade, der weiterhin unter Ade-Arnheim firmierte, rutschte in den Mieterstatus.<ref name="Oertzen" />

Während des gesamten Zweiten Weltkriegs wurden die Hallen als Produktionsstätten für die Kriegswirtschaft genutzt, wobei Frischeisen & Co. Gummikabel für die Kriegsmarine herstellte<ref name="Oertzen" /> und Ade-Arnheim Kriegsgerätbauteile für die Wehrmacht.<ref name="Lefèvre" /> Im Parterre des Wohngebäudes wurden Zwangsarbeiter untergebracht.<ref name="Oertzen" /><ref name="Lefèvre" /> Die Gebäudeansammlung erlitt partielle Zerstörungen durch Fliegerbomben, was Ade-Arnheim dazu veranlasste, nach Berlin-Reinickendorf umzuziehen, während die Kabelfabrik sich noch bis 1956 dort aufhielt.<ref name="Lefèvre" />

Nachnutzungen der intakten Hallen[Bearbeiten]

Bevor der Hallenkomplex in die Eigentümerschaft des Landes Berlin fiel, war die Kabelwerk Reinshagen GmbH als Nachfolger von Frischeisen & Co. im Grundbuch eingetragen. Wieder veränderten Baumaßnahmen die Ausgestaltung des Terrains.<ref name="Lefèvre" /> Schließlich wurde ab 1966/1967 das Anwesen offiziell ein Gewerbehof.<ref name="Oertzen" /> Somit war eine Nutzung durch Gewerbe wie Laborgeräteherstellung, Karosseriebau, Klempnerei und Kunststoffverarbeitung bis 1980 gegeben.<ref name="Lefèvre" />

Zwischenzeitlich waren Planungen seitens des Berliner Senats angestellt worden, die vorsahen, einen Grünzug und ein Rückstaubecken gegen das Pankehochwasser anzulegen, für die umfangreiche Abrissarbeiten hätten durchgeführt werden müssen. Dieses Szenario vor Augen, waren in den Endsiebziger Jahren nach und nach alle Gewerbebetriebe ausgezogen, sodass die alten Fabrikhallen brach lagen.<ref name="Lefèvre" />

Sporadische Nutzungen der zerfallenden Hallen[Bearbeiten]

Vorerst herrschte Leerstand. 1980<ref>BBK Berlins [sic]. 30 Jahre BBK. Programm für die 80er Jahre. Werkstätten. In: BBK Bundesausschuß Berlin (Hrsg.): Kultur Politik. Vierteljahresschrift für Kulturpolitik und Kulturarbeit. Mitteilungsblatt des Bundesverbandes Bildender Künstler. Nr. 3/1980, Juli 1980, Berichte aus den Landesverbänden, S. 29 ff. (die Pankehallen werden nicht explizit genannt, sind aber gemeint).</ref> bis 1982<ref name="KP1/82">BBK Berlins [sic]. Bildhauerwerkstatt. In: BBK Bundesausschuß Berlin (Hrsg.): Kultur Politik. Vierteljahresschrift für Kulturpolitik und Kulturarbeit. Mitteilungsblatt des Bundesverbandes Bildender Künstler. Nr. 1/1982, Januar 1982, Berichte aus den Landesverbänden, S. 36 ff. (die Pankehallen werden wieder nicht explizit genannt, sind aber gemeint).</ref> brachte der Berufsverband Bildender Künstler Berlin (BBK Berlin) erste Vorschläge zur eigenen Nutzung der Hallen ein, insbesondere nachdem Wirtschaftssenator Wolfgang Lüder (FDP) das ursprünglich vorgesehene Gebäude in der Torfstraße (im Weddinger Sprengelkiez) hatte abreißen lassen.<ref name="KP1/82" /><ref>Die Bildhauerwerkstätten Berlin. In: Kulturwerk des Berufsverbandes Bildender Künstler (Hrsg.): Sektor. Artists’ Services Berlin. Die Gestalten Verlag, Berlin 1996, ISBN 3-931126-07-2, S. 97–101.</ref>

Einer Gruppe von Leuten, die 1981 auf der Suche nach Räumlichkeiten für ein Kulturzentrum im kulturell unterversorgten Wedding waren, kamen die maroden Hallen wie gerufen. Im März 1982 vergab das Bezirksamt das Nutzungsrecht an die Kulturinitiative Pankehallen e. V.<ref name="Lefèvre" /> Außer den im Juni 1982 veranstalteten „Weddinger Kulturwochen“ gab es als kontinuierliche Angebote: ein kommunales Kino namens „Lichtblick“, Ausstellungen, Lesungen, Musikveranstaltungen, Theateraufführungen, ein Cafébetrieb, eine Geschichtswerkstatt, eine „Fraueninitiative“ und weitere Anlaufstellen für Kleingruppen, zumeist Gesprächskreise.<ref name="Müller">Bernhard Müller (Hrsg.): Wedding. Wege zu Geschichte und Alltag eines Berliner Arbeiterbezirkes (= Berlin Tour. Band 3). 1. Auflage. Stattbuch Verlag, Berlin 1990, ISBN 3-922778-24-0, Vom „Kurbad“ zum „Sachsendamm“: 200 Jahre Weddinger Kultur: Gesundbrunnen, S. 71 f.</ref> Von 1983 bis 1984 organisierte die Künstlergruppe „Material & Wirkung“ ein weitreichendes Ausstellungs- und Performance Programm. Im Einfahrtsbereich realisierte Eberhard Bosslet eine Straßenmarkierungsarbeit, weitere raumgreifende Installationen gab es von Thomas Schulz, Ulrich Eller, Folke Hanfeld, Bernhard C. Striebel, Werner Klotz, BKH Gutmann, Udo Idelberger, Zawadzki, Susanne Mahlmeister, Hartwig Komba, Markus Fink, Klaus Schmitt, Christian Kohl. Unter dem Titel „Pankehalle HETAL“ waren zu sehen Werke von Thomas Schulz, Ulrich Eller, Folke Hanfeld, Bernhard C. Striebel, Werner Klotz, BKH Gutmann, Udo Idelberger, Zawadzki, Susanne Mahlmeister, Hartwig Komba. 1984 HETAL KLIMATISCH: Werke mit klimatischen Bedingungen von: Sven Ake Johansen, Shelly Hirsch, Folke Hanfeld, Franklin Alders, Thomas Schulz, Marc Schepers, Otmar Sattel, Ulli Müller, Werner Klotz, BKH Gutmann, Günther Reger, Ulrich Eller, Vincent Trasov, Christine Hoffmann, Olbricht Kunstfeld, Zawadzki. Gefolgt von der Reihe „HETAL ZUGABE“ waren zu sehen: Die Tonkneter, Niels Krüger, Andreas Coerper, Claudius Wachtmeister. Der Künstler Bernhard C. Striebel hatte 1983 in den Pankehallen seine erste Ausstellung.<ref>Bernhard C. Striebel. Werke. In: busche-kunst.com. Dr. Ernst A. Busche, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 4. April 2017; abgerufen am 12. Februar 2017.</ref> Ein anderer, Michael Baerens, 1982 und 1983 zwei seiner ersten.<ref>Michael Baerens, Ausstellungen und Performances. (PDF) In: michaelbaerens.com. S. 1, abgerufen am 12. Februar 2017.</ref> Auch Horst Hoheisel stellte in der Frühzeit seines Schaffens in den Pankehallen aus.<ref>Thomas Wulffen: Horst Hoheisel, Brigitte Hohenhaus. Pankehallen, Berlin. In: Kunstforum international. Die aktuelle Zeitschrift für alle Bereiche der Bildenden Kunst. Band 69, Nr. 1/84. Köln Februar 1984, Ausstellungen, S. 199.</ref> Neben ihrer Schauspielausbildung baute Eva Mannschott in den Pankehallen ein eigenes Theaterensemble auf.<ref>Mila. Eva Mannschott. In: sat1.de. Abgerufen am 12. Februar 2017.</ref> Die bekanntesten musikalischen Gäste in den Hallen waren Harald Grosskopf (Wallenstein, Klaus Schulze) und die Hamburger Punkgruppe Slime, die hier das Album Live (Pankehallen 21.1.1984) aufnahm, von dem das Ox-Fanzine behauptet, „eine der wenigen Punkrock-Liveplatten mit Daseinsberechtigung“ zu sein.<ref>Joachim Hiller: Slime. Live Pankehallen 21.01.1984. In: ox-fanzine.de. Februar 2008, abgerufen am 12. Februar 2017.</ref> Die Pankehallen beheimateten das Berlin Atonal-Festival zum einzigen Mal im Dezember 1983.<ref name="Atonal">Markus Schneider: Atonal-Festival: Dieses wundervolle Kraftwerk. In: berliner-zeitung.de. 21. Juli 2013, abgerufen am 12. Februar 2017.</ref> Auch davon gibt es Livemitschnitte.<ref>Berlin Atonal Festival. In: discogs.com. Abgerufen am 12. Februar 2017 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Höhepunkt in Sachen Film war das 14. Internationale Forum des Jungen Films vom 18. bis 28. Februar 1984 im Rahmen der 34. Internationalen Filmfestspiele Berlin.

Aus der Geschichtswerkstatt ging die erfolgreiche Marke „Stattreisen“ hervor.<ref>Lothar Heinke: 30 Jahre „Stattreisen“. Auf Entdeckungstour in der eigenen Stadt. Die ersten organisierten Stadtführer Berlins feiern sich: Seit 30 Jahren führen die Berlin-Erklärer von „Stattreisen“ durch die Straßen. Sie wollen vor allem eins: den Einwohnern ihre Stadt näher bringen. In: tagesspiegel.de. 15. März 2013, abgerufen am 12. Februar 2017.</ref> Platz bot das Areal außerdem für diverse Sport- und Motorradgruppen.<ref name="Lefèvre" /> Schließlich nutzte ein Wanderzirkus noch eine Halle als Winterquartier.<ref name="Müller" /><ref name="Atonal" />

Abrissdrohung und Rettung[Bearbeiten]

Im Jahr 1982 noch vage, doch akut in den Ostertagen 1983,<ref name="Dahlke" /> lösten Abräumbestrebungen am pankeseitigen Gebäude Alarm bei den Befürwortern einer Erhaltung aus und riefen die damalige Bezirksbürgermeisterin Erika Heß (SPD), die vehement gegen das Banausen-Image des Wedding ankämpfte,<ref>Ernst Busche: Der Berliner Stadtteil Wedding hat Platz für Künstler. 40 billige Ateliers im Tausch gegen Botschaft. In: Wolf Uecker (Hrsg.): Art. Das Kunstmagazin. Gruner + Jahr, Juli 1986, ISSN 0173-2781, Journal. Initiativen, S. 10.</ref> den Senator Volker Hassemer (CDU), der in dieser Zeit vom Stadtentwicklungsressort ins Kulturressort wechselte, und Hilla Seelig vom BBK Berlin als Wortführer einer Rettungsinitiative auf den Plan. Nun wurden ernsthafte Gespräche zwischen dem BBK Berlin und dem Kultursenat aufgenommen.<ref name="Lefèvre" /> Dabei kam zum Ausdruck, dass für den neuen Zweck kaum bauliche Veränderungen nötig gewesen wären und daher im günstigsten Fall schon ein Bezug am 1. September 1983 gewinkt hätte. Seinerzeit war auch noch die Einbeziehung des Marienbades (Luisenbad) der Panke gegenüber vorgesehen. Man konnte sich dort ein Atelierhaus mit Ausstellungsbereich vorstellen.<ref>Manfred Pixa: BBK Berlins [sic]. Eine Chance für die Bildhauerwerkstatt. In: BBK Bundesausschuß Berlin (Hrsg.): Kultur Politik. Vierteljahresschrift für Kulturpolitik und Kulturarbeit. Mitteilungsblatt des Bundesverbandes Bildender Künstler. Nr. 4/1982, Oktober 1982, Berichte aus den Landesverbänden, S. 26 f.</ref>

Im Sommer 1983 konkretisierte der BBV seinen Finanzbedarf. Neben kurzfristigen Anlaufkosten von 400.000 Mark und rund 200.000 Mark für jährliche Betriebskosten sollten Ausstattungskosten für moderne Maschinen für rund 1,6 Millionen Mark kommen. Die Behörden werteten die Kalkulation als „übertrieben teuer“ (Pressesprecher Peter Laubenthal), die „billigeren“ alternativen Kulturtreibenden, jedenfalls diejenigen, die noch nicht weggegangen waren, konnten bleiben.<ref name="Stepken">Angelika Stepken: Einrichtung der Berliner Bildhauer-Werkstatt ungewiß. Wer nutzt die ehemalige Tresorfabrik am billigsten? In: Wolf Uecker (Hrsg.): Art. Das Kunstmagazin. Gruner + Jahr, August 1983, ISSN 0173-2781, Journal. Panorama, S. 12.</ref> Trotzdem war 1984 die Rangelei um die Zukunft der Hallen noch nicht vorbei: Unter dem Vorwand eines angeblich notwendigen Panke-Rückstaubeckens veranlasste der Weddinger Baustadtrat Jürgen Lüdtke – wie bereits angekündigt – die älteren Hallen direkt am Pankeufer komplett abzuräumen.<ref name="Müller" /> Somit verschwand mit der einstigen Maschinenhalle das wichtigste und architektonisch gewagteste Gebäude von der Bildfläche.<ref name="denkmal" /> Die entstandene Grube wurde aufgeschüttet. Der Bezirksverwaltung war die Kontrolle über das selbstverwaltete und florierende Kulturzentrum entglitten, weshalb sie alles unternahm, diesem ein Ende zu bereiten.<ref name="Müller" /> Zu tief saß das aus den Endsechziger-Jahren herrührende Misstrauen, das Projekt könne politisiert und zur Quelle neuer revolutionärer Vorgänge werden.<ref>Hannes Schwenger: Was zählt, ist Leistung. In: Kulturwerk des Berufsverbandes Bildender Künstler (Hrsg.): Sektor. Artists’ Services Berlin. Die Gestalten Verlag, Berlin 1996, ISBN 3-931126-07-2, II, S. 17.</ref>

Es drohte ein weitergehender Abriss, nämlich der der Shedhallen. Eine Intervention der Architekten Langeheinecke & Claussen (die später in der ehemaligen Mühle ihr Büro bezogen haben) führte dazu, dass der Landeskonservator Helmut Engel das restliche Ensemble unter Denkmalschutz stellte. Anfang 1984 kulminierten zwei kulturpolitische Themenbereiche, und zwar die prekäre Situation der 250<ref name="Stepken" /> bis 300<ref name="Heyermann">Jochen Heyermann: Alte Tresorfabrik wird Bildhauerwerkstatt. In: Interessengemeinschaft Berliner Kunsthändler e. V. (Hrsg.): 47. Kunstblatt. Informationsmagazin über die Kunst in Berlin. 47, Juli – September. Interessengemeinschaft Berliner Kunsthändler e. V., Berlin 1985, S. 59 f.</ref> in Berlin tätigen Bildhauer<ref>Eine Künstlergruppe ist in Wedding heimisch geworden. Atelierwohnungen in der ehemaligen Stadtbücherei – Für die Bildhauer reicht der vorhandene Platz meist nicht. In: Der Tagesspiegel. Berlin 11. März 1984, Berliner Teil.</ref> sowie die Kompetenzbeschränkung des Landeskonservators, der künftig auf die Zustimmung des Finanzsenators angewiesen sein sollte.<ref>Angelika Stepken: Berlin: Probleme mit der Erhaltung alter Bauten. Der Finanzsenator als oberster Denkmalschützer. In: Wolf Uecker (Hrsg.): Art. Das Kunstmagazin. Gruner + Jahr, Februar 1984, ISSN 0173-2781, Journal. Kulturpolitik, S. 10.</ref> Letzterer Streitpunkt wurde mit einem Sonderprogramm zur Erneuerung von Gewerbebauten, der Herrichtung von Gewerbehöfen und prinzipiellen Würdigung baugeschichtlicher Architektur, das 1985 anlaufen sollte, beigelegt.<ref>Bezirksamt Wedding von Berlin, Abtl. Bau- und Wohnungswesen (Hrsg.): 25 Jahre Stadterneuerung für Menschen im Wedding. Bilder & Meinungen, Erinnerungen & Entwicklungen. Gegenwart und Zukunft eines Berliner Stadtbezirks. FAB Verlag, Berlin 1988, ISBN 3-9801875-7-8, Erneuern ohne zu zerstören – das zweite Stadterneuerungsprogramm. Kleinteilige behutsame Stadterneuerung: Beispiel Gewerbehöfe, S. 98.</ref> Dank dieses Strategiewechsels konnten beide Problembereiche zu aller Zufriedenheit verknüpft werden. Die Verhandlungen zwischen dem Kultursenat und dem BBK wurden fortgesetzt und noch 1984 zum Abschluss gebracht, was das Ende der allgemeinen kulturellen Nutzung durch die Bürgerschaft bedeutete.<ref name="Lefèvre" />

Der ausgehandelte Nutzungsvertrag wurde 1985 zwischen dem Kulturwerk des BBK Berlin GmbH und dem Senator für Kulturelle Angelegenheiten, Hassemer, unterzeichnet. Die zunächst vorgesehene Mischnutzung, die ein Konflikte verheißendes Nebeneinander von Bildhauern und Theaterakteuren bedeutet hätte, konnte vom ersten Leiter der Bildhauerwerkstätten, Gustav Reinhardt, zu Gunsten seiner Einrichtung abgewendet werden.<ref>Gustav Reinhardt, Thomas Spring: Was hat die Bildhauerwerkstatt mit Bildhauerei zu tun? In: Kulturwerk des Berufsverbandes Bildender Künstler (Hrsg.): Sektor. Artists’ Services Berlin. Die Gestalten Verlag, Berlin 1996, ISBN 3-931126-07-2, S. 112–117, hier S. 113.</ref> Am Planungsprozess waren unter anderem die Architekten, die sich frühzeitig eingeschaltet hatten, Langeheinecke & Claussen, und der Bildhauer Ernst von Hopffgarten, in seinen Funktionen als Leiter der Fachgruppe Bildhauerei und Objektkunst und Vorstandsmitglied des BBK beteiligt.<ref>Ernst von Hopffgarten – Künstlerische Werkstätten Trebel. Vita. In: ernstvonhopffgarten.de. Abgerufen am 12. Februar 2017.</ref> Umbau und Restaurierung verschlangen drei Millionen Mark. Senator Hassemer gelang es, diese Summe nebst Sicherung von zwei Dritteln der laufenden Unterhaltskosten, immerhin über 200.000 Mark, aus dem Berliner Landesetat loszueisen. Die Deutsche Klassenlotterie steuerte 600.000 Mark zur Basisausstattung bei. Da eine Fehlsumme hinsichtlich des vorgesehenen Maschinen- und Werkzeugfundus bestehen blieb, gab man sich erst einmal mit dieser notdürftigen Bestückung zufrieden. Eine Sponsoren-Kampagne lief an und es wurde diskutiert, Preisgelder für in den Werkstätten erstellte Kunstobjekte einzufordern.<ref name="Heyermann" /> Zwar erbrachte die Spendenaktion nicht den erhofften Defizitbetrag, doch eine zweite Zuwendung aus Lottomitteln ermöglichte es, weitere Geräte zu kaufen und eine Kranbahn zu installieren, sodass die Fertigstellung der gesamten Anlage im Frühjahr 1986 vermeldet werden konnte.<ref>Gustav Reinhardt: BBK-Berlin. Die Bildhauerwerkstätten des BBK Berlin stehen vor ihrer Vollendung. In: BBK Bundesausschuß Berlin (Hrsg.): Kultur Politik. Vierteljahresschrift für Kulturpolitik und Kulturarbeit. Mitteilungsblatt des Bundesverbandes Bildender Künstler. Nr. 1/1986, März 1986, Aus den BBK-Verbänden, S. 18 ff.</ref> Die erste Künstlerin, die Ende März 1986 die ihr eigenes Atelier nicht bietenden technischen Experimentier- und räumlichen Ausbreitungs-Möglichkeiten nutzte, war die Bildhauerin Silvia Kluge, die an einer Stahlplastik arbeitete.<ref name="Dahlke" /> Kurz darauf wurden im Außenbereich das Regenwasserrückstaubecken, eine Neugestaltung des Uferstreifens und eine Fußgängerbrücke, die das Gesundbrunnengelände mit dem Terrain der ehemaligen Tresorfabrik verbindet, realisiert.<ref name="Lefèvre" />

Heutige Nutzung als Bildhauerwerkstätten[Bearbeiten]

Zugänglich sind die Pankehallen sowohl über einen links des Arnheimschen Wohnhauses von der Badstraße abgehenden Fußweg als auch über die Walter-Nicklisch-Promenade mit anschließender Brückenbegehung ebenso wie über die in die Osloer Straße mündende Kopfsteinpflastereinfahrt. Die offizielle Adresse lautet Osloer Straße 102.<ref name="Dahlke" /> Auf 3600 Quadratmetern stehen den Künstlern Bereiche für Arbeiten mit Stein, Metall, Gips, Ton, Beton, Keramik, Holz und Kunststoff zur Verfügung.<ref name="Dahlke" /><ref name="Göpfert">Peter Hans Göpfert: Berlin: Bildhauerwerkstatt in ehemaliger Fabrik. Zehn junge Plastiker können von Caro lernen. In: Art. Das Kunstmagazin. Gruner + Jahr, Oktober 1987, ISSN 0173-2781, Journal. Künstler, S. 18.</ref><ref name="Kulturwerk">Broschüre Kulturwerk des Berufsverbandes bildender Künstler Berlin GmbH. Ateliers / Büro für Kunst im öffentlichen Raum / Bildhauerwerkstatt / Druckwerkstatt / Medienwerkstatt.</ref><ref>Bezirksamt Wedding von Berlin, Abtl. Bau- und Wohnungswesen (Hrsg.): 4 Rundgänge durch Berlin-Wedding. 25 Jahre Stadterneuerung für Menschen im Wedding. FAB Verlag, Berlin 1988, Route 3. Dauer etwa 1 Stunde, S. 13.</ref> Die maximale Hallenhöhe von zwölf Metern lässt dabei die verschiedenartigsten Großprojekte zu.<ref name="Kulturwerk" /><ref name="BBKWeb">Bildhauerwerkstatt. In: bbk-kulturwerk.de. Kulturwerk des BBK Berlin GmbH, abgerufen am 12. Februar 2017.</ref> In dem fünfgeteilten Komplex können 20 bis 25 Künstler gleichzeitig arbeiten. Über eine Länge von 160 Metern sind die einzelnen Hallen durch eine breite Galerie verbunden, auf der ebenfalls gearbeitet werden kann. Die einzelnen Werkstattbereiche werden durch jeweils einen Werkstattleiter betreut, der bei Materialbeschaffung, -behandlung und -bearbeitung berät.<ref name="BBKWeb" />

Ausgegangen wurde anfangs von jährlich rund 100 Künstlern,<ref name="Dahlke" /><ref name="Reinhardt">Gustav Reinhardt: Statusbericht der Bildhauerwerkstatt. In: Kulturwerk des Berufsverbandes Bildender Künstler Berlins GmbH (Hrsg.): Bülleteng. Informationsdienst des Berufsverbandes Bildender Künstler Berlins e. V. Nr. 0, Oktober 1989, Bildhauerwerkstatt, S. 14 (Nullnummer).</ref> tatsächlich sind es rund 300.<ref name="BBKWeb" /> Voraussetzung ist das Einmieten in ein Hallensegment,<ref>Stefan Warter (Fotograf; Textautor ungenannt): Ein Tag Deutschland. Berlin. Bildhauerin. In: eintagdeutschland.de. 7. Mai 2010, abgerufen am 12. Februar 2017.</ref> wobei niedrige Tarife<ref name="Dahlke" /> vorgesehen waren. Dem entgegenstehend wurde zehn Jahre nach Inbetriebnahme die Exklusivität der Einrichtung und die damit verbundenen für stipendienlose Künstler nicht zu leistenden Preise kritisiert.<ref>Ulrich Clewing, Harald Fricke: Dankenswerte Leerstelle im Zentrum. Gegen die Kastration: Kunst, die im Tacheles produziert wird, erschiene in genormten Ateliers unfreiwillig komisch. In: kunsthaus-tacheles.de. 8. Januar 1994, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 26. August 2017; abgerufen am 12. Februar 2017 (übernommen aus der taz).</ref> Regen Zuspruchs erfreuen sich die Arbeitsplätze dennoch. Unter den Nutzern sind und waren neben Hochschulabsolventen und ortsansässigen Bildhauern auch international bekannte Künstler wie Bernhard Heiliger, Joachim Schmettau und George Rickey.<ref name="BBKWeb" /> Der Sponsorentätigkeit des Tabakmultis Philip Morris<ref name="Göpfert" /> verdankten die Werkstätten im Frühherbst 1987 einen Stahlskulpturen-Workshop mit Sir Anthony Caro.<ref>Bildhauer Workshop. In: Bundesverband Bildender Künstler e. V. Bonn (Hrsg.): Kultur Politik. Vierteljahresschrift für Kunst und Kultur. Mitteilungsblatt des Bundesverbandes Bildender Künstler. 16. Jg., Nr. 2, Juni 1987, Ausschreibungen, S. 64.</ref> Des Weiteren vergab die Philip Morris GmbH sechsmonatige Stipendien, um die sich nicht nur deutsche Künstler bewerben konnten.<ref name="Reinhardt" /> Ingo Kühl ließ hier 2009 eine seiner Architektur-Skulpturen herstellen.

Die „Galerie In Fonte“, die ein halbes Jahr nach Inbetriebnahme der Bildhauerwerkstätten vis-à-vis in das Luisenbad (an der Stelle der einstigen Heilquelle) eingezogen war, um vornehmlich Plastiken, und hier wiederum vornehmlich „von der Quelle ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value))“ in anderem Sinne, nämlich der Produktionsstätte gegenüber, anzubieten, gibt es nicht mehr.<ref>Elfie Kreis: Marmor, Stein und Eisen … Elfie Kreis sah sich in Berlins Bildhauergalerien um. In: Interessengemeinschaft Berliner Kunsthändler e. V. (Hrsg.): Berliner Kunstblatt. Informationsmagazin über die Kunst in Berlin. Nr. 54, April–Juni. Interessengemeinschaft Berliner Kunsthändler e. V., April 1987, ISSN 0170-1665, Zeitströmungen, S. 44–47.</ref>

Weblinks[Bearbeiten]

Commons: Pankehallen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

<references />

Koordinaten: 52° 33′ 17,2″ N, 13° 22′ 44,8″ O

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