Phosphophyllit
| Phosphophyllit | |
|---|---|
| Allgemeines und Klassifikation | |
| IMA-Symbol |
Pp<ref name="Warr" /> |
| Chemische Formel |
|
| Mineralklasse (und ggf. Abteilung) |
Phosphate, Arsenate und Vanadate |
| System-Nummer nach Strunz (8. Aufl.) Lapis-Systematik (nach Strunz und Weiß) Strunz (9. Aufl.) Dana |
VII/C.06 VII/C.11-010<ref name="Lapis" /> 8.CA.40 40.02.07.01 |
| Kristallographische Daten | |
| Kristallsystem | monoklin |
| Kristallklasse; Symbol | monoklin-prismatisch; 2/m<ref name="Webmineral" /> |
| Raumgruppe | P21/c (Nr. 14)<ref name="StrunzNickel" /> |
| Gitterparameter | a = 10,38 Å; b = 5,08 Å; c = 10,55 Å β = 121,1°<ref name="StrunzNickel" /> |
| Formeleinheiten | Z = 2<ref name="StrunzNickel" /> |
| Häufige Kristallflächen | {110}, {011}, {102}, {111}, {311}<ref name="Handbookofmineralogy" /> |
| Zwillingsbildung | verbreitet nach {100}, Kontaktzwillinge (Fischschwanz), Durchdringungs- und polysynthetische Zwillinge<ref name="Handbookofmineralogy" /> |
| Physikalische Eigenschaften | |
| Mohshärte | 3 bis 3,5 |
| Dichte (g/cm3) | gemessen: 3,08 bis 3,13; berechnet: 3,12<ref name="Handbookofmineralogy" /> |
| Spaltbarkeit | vollkommen nach {100}, deutlich nach {102} |
| Bruch; Tenazität | spröde |
| Farbe | hellbläulichgrün, meergrün, farblos |
| Strichfarbe | weiß<ref name="Lapis" /> |
| Transparenz | durchsichtig bis durchscheinend |
| Glanz | Glasglanz |
| Kristalloptik | |
| Brechungsindizes | nα 1,595 bis 1,599<ref name="Mindat" /> nβ 1,614 bis 1,617<ref name="Mindat" /> nγ 1,616 bis 1,620<ref name="Mindat" /> |
| Doppelbrechung | δ 0,021<ref name="Mindat" /> |
| Optischer Charakter | zweiachsig negativ |
| Achsenwinkel | 2V = 44° (gemessen); 34° (berechnet)<ref name="Mindat" /> |
Phosphophyllit ist ein selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ mit der idealisierten chemischen Zusammensetzung Fe[6]Zn2[4][PO4]2·4H2O<ref name="StrunzNickel" /> und damit chemisch gesehen ein wasserhaltiges Eisen-Zink-Phosphat.
Phosphophyllit kristallisiert im monoklinen Kristallsystem und entwickelt meist dicktafelige Kristalle und Kontaktzwillinge mit „Fischschwanz“- bzw. „Schwalbenschwanz“-ähnlichem Habitus von mehreren Zentimetern Länge. Die durchsichtigen bis durchscheinenden Kristalle sind von hellbläulichgrüner bis meergrüner Farbe bei weißer Strichfarbe und weisen auf den Oberflächen einen glasähnlichen Glanz auf. Selten finden sich auch farblose Phosphophyllite.
Etymologie und Geschichte[Bearbeiten]
Entdeckt wurde Phosphophyllit erstmals im Bergwerk Hagendorf-Nord (Grube Meixner) bei Hagendorf (Gemeinde Waidhaus) in der Oberpfalz (Bayern). Die Erstbeschreibung erfolgte 1920 durch Heinrich Laubmann und Hermann Steinmetz, die das Mineral in Anlehnung an seinen Phosphatgehalt und seine Kristallgestalt nach dem altgriechischen Wort φύλλον [phýllon] für „Blatt“ benannten.
Da der Phosphophyllit bereits lange vor der Gründung der International Mineralogical Association (IMA) bekannt und als eigenständige Mineralart anerkannt war, wurde dies von ihrer Commission on New Minerals, Nomenclature and Classification (CNMNC) übernommen und bezeichnet den Phosphophyllit als sogenanntes „grandfathered“ (G) Mineral.<ref name="IMA-Liste" /> Die seit 2021 ebenfalls von der IMA/CNMNC anerkannte Kurzbezeichnung (auch Mineral-Symbol) von Phosphophyllit lautet „Pp“.<ref name="Warr" />
Ein Aufbewahrungsort für das Typmaterial des Minerals ist nicht definiert beziehungsweise nicht dokumentiert.<ref name="Handbookofmineralogy" /><ref name="IMA-Typmaterialkatalog" />
Klassifikation[Bearbeiten]
In der veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Phosphophyllit zur Mineralklasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ und dort zur Abteilung „Wasserhaltige Phosphate, Arsenate und Vanadate ohne fremde Anionen“, wo er gemeinsam mit Hopeit und Parahopeit in der „Hopeit-Parahopeit-Gruppe“ mit der Systemnummer VII/C.06 steht.
In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer VII/C.11-010. Dies entspricht ebenfalls der Abteilung „Wasserhaltige Phosphate, ohne fremde Anionen“, wo Phosphophyllit zusammen mit Arsenohopeit, Barahonait-(Al), Barahonait-(Fe), Batagayit, Currierit, Davidlloydit, Fahleit, Hopeit, Nizamoffit, Parahopeit, Radovanit und Smolyaninovit eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer VII/C.11 bildet.<ref name="Lapis" />
Auch die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte<ref name=IMA-Liste-2009 /> 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Phosphophyllit in die Abteilung „Phosphate usw. ohne zusätzliche Anionen; mit H2O“ ein. Diese ist allerdings weiter unterteilt nach der relativen Größe der beteiligten Kationen. Das Mineral ist hier entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „Mit kleinen und großen/mittelgroßen Kationen“ zu finden, wo es als einziges Mitglied eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer 8.CA.40 bildet.
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Phosphophyllit die System- und Mineralnummer 40.02.07.01. Das entspricht ebenfalls der Klasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ und dort der Abteilung „Wasserhaltige Phosphate etc.“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Wasserhaltige Phosphate etc., mit A2+(B2+)2(XO4) × x(H2O)“ als einziges Mitglied in einer unbenannten Gruppe mit der Systemnummer 40.02.07.
Kristallstruktur[Bearbeiten]
Phosphophyllit kristallisiert monoklin in der Raumgruppe P21/c (Raumgruppen-Nr. 14) mit den Gitterparametern a = 10,38 Å; b = 5,08 Å; c = 10,55 Å und β = 121,1° sowie zwei Formeleinheiten pro Elementarzelle.<ref name="StrunzNickel" />
Eigenschaften[Bearbeiten]
Unter UV-Licht zeigen manche Phosphophyllite eine violette Fluoreszenz.<ref name="Schumann-57" />
Bildung und Fundorte[Bearbeiten]
Phosphophyllit bildet sich sekundär durch Verwitterung primärer Phosphate in der Oxidationszone von Erz-Lagerstätten und in granitischen Pegmatiten. Als Begleitminerale können unter anderem verschiedene Apatite, Fairfieldit, Phosphosiderit, Rockbridgeit, Sphalerit, Strengit, Triplit, Triphylin und Vivianit auftreten.
Als seltene Mineralbildung konnte Phosphosphyllit nur an wenigen Fundorten nachgewiesen werden, wobei bisher (Stand 2014) rund 30 Fundorte bekannt sind.<ref name="MindatAnzahl" /> Neben seiner Typlokalität Hagendorf-Nord in Bayern trat das Mineral in Deutschland bisher nur noch auf den Schlackehalden der Zinkhütte Münsterbusch im Aachener Revier in Nordrhein-Westfalen zutage.
Bekannt aufgrund außergewöhnlicher Phosphophyllitfunde ist unter anderem die Mina Unificada am Cerro Rico (auch Cerro de Potosí) im bolivianischen Departamento Potosí, wo vollkommene Kristalle von bis zu 14 Zentimeter Durchmesser gefunden wurden.<ref name="Dörfler" />
Weitere bisher bekannte Fundorte sind unter anderem der Reaphook Hill in der Flinderskette in Südaustralien, die Morococala-Mine bei Santa Fe sowie die Huallani-Mine im Kanton Machacamarca in Bolivien, die East Kemptville Zinnmine nahe Argyle (Yarmouth County) in der kanadischen Provinz Nova Scotia, ein Glimmer-Steinbruch bei Norrö in der schwedischen Region Södermanland, die Kabwe-Mine (Broken-Hill-Mine) in der Zentralprovinz von Sambia, Přibyslavice im tschechischen Okres Kutná Hora (Kuttenberg) sowie verschiedene Orte in mehreren Bundesstaaten der USA.<ref name="Fundorte" />
Verwendung[Bearbeiten]
Trotz seiner oft klaren und glänzenden Kristalle von aquamarinähnlicher Farbe wird Phosphophyllit nicht als Schmuckstein genutzt, da er aufgrund seiner geringen Mohshärte beim Tragen schnell verkratzen würde. Für Sammler wird er allerdings gelegentlich in verschiedenen Facettenschliffen angeboten.<ref name="Schumann-226" />
Siehe auch[Bearbeiten]
Literatur[Bearbeiten]
Weblinks[Bearbeiten]
- Phosphophyllit. In: Mineralienatlas Lexikon. Geolitho Stiftung
- IMA Database of Mineral Properties – Phosphophyllite. In: rruff.info. RRUFF Project (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).
- Phosphophyllite search results. In: rruff.info. Database of Raman spectroscopy, X-ray diffraction and chemistry of minerals (RRUFF) (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).
- American-Mineralogist-Crystal-Structure-Database – Phosphophyllite. In: rruff.geo.arizona.edu. (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).
- Michael R. W. Peters: Bilder zu rohen und geschliffenen Phosphophylliten. In: realgems.org. Abgerufen am 9. Dezember 2024.
Einzelnachweise[Bearbeiten]
<references> <ref name="Handbookofmineralogy"> </ref> <ref name="Dörfler"> </ref> <ref name="Fundorte"> Fundortliste für Phosphophyllit beim Mineralienatlas (deutsch) und bei Mindat (englisch), abgerufen am 9. Dezember 2024. </ref> <ref name="IMA-Liste"> Malcolm Back, Cristian Biagioni, William D. Birch, Michel Blondieau, Hans-Peter Boja und andere: The New IMA List of Minerals – A Work in Progress – Updated: November 2024. (PDF; 3,1 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Marco Pasero, November 2024, abgerufen am 9. Dezember 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="IMA-Liste-2009"> Ernest H. Nickel, Monte C. Nichols: IMA/CNMNC List of Minerals 2009. (PDF; 1,9 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Januar 2009, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 29. Juli 2024; abgerufen am 30. Juli 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="IMA-Typmaterialkatalog"> Catalogue of Type Mineral Specimens – P. (PDF 296 kB) Commission on Museums (IMA), 10. Februar 2021, abgerufen am 9. Dezember 2024 (Gesamtkatalog der IMA). </ref> <ref name="Lapis"> </ref> <ref name="Mindat"> Phosphophyllite. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 9. Dezember 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="MindatAnzahl"> Localities for Phosphophyllite. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 9. Dezember 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="Schumann-57"> Walter Schumann: Edelsteine und Schmucksteine. Alle Arten und Varietäten. 1900 Einzelstücke. 16., überarbeitete Auflage. BLV Verlag, München 2014, ISBN 978-3-8354-1171-5, S. 57. </ref> <ref name="Schumann-226"> Walter Schumann: Edelsteine und Schmucksteine. Alle Arten und Varietäten. 1900 Einzelstücke. 16., überarbeitete Auflage. BLV Verlag, München 2014, ISBN 978-3-8354-1171-5, S. 226. </ref> <ref name="StrunzNickel"> </ref> <ref name="Warr"> </ref> <ref name="Webmineral"> David Barthelmy: Phosphophyllite Mineral Data. In: webmineral.com. Abgerufen am 9. Dezember 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> </references>