Pornodarsteller
Ein Pornodarsteller ist eine Person, die Sexualpraktiken für interessierte fremde Betrachter zeigt. Diese werden meist für Video- und Printmedien sowie für das Internet aufgenommen. Vereinzelt kommen auch Live-Darbietungen auf einer Bühne vor. Für besonders populäre Darsteller sind Begriffe wie Pornostar oder Pornoqueen gebräuchlich.<ref>Georg Stötzel, Thorsten Eitz, Astrid Jährling-Marienfeld, Lea Plate: Zeitgeschichtliches Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache. Georg Olms Verlag, 2003, ISBN 978-3-487-11759-1, S. 238.</ref>
Geschichte[Bearbeiten]
Anfänge[Bearbeiten]
Die Geschichte des Berufes Pornodarsteller ist mit der Geschichte des Pornofilms eng verknüpft. Einer der ersten nachweisbaren Filme ist die französische Produktion Zum goldenen Ecu oder Die gute Herberge aus dem Jahr 1908. Einer der Pioniere des Pornofilms war der österreichische Filmproduzent Johann Schwarzer, der zwischen 1906 und 1910 52 erotische Kurzfilme schuf. Auch in den 1920er Jahren wurden erotische Stummfilme gedreht, wobei es sich stets um Softcore-Produktionen handelte. In dieser Phase des Pornofilms lassen sich die Akteure allerdings noch nicht als Darsteller im Sinne eines Berufs erfassen, denn Personen, die in den Filmen auftraten, blieben in der Regel anonym oder gaben sich Pseudonyme. Letzteres ist auch bis heute noch in der Branche üblich.
Es dauerte noch Jahrzehnte, bis sich der Beruf des Pornodarstellers etablierte. Grund hierfür war auch, dass die Verbreitung von Pornografie in vielen Ländern lange Zeit sanktioniert wurde. Als erstes Land der Welt legalisierte Dänemark am 1. Juli 1969 die Verbreitung von Bild-Pornografie.<ref>Detlef Siegfried, Timo Grampes: Mit Pornografie zur sexuellen Befreiung? In: deutschlandfunkkultur.de. 1. Juli 2019, abgerufen am 18. August 2026.</ref> Dies war der Startschuss für das sogenannte Golden Age of Porn. Erstmals schafften es pornografische Filme, bei denen auch alle Mitwirkenden aufgelistet waren, wie Blue Movie oder Boys in the Sand in öffentliche Kinos.
Geschichte seit 1972[Bearbeiten]
Als erste öffentlich wahrgenommene Schauspielerin, die sich auf das Genre Pornofilm spezialisierte, trat 1972 Linda Lovelace auf die Bühne. Der Welterfolg Deep Throat verhalf ihr zu internationaler Bekanntheit.<ref>Inside Deep Throat – Geschichte eines Films, der ein Skandal war. In: kino-zeit.de. Archiviert vom Vorlage:IconExternal am 25. Januar 2010.</ref> Nachdem in den 1970er Jahren in Amerika der Versuch gescheitert war, die Tätigkeit des Pornodarstellers als Prostitution zu definieren und somit zu kriminalisieren, bildete sich allmählich der Berufsstand des Pornodarstellers heraus. Der größte Unterschied zu Schauspielern besteht darin, dass Pornodarsteller bis heute gesellschaftlich stigmatisiert werden.<ref></ref>
In West-Deutschland wurde die Pornografie 1975 legalisiert und somit ein im Vergleich zu heute relativ kleiner Arbeitsmarkt für Pornodarsteller geschaffen. Das Vorführen von Pornofilmen war nur in eigens für Erwachsene und zu diesem Zweck gedachten Sexkinos erlaubt.<ref>Kloß im Magen. In: Der Spiegel. Nr. 12, 1973 (online).</ref> Dadurch wurden Angebot und Nachfrage klein gehalten. Gleiches galt für die USA. Pornodarsteller an sich, also Personen, die im Hardcore-Bereich tätig sind, wurden bis zum Ende der 1980er Jahre nicht vom öffentlichen Leben beachtet und aus ihm verdrängt. Auch wenn die Tätigkeit legal war, so war sie doch verdrängt und geächtet, ähnlich wie die Prostitution oder der Pornofilm an sich.<ref>PorNo oder PorYes. Bund demokratischer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, 15. Juni 2007, abgerufen am 18. August 2026.</ref>
Der Siegeszug der Videotechnik in den 1980er Jahren brachte eine deutliche Vergrößerung der Produktion und somit des Arbeitsmarktes für Pornodarsteller mit sich.<ref>Markus Pilzweger: Sex sells: Pornoindustrie will DVD-Formatkrieg entscheiden. In: Süddeutsche Zeitung. 3. Mai 2006, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 14. September 2012.</ref> Prominente aus dieser Zeit sind u. a. Teresa Orlowski, Sibylle Rauch und Traci Lords.
Der Boom der Branche seit den 1990er Jahren verbreiterte den Arbeitsmarkt kontinuierlich. Zudem widerfuhr Pornodarstellern seit der Gründung des Privatfernsehens eine zunehmende allgemein-mediale Aufmerksamkeit.<ref>Oliver Rahayel: Die Rückkehr der Trashfilme. Goethe-Institut, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 30. März 2008; abgerufen am 18. August 2026.</ref> Sein offener und voyeuristischer Umgang mit Tabuthemen brachte den Bereich Pornofilm und somit auch Pornodarsteller in die mediale Öffentlichkeit. Michaela Schaffrath oder Dolly Buster etablierten sich als Late-Night-Talkshow-Gäste. Auch Reportagen für die Sendezeit nach 22 Uhr beschäftigen sich gerne mit dem Thema.<ref>Matthias Dell: Eine Chance für die Triebe. In: der Freitag. 7. Januar 2005, abgerufen am 17. August 2026.</ref>
Generation Porno[Bearbeiten]
Einen weiteren Einschnitt in das Berufsbild des Pornodarstellers brachte die Weiterentwicklung des Internets seit dem Ende der 1990er Jahre mit sich. Die Webcam-Technologie führte dazu, dass Webcam-Chats auf den Markt kamen. Hier zeigen Darsteller erotische oder pornografische Inhalte in eigener Regie bzw. in Interaktivität mit dem Kunden.<ref>Pornoanbieter fühlen sich von Mitmachseiten bedroht. In: Spiegel Online. Spiegel Online GmbH, 12. Januar 2008, abgerufen am 5. September 2009.</ref> Darüber hinaus wurden im Laufe der Zeit immer extremere Sexualpraktiken gezeigt – so gehört heute etwa Analverkehr zum Standard.
Heutzutage ist Pornografie im Internet für so gut wie alle Menschen frei und kostenlos verfügbar. Die Allgegenwärtigkeit pornografischer Inhalte führte dazu, dass das Schlagwort „Generation Porno“ geprägt wurde.<ref>Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Jugendliche - Konsumenten und Opfer der Pornoindustrie ( vom 13. Oktober 2008 im Internet Archive)</ref> Der Konsum von Pornofilmen und damit der Bedarf an Darstellern steigt kontinuierlich an.<ref name="zeit.de-37-2007">Pornostar als Freizeitspaß. In: Die Zeit. 9. Juli 2007, abgerufen am 18. August 2026.</ref><ref>Franziska Herrmann: „Sexuelle Reize gehören biologisch zu den stärksten Belohnungsreizen“. In: rnd.de. 18. Dezember 2025, abgerufen am 18. August 2026.</ref> Gleichzeitig bergen diese Entwicklungen auch enormes Potenzial für einige Darsteller: So erlangte etwa Mia Khalifa weltweit Bekanntheit durch einen einzigen Pornofilm, in dem sie einen Hidschāb trägt, während sie Sex hat.<ref>Amelia Butterly: Mia Khalifa, a Lebanon-born porn star, is getting 'scary' death threats. In: bbc.com. 8. Januar 2015, abgerufen am 18. August 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Mit dem Aufkommen des Plattformkapitalismus ist auch die Tätigkeit als Pornodarsteller komplexer geworden. Plattformen wie OnlyFans oder mydirtyhobby ermöglichen es so gut wie jeder erwachsenen Person, eigene erotische oder pornografische Inhalte online zum Verkauf anzubieten. Zeitgleich besteht durch Pornowebsites wie Pornhub ein schier unermessliches Angebot an Pornografie, die kostenfrei zur Verfügung steht. Der Markt für pornografische Inhalte ist deswegen hart umkämpft und die verschiedenen Darsteller konkurrieren untereinander um die begrenzte Aufmerksamkeit ihrer Zielgruppe. „Nur“ Pornofilme zu drehen ist daher heute nicht mehr ausreichend, Darsteller sind außerdem auf ein umfassendes Personal Branding und die zusätzliche Vermarktung der eigenen Person auf Social Media angewiesen.<ref></ref>
Rechtliche Rahmenbedingungen[Bearbeiten]
Deutschland[Bearbeiten]
Gemäß §180 StGB muss ein Darsteller volljährig sein.<ref>§ 180 StGB</ref> Dies konnte allerdings nicht den Vertrieb von im Ausland produzierter Pornografie mit minderjährigen oder auch nur scheinbar minderjährigen (sogenannten scheinjugendlichen) Darstellern verhindern. Daher wurde aufgrund einer Rahmenrichtlinie der EU von 2003 das Strafgesetzbuch mit Wirkung zum 5. November 2008 durch Änderung von §184b<ref>Änderung von § 184b StGB</ref> und Neuaufnahme von §184c<ref>§ 184c StGB</ref> dahingehend ergänzt, dass auch die Verbreitung solcher pornographischer Schriften (und damit nach § 11 StGB auch Filmen, Bildern und dergleichen) strafbewehrt ist, die sexuelle Handlungen an Kindern und Jugendlichen wiedergeben oder wirklichkeitsnah darstellen. Das bedeutet, dass Pornodarsteller nicht nur tatsächlich volljährig sein müssen, sondern auch deutlich als solche erkennbar sein sollten.<ref>Strafverbot von "Jugendpornographie" tritt bald in Kraft. 28. August 2008, abgerufen am 11. März 2023.</ref> Abgesehen von dieser Regelung für Scheinjugendliche ist entsprechend zur Verbreitung auch der bloße Besitz kinder- und jugendpornografischer Schriften strafbar.
Eine Übertragung von Krankheiten kann in Deutschland sowohl strafrechtliche<ref>§ 223 StGB</ref> als auch zivilrechtliche<ref>§ 823 BGB</ref> Folgen haben.
Das Bundesverfassungsgericht stellte in der Mutzenbacher-Entscheidung vom 27. November 1990 fest, dass eine klare Trennung von Kunst und Pornografie nicht möglich ist.<ref>Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Archivierte Kopie ( vom 19. Oktober 2008 im Internet Archive), Rz. 29</ref> Unabhängig davon ist weiterhin die Definition des OLG Düsseldorf einschlägig. Danach handelt es sich bei Pornografie um „grobe Darstellungen des Sexuellen, die in einer den Sexualtrieb aufstachelnden Weise den Menschen zum bloßen, auswechselbaren Objekt geschlechtlicher Begierde degradieren. Diese Darstellungen bleiben ohne Sinnzusammenhang mit anderen Lebensäußerungen und nehmen spurenhafte gedankliche Inhalte lediglich zum Vorwand für provozierende Sexualität“.<ref>Neue Juristische Wochenschrift 1974, 1474.</ref>
Da Pornografie in Deutschland nicht als Kunst definiert wird, werden Pornodarsteller auch nicht als Mitglieder in der Künstlersozialkasse aufgenommen.<ref>Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Auflistung KSK-Versicherter ( vom 15. Januar 2016 im Internet Archive) (PDF; 224 kB)</ref> Dies bedeutet, dass Pornodarsteller sozialversicherungsrechtlich bzw. steuerrechtlich wie Freiberufler oder Selbstständige behandelt werden.
Schweiz[Bearbeiten]
In der Schweiz ist es erlaubt, mit 16 Jahren als Pornodarsteller aufzutreten.<ref>Wieso Teenager auch künftig auf den Strich gehen - Schweiz: Standard - bazonline.ch. 27. Juli 2009, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 27. Juli 2009.</ref> Es ist aber ein Arbeitsvertrag nötig (Sozialleistungen), der von den Eltern unterschrieben werden muss.
USA[Bearbeiten]
Die Darsteller von Pornofilmen können in aller Regel nicht Mitglied der Schauspielergewerkschaft werden.<ref>Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Artikel auf allexperts.com ( vom 3. Dezember 2008 im Internet Archive)</ref> Alternativ steht ihnen die 1998 gegründete Adult Industry Medical Health Care Foundation und Adult Industry Assistance Fund zur Verfügung.
Gesundheit[Bearbeiten]
Pornodarsteller tragen durch ihr beruflich bedingtes Sexualverhalten ein erhöhtes Risiko, sich mit sexuell übertragbaren Erkrankungen zu infizieren. Dadurch, dass sie häufig ungeschützten Geschlechtsverkehr mit vielen und ständig wechselnden Partnern haben, steigt nicht nur das Risiko, sich mit HIV zu infizieren, sondern auch Hepatitis und andere Krankheiten, die ein teilweise erhebliches Gesundheitsrisiko darstellen, können leicht übertragen und verbreitet werden.<ref>Porno-Branche im Visier der Seuchenforschung. In: lifegen.de. 19. September 2008, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 19. September 2008.</ref>
Des Weiteren tragen besonders riskante Sexpraktiken zu einer Erhöhung des Infektionsrisikos bei. Hierzu zählt z. B. ungeschützter Analverkehr. Safer Sex, also die Verwendung von Kondomen, hat etwa seit dem Jahre 2000 deutlich abgenommen.<ref>Gummiszenen, das läuft nicht. In: Der Spiegel. Nr. 7, 1991 (online).</ref> Pornodarsteller müssen in aller Regel selbst dafür sorgetragen, das Risiko einer Ansteckung mit einer sexuell übertragbaren Krankheit so gering wie möglich zu halten und wenden hierfür zumeist einen nicht unerheblichen Teil ihrer Freizeit auf, da professionelle Strukturen zum Infektionsschutz oft fehlen.<ref></ref>
HIV[Bearbeiten]
Eine jüngere Problematik stellt die Tendenz dar, häufiger Szenen zu drehen, die nicht mehr mit dem üblichen Cumshot auf Bauch, Rücken oder Gesicht enden, sondern damit, dass Sperma in Vagina oder Anus verbracht wird (sogenannter Creampie), was das Risiko einer möglichen Übertragung von HI-Viren für den „Empfänger“ der Samenflüssigkeit um ein Vielfaches potenziert. Aber auch die Schleimhäute im Auge ermöglichen es den HI-Viren, in den Körper einzudringen. Auch infiziertes Sperma, welches in den Mund gelangt, kann zu einer HIV-Übertragung führen, insbesondere bei kleineren Wunden am Zahnfleisch. Das Risiko ist beim Schlucken höher, weil die Rachenschleimhaut viel dünner und empfindlicher als die relativ robuste Mundschleimhaut ist. Die Rachenschleimhaut kann Viren leichter aufnehmen. Daher sollte Sperma zur Verminderung des Infektionsrisikos nicht geschluckt, sondern unmittelbar sofort wieder ausgespuckt werden. Beim vaginalen Oralverkehr (Cunnilingus) hängt das Infektionsrisiko von der Sekretionsmenge ab; es ist gering bis sehr gering.<ref>Übertragungswege. In: hivandmore.de. Abgerufen am 17. August 2026.</ref>
Da auch negative HIV-Tests keine absolute Sicherheit bieten – sie spiegeln lediglich den Stand von vor drei Monaten oder drei Wochen sicher wider –, bleibt allen Beteiligten nur, sich auf die strikte Einhaltung der Safer-Sex-Regeln außerhalb des Drehbereiches selbst zu verpflichten.
In den 1980er Jahren kam es in den USA zu ersten Aidserkrankungen in der Pornoindustrie. Die bekanntesten Opfer waren John Holmes und Al Parker. Besonders problematisch war, dass sie ihre Infektion verheimlichten und bis zu ihrem Tod weiter Filme drehten, wodurch andere Darsteller gefährdet wurden.<ref>Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Biografie von John Holmes ( vom 29. Juli 2012 im Webarchiv archive.today)</ref><ref>Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Biografie von Al Parker ( vom 13. Mai 2008 im Internet Archive)</ref><ref>Lisa DeLeeuw. Abgerufen am 11. März 2023.</ref>
Im Jahre 1998 wurde bekannt, dass Marc Wallice sechs weibliche Akteure mit HIV infiziert hatte. Dies führte zu der Gründung der Adult Industry Medical Health Care Foundation.<ref>Martin Amis: A rough trade. In: The Guardian. 17. März 2001, ISSN 0261-3077 (theguardian.com [abgerufen am 11. März 2023]).</ref><ref>HIV Update: Kimberly Jade Is Fifth Industry HIV Victim Since January 1. AVN, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 15. September 2014.</ref>
Das San Fernando Valley in Kalifornien wurde 2004 durch einen HIV-Skandal erschüttert. Der Schauspieler Darren James brachte von einem Dreh in Brasilien das HI-Virus in das Zentrum der amerikanischen Pornoindustrie. Bei einem Dreh am 24. März 2004 übertrug James das Virus auf drei Kolleginnen: Jessica Dee, Miss Arroyo und die 19-jährige Neueinsteigerin Lara Roxx. Als sich am 13. April die Nachricht von den Infektionen verbreitete, stand die Produktion einen Monat still, da nun – dem Dominoprinzip folgend – alle Darsteller, die wiederum mit den positiv getesteten Personen Geschlechtsverkehr gehabt hatten, unter Quarantäne gestellt werden mussten. Allein bei James handelte es sich nach der ersten Produktion seit seiner Rückkehr um 14 Frauen. Zwei Wochen später entpuppte sich der Produktionsstopp jedoch als Farce, da viele Studios tatsächlich heimlich weiter produzierten. Auch der zur gleichen Zeit von Pornostar Jenna Jameson gegründete Adult Industry Assistance Fund konnte die teilweise von Scheck zu Scheck lebenden Darsteller ohne Rücklagen nicht hinreichend versorgen, so dass viele Studios mit Darstellern weiterarbeiteten, die sich nicht auf den Quarantänelisten befanden.<ref>Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Darren James Diagnosed HIV-Positive. ( vom 11. Oktober 2007 im Internet Archive)</ref><ref>Olivia Roth: Yale Global. 19. Mai 2021, abgerufen am 11. März 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref>Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Viral Load Results Indicate James was 'Patient Zero'. ( vom 11. Oktober 2007 im Internet Archive)</ref><ref>Männer sind knapp im Moment. In: Der Spiegel. Nr. 21, 2004 (online).</ref>
Anfang 2008 wurde bekannt, dass sich mehrere junge schwule Darsteller des Labels Icreme während eines Drehs in Südfrankreich mit dem Virus infiziert hatten. Besonders bedenklich war, dass das Label keine zeitnahen Tests verlangt hatte, allein um Geld zu sparen.<ref>Dennis Klein: Bareback-Skandal in Englands Porno-Szene. In: queer.de. 6. März 2008, abgerufen am 17. August 2026.</ref><ref>Tony Grew: EXCLUSIVE: HIV+ bareback porn performer speaks out. In: PinkNews. 5. März 2008, abgerufen am 11. März 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Auch in den 2010er Jahren kam es zu Fällen, in denen sich ein oder mehrere Darsteller mit HIV infizierten und es infolgedessen zu Drehstopps kam. Während sich im Jahr 2013 Cameron Bay mit dem Virus infizierte, traf es 2019 Nacho Vidal. In beiden Fällen wurden Vorwürfe laut, die jeweils verantworlichen Produktionsfirmen hätten sich nicht ausreichend um die Sicherheit ihrer Darsteller gekümmert.<ref name="Drehstopp">Yannah Alfering, Teresa Toth: Ein positiver HIV-Test hat die europäische Pornobranche lahmgelegt. In: Vice. 22. Februar 2019, abgerufen am 17. August 2026.</ref><ref>Tränenreicher Auftritt eines Pornostars. In: 20 Minuten. 19. September 2013, abgerufen am 17. August 2026.</ref>
Andere Krankheiten[Bearbeiten]
Weitere Krankheiten, welche häufiger bei Pornodarstellern vorkommen, sind Hepatitis, Gonorrhö, Syphilis, Chlamydien und Trichomoniasis. Aufgrund der Unterschätzung dieser Krankheiten kommt es gelegentlich auch zu Epidemien, z. B. 2007 in Prag.<ref>Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Tschechische Porno-Community stöhnt unter Syphilis-Epidemie. ( vom 21. Mai 2013 im Internet Archive)</ref>
Es existieren nur wenige Studien zur mentalen Gesundheit von Pornodarstellern. Die Daten, die vorliegen, deuten aber darauf hin, dass Pornodarsteller deutlich häufiger an psychischen Problemen leiden als der Rest der Bevölkerung.<ref></ref><ref></ref>
Prävention[Bearbeiten]
In Deutschland hat der Öffentliche Gesundheitsdienst die Pflicht, über Geschlechtskrankheiten aufzuklären (§ 9 ÖGDG). Darüber hinaus ist er durch das Infektionsschutzgesetz (§ 19 IfSG v. 1. Januar 2001)<ref>§ 19 IfSG</ref> beauftragt, Bevölkerungsgruppen, die von sexuell übertragbaren Erkrankungen betroffen sein können, verstärkt mit Beratungs- und Untersuchungsangeboten zu betreuen. Auch eine aktive Informationspflicht ist vorhanden (§ 3 IfSG).<ref>§ 3 IfSG</ref> Zu den Risikogruppen gehören auch Pornodarsteller. Neben kostenlosem Informationsmaterial, Beratungsangeboten und HIV-Tests, bieten diese auch gegen geringe Entgelte Untersuchungen zu allen anderen Geschlechtskrankheiten an.<ref>Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Der öffentliche Gesundheitsdienst und seine Aufgaben. ( vom 10. Januar 2009 im Internet Archive)</ref>
In Deutschland darf der HIV-Test nicht älter als zwei bis drei Wochen sein und der Hepatitis-Test nicht älter als zwei Monate. Somit ist zumindest das Risiko einer Infektion mit den letalen sexuell übertragbaren Krankheiten gemindert, aber nicht ausgeschlossen.<ref>Jana Simon: Viviens Geheimnis. In: Tagesspiegel. 2. Mai 2005, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 25. November 2020.</ref>
In den USA gründete Sharon Mitchell nach ihrem Ausstieg aus der Pornobranche und dem Medizinstudium die Adult Industry Medical Health Care Foundation in Los Angeles. Es wurde eine eigene Klinik in San Fernando Valley gegründet, die sich besonders auf die HIV-Diagnostik spezialisiert hat. In der Zeit von 1998 bis 2001 diagnostizierte die Klinik elf Fälle von HIV-Neuinfektionen unter den Patienten. Bei einem Testvolumen von 400 bis 500 Tests pro Monat und einer umfangreichen Datenbank wird laut AIM eine relativ hohe Sicherheit bezüglich einer HIV-Infektion innerhalb des San Fernando Valley gewährt.<ref>Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.About AIM ( vom 13. Januar 2008 im Webarchiv archive.today)</ref>
Standpunkte zur Kondompflicht[Bearbeiten]
Über rechtliche Regelungen, die die Nutzung von Kondomen bei Pornodrehs vorschreiben, um so die Verbreitung sexuell übertragbarer Krankheiten zu vermeiden, wird regelmäßig öffentlich debattiert. Das prominenteste Beispiel für eine solche Kondompflicht ist die sogenannte Measure B, die seit dem Jahr 2013 für alle pornografischen Produktion, die im Los Angeles County produziert werden und in denen es zu Anal- oder Vaginalverkehr kommt, gilt. Die Regelung führte zu einem Exodus der Pornoindustrie aus dem sonst gerne für pornografische Produktionen genutzten County. Laut Medienberichten soll die Anzahl an Anträge zur Genehmigung von Dreharbeiten für Pornofilme 2013 im Vergleich zum Vorjahr um 95 Prozent zurückgegangen sein.<ref name="Klage_gegen_Kondom">Rhett Pardon: Vivid Loses Appeal Over Measure B. In: xbiz.com. 15. Dezember 2014, abgerufen am 17. August 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Produktionsfirmen opponieren häufig gegen solche Regelungen, da es keinen Markt für Pornofilme mit Kondomen gebe und Kondompflichten demzufolge ihr Geschäftsmodell bedrohen würden.<ref>Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Safer Sex verkauft sich nicht. ( vom 22. Januar 2011 im Internet Archive)</ref><ref>Dan Miller: Porn & Condoms: Adult Industry Stands Divided. In: xbiz.com. 16. Oktober 2013, abgerufen am 17. August 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Firmen wehren sich zuweilen auch gegen Kondompflichten: Während ein Antrag der Firma Vivid auf Aufhebung der Measure B 2014 scheiterte,<ref name="Klage_gegen_Kondom" /> verhinderte 2016 die Intervention der Branche eine ähnliche Regelung im Bundesstaat Kalifornien.<ref>Pornobranche wehrt sich erfolgreich gegen Kondome. In: Der Spiegel. 19. Februar 2016, abgerufen am 17. August 2026.</ref>
Auch bei den Darstellern selbst stoßen Kondompflichten mehrheitlich auf Ablehnung. Nina Hartley erklärte etwa im Zuge der Einführung von Measure B, dass Kondome kaum für die Bedingungen bei Pornodrehs geeignet seien. Drehs würden so deutlich unangenehmer; beispielsweise wenn Darsteller über Stunden mit Kondom penetrativen Sex haben müssen.<ref>Mitchell Williams: How a Straight Adult Performer Convinced Me That Condoms Are Useless in Porn. In: Huffpost. 21. November 2012, abgerufen am 17. August 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Die meisten Darsteller in den USA, die an heterosexuellen Produktionen mitwirken, testen sich regelmäßig im Abstand von wenigen Wochen auf HIV und andere sexuell übertragbare Krankheiten und halten dies für ausreichend, um ihre Sicherheit bei Drehs zu gewährleisten.<ref>Valerie Webber: “Test Like a Porn Star”: Health as Moral Worth in Pornography Debates. 2018, S. 2 f., abgerufen am 17. August 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> In anderen Ländern wie Deutschland sind die Standards jedoch zumeist nicht so hoch und die Kontrolle von Testergebnissen sowie deren Aktualität ist oftmals weniger professionell.<ref name="Drehstopp" /> Gleichzeitig haben Darsteller, die auf Kondome bei Drehs bestehen, kaum eine Chance auf dem hart umkämpften Markt für pornografische Produktionen.<ref></ref> Bei Produktionen schwuler Pornografie ist der Gebrauch von Kondomen hingegen schon lange üblich.<ref></ref>
Der über Satellit und Kabel empfangbare französische TV-Sender Canal+ war lange Zeit der einzige europäische Sender, der sich beim Ankauf von Senderechten für neu produzierte Porno-Filme freiwillig für Safer-Sex-Produkte entschied. Seit dem 1. Januar 2007 gilt nun auf Anweisung der französischen Regulierungsbehörde CSA (Conseil Supérieur de l’Audiovisuel) für alle französischen Kabelsender Kondompflicht.<ref>Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Décisions du CSA. ( vom 13. Februar 2009 im Internet Archive) (französisch).</ref>
Voraussetzungen für Pornodarsteller[Bearbeiten]
Darsteller sollten einen telegenen und belastbaren Körper haben. Welche Körpertypen und -maße gesucht werden, varriiert häufig und hängt von der Art des Pornofilms sowie von den Vorstellungen der Produktionsverantwortlichen ab. Die einzige zwingende Voraussetzung, um Pornodarsteller zu werden, ist Volljährigkeit.<ref>Pornodarsteller werden: Casting, Voraussetzungen & Verdienst. In: Eronite. Abgerufen am 19. August 2026.</ref> Dennoch werden die meisten Pornofilme von und für heterosexuelle weiße Cis-Männer produziert und orientieren sich an deren Vorlieben. Die erfolgreichsten Darstellerinnen sind deshalb meistens dünn und weiß. Jenseits der Mainstream-Produktionen sind die feministische Pornografie und der Alt porn bemüht, auch noch andere Körpertypen darzustellen.<ref></ref><ref></ref> Außerdem ist die Diversität von Körpertypen bei Webcam-Models deutlich höher als bei klassischen Pornoproduktionen.<ref></ref>
Privater Sex und das Drehen von Pornofilmen unterscheiden sich stark. Dreharbeiten bzw. Fotoshootings finden häufig in einer mit Scheinwerfern ausgeleuchteten Umgebung statt und können mehrere Stunden dauern. Das Filmteam ist außerdem immer auch stilles Publikum, Pornodarsteller dürfen also keine Hemmungen davor haben, vor Fremden Sex zu haben.<ref>Almut Steinecke: Pornodarsteller als Beruf: "Die ersten Drehs waren wie im Rausch". In: Spiegel Online. 23. November 2016, abgerufen am 30. Januar 2023.</ref> Hilfreich kann deshalb ein ausgeprägtes Selbstbewusstsein und ein Hang zum Exhibitionismus sein.<ref>Leonie Saint: Karriere in der Pornobranche - Artikel bei WomenWeb.de. 31. Dezember 2006, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 31. Dezember 2006.</ref> Je nach Genre des Pornofilmes kann es außerdem notwendig sein, schauspielerische Fähigkeiten zu besitzen. Features verfügen über eine Handlung, in der Personen charakterisiert und eine Geschichte erzählt wird. Demgegenüber stehen die Gonzos, welche aus reinen Sexszenen bestehen. Männer sollten zudem in der Lage sein, auch in einer wenig romantischen Umgebung, unter Druck und trotz regelmäßigen Unterbrechungen eine Erektion halten zu können. Aus diesem Grund sind viele männliche Pornodarsteller Dauerkonsumenten von PDE-5-Hemmern („Viagra“).<ref>Michael Brendler: Erektionshilfen lassen Pornodarsteller hängen. In: medical-tribune.de. 18. März 2019, abgerufen am 30. Januar 2023.</ref>
Auszeichnungen[Bearbeiten]
In den USA werden jährlich der AVN Award, der XRCO Award, der XBIZ Award, und der NightMoves Award vergeben. Der GayVN Award wurde von 1998 bis 2010 und nach einer Pause wieder seit 2018 jährlich verliehen. Die AVN Awards gelten als die Oscars der Pornobranche und als anerkanntester internationaler Titel.<ref>Jacques Peterson: 2025 AVN Awards: Adult stars bring shocks and wild frocks to red carpet at the 'Oscars of porn'. In: Daily Mail. 27. Januar 2025, abgerufen am 19. August 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
In Deutschland wird jährlich im Rahmen der Fachmesse Venus Berlin der Venus Award in zahlreichen Kategorien vergeben. Dieser war von 2005 bis 2009 durch den Eroticline Award ersetzt, der seit 2009 als Erotixxx Award bekannt ist und seit 2011 auf der eroFame-Messe in Hannover vergeben wird.
Neben diesen Auszeichnungen gibt es viele weitere nationale und internationale Titel. Eine Auswahl von Preisen findet sich in der Kategorie Pornofilmpreis.
Siehe auch[Bearbeiten]
Literatur[Bearbeiten]
- Angela Gabrielle White: The Porn Performer. In: Clarissa Smith, Feona Attwood, Brian McNair (Hrsg.): The Routledge Companion to Media, Sex and Sexuality. Routledge, London/New York 2017, ISBN 978-1-138-77721-7, S. 394–404 (englisch)
Weblinks[Bearbeiten]
- Umfangreiche Informationen über die Branche (englisch)
Einzelnachweise[Bearbeiten]
<references />