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Rafael Horzon

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Rafael Horzon (2018)

Rafael Horzon (* 2. Dezember 1968, nach anderen Angaben 1970<ref name="10Fakten">Zehn Fakten über Horzon. 21. Oktober 2010, abgerufen am 11. Oktober 2020.</ref><ref>Sämtliche im VIAF geführten Datenbanken nennen 1970.</ref> in Hamburg; bürgerlich: Rafael Emanuel Gothe<ref>Handelsregisterauszug von Rafael-Horzon-e-K aus Berlin (HRA 53906 B). Abgerufen am 11. Oktober 2020.</ref>) ist ein deutscher Unternehmer, Autor und Designer.<ref name="Siebeck">Florian Siebeck: Wanddekoration: „Dieses Mal machen wir die Quadrate ganz bunt“. In: FAZ.net. Abgerufen am 14. Oktober 2020.</ref> Seine Arbeit war Gegenstand von Literatur-, Kunst- und Kulturwissenschaft sowie Kunstkritik, Feuilleton und Wirtschaftsjournalismus. Er selbst lehnt die Bezeichnung als Künstler und Schriftsteller ab.<ref name="peterrichter.tv" />

Leben[Bearbeiten]

Horzon wurde als Sohn eines Architekten in Hamburg geboren.<ref>- Deutschland verändern. Abgerufen am 10. Oktober 2020.</ref> Er studierte Philosophie, Latein, Physik und Komparatistik ohne Abschluss in Paris, München und Berlin. 1995 absolvierte er eine Ausbildung als Paketfahrer der Deutschen Post. Horzon betreibt zwei Geschäfte auf der Berliner Torstraße: Moebel Horzon und ein weiteres Geschäft mit wechselnder Leuchtreklame.<ref>Bist du wirklich echt? – Rafael Horzon im Podcast-Interview. Abgerufen am 12. Oktober 2020 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Seit 2002 hat er drei Bücher veröffentlicht und zahlreiche Projekte initiiert. Horzon lebt mit seiner Familie in Berlin.<ref name="10Fakten" />

Unternehmen und Projekte[Bearbeiten]

Galerie Berlintokyo (1996–1997)[Bearbeiten]

Nach einer Japanreise im Jahr 1994<ref>Oliver Stüber: Jeans-Döner, blau eingefärbt und ungiftig. In: taz. 26. Oktober 1996, S. 34 (taz.de).</ref> war Horzon 1996 Mitbegründer der galerie berlintokyo im Keller eines Hinterhofs in der Rosenthaler Straße in Berlin-Mitte.<ref>Gegenwart war gestern. Abgerufen am 10. Oktober 2020.</ref> Dort wurden Werke angeblich unbekannter japanischer Künstler ausgestellt, die in Wirklichkeit nicht existierten. Als die Galerie von Catherine David zur documenta X nach Kassel eingeladen wurde, stieg er aus dem Projekt aus.<ref>Rafael Horzon: Das weiße Buch. Suhrkamp nova, Berlin 2010, S. 58.</ref>

Wissenschaftsakademie Berlin (1997–2007)[Bearbeiten]

1997 gründete er die Wissenschaftsakademie Berlin. Per Brief schickte er Fusionsangebote an Berliner Universitäten und Forschungseinrichtungen, die jedoch von diesen ignoriert wurden.<ref>Rafael Horzon: Das weisse Buch. Suhrkamp nova, Berlin 2010, S. 70 f.</ref><ref>Holger Schulze: Wissenschaftsakademie. In: ders: Heuristik. Theorie der intentionalen Werkgenese, Sechs Theorie-Erzählungen zwischen Popkultur, Privatwirtschaft und dem, was einmal Kunst genannt wurde. transcript, Bielefeld 2005, S. 60.</ref> Als Präsident sollte nach der jeweiligen Fusion Horzon fungieren, als Fachbereichsbeauftragte unter anderem Christian Kracht, Christian von Borries, Inke Arns, und Holm Friebe.<ref>Wissenschaftsakademie Berlin. Abgerufen am 19. Oktober 2020.</ref> In der Akademie fanden unter anderem Vorträge von Kracht, Niklas Maak, Hans-Ulrich Obrist und Mateo Kries statt. Verliehen wurden Diplome mit der Angabe, sie seien an jeder deutschen Hochschule gültig.<ref name="taz/2010-09-18" /> In Abwandlung des Ausspruchs „Jeder Mensch ist ein Künstler“ von Joseph Beuys lautete das Motto der Akademie „Jeder Mensch ist ein Wissenschaftler“.<ref>Tim Bartels: Ein Forum dem Schabrackentapir. In: taz. 10. Juli 1998, S. 26 (taz.de).</ref> Nach zehn Jahren beendete die Akademie ihr Angebot.<ref name="taz/2015-05-23">Jens Uthoff: Ich stelle Dinge her, und alle regen sich auf, dass das keine Kunst sein soll. In: taz. 23. Mai 2015, S. 46 (taz.de).</ref>

Moebel Horzon (seit 1999)[Bearbeiten]

Datei:Moebel Horzon Transporter.jpg
Möbeltransporter vor dem „Sapphire“-Haus von Daniel Libeskind in der Berliner Schwartzkopffstraße (2021)

1999 gründete er auf der Berliner Torstraße das Geschäft Moebel Horzon. Zur Eröffnung fand ein Happening statt, bei dem Gäste Bretter von Ikea-Regalen mitbringen und zersägen lassen konnten. Sie bekamen dafür ein von Horzon designtes Regal. Das Motto der Aktion lautete „Umtausch + Zersägung = Zufriedenheit“.<ref>Tobias Rapp: Fit im Kopf für Möbel Horzon. In: taz. 1. Oktober 1999, S. 23 (taz.de).</ref> Horzon beschäftigt nach eigenen Angaben 15 bis 20 Mitarbeiter, die Regale in einer Werkstatt in der Prinzenallee in Berlin-Wedding montieren. Zum Umsatz macht er keine Angaben.<ref>Die Kunst, Geld zu verdienen. Abgerufen am 11. Oktober 2020.</ref> Bei der Auslieferung halfen unter anderem der Schriftsteller Christian Kracht und der Blogger Carl Jakob Haupt, den Horzon als „Verkaufschef“ bezeichnete.<ref name="BauNetz">Rafael Horzon: Das große Interview – Menschen. In: baunetz interior|design. Abgerufen am 11. Oktober 2020.</ref> In Wolfgang Herrndorfs Debütroman In Plüschgewittern (2002), der in Berlin-Mitte spielt, ist von einem „ironischen Möbelgeschäft“ die Rede, das auf Moebel Horzon anspielt. Der amerikanische Schriftsteller Bret Easton Ellis ließ sich ein Regal in die USA liefern.<ref name="Overbeck" /> 2010 stattete Horzon den Edition-Suhrkamp-Laden in der Berliner Linienstraße mit Regalen aus.<ref>Heute hip. In: tagesspiegel.de. Abgerufen am 11. Oktober 2020.</ref> 2018 kaufte das Vitra Design Museum vier Möbelstücke für seine Sammlung an: den Stuhl 01, bestehend aus vier identischen quadratischen Platten, den 2007 entworfenen Stabstuhl 24, der aus 24 gleichen Holzstäben besteht, das erste 1999 von Horzon selbst montierte Exemplar des Universalregals Modern sowie das 2003 mit Michael Obladen entwickelte Fertighaus Hausbau.<ref>„Gekonnter Regelbruch“. In: monopol-magazin.de. Abgerufen am 11. Oktober 2020.</ref> 2020 wurden Schaufenster während der Proteste gegen die Räumung des besetzten Hauses in der Friedrichshainer Liebigstraße 34 beschädigt.<ref>Morgens Räumung von „Liebig 34“ und abends Groß-Demo: Die Bilanz der Berlin-Randale. In: bild.de Regional. Abgerufen am 12. Oktober 2020.</ref>

Deutsches Design Museum (seit 2024)[Bearbeiten]

Datei:Deutsches Design Museum.jpg
Deutsches Design Museum (2025)

2011 schlug er dem Berliner Baustadtrat Ephraim Gothe vor, an der Stelle des abgerissenen Palasts der Republik statt des Stadtschlosses eine Glasblase mit 500 Metern Durchmesser zu errichten und darin ein Deutsches Design Museum einzurichten (nicht zu verwechseln mit der Frankfurter Stiftung Deutsches Design Museum). Gothe griff den Vorschlag öffentlich auf.<ref>Riesenblase statt Stadtschloss. Abgerufen am 11. Oktober 2020.</ref><ref>API: … Rafael Horzon? Blasen produzieren. In: taz. 12. Oktober 2011, S. 18 (taz.de).</ref> 2016 gab Horzon gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung an, anstelle des Stadtschlosses einen „Horzon-Tower“ mit 3500 Stockwerken errichten zu wollen.<ref name="Siebeck" /> Das Gebäude solle in Form eines Marmorquaders errichtet werden und ein Museum sowie Horzons eigenes Mausoleum beherbergen. Der Bau erfordere eine erneute Sprengung des Schlosses, das 1950 auf Anordnung der SED gesprengt und in den 2010er Jahren als Stätte des Humboldt Forums wiederaufgebaut worden war.<ref name="BauNetz" /> Im Dezember 2024 eröffnete Horzon das Deutsche Design Museum in der Charlottenburger Uhlandstraße, das zunächst nur eigene Werke zeigte.<ref>Ein Ort, wie ihn sich der Kultursenator erträumt. In: monopol-magazin.de. Abgerufen am 10. Dezember 2024.</ref><ref>Das neue Designmuseum will eine andere Idee von Kunst. 6. August 2025, abgerufen am 9. Dezember 2025.</ref> Für Dezember 2025 wurde eine Retrospektive mit Werken von Dieter Rams angekündigt.<ref>https://www.monopol-magazin.de/fantasiemuskel-rafael-horzon</ref>

Weitere Projekte[Bearbeiten]

Datei:Horzon's Dämm & Deko.jpg
Horzons zweites Geschäft auf der Berliner Torstraße mit „Dämm & Deko“ Leuchtreklame

Horzon initiierte zahlreiche weitere Projekte, die er als Unternehmen bezeichnet und unter dem als „Unternehmensgruppe“ bezeichneten Label modocom zusammenfasst: das Modelabel Gelée Royale, die Kindermöbelreihe Klik & stek, die Partnertrennungsagentur Separitas, ein Fachgeschäft für Apfelkuchenhandel, Horzon’s Dämm & Deko, Horzon’s Spülen-Sparadies, Wandekor, Belfas, Sach und Fach Buchhandlung.<ref name="Overbeck">Jochen Overbeck (Protokoll): Rafael Horzon A–Z: Der Elon Musk der Torstraße, Berlin. In: Welt Online. 5. Januar 2018, abgerufen am 31. Oktober 2019.</ref> Die meisten seiner Geschäfte bieten jeweils nur ein Produkt an. Horzon bezeichnet die Strategie als „monopragmatisch“.<ref name="taz/2015-05-23" />

Mit dem Projekt Redesigndeutschland plante Horzon die konsequente Einführung des Dezimalsystems in Deutschland sowie einer vereinfachten Grammatik des Deutschen, in der Goethes Faust unter dem Titel Redefaust umgeschrieben werden sollte.<ref>Holm Friebe: DIN, Normen und Nummerierungen: Lob des Standards. In: taz. 21. August 2015 (taz.de).</ref> Unter dem Namen „Ludwig Amadeus Horzon“ veröffentlichte Horzon 2012 zusammen mit der Sängerin Peaches die Single Me, My Shelf and I.<ref>Andreas Borcholte, Der Spiegel: Videopremiere: „Me, My Shelf and I“ von Rafael Horzon feat. Peaches. In: Spiegel Online. Abgerufen am 11. Oktober 2020.</ref> 2013 trat er zusammen mit dem Piloten Mathias Rust in Zürich auf Einladung von Stephan Trüby auf und gab bekannt, zusammen mit ihm eine Flugschule eröffnen zu wollen. Da Rust nach seiner Landung auf dem Roten Platz 1987 lebenslanges Flugverbot hat, gab Horzon an, einen Pilotenschein machen zu wollen.<ref>Rafael Horzon – Menschen. In: baunetz interior|design. Abgerufen am 29. Januar 2021.</ref>

Seit 2014 bietet Horzon sogenannte „Wanddekorationsobjekte“ an. Sie beruhen auf den „Wanddekor“-Objekten, schwarze und weiße Quadrate, die 2002 zum Preis von 50 Euro angeboten wurden. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung verglich sie mit den Streifenbildern von Anselm Reyle. Horzon stellte sie auf einer Dekorationsmesse in Aserbaidschan aus.<ref name="Siebeck" />

Seit 2022 bietet Horzon sogenannte „Raumdekorationsobjekte“ an, die an Möbel erinnern, jedoch keine Funktion haben. Das im Dezember vorgestellte „Raumdekorationsobjekt 001“ kostet laut Horzon „mehrere Tausend Euro inklusive Sockel und Plakette“.<ref>„Möbelgigant, Originalgenie, Apfelkuchentycoon“: Designer Rafael Horzon verkauft in Berlin Möbelstücke ohne Funktion. In: Der Tagesspiegel Online. Abgerufen am 24. Januar 2023.</ref>

Werk als Autor[Bearbeiten]

Publizistik und Theater[Bearbeiten]

Um die Jahrtausendwende hatte Horzon eine monatliche Kolumne im Magazin DeBug, die er mit seinem Namen und der Angabe verschiedener Städte unterschrieb.<ref>modocom columne. In: De:Bug Magazin. Ehemals im Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar); abgerufen am 11. Oktober 2020.@1@2Vorlage:Toter Link/de-bug.de (Seite nicht mehr abrufbar. Suche im Internet Archive)</ref> Er schrieb ab 2004 für die im Springer-Verlag erscheinende Literaturzeitschrift Der Freund unter anderem über einen Schwingschleifer der Firma Metabo.<ref>Der Freund. Abgerufen am 11. Oktober 2020.</ref><ref>„Der Freund“. In: kress.de. Abgerufen am 11. Oktober 2020.</ref> Zusammen mit Christian Kracht schrieb er 2005 drei identische Briefe an Wim Wenders, Björk und Jonathan Meese, in denen die beiden ihre Bewunderung bekunden und angeben, den Schreiben 1000 Euro beigelegt zu haben. Sie wurden in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung abgedruckt.<ref>Christian Kracht: Drei Briefe aus der Vergangenheit. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 16. Juni 2007, S. Z4.</ref> 2006 schrieb er zusammen mit Kracht das Stück Hubbard. Der Titel spielt auf den Scientology-Gründer L. Ron Hubbard an. Die Uraufführung am Hamburger Thalia Theater kam nicht zustande, da es sich unter anderem aufgrund einer Regieanweisung, einhundert brennende Ziegen über die Bühne zu jagen, nicht aufführen ließ.<ref>Jan Kedves: Zwanghaft andersrum. In: taz. 15. Mai 2006, S. 23 (taz.de).</ref> Horzon schrieb verschiedene Texte über Künstler, darunter Gregor Hildebrandt<ref>„Tief gekränkt verliess er das Haus …“ In: monopol-magazin.de. Abgerufen am 15. Oktober 2020.</ref> und Anselm Reyle.<ref>Warum malt Anselm Reyle Aquarelle? 6. Juni 2019, abgerufen am 15. Oktober 2020 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Bücher[Bearbeiten]

Der dritte Weg (2002)[Bearbeiten]

2002 veröffentlichte Horzon das Buch Der Dritte Weg, das er als Unternehmensratgeber bezeichnet. Darin werden zwei angeblich vorangegangene Bücher zitiert: Modern sein. Fit im Kopf ins 3. Jahrtausend sowie Modern sein. Fit im Kopf ins 3. Jahrtausend. Vol. 2. Zum Verbleib der Bücher macht Horzon widersprüchliche Angaben: Entweder wurden alle Exemplare bei einer Kellerüberflutung vernichtet<ref>Rafael Horzon: Das weiße Buch. Suhrkamp nova, Berlin 2010, S. 89, 95.</ref> oder „die gesamte Restauflage“, abgesehen von acht verkauften Exemplaren, eigenhändig weggeworfen.<ref>Rafael Horzon: Der dritte Weg. www Verlag, Berlin 2002, S. 16.</ref>

Das weisse Buch (2010)[Bearbeiten]

2010 veröffentlichte er Das weisse Buch bei Suhrkamp Nova. Der Titel spielt nach eigenen Angaben auf das Weiße Album der Beatles, auf Muammar al-Gaddafis Grünes Buch sowie auf Mao Zedongs Rotes Buch an.<ref name="taz/2010-09-18">Ingo Arzt: Grandios! Welterfolg! In: taz. 18. September 2010, S. 34 (taz.de).</ref> Das Buch enthält einen Bildteil, in dem unter anderem Kracht, Woodard und Schriftsteller Rainald Goetz abgebildet sind.<ref>Popliteratur in der Provinz: Deutsche Söhne. In: De:Bug Magazin. Abgerufen am 11. Oktober 2020.</ref> Horzon stellte das Buch in der Kantine am Berghain mit einer Lesung des Schauspielers Marc Hosemann vor.<ref>Neues Buch von Rafael Horzon: „Die weiße Nacht“. In: tip-berlin.de. 17. September 2010, abgerufen am 12. Oktober 2020.</ref> Die Boulevardzeitung B.Z. berichtete über die Veranstaltung mit einem Bild mit Horzon und der Schriftstellerin Helene Hegemann unter der Überschrift „Die Plagiatorin und der Münchhausen“. Die Überschrift spielte auf Plagiatsvorwürfe gegen Hegemanns im gleichen Jahr erschienenes Buch Axolotl Roadkill an. Gegenüber Robin Meyer-Lucht gab Horzon auf dessen Blog Carta an, Hegemann habe sein Buch für ihn als Ghostwriterin geschrieben.<ref>Rafael Horzon: “Helene Hegemann hat mein Buch geschrieben”. CARTA online, abgerufen am 12. Oktober 2020 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> In einem Zeit-Porträt von Hegemanns späterer Lebensgefährtin Andrea Hanna Hünniger gab Horzon an, Hegemann sei sein Au-Pair-Mädchen.<ref>Andrea Hanna Hünniger: Porträt Rafael Horzon: Verflixte Kunst. In: Die Zeit. 30. September 2010, abgerufen am 12. Oktober 2020.</ref> Das weisse Buch wurde ins Französische, Italienische, Niederländische und Serbische übersetzt.<ref>The White Book. Abgerufen am 11. Oktober 2020.</ref> Eine englische Übersetzung erschien 2021 ebenfalls bei Suhrkamp Nova.<ref>Rafael Horzon: The White Book. Translated by April von Stauffenberg and Stefan Bronner, Berlin 2021, ISBN 978-3-518-47127-2.</ref>

Das neue Buch (2020)[Bearbeiten]

Im Oktober 2020 erschien sein Buch Das neue Buch bei Suhrkamp Nova. Es ist dem 2019 verstorbenen Blogger Carl Jakob Haupt gewidmet.<ref>Das Neue Buch. Abgerufen am 11. Oktober 2020.</ref> Das Buch ist im Gegensatz zum Weißen Buch nicht in der ersten Person, sondern in der dritten Person erzählt. Die Figuren tragen Namen realer Personen, unter anderem treten Haupt, Gregor Hildebrandt und Timon Karl Kaleyta auf.

Rezeption[Bearbeiten]

Bezeichnung als Künstler und Schriftsteller[Bearbeiten]

Horzon lehnt die Bezeichnung als Künstler und Schriftsteller ab.<ref>modocom. Abgerufen am 10. Oktober 2020.</ref> Er wurde von Medien und wissenschaftlichen Aufsätzen als „Künstler-Unternehmer“,<ref>Meet the Germans – Typisch deutsch – Die Künstlerischen – Rafael Horzon. Goethe-Institut, abgerufen am 10. Oktober 2020.</ref> „Lebenskünstler“<ref>Bücher: Die Erfinder von Mitte. In: Der Spiegel. Nr. 42, 2010 (online).</ref> oder „Konzeptkünstler“<ref>Die Wiege des Designs. In: Zeit Online. 6. Oktober 2005, abgerufen am 10. Oktober 2020.</ref><ref name="Süddeutsche/2019-10-29">Peter Richter: Unternehmen Nichtkunst. In: Süddeutsche Zeitung, 29. Oktober 2019, S. 11.</ref><ref>Jan Kedves: Zwanghaft andersrum. In: taz. 15. Mai 2006, S. 23 (taz.de).</ref> bezeichnet. Seine Bücher und Projekte sind Gegenstand mehrerer literatur- und kulturwissenschaftlicher Werke, darunter verschiedene Studien und Handbücher über Popliteratur.

Sein Buch Das weisse Buch bezeichnet Horzon als Sachbuch bzw. als Autobiografie.<ref>Alex Rühle: Uneinträgliche Leichtigkeit des Seins. Abgerufen am 10. Oktober 2020.</ref> Von Kritik und Literaturwissenschaft wurde es dagegen als autofiktionales Werk,<ref>Birgitta Krumrey: Der Autor in seinem Text: Autofiktion in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur als (post-)postmodernes Phänomen. V&R unipress, Göttingen 2015, S. 172.</ref><ref>Moritz Baßler, Eckhard Schumacher: Handbuch Literatur & Pop. Walter de Gruyter, 2019, S. 209.</ref> Roman bzw. als Schelmenroman bezeichnet.<ref>Horzon und Lobo: Ernsthaftigkeit, Eigenwerbung und andere ironische Gebrechen. Abgerufen am 10. Oktober 2020.</ref> In Das weisse Buch formuliert Horzon am Beispiel seines Möbelgeschäfts seine Strategie:

„[E]s gibt ja nun keine objektiven Kriterien dafür, was Kunst ist und was nicht. Und deshalb ist natürlich alles, was ein Mensch zu Kunst erklärt, auch tatsächlich Kunst. Aber genauso gut ist alles, was ein Mensch nicht zu Kunst erklärt, keine Kunst. Und wenn ich diesen Möbelladen nun nicht zu Kunst erkläre, sondern zu einem Möbelladen, dann ist er natürlich auch keine Kunst, sondern ein Möbelladen.“<ref>Rafael Horzon: Das weiße Buch. Suhrkamp nova, Berlin 2010, S. 93.</ref>

Eine ähnliche Formulierung verwendete Horzon für seine „Wanddekorationsobjekte“.<ref name="BauNetz" /> Der Galerist Johann König hatte zwei von ihnen erworben und in einem Artikel in der Welt erklärt, Horzon meine, er sei kein Künstler, obwohl er einer sei.<ref>Johann König: Biografie in Büchern: Johann König, Galerist. In: Welt Online. 24. August 2017, abgerufen am 11. Oktober 2020.</ref>

Anlässlich einer Lesung von Das weisse Buch mit Marc Hosemann in der Philologischen Bibliothek der Freien Universität Berlin kündigte Horzon an, sich fortan aus dem Literaturbetrieb zurückziehen zu wollen.<ref>Rafael Horzon liest in der Philologischen Bibliothek. 10. August 2011, abgerufen am 14. Oktober 2020.</ref> 2012 unterschrieb Horzon gemeinsam mit anderen Schriftstellern wie Elfriede Jelinek und Daniel Kehlmann einen Offenen Brief an den Spiegel, nachdem dessen Kritiker Georg Diez dem Roman Imperium (2012) des befreundeten Autors Kracht rechte Tendenzen vorgeworfen hatte. Äußerungen von literarischen Erzählern und Figuren dürften nicht dem Autor zugeschrieben und dann als Beweis einer gefährlichen politischen Haltung gewertet werden.<ref>Kiepenheuer & Witsch und zahlreiche Autoren wenden sich mit offenem Brief an den Spiegel. In: BuchMarkt. 17. Februar 2012, abgerufen am 11. Oktober 2020.</ref> 2018 hielt er auf Einladung von Eckhard Schumacher eine „Poetik-Vorlesung“ an der Universität Greifswald.<ref>1. Poetik-Vorlesung – Rafael Horzon – Mein Leben als Autor (Wie es wirklich war). Universität Greifswald, abgerufen am 11. Oktober 2020.</ref>

Kunstkritische und -theoretische Rezeption[Bearbeiten]

Der Kunstwissenschaftler Wolfgang Ullrich sieht in Horzons Strategie eine Zuspitzung der Postmoderne. Nach einer Vorlesung des poststrukturalistischen französischen Philosophen Jacques Derrida, die Das weisse Buch beschreibt, sei Horzon klargeworden, dass alles genauso gut etwas ganz Anderes sein könne, zum Beispiel „eine Ziege ein Bademeister“. Es „steckte nicht in den Dingen selbst“, wie sie definiert würden.<ref>Deichtorhallen Hamburg. Abgerufen am 11. Oktober 2020.</ref> Im Feuilleton-Blog Der Umblätterer wurde die Strategie als Antwort auf Arthur C. Dantos Kunsttheorie rezipiert.<ref>Montúfar: Kracht, Horzon, Danto. In: Der Umblätterer. 19. Dezember 2012, abgerufen am 10. Oktober 2020.</ref> Danto hatte sie am Beispiel der Brillo Boxes von Andy Warhol formuliert. Der Kunstkritiker Peter Richter deutet Horzons Strategie als Umkehrung des Readymade von Marcel Duchamp, der Alltagsgegenstände wie Fahrrad-Räder und Pissoirs zu Kunst erklärte.<ref name="Süddeutsche/2019-10-29" /> Richter beschreibt das Verhältnis von Horzons Arbeit zu seiner Rezeption wie folgt:

„[U]m in Rafael Horzon eben den wunderbar anregenden und immer wieder überraschend präzisen Konzeptkünstler zu sehen, der er nun einmal nicht sein will, muss man ihm schon auch zubilligen, dass er es wirklich nicht ist.“<ref name="peterrichter.tv">Horzon vs. Wikipedia. In: peterrichter.tv. Abgerufen am 10. Oktober 2020.</ref>

Angeblicher Rechtsstreit mit Wikimedia 2019[Bearbeiten]

2019 setzte sich Horzon nach eigenen Angaben juristisch dagegen zur Wehr, von der deutschsprachigen Wikipedia als Künstler und Schriftsteller bezeichnet zu werden.<ref name="peterrichter.tv" /> Er beauftragte einen Anwalt mit einer Unterlassungsaufforderung und gab anschließend an, „einen Prozess gegen Wikipedia“ gewonnen zu haben.<ref>Bastian Brinkmann, Angelika Slavik: Rafael Horzon im Interview. Abgerufen am 10. Oktober 2020.</ref> In einem Interview mit Deutschlandfunk Kultur bezeichnete er es als „geschäftsschädigend“, wenn er als Künstler bezeichnet werde, da er mit dieser Bezeichnung als Unternehmer weniger ernst genommen werde. Sein Buch Das weisse Buch sei eine Autobiografie, er selbst sei Sachbuchautor.<ref>Rafael Horzon gegen Wikipedia – Der Begriff "Künstler" als Geschäftsschädigung. Abgerufen am 10. Oktober 2020.</ref> Horzon beschreibt die Auseinandersetzung mit Wikipedia in Das neue Buch (2020). Darin liest Horzon Amédée Till einen Brief seiner Anwältin vor:

„Wie Ihnen bereits durch diverse Vorkorrespondenz bekannt ist, wehrt sich unser Mandant insbesondere gegen die Bezeichnung als Künstler. Weder erfüllt unser Mandant die Voraussetzungen eines Künstlers, noch betrachtet er sich selbst als ein solcher. […] Auch als Schriftsteller ist unser Mandant nicht tätig, sondern als Autor von Sachbüchern sowie seiner Autobiografie. Fiktionale Bücher hat unser Mandant nie verfasst, so dass die Bezeichnung Schriftsteller auf ihn keine Anwendung finden kann. Als Verfasser von Sachbüchern und damit von Fakten und Wissen ist er vielmehr als Autor zu bezeichnen, um auch hier eine deutliche Abgrenzung von künstlerischen Werken klar darzustellen. Eine Autobiografie fällt nicht unter den Begriff der Belletristik, sondern stellt vielmehr ebenfalls ein Sachbuch dar. Dies wurde bereits gerichtlich klar entschieden. Daher kann unser Mandant nicht als Schriftsteller betrachtet werden. Bei der Verwendung dieses Begriffs handelt es sich vielmehr um eine Falschbezeichnung, die von unserem Mandanten nicht hinzunehmen ist. […] Unser Mandant hat sich selbst zu keinem Zeitpunkt als Künstler bezeichnet, ebenso nicht die von ihm hergestellten Gegenstände als Kunst oder Kunstwerk. Auch wurden seine Gegenstände nie in Galerien oder Ausstellungen als Kunst dargestellt. […] Namens und in Vollmacht unseres Mandanten haben wir Sie daher aufzufordern, es zu unterlassen, wörtlich oder sinngemäss zu verbreiten und / oder verbreiten zu lassen, dass unser Mandant ein Künstler sei und / oder er künstlerisch tätig ist. Sie werden zudem aufgefordert, es zu unterlassen, wörtlich oder sinngemäss zu verbreiten und / oder verbreiten zu lassen, dass unser Mandant ein Schriftsteller sei und / oder er als solcher tätig ist.“

Maik Bierwirth deutete den Vorgang in der Jungle World im Zusammenhang mit Horzons Konzept der „Neuen Wirklichkeit“, in der es darum gehe, „interessante Dinge zu tun, die keine Kunst sind“.<ref>Maik Bierwirth: Ein Schelm, wer »Künstler« dabei denkt. In: jungle.world. Abgerufen am 24. Januar 2023.</ref>

Bücher[Bearbeiten]

  • Modern sein – Fit im Kopf ins 3. Jahrtausend. Vol. 2, www Verlag, Berlin 1999, ISBN 3-00-004475-2.
  • Der dritte Weg. www Verlag, Berlin 2002, ISBN 3-00-009677-9.
  • Das weisse Buch. Suhrkamp Nova, Berlin 2010, ISBN 978-3-518-46279-9.
  • Das neue Buch. Suhrkamp Nova, Berlin 2020, ISBN 978-3-518-47094-7.

Audio[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Commons: Rafael Horzon – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Literatur[Bearbeiten]

  • Holger Schulze: Wissenschaftsakademie. In: ders: Heuristik. Theorie der intentionalen Werkgenese, Sechs Theorie-Erzählungen zwischen Popkultur, Privatwirtschaft und dem, was einmal Kunst genannt wurde. transcript, Bielefeld 2005, S. 59–61.
  • Moritz Baßler, Heinz Drügh: Super Wirklichkeit. In: POP. Kultur und Kritik, 2014, Jg. 5, S. 81–86; doi:10.25969/mediarep/2597
  • Birgitta Krumrey: Der Autor in seinem Text: Autofiktion in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur als (post-)postmodernes Phänomen. V&R unipress, Göttingen 2015, S. 145–172.
  • Thomas Hecken, Marcus S. Kleiner/André Menke: Popliteratur: Eine Einführung. Springer, Wiesbaden 2015, S. 188 f.
  • André Menke: Pop, Literatur und Autorschaft: literarische Strategien und Inszenierungen bei Wolfgang Welt, Rocko Schamoni und Rafael Horzon. Iudicium, München 2016, S. 256–325.
  • Stefanie Bremerich: Erzähltes Elend – Autofiktionen von Armut und Abweichung. J.B. Metzler, Stuttgart 2018, S. 261–275.
  • Annekathrin Kohout: Kunst und Erfolg. In: Pop. Kultur & Kritik. (12/2018), S. 50–68.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

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