Reisquecke
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| Datei:Leersia oryzoides sl5.jpg
Reisquecke (Leersia oryzoides) | ||||||||||||
| Systematik | ||||||||||||
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| Wissenschaftlicher Name | ||||||||||||
| Leersia oryzoides | ||||||||||||
| (L.) Sw. |
Die Reisquecke<ref name="Aichele"/> (Leersia oryzoides) ist eine Art aus der Familie der Süßgräser (Poaceae). Weitere deutsche Namen sind Reisgras<ref name="Conert"/>, Europa-Reisquecke<ref name="Fischer"/>, Queckenreis<ref name="Fischer"/>, Kleistogame Reisquecke<ref name="Schmeil und Fitschen2024" /> oder Wilder Reis<ref name="Conert"/>. Das Verbreitungsgebiet liegt in Europa, Asien, Afrika, Nordamerika und Asien. Es ähnelt der Reispflanze und man findet die Art häufig als Unkraut in Reisfeldern.
Beschreibung[Bearbeiten]
Die Reisquecke ist ein ausdauerndes und lockere Rasen bildendes Süßgras, das 10 bis 20 Zentimeter lange, unterirdische, schuppenblättrige Ausläufer bildet. Die Erneuerungssprosse wachsen außerhalb der untersten Blattscheiden empor. Die Halme sind 30 bis 100 Zentimeter hoch und verzweigt. Die Internodien sind kahl, die Knoten kurz behaart. Die Blattscheiden sind sehr rau. Das Blatthäutchen ist ein 1 bis 1,5 Millimeter langer, häutiger Saum. Die Blattspreite ist hellgrün, flach ausgebreitet, 12 bis 30 Zentimeter lang und 4 bis 8, manchmal bis 10 Millimeter breit. Der Blattrand ist sehr rau und schneidend, im unteren Drittel der Spreite sind die Stachelhaare zur Basis gerichtet, im oberen zur Spitze hin.<ref name="Conert"/><ref name="Aichele"/>
Der Blütenstand ist eine 12 bis 20 Zentimeter lange und 6 bis 14 Zentimeter breite, locker ausgebreitete Rispe. Sie tritt in Mitteleuropa jedoch nur in den wärmsten Jahren ganz aus der obersten, aufgeblasenen Blattscheide heraus. Die Ährchen sind einblütig, oval, 4 bis 5 Millimeter lang, 1,5 bis 2 Millimeter breit und seitlich etwas zusammengedrückt. Sie blühen meist mit geschlossenen Spelzen und fallen zur Reifezeit meist als ganzes ab. Die Hüllspelzen sind verkümmert. Die Deckspelze ist fünfnervig, 4 bis 5 Millimeter lang, kurz bewimpert und unbegrannt. Die Nerven sind lang steifhaarig. Die Vorspelze ist dreinervig, 4 bis 5 Millimeter lang und über dem Mittelnerv steifhaarig. Je Blüte werden zwei Schwellkörper gebildet. Die drei Staubbeutel der geöffnet blühenden Ährchen sind 1,5 bis 1,8 Millimeter lang, die der geschlossen bleibenden 0,5 bis 0,8 Millimeter. Die Frucht ist 3 Millimeter lang und 1 Millimeter breit und seitlich stark zusammengedrückt. Die Reisquecke blüht von August bis Oktober.<ref name="Aichele"/><ref name="Conert"/><ref name="grassbase"/>
Die Chromosomenzahl beträgt 2n=48.<ref name="Conert"/>
Ökologie[Bearbeiten]
Die Reisquecke speichert in ihrem Rhizom Stärke, ein seltener Fall unter Gräsern.<ref name="Conert1979" /> Mit ihren unterirdischen Ausläufern durchziehen Triebe weithin den Boden unter Wasser.<ref name="Conert1979" /> Sobald in einer Verlandungszone eine ungestörte Vegetationsentwicklung einsetzt, verschwindet die Reisquecke.<ref name="Conert1979" /> Sie überwintert mit ihren Rhizom, denn beim ersten Frost sterben ihre oberirdischen Teile ab.<ref name="Conert1979" />
Verbreitung[Bearbeiten]
Das Verbreitungsgebiet reicht von Makaronesien, über Europa, Sibirien und Mittelasien bis nach China (Vorkommen in den Provinzen Fujian, Hainan, Heilongjiang, Hunan und Xinjiang<ref name="FoC"/>), Ostasien und Indien. Man findet sie in Australien und Neuseeland, und von Kanada über die Vereinigten Staaten bis Mexiko.<ref name="grassbase"/> In Europa kommt die Reisquecke in fast allen Ländern vor und fehlt nur in Irland, Island, Norwegen und Nordmazedonien.<ref name="Euro+Med" /> In Mitteleuropa kommt sie zerstreut vom Tiefland bis in 1000 Metern Höhe vor. Sie wächst in Sumpfgräben und an Ufern meist unter Schilf. Man findet sie häufig entlang der Zugstraßen von Wasservögeln. Sie ist wärme- und stickstoffliebend.<ref name="Aichele"/> Sie ist eine Charakterart des Leersietum oryzoidis aus dem Verband Sparganio-Glycerion.<ref name="Oberdorfer2001" /> Sie steigt am Zimmerlehner Weiher bei Völs am Schlern bis 1000 Meter und bei Rohrmoos im Allgäu bis 1070 Meter Meereshöhe auf.<ref name="Conert1979" />
In Österreich ist sie selten bis sehr selten und fehlt in Osttirol gänzlich. Sie gilt in Österreich als gefährdet, in den westlichen Bundesländern als stark gefährdet.<ref name="Fischer"/>
In Deutschland ist die Art ebenfalls nur sehr zerstreut bis selten zu finden. Die Bestände nehmen durch die Trockenlegung von Sumpfflächen ständig ab. Die nördliche Grenze des Verbreitungsgebiets liegt in Schleswig-Holstein, an der Ostseeküste kommt sie nach Osten bis Stettin vor.<ref name="Conert"/>
Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 5w+ (überschwemmz aber stark wechselnd), Lichtzahl L = 4 (hell), Reaktionszahl R = 3 (schwach sauer bis neutral), Temperaturzahl T = 4 (kollin), Nährstoffzahl N = 4 (nährstoffreich), Kontinentalitätszahl K = 2 (subozeanisch).<ref name="InfoFlora" />
Systematik und Forschungsgeschichte[Bearbeiten]
Die Reisquecke (Leersia oryzoides) ist eine Art aus der Gattung Leersia in der Familie der Süßgräser (Poaceae), dort wird sie der Unterfamilie Ehrhartoideae und Tribus Oryzeae zugeordnet.<ref name="GRIN"/> Die Art wurde 1753 von Carl von Linné in Species Plantarum Tomus I, S. 55 als Phalaris oryzoides (Basionym) erstbeschrieben und damit den Glanzgräsern (Phalaris) zugeordnet.<ref name="IPNI_bas"/> Olof Peter Swartz stellte sie 1788 in Nova Genera & Species Plantarum seu Prodromus ... S. 21 in die neu aufgestellte Gattung Leersia als Leersia oryzoides Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.(L.) Sw.<ref name="IPNI"/> Der Gattungsname Leersia erinnert an den deutschen Apotheker und Botaniker Johann Daniel Leers (1727–1774) aus Herborn.<ref name="Burkhardt2022" /> Das Artepitheton oryzoides bedeutet „reisähnlich“ und verweist auf die Ähnlichkeit mit der Reispflanze (Oryza sativa).<ref name="Aichele"/>
Weitere Synonyme der Art sind Asperella oryzoides Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.(L.) Lam., Asprella oryzoides Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.(L.) Schreb., Ehrharta clandestina Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Weber, Homalocenchrus oryzoides Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.(L.) Haller, Oryza clandestina Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.(Weber) A.Braun ex Asch., Oryza oryzoides Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.(L.) Dalla Torre & Sarnth. und Poa paludosa Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Honck..<ref name="WCSP" />
Bedeutung[Bearbeiten]
Die Reisquecke ähnelt der Reispflanze und kommt mit dieser zusammen in Reisfeldern aber auch in Maisfeldern vor. Es ist ein unbeliebtes Unkraut, da es beim Jäten die Hände zerschneiden kann. Es wird wegen der scharfen Blätter auch vom Vieh gemieden.<ref name="Aichele"/> In den Reisfeldern und Bewässerungsgräben Italiens ist sie ein lästiges Unkraut.<ref name="Conert1979" />
Einzelnachweise[Bearbeiten]
<references> <ref name="Conert"> Conert: Pareys Gräserbuch, S. 386. </ref> <ref name="Conert1979">Hans Joachim Conert: Familie Poaceae. In Gustav Hegi: Illustrierte Flora von Mitteleuropa. 3. Auflage, Band I, Teil 3, Seite 72–74. Verlag Paul Parey, Berlin und Hamburg 1979, ISBN 3-489-52020-3.</ref> <ref name="Aichele"> Aichele, Schwegler: Unsere Gräser, S. 100. </ref> <ref name="grassbase"> W.D. Clayton, M. Vorontsova, K.T. Harman, H. Williamson: Leersia oryzoides. In: GrassBase - The Online World Grass Flora. Royal Botanic Gardens, Kew, abgerufen am 7. November 2014 (englisch). </ref> <ref name="Fischer"> Fischer, Oswald, Adler: Exkursionsflora für Österreich, Liechtenstein und Südtirol, S. 1148. </ref> <ref name="FoC"> Shou-liang Chen et al.: Leersia oryzoides in Flora of China, Vol 22. </ref> <ref name="GRIN"> Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GRIN“ ist nicht vorhanden. im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland. </ref> <ref name="IPNI"> Leersia oryzoides. In: The International Plant Name Index. Abgerufen am 8. November 2014 (englisch). </ref> <ref name="IPNI_bas"> Phalaris oryzoides. In: The International Plant Name Index. Abgerufen am 8. November 2014 (englisch). </ref> <ref name="WCSP">Vorlage:WCSP</ref> <ref name="Illustration"> Illustration von Jan Kops (1765–1849) aus Flora Batava of Afbeelding en Beschrijving van Nederlandsche Gewassen. 1849. </ref> <ref name="Oberdorfer2001"> </ref> <ref name="Burkhardt2022">Lotte Burkhardt 2022: Eine Enzyklopädie zu eponymischen Pflanzennamen: Von Menschen & ihren Pflanzen – Berlin: Botanic Garden and Botanical Museum Berlin, Freie Universität Berlin. – https://doi.org/10.3372/epolist2022, Berlin 2022.</ref> <ref name="InfoFlora"> Leersia oryzoides (L.) Sw. In: Info Flora, dem nationalen Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora. Abgerufen am Vorlage:FormatDateSimple.</ref> <ref name="Euro+Med"> B.Valdés, H.Scholz; with contributions from E. von Raab-Straube & G.Parolly (2009+): Poaceae (pro parte majore). Datenblatt Leersia oryzoides In: Euro+Med Plantbase - the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity. </ref> <ref name="Schmeil und Fitschen2024">Michael Koltzenburg: Leersia. In: Schmeil-Fitschen: Die Flora Deutschlands und angrenzender Länder. 98. Auflage. Verlag Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2024, ISBN 978-3-494-01943-7. S. 305.</ref> </references>
Literatur[Bearbeiten]
- Hans Joachim Conert: Pareys Gräserbuch. Die Gräser Deutschlands erkennen und bestimmen. Blackwell Wissenschafts-Verlag, Berlin, Wien 2000, ISBN 3-8263-3327-6, S. 386, 387.
- Aichele, Schwegler: Unsere Gräser. Über 400 Farbzeichnungen. Aktualisierte 12. Auflage. Franckh-Kosmos, Stuttgart 2011, ISBN 978-3-440-12573-1, S. 100.
- Manfred A. Fischer, Karl Oswald, Wolfgang Adler: Exkursionsflora für Österreich, Liechtenstein und Südtirol. 3., verbesserte Auflage. Land Oberösterreich, Biologiezentrum der Oberösterreichischen Landesmuseen, Linz 2008, ISBN 978-3-85474-187-9, S. 1148.
Weblinks[Bearbeiten]
- Reisquecke auf FloraWeb.deVorlage:Abrufdatum
- Reisquecke. In: BiolFlor, der Datenbank biologisch-ökologischer Merkmale der Flora von Deutschland.
- Vorlage:BIB
- Verbreitung auf der Nordhalbkugel nach: Eric Hultén, Magnus Fries: Atlas of North European vascular plants 1986, ISBN 3-87429-263-0
- Thomas Meyer: Datenblatt mit Bestimmungsschlüssel und Fotos bei Flora-de: Flora von Deutschland (alter Name der Webseite: Blumen in Schwaben)
- Rice Cutgrass. (PDF) In: Plant Fact Sheet. United States Department for Agriculture, abgerufen am 8. November 2014 (englisch).