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Rhodizit

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Rhodizit
Datei:Rhodizite-27526.jpg
Gelber Rhodizit aus dem Sahatany-Pegmatitfeld, Manandonatal, Vakinankaratra, Madagaskar (Größe 4,4 cm × 3,2 cm × 1,5 cm)
Allgemeines und Klassifikation
IMA-Symbol

Rdz<ref name="Warr"></ref>

Chemische Formel
  • KBe4Al4(B11Be)O28<ref name="IMA-Liste" />
  • (K,Cs)Al4Be4[O4|B11BeO24]<ref name="StrunzNickel" />
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Borate (ehemals Carbonate, Nitrate und Borate)
System-Nummer nach
Strunz (8. Aufl.)
Lapis-Systematik
(nach Strunz und Weiß)
Strunz (9. Aufl.)
Dana

Vc/E.01
V/L.02-020

6.GC.05
25.08.02.01
Kristallographische Daten
Kristallsystem kubisch
Kristallklasse; Symbol hexakistetraedrisch; 43m
Raumgruppe P43m (Nr. 215)Vorlage:Raumgruppe/215<ref name="StrunzNickel" />
Gitterparameter a = 7,32 Å<ref name="StrunzNickel" />
Formeleinheiten Z = 1<ref name="StrunzNickel" />
Häufige Kristallflächen {001} und {111}<ref name="Handbookofmineralogy" />
Zwillingsbildung selten nach {111}<ref name="Handbookofmineralogy" />
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte 8 bis 8,5
Dichte (g/cm3) gemessen: 3,22 bis 3,44; berechnet: 3,2 bis 3,62<ref name="Handbookofmineralogy" />
Spaltbarkeit undeutlich nach {111} und {111}<ref name="Handbookofmineralogy" />
Bruch; Tenazität muschelig
Farbe farblos bis weiß, hellgrau, hellgelb bis schwefelgelb, selten grün
Strichfarbe weiß
Transparenz durchsichtig bis durchscheinend
Glanz Glasglanz bis schwacher Diamantglanz
Weitere Eigenschaften
Besondere Merkmale stark piezoelektrisch und pyroelektrisch

Rhodizit ist ein selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Borate“ (ehemals Carbonate, Nitrate und Borate, siehe Klassifikation). Es kristallisiert im kubischen Kristallsystem mit der idealisierten chemischen Zusammensetzung KBe4Al4(B11Be)O28,<ref name="IMA-Liste" /> ist also ein Kalium-Beryllium-Aluminium-Borat. Da allerdings in natürlich vorkommenden Rhodiziten ein Teil des Kaliums durch Caesium (bis etwa 4 %)<ref name="Webmineral" /> und/oder Rubidium vertreten (substituiert) sein kann, wird die Formel in verschiedenen Quellen auch mit (K,Cs)Al4Be4[O4|B11BeO24]<ref name="StrunzNickel" /> oder (K,Cs,Rb)Al4Be4[O4|B11BeO24]<ref name="Lapis" /> angegeben.

Rhodizit entwickelt meist dodekaedrische und tetraedrische Kristalle bis etwa 3,5 Zentimeter Größe<ref name="Handbookofmineralogy" /> mit glas- bis schwach diamantähnlichem Glanz auf den Oberflächen. In reiner Form ist Rhodizit farblos und durchsichtig. Durch vielfache Lichtbrechung aufgrund von Gitterbaufehlern oder polykristalliner Ausbildung kann er aber auch weiß erscheinen und durch Fremdbeimengungen eine hellgraue, hellgelbe bis schwefelgelbe und selten auch grüne Farbe annehmen, wobei die Transparenz entsprechend abnimmt.

Mit einer Mohshärte von 8 bis 8,5 gehört Rhodizit zu den Mineralen mit „Edelsteinhärte“, die der des Referenzminerals Topas (8) bzw. der von Chrysoberyll (8,5) entspricht.

Aufgrund seiner chemischen Verwandtschaft mit Londonit als Caesium-Analogon von Rhodizit und seiner Ähnlichkeit zum Boracit Bezug auf Kristallform- und Farbe, kann Rhodizit leicht mit diesen Mineralen verwechselt werden.

Etymologie und Geschichte[Bearbeiten]

Erstmals entdeckt wurde Rhodizit von Gustav Rose, der auf einigen roten, sibirischen Turmalinen, die im Königlich Mineralogischen Museum von Berlin (heute Museum für Naturkunde (Berlin)) aufbewahrt wurden, kleine, weiße Kristalle eines bisher unbekannten Minerals fand. Als genauer Fundort wird die Umgebung des Dorfes Shaitanka etwa 60 Werst (entspricht ca. 64 km) nördlich von Jekaterinburg (Katharinenburg) in der Oblast Swerdlowsk angegeben. Shaitanka und das ebenfalls in der Nähe liegende Dorf Sarapulka gelten als Typlokalität.

Rose analysierte und beschrieb das Mineral 1834 und benannte es nach seiner charakteristischen Eigenschaft, die Lötrohrflamme leuchtend rot zu färben, nach dem altgriechischen Wort ῥοδίζω [rhodízō] für rotfärben.<ref name="Rose" />

Klassifikation[Bearbeiten]

In der veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Rhodizit zur Mineralklasse der „Borate“ und dort zur Abteilung „Gerüstborate (Tektoborate)“, wo er gemeinsam mit Hambergit in der „Hambergit-Rhodizit-Gruppe“ mit der Systemnummer Vc/E.01 steht.

In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer V/L.02-020. Dies entspricht der Klasse der „Nitrate, Carbonate und Borate“ und dort der Abteilung „Gerüstborate mit [BO2]1− bis [B12O24]12−“, wo Rhodizit zusammen mit Hambergit und Londonit eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer V/L.02 bildet.<ref name="Lapis" />

Die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte<ref name="IMA-Liste-2009" /> 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Rhodizit in die Klasse der „Borate“ und dort in die Abteilung „Heptaborate und andere Megaborate“ ein. Hier ist das Mineral in der Unterabteilung „Gerüst-Dodecaborate (Tekto-Dodecaborate)“ zu finden, wo es zusammen mit Londonit eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer 6.GC.05 bildet.

In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Rhodizit die System- und Mineralnummer 25.08.02.01. Das entspricht der Klasse der „Carbonate, Nitrate und Borate“ und dort der Abteilung und gleichnamigen Unterabteilung „Wasserfreie Borate mit Hydroxyl oder Halogen“. Hier findet er sich in einer unbenannten Gruppe mit der Systemnummer 25.08.02, in der auch Londonit eingeordnet ist.

Kristallstruktur[Bearbeiten]

Rhodizit kristallisiert kubisch in der Raumgruppe P43m (Raumgruppen-Nr. 215)Vorlage:Raumgruppe/215 mit dem Gitterparameter a = 7,32 Å sowie einer Formeleinheit pro Elementarzelle.<ref name="StrunzNickel" />

Eigenschaften[Bearbeiten]

Rhodizit hat starke piezoelektrische und pyroelektrische Eigenschaften, reagiert auf wechselnde, elastische Verformung bzw. Erwärmung und Abkühlung mit elektrischer Polarisierung.

Vor dem Lötrohr ist Rhodizit nur schwer zu schmelzen, wobei vornehmlich die Kanten glasartig weiß und undurchsichtig einschmelzen und dabei unregelmäßige Auswüchse bilden. Die angeschmolzene Stelle leuchtet während des Vorgangs kräftig gelblichrot. Die Flamme selbst färbt sich dabei zunächst grün und dann ebenfalls kräftig rot. Auch auf Kohle geglüht schmilzt das Mineral nur an den Kanten rundlich ein und wird undurchsichtig weiß.<ref name="Rose" />

Bildung und Fundorte[Bearbeiten]

Datei:Rhodizite-179858.jpg
Beigefarbener, oktaedrischer Rhodizit aus dem Sahatany-Pegmatitfeld, Manandona-Tal, Vakinankaratra, Madagaskar (Größe: 4,3 cm × 4,1 cm × 3,7 cm)

Rhodizit bildet sich magmatisch, als akzessorischer Bestandteil in alkalireichen Granit-Pegmatiten. Neben Turmalin (vordringlich Elbait bzw. Rubellit) können unter anderem noch Albit, Béhierit, Beryll, Londonit, Mikroklin, Quarz und Spodumen als Begleitminerale auftreten.

Als seltene Mineralbildung konnte Rhodizit nur an wenigen Fundorten nachgewiesen, wobei bisher (Stand 2013) rund 20 Fundorte<ref name="MindatAnzahl" /> als bekannt gelten. Die als Typlokalität geltenden Dörfer Shaitanka und Sarapulka sind dabei die bisher einzigen bekannten Fundorte in Russland.

Bekannt aufgrund außergewöhnlicher Rhodizitfunde sind unter anderem das Antandrokomby- und Sahatany-Tal in der Region Vakinankaratra auf Madagaskar, wo bis zu drei Zentimeter große, kubische und tetraedrische Kristalle gefunden wurden.<ref name="Dörfler" /> Weitere bisher bekannte Fundorte auf Madagaskar sind Andrembesoa im Distrikt Betafo (Region Vàkinankàratra) in der Provinz Antananarivo sowie die Distrikte Ambatofinandrahana und Ambositra (Region Amoron’i Mania) in der Provinz Fianarantsoa.

Der bisher einzige weitere bekannte Fundort ist Fern im Florence County (Wisconsin) in den USA.<ref name="Fundorte" />

Verwendung[Bearbeiten]

Trotz seiner hohen Härte ist Rhodizit für die kommerzielle Nutzung als Schmuckstein uninteressant, da er nur kleine und sehr selten qualitativ hochwertige, durchsichtige Kristalle ausbildet. Gelegentlich wird er aber dennoch für Sammler geschliffen in facettierter Form angeboten.<ref name="Schumann" />

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Gustav Rose: Ueber den Rhodizit, eine neue Mineralgattung. In: Annalen der Physik und Chemie. Band 33, 1834, S. 253–256 (rruff.info [PDF; 241 kB; abgerufen am 30. September 2017]).
  • A. Pring, V. K. Din, D. A. Jefferson, J. M. Thomas: The crystal chemistry of rhodizite: a re-examination. In: Mineralogical Magazine. Band 50, März 1986, S. 163–172 (rruff.info [PDF; 768 kB; abgerufen am 30. September 2017]).

Weblinks[Bearbeiten]

Commons: Rhodizite – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten]

<references> <ref name="Handbookofmineralogy"> Rhodizite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (handbookofmineralogy.org [PDF; 64 kB; abgerufen am 30. September 2017]). </ref> <ref name="Dörfler"> Petr Korbel, Milan Novák: Mineralien-Enzyklopädie (= Dörfler Natur). Nebel Verlag, Eggolsheim 2002, ISBN 978-3-89555-076-8, S. 134. </ref> <ref name="Fundorte"> Fundortliste für Rhodizit beim Mineralienatlas und bei Mindat </ref> <ref name="IMA-Liste">Malcolm Back, Cristian Biagioni, William D. Birch, Michel Blondieau, Hans-Peter Boja und andere: The New IMA List of Minerals – A Work in Progress – Updated: July 2024. (PDF; 3,6 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Marco Pasero, Juli 2024, abgerufen am 13. August 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> <ref name="IMA-Liste-2009"> Ernest H. Nickel, Monte C. Nichols: IMA/CNMNC List of Minerals 2009. (PDF; 1,9 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Januar 2009, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 29. Juli 2024; abgerufen am 30. Juli 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="Lapis"> Stefan Weiß: Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9. </ref> <ref name="MindatAnzahl"> Mindat – Anzahl der Fundorte für Rhodizit </ref> <ref name="Rose"> Gustav Rose: Ueber den Rhodizit, eine neue Mineralgattung. In: Annalen der Physik und Chemie. Band 33, 1834, S. 253–256 (rruff.info [PDF; 241 kB; abgerufen am 30. September 2017]). </ref> <ref name="Schumann"> Walter Schumann: Edelsteine und Schmucksteine. Alle Arten und Varietäten. 1900 Einzelstücke. 16. überarbeitete Auflage. BLV Verlag, München 2014, ISBN 978-3-8354-1171-5, S. 236. </ref> <ref name="StrunzNickel"> Hugo Strunz, Ernest H. Nickel: Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S. 360. </ref> <ref name="Webmineral"> Webmineral – Rhodizite </ref> </references>