Ronald Grätz
Ronald Grätz (* 29. Oktober 1958 in São Paulo, Brasilien) ist ein deutscher Germanist und ehemaliger Kulturmanager. Er war von 2008 bis 2021 Generalsekretär des Instituts für Auslandsbeziehungen und leitete danach bis 2024 das Goethe-Institut in Barcelona.
Leben[Bearbeiten]
Grätz studierte Philosophie, Germanistik und katholische Theologie in Tübingen und Frankfurt am Main. Von 1989 bis 1992 war er Abteilungsleiter für deutsche Sprache der Internationalen Organisation für Migration (IOM) in São Paulo, sowie stellvertretender Direktor der UNESCO-Projektschule Colégio Benjamin Constant ebendort.<ref>Ronald Grätz. In: schader-stiftung.de. 4. November 2016, abgerufen am 3. Mai 2026.</ref>
In Barcelona arbeitete er von 1994 bis 1998 als Lehrbeauftragter an der Universitat de Barcelona für Didaktik und Methodik in Deutsch als Fremdsprache (DaF) sowie als DaF-Lehrkraft am Goethe-Institut Barcelona.<ref>Drei Fragen ... an Ronald Grätz. Goethe-Institut Barcelona, 13. November 2021, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 13. November 2021; abgerufen am 3. April 2026.</ref> Es folgten Positionen als Leiter der kulturellen Programmarbeit für die Region Osteuropa/Zentralasien am Goethe-Institut Moskau (1998–2002), als Referent des Vorstands in der Zentrale des Goethe-Instituts München (2003–2006) und als Leiter des Goethe-Instituts in Lissabon (2006–2008).<ref>ifa: Ronald Grätz. 23. Januar 2018, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 23. Januar 2018; abgerufen am 20. September 2021. Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.</ref>
Von 2008 bis 2021 wirkte er als Generalsekretär des Instituts für Auslandsbeziehungen (Stuttgart, Berlin). Gleichzeitig war er Herausgeber der Zeitschrift Kulturaustausch.<ref>Generalsekretär des ifa: Ronald Grätz. Abgerufen am 20. September 2021.</ref><ref>Gitte Zschoch, neue Generalsekretärin des Instituts für Auslandsbeziehungen, hat ihr Amt angetreten. Abgerufen am 28. Oktober 2021 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Danach leitet er von 2021 bis 2024 das Goethe-Institut Barcelona.<ref>Verleihung ifa-Forschungspreis 2021 & Verabschiedung Ronald Grätz. In: www.ifa.de. Institut für Auslandsbeziehungen, 17. September 2021, abgerufen am 3. April 2026.</ref>
Kulturpolitisches Engagement[Bearbeiten]
Grätz tritt gemäß einem Interview mit dem Institut für Auslandsbeziehungen aktiv für kulturpolitische Werte ein. Hierbei steht für ihn im Mittelpunkt, dass jede Person Verantwortung übernehmen muss für die Wahrung der Menschenrechte, für den Schutz der Natur, für die Aufarbeitung von Kolonialismus und gegen den Rechtsruck in Deutschland und in der Welt. Zuletzt hat er sich intensiv mit der Frage beschäftigt, wie man das europäische Projekt postnational denken könnte und legt dabei den Fokus auf eine Union der Kulturen, Sprachräume, Gesellschaften und Nationen im Sinne einer organisierten Solidargemeinschaft. Von zentraler Bedeutung ist für ihn eine Vielfalt in der Einheit und die Übernahme von Verantwortung durch jede einzelne Person im Gegensatz zu einer reinen Verteidigung und Durchsetzung staatlicher Interessen. Nur so könne man das große Friedensprojekt und die Vision einer wirklichen Union Europas erreichen, in Gestalt eines Europas der Menschen und Kulturen, nicht der Staaten.<ref>Ronald Grätz im Interview mit Kai Schnier (Zeitschrift Kulturaustausch): Für mich war immer klar, dass wir Verantwortung übernehmen müssen. (PDF) In: ifa Jahrbuch 2020. ifa, April 2021, abgerufen am 14. November 2021 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Mitgliedschaften[Bearbeiten]
Herausgeberschaft
- mit Hans-Joachim Neubauer: Carla del Ponte. Mein Leben für die Gerechtigkeit. Gespräche. Mit einem Einleitungsessay von Jutta Limbach. Mit einem Fotobeitrag von Robert Lyons. Steidl, Göttingen 2011.
- mit Hans-Georg Knopp: Konfliktkulturen. Texte zu Politik, Gesellschaft, Alltag und Kunst. Steidl, Göttingen 2011.
- mit Hans-Georg Knopp: Zwischenräume. Was können die Künste in Konfliktsituationen leisten? Steidl, Göttingen 2012.
- mit Erik Bettermann: Digitale Herausforderung. Internationale Beziehungen in Zeiten von Web 2.0. Steidl, Göttingen 2012.
- MINHASP. Ein Stadtlesebuch São Paulo. Esefeld & Traub, Stuttgart 2013.
- mit Hans-Joachim Neubauer: Jacques Delors. Mein Leben für Europa. Gespräche. Mit einem Einleitungsessay von Hans-Dietrich Genscher. Mit einem Fotobeitrag von Carl de Keyzer. Steidl, Göttingen 2013.
- mit Erik Bettermann: Zwischen den Fronten. Grenzen neutraler Berichterstattung. Steidl, Göttingen 2013.
- mit Johannes Ebert: Menschenrechte und Kultur. Das Menschenrecht auf Kultur. Steidl, Göttingen 2015.
- mit Hans-Joachim Neubauer: Ernesto Cardenal. Mein Leben für die Liebe. Gespräche. Mit einem Einleitungsessay von Norbert Lammert. Mit einem Fotobeitrag von Susan Meiselas. Steidl, Göttingen 2016.
- mit Hans-Joachim Neubauer: Human Rights Watch. Ein Portrait. Gespräche. Mit einem Fotobeitrag von Ed Kashi. Steidl, Göttingen 2016.
- Kann Kultur Europa retten? Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 2017.
- mit Roland Bernecker: Global Citizenship. Steidl, Göttingen 2017 (englische Version 2018).
- mit Peter Limbourg: Meinungsmache im Netz. Fake News, Bots und Hate Speech. Steidl, Göttingen 2018.
- mit Hans-Joachim Neubauer: Königin Silvia von Schweden. Mein Leben für die Kinder – Ein Gespräch. Chris Steele-Perkings. Ein weltliches Gebet-Fotografien. Mit einem Einleitungsessay von Sigmar Gabriel. Steidl. Göttingen 2018.
- mit Christian Höppner: Musik öffnet Welten. Steidl, Göttingen 2019.
- mit Markus Hilgert, Innen – Außen. Perspektiven einer integrierten Kulturpolitik, Steidl, Göttingen 2021<ref>Innen – Außen. Über das Verhältnis von Innen- und Außenkulturpolitik. In: www.ifa.de. Institut für Auslandsbeziehungen, 1. Februar 2022, abgerufen am 3. April 2026.</ref>
Aufsätze und Mitwirkungen
- Lisboa – Maputo – Berlin. Ein transkulturelles Musikprojekt. In: Dorothee Kimmich, Schamma Schahadad (Hrsg.): Kulturen in Bewegung. Beiträge zu Theorie und Praxis der der Transkulturalität. Transcript, Bielefeld 2012, S. 188–210.
- Wer lernt von wem? Islam in Deutschland. In: Olaf Zimmermann, Theo Geißler: Islam – Kultur – Politik. Berlin 2013, S. 46–50.
- Ronald Grätz: Glaubwürdigkeit und Vertrauen als Währung. In: Olaf Zimmermann, Theo Geißler (Hrsg.): Die dritte Säule: Auswärtige Kultur- und Bildungspolitik. Deutscher Kulturrat e.V., 2018, ISBN 978-3-947308-08-8 (google.com).
- Nachwort zu: Ulrike Guérot: Was ist die Nation? Steidl / ifa, Göttingen 2019.
Einzelnachweise[Bearbeiten]
<references />
Weblinks[Bearbeiten]
- Literatur von und über Ronald Grätz im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Interview nach 13 Jahren als Generalsekretär des ifa auf YouTube
- Interview mit Ronald Grätz als Leiter des Goethe-Instituts Barcelona
- ifa-Podcast Die Kulturmittler mit Ronald Grätz zum Thema Auswärtige Kultur- und Bildungspolitik
- Ufuk Özbe: Wo, wenn nicht in Europa? Für eine kritische Debattenkultur zum Islam. In: Ronald Grätz (Hg.) Kann Kultur Europa retten? Bundeszentrale für politische Bildung/ifa, 2017 (PDF)
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Grätz, Ronald |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Germanist, ehemaliger Generalsekretär des Instituts für Auslandsbeziehungen |
| GEBURTSDATUM | 29. Oktober 1958 |
| GEBURTSORT | São Paulo, Brasilien |