Rosasit
| Rosasit | |
|---|---|
| Allgemeines und Klassifikation | |
| IMA-Symbol |
Rss<ref name="Warr" /> |
| Chemische Formel |
|
| Mineralklasse (und ggf. Abteilung) |
Carbonate und Nitrate |
| System-Nummer nach Strunz (8. Aufl.) Lapis-Systematik (nach Strunz und Weiß) Strunz (9. Aufl.) Dana |
Vb/B.01 V/C.01-080<ref name="Lapis" /> 5.BA.10 16a.03.01.01 |
| Ähnliche Minerale | Chrysokoll, Türkis |
| Kristallographische Daten | |
| Kristallsystem | monoklin |
| Kristallklasse; Symbol | monoklin-prismatisch; 2/m<ref name="Webmineral" /> |
| Raumgruppe | P21/m (Nr. 11)<ref name="StrunzNickel" /> |
| Gitterparameter | a = 9,37 Å; b = 12,12 Å; c = 3,13 Å β = 90,1°<ref name="StrunzNickel" /> |
| Formeleinheiten | Z = 4<ref name="StrunzNickel" /> |
| Zwillingsbildung | nach {100}<ref name="Handbookofmineralogy" /> |
| Physikalische Eigenschaften | |
| Mohshärte | 4,5<ref name="Handbookofmineralogy" /> |
| Dichte (g/cm3) | gemessen: 4,0 bis 4,2; berechnet: 4,15<ref name="Handbookofmineralogy" /> |
| Spaltbarkeit | vollkommen nach {010} und {100} |
| Bruch; Tenazität | muschelig; spröde<ref name="Handbookofmineralogy" /> |
| Farbe | grün, bläulichgrün, himmelblau<ref name="Handbookofmineralogy" /> |
| Strichfarbe | blaugrün<ref name="Lapis" /> |
| Transparenz | durchscheinend bis undurchsichtig |
| Glanz | Glasglanz, Seidenglanz |
| Kristalloptik | |
| Brechungsindizes | nα 1,672 bis 1,688<ref name="Mindat" /> nβ 1,796 bis 1,830<ref name="Mindat" /> nγ 1,811 bis 1,831<ref name="Mindat" /> |
| Doppelbrechung | δ 0,139 bis 0,143<ref name="Mindat" /> |
| Optischer Charakter | zweiachsig negativ |
| Achsenwinkel | 2V = gemessen: 33°; berechnet: 36°<ref name="Mindat" /> |
| Pleochroismus | stark: X = hell smaragdgrün oder farblos; Y und Z = dunkel smaragdgrün oder hellblau<ref name="Mindat" /> |
| Weitere Eigenschaften | |
| Chemisches Verhalten | in Säuren unter CO2-Abgabe löslich |
Rosasit ist ein eher selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Carbonate und Nitrate“ mit der idealisierten chemischen Zusammensetzung CuZn(CO3)(OH)2<ref name="IMA-Liste" /> und damit chemisch gesehen ein Kupfer-Zink-Carbonat mit zusätzlichen Hydroxidionen.
Rosasit kristallisiert im monoklinen Kristallsystem und findet sich meist in Form von Mineral-Aggregaten mit kugeligem, nierigem und traubigem Habitus, die aus durchscheinenden bis undurchsichtigen, nadeligen bis faserigen Kristallen zwischen 0,5 und 1 cm („Ojuela Mine“, Mexiko) Größe bestehen. Die Farbe des Rosasits schwankt zwischen Grün, Blaugrün und Hellblau, die Strichfarbe ist allerdings immer Blaugrün. Einzelne Kristallflächen zeigen einen glasähnlichen Glanz, das entsprechende Mineral-Aggregat als Ganzes jedoch schimmert seidig glänzend.
Rosasit ist den Mineralen Chrysokoll und Türkis farblich sehr ähnlich, allerdings haben sie eine unterschiedliche Mohshärte. Chrysokoll ist mit einer Mohshärte von 2 bis 4 meist deutlich weicher und Türkis mit 5 bis 6 härter als Rosasit mit der Mohshärte 4,5.
Etymologie und Geschichte[Bearbeiten]
Erstmals entdeckt wurde Rosasit erstmals in der „Rosas Mine“ bei Narcao in der italienischen Provinz Carbonia-Iglesias (Sardinien). Nach dieser Typlokalität wurde das Mineral 1908 auch von seinem Erstbeschreiber Domenico Lovisato benannt.
Da der Rosasit bereits lange vor der 1958 gegründeten International Mineralogical Association (IMA) bekannt und als eigenständige Mineralart anerkannt war, wurde dies von ihrer Commission on New Minerals, Nomenclature and Classification (CNMNC) übernommen und der Rosasit als sogenanntes „grandfathered“ (G) Mineral bezeichnet.<ref name="IMA-Liste" /> Die seit 2021 ebenfalls von der IMA/CNMNC anerkannte Kurzbezeichnung (auch Mineral-Symbol) von Rosasit lautet „Rss“.<ref name="Warr" />
Das Typmaterial des Minerals wird im Muséum national d’histoire naturelle (Natural History Museum, Paris) unter den Registernummern 109.327,<ref name="IMA-Typmaterialkatalog" /> 109.328 und 139.61 aufbewahrt.<ref name="Handbookofmineralogy" />
Klassifikation[Bearbeiten]
In der letztmals 1977 überarbeiteten und daher veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Rosasit zur gemeinsamen Mineralklasse der „Nitrate, Carbonate und Borate“ (Unterklasse „Carbonate“) und dort zur Abteilung „Wasserfreie Carbonate mit fremden Anionen“, wo er gemeinsam mit Aurichalcit, Azurit, Hydrozinkit, Loseyit und Malachit in der „Azurit-Hydrozinkit-Gruppe“ mit der Systemnummer Vb/B.01 steht.
In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer V/C.01-080. Dies entspricht ebenfalls der Abteilung „Wasserfreie Carbonate, mit fremden Anionen“, wo Rosasit zusammen mit Aurichalcit, Azurit, Brianyoungit, Chukanovit, Georgeit, Glaukosphärit, Hydrozinkit, Kolwezit, Loseyit, Malachit, Mcguinnessit, Nullaginit, Parádsasvárit, Pokrovskit, Sclarit und Zinkrosasit die „Azurit-Rosasit-Reihe“ mit der Systemnummer V/C.01 bildet.<ref name="Lapis" />
Die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte<ref name="IMA-Liste-2009" /> 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Rosasit in die verkleinerte Klasse der „Carbonate und Nitrate“ (die Borate bilden hier eine eigene Klasse), dort aber ebenfalls in die Abteilung „Carbonate mit zusätzlichen Anionen; ohne H2O“ ein. Diese ist allerdings weiter unterteilt nach den in der Verbindung vorherrschenden Metallen. Das Mineral ist hier entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „Mit Cu, Co, Ni, Zn, Mg, Mn“ zu finden, wo es zusammen mit Chukanovit, Georgeit, Glaukosphärit, Kolwezit, Malachit, Mcguinnessit, Nullaginit, Pokrovskit und Zinkrosasit die „Malachitgruppe“ mit der Systemnummer 5.BA.10 bildet.
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen und zuletzt 1997 veröffentlichten Systematik der Minerale nach Dana hat Rosasit die System- und Mineralnummer 16a.03.01.01. Das entspricht wie in der alten Strunz-Systematik der gemeinsamen Klasse der „Carbonate, Nitrate und Borate“ und dort der Abteilung „Carbonate mit Hydroxyl oder Halogen“. Hier findet er sich in der „Rosasitgruppe“, in der auch Glaukosphärit, Kolwezit, Zinkrosasit und Mcguinnessit eingeordnet sind.<ref name="Dana-1997" />
Kristallstruktur[Bearbeiten]
Rosasit kristallisiert monoklin in der Raumgruppe P21/m (Raumgruppen-Nr. 11) mit den Gitterparametern a = 9,37 Å; b = 12,12 Å; c = 3,13 Å und β = 90,1° sowie 4 Formeleinheiten pro Elementarzelle.<ref name="StrunzNickel" />
Bildung und Fundorte[Bearbeiten]
Rosasit bildet sich als typisches Sekundärmineral in der Oxidationszone von Kupfer- und Zink-Lagerstätten, meist in Paragenese mit anderen Sekundärmineralen wie unter anderem Azurit und Malachit, Aurichalcit, Cerussit, Hemimorphit, Hydrozinkit, Konichalcit und Smithsonit.
Als relativ seltene Mineralbildung kann Rosasit zum Teil zwar reichlich vorhanden sein, insgesamt ist er jedoch wenig verbreitet. Weltweit sind bisher rund 600 Vorkommen dokumentiert (Stand 2026).<ref name="Mindat-Anzahl" /> Außer an seiner Typlokalität, der Rosas Mine bei Narcao trat das Mineral noch in den nahe gelegenen Minen Mont'Ega (auch Montega) und Truba Niedda (auch Trubba Niedda) auf. Zudem fand sich Rosasit auf Sardinien noch in weiteren Minen bei Sinnai, Gadoni, Ozieri, Domusnovas, Fluminimaggiore, Guspini, Nuxis, San Vito und Villaputzu. Weitere bekannte Fundstätten in Italien liegen unter anderem in den Regionen Friaul-Julisch Venetien, Latium, Ligurien, Lombardei, Piemont, Trentino-Südtirol, Toskana und Venetien.
In Deutschland wurde das Mineral unter anderem im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald (Grube Amalie bei Grunern, Grube Clara) in Baden-Württemberg, im Bezirk Oberpfalz (Hagendorf-Süd, Kirchendemenreuth) in Bayern, im Steinbruch Gärtnerskopf bei Ober-Mengelbach sowie auf Schlackenhalden bei Frankfurt-Heddernheim und Richelsdorf in Hessen, mehrere Gruben und Schlackenhalden im Landkreis Goslar (Clausthal-Zellerfeld, Lautenthal, Sankt Andreasberg) in Niedersachsen, verschiedene Gruben im Hochsauerlandkreis (Caspari-Zeche, Ramsbecker Gewerkschaft) und Siegen-Wittgenstein (Gruben Eisenzecher Zug, Fürst Moritz, Wildermann) sowie in den Bezirken Düsseldorf (Velbert, Rohdenhaus) und Köln (Eschweiler, Mechernich) in Nordrhein-Westfalen, mehrere Gruben im Landkreis Altenkirchen, Donnersbergkreis und Rhein-Lahn-Kreis in Rheinland-Pfalz, in Teilen den Harzgebirges (Gernrode, Treseburg) in Sachsen-Anhalt und dem sächsischen Erzgebirge (Breitenbrunn, Schneeberg) gefunden.
In Österreich fand sich Rosasit in mehreren Regionen von Kärnten (Sankt Veit an der Glan, Villach-Land), Niederösterreich (Lilienfeld), Salzburg (Tamsweg, Zell am See), der Steiermark (Graz, Liezen, Murtal), Tirol (Kufstein) und dem Vorarlberg (Bludenz).
In der Schweiz trat das Mineral bisher nur auf der Mürtschenalp im Kanton Glarus, am Tieftobel bei Schmitten GR im Kanton Graubünden sowie an mehreren Orten in den Bezirken Entremont und Siders im Kanton Wallis auf.
Weitere Fundorte sind Ägypten, Argentinien, Australien, Belgien, Bulgarien, Chile, China, der Demokratischen Republik Kongo, Frankreich, Griechenland, Iran, Irland, Island, Japan, Kasachstan, Madagaskar, Marokko, Mexiko, Myanmar, Namibia, Norwegen, Polen, Portugal, Republik Kongo, Rumänien, Russland, Slowakei, Slowenien, Spanien, Südafrika, Tadschikistan, Tschechien, Tunesien, Ungarn, im Vereinigten Königreich (England, Schottland, Wales) und in den Vereinigten Staaten von Amerika (Arizona, Colorado, Kalifornien, Montana, Nevada und anderen).<ref name="Fundorte" />
Bekannt ist vor allem die „Ojuela Mine“ bei Mapimí (Durango) in Mexiko, wo kugelige Rosasit-Aggregate mit nadeligen Kristallen bis zu einem Zentimeter Größe zutage traten.<ref name="KorbelNovak" />
Siehe auch[Bearbeiten]
Literatur[Bearbeiten]
Weblinks[Bearbeiten]
- Rosasit. In: Mineralienatlas Lexikon. Geolitho Stiftung
- IMA Database of Mineral Properties – Rosasite. In: rruff.net. RRUFF Project (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).
- Rosasite search results. In: rruff.net. Database of Raman spectroscopy, X-ray diffraction and chemistry of minerals (RRUFF) (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).
- American-Mineralogist-Crystal-Structure-Database – Rosasite. In: rruff.net. (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).
Einzelnachweise[Bearbeiten]
<references> <ref name="Dana-1997"> </ref> <ref name="Fundorte"> Fundortliste für Rosasit beim Mineralienatlas (deutsch) und bei Mindat (englisch), abgerufen am 8. September 2026. </ref> <ref name="Handbookofmineralogy"> </ref> <ref name="IMA-Liste"> Vorlage:IMA-Liste </ref> <ref name="IMA-Liste-2009"> Ernest H. Nickel, Monte C. Nichols: IMA/CNMNC List of Minerals 2009. (PDF; 1,9 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Januar 2009, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 29. Juli 2024; abgerufen am 30. Juli 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="IMA-Typmaterialkatalog"> Catalogue of Type Mineral Specimens – R. (PDF 169 kB) Commission on Museums (IMA), 10. Februar 2021, abgerufen am 8. September 2026 (Gesamtkatalog der IMA). </ref> <ref name="KorbelNovak"> </ref> <ref name="Lapis"> </ref> <ref name="Mindat"> Rosasite. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 8. September 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="Mindat-Anzahl"> Localities for Rosasite. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 9. September 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="StrunzNickel"> </ref> <ref name="Warr"> </ref> <ref name="Webmineral"> David Barthelmy: Rosasite Mineral Data. In: webmineral.com. Abgerufen am 8. September 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> </references>