Zum Inhalt springen

Samar Yazbek

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Datei:Samar Yazbek Världskulturmuseet Göteborg 2017.jpg
Samar Yazbek, 2017

Samar Yazbek (geboren 18. August 1970 in Dschabla, Syrien) ist eine syrische Journalistin, Bürgerrechtsaktivistin und Autorin, die seit 2011 im Exil in Frankreich lebt. Sie schreibt auf Arabisch, wobei mehrere ihrer Veröffentlichungen ins Deutsche und andere Sprachen übersetzt wurden. Ihre Werke zählen zur zeitgenössischen syrischen Exilliteratur.

Leben[Bearbeiten]

Yazbek stammt aus einer großbürgerlichen alawitischen Familie.<ref name="FAZ">Andreas Rossmann: Syrische Autorin Samar Yazbek: Schreie nach Freiheit. In: FAZ.NET. 5. Juni 2012, ISSN 0174-4909 (faz.net [abgerufen am 4. Februar 2024]).</ref> Sie heiratete mit 16 Jahren, bekam ein Kind und verließ später ihren Ehemann.<ref>Verena Mayer: Die Kunst und die Gewalt. In: Süddeutsche Zeitung. 20. September 2014, S. 17.</ref> Danach studierte sie arabische Literatur an der Universität Latakia. Sie veröffentlicht Romane und Erzählungen und schreibt Beiträge und Skripte für das Fernsehen, für das sie auch als Moderatorin arbeitet. Sie war Herausgeberin der arabischen Online-Zeitschrift „Frauen von Syrien“. Yazbek wurde 2010 in die Gruppe von arabischen Nachwuchsschriftstellern Gruppe Beirut 39 aufgenommen.

Yazbek engagiert sich als Journalistin für Bürgerrechte und die Rechte der Frauen in Syrien. Bei Ausbruch des Bürgerkriegs in Syrien 2011 schrieb sie Berichte und protokollierte Aussagen von Betroffenen. Nachdem sie vom syrischen Geheimdienst massiv eingeschüchtert worden war, floh sie mit ihrer Tochter im Juni 2011 von Damaskus nach Paris, wo sie seither lebt.<ref>Andrew Hussey: Samar Yazbek: ‘Syria has been hung, drawn and quartered’. In: The Observer. 28. Juni 2015, abgerufen am 28. April 2022 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref name="tazGaza2026">Alexandra Senfft: Buch über Augenzeugenberichte aus Gaza: Erzählungen aus einem fernen Inferno. In: taz.de. 25. April 2026, abgerufen am 26. April 2026.</ref>

2012 erhielt sie den britischen PEN Pinter Prize International writer of courage und in Schweden den Tucholsky-Preis.<ref>Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Samar Yazbek (Memento vom 30. September 2013 im Webarchiv archive.today), Kulturhuset Stockholm</ref>

Werk[Bearbeiten]

Yazbeks dokumentarische Arbeit ist wiederholt darauf ausgerichtet, individuelle Gewalterfahrungen festzuhalten und dem kollektiven Gedächtnis zugänglich zu machen.<ref name="tazGaza2026" /> Für Gaza. Überlebensberichte aus einem zerstörten Land interviewte sie 2024 in Doha 27 aus dem Gazastreifen entkommene Menschen im Alter von 13 bis 65 Jahren.<ref name="tazGaza2026" /> Der Band umfasst Aussagen von Männern, Frauen und Jugendlichen und rückt weniger politische Analyse als das Erleben der Betroffenen in den Vordergrund.<ref name="tazGaza2026" /> Die Befragten waren dem Krieg entkommen; viele berichteten von Traumatisierung, schweren Verletzungen und dem Verlust von Angehörigen.<ref name="tazGaza2026" /> Im Vorwort des Buchs stellt Yazbek die Frage nach menschlichem Schmerz, der nicht wahrgenommen wird und ohne Gerechtigkeit bleibt.<ref name="tazGaza2026" /> Die Berichte sind von wiederkehrenden Motiven wie Zerstörung, überforderten Krankenhäusern, mangelnder medizinischer Versorgung und dem Wunsch vieler Befragter nach einer Rückkehr nach Gaza geprägt.<ref name="tazGaza2026" />

Veröffentlichungen in deutscher Übersetzung[Bearbeiten]

  • Schrei nach Freiheit. Bericht aus dem Inneren der syrischen Revolution. Mit einem Vorwort von Rafik Schami. Aus dem Arabischen von Larissa Bender. Nagel & Kimche, Zürich 2012, ISBN 978-3-312-00531-4.
  • Die Welt erwacht – Das Morden geht weiter. In: NZZ. 7. September 2013, S. 21. nzz.ch Zuerst bei Svenska Dagbladet, Ett monster med tio huvuden. 3. September 2013, aus dem Arabischen von Ingvar Rydberg.
  • Die gestohlene Revolution. Reise in mein zerstörtes Syrien. Aus dem Arabischen von Larissa Bender. Nagel & Kimche, Zürich 2015, ISBN 978-3-312-00685-4.<ref>Angela Schader: Wo der Krieg das Zepter führt. In: Neue Zürcher Zeitung. 22. September 2015, ISSN 0376-6829 (nzz.ch [abgerufen am 4. Februar 2024]).</ref>
  • Die Fremde im Spiegel. Roman. Aus dem Arab. von Larissa Bender. Unionsverlag, Zürich 2015, ISBN 978-3-293-20717-2.
  • Wo der Wind wohnt. Roman. Aus dem Arab. von Larissa Bender. Unionsverlag, Zürich 2024, ISBN 978-3-293-00608-9.
  • Gaza. Überlebensberichte aus einem zerstörten Land. Aus dem Arab. von Larissa Bender und Leonie Nückell. Unionsverlag, Zürich 2026, ISBN 978-3-293-00643-0.

Literatur[Bearbeiten]

  • Samuel Shimon (Hrsg.): Beirut 39: New Writing from the Arab World. Bloomsbury, 2010, ISBN 978-1-4088-0612-8.
  • Andreas Fanizadeh: Sie leben mit dem Tod, aber lieben das Leben. Interview, aus dem Arabischen von Larissa Bender. In: taz. 10. Oktober 2015, S. 12 f. (taz.de)
  • Lena Bopp: Ein Land wird zersetzt. Interview. In: FAZ. 26. September 2015, S. B6.

Weblinks[Bearbeiten]

Commons: Samar Yazbek – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

<references />

Vorlage:Hinweisbaustein