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Scorzalith

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Scorzalith
Datei:Scorzalite-245653.jpg
Scorzalith-Kristallaggregat aus der Estaño Orcko Mine, Kanton Machacamarca, Provinz Cornelio Saavedra, Potosí, Bolivien (Gesamtgröße: 6,8 cm× 5,7 cm× 5,1 cm)
Allgemeines und Klassifikation
IMA-Symbol

Scz<ref name="Warr"></ref>

Andere Namen

Skorzalith<ref name="Dörfler" />

Chemische Formel Fe2+Al2[(OH)2|(PO4)2]<ref name="StrunzNickel" />
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Phosphate, Arsenate und Vanadate
System-Nummer nach
Strunz (8. Aufl.)
Lapis-Systematik
(nach Strunz und Weiß)
Strunz (9. Aufl.)
Dana

VII/B.05
VII/B.08-030

8.BB.40
41.10.01.02
Ähnliche Minerale Azurit, Lazulith
Kristallographische Daten
Kristallsystem monoklin
Kristallklasse; Symbol monoklin-prismatisch; 2/m
Raumgruppe (Nr.) P21/c<ref name="StrunzNickel" /> (Nr. 14)
Gitterparameter a = 7,15 Å; b = 7,31 Å; c = 7,25 Å
β = 120,6°<ref name="StrunzNickel" />
Formeleinheiten Z = 2<ref name="StrunzNickel" />
Zwillingsbildung multiple und lamellare Zwillinge
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte 5,5 bis 6<ref name="Lapis" />
Dichte (g/cm3) gemessen: 3,33; berechnet: 3,32<ref name="Handbookofmineralogy" />
Spaltbarkeit gut nach {110}, undeutlich nach {101}<ref name="Handbookofmineralogy" />
Bruch; Tenazität muschelig bis uneben<ref name="Dörfler" />
Farbe dunkelblau bis grünlichblau, selten auch violett<ref name="Schumann" />
Strichfarbe weiß bis hellblau
Transparenz durchsichtig bis durchscheinend
Glanz Glasglanz
Kristalloptik
Brechungsindizes nα = 1,626 bis 1,645
nβ = 1,654 bis 1,674
nγ 1,663 bis 1,680<ref name="Mindat" />
Doppelbrechung δ 0,037<ref name="Mindat" />
Optischer Charakter zweiachsig negativ
Achsenwinkel 2V = 62° (gemessen); 58 bis 68° (berechnet)<ref name="Mindat" />
Pleochroismus sichtbar: X = farblos; Y = Z = blau<ref name="Mindat" />

Scorzalith ist ein selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“. Es kristallisiert im monoklinen Kristallsystem mit der idealisierten chemischen Zusammensetzung Fe2+Al2[(OH)2|(PO4)2]<ref name="StrunzNickel" /> und ist damit chemisch gesehen ein Eisen-Aluminium-Phosphat mit zusätzlichen Hydroxidionen.

Scorzalith ist das Eisen-Analogon zu Lazulith (MgAl2[(OH)2|(PO4)2]<ref name="StrunzNickel" />) und bildet mit diesem eine lückenlose Mischkristallreihe. Daher wird in verschiedenen Quellen gelegentlich die Mischformel (Fe2+,Mg)Al2[(OH)2|(PO4)2] angegeben, wobei sich die in den runden Klammern angegebenen Elemente jeweils gegenseitig vertreten (Substitution, Diadochie) können, jedoch immer im selben Mengenverhältnis zu den anderen Bestandteilen des Minerals stehen.

Das Mineral entwickelt meist prismatische Kristalle und multiple oder lamellare Zwillinge, kommt aber auch in Form körniger bis massiger Mineral-Aggregate vor. Die durchsichtigen bis durchscheinenden Kristalle sind von tiefblauer bis blaugrüner Farbe und zeigen auf den Oberflächen einen glasähnlichen Glanz. Auf der Strichtafel hinterlässt Scorzalith einen weißen Strich.


Etymologie und Geschichte[Bearbeiten]

Erstmals entdeckt wurde Scorzalith in der Córrego Frio Mine bei Linópolis (Gemeinde Divino das Laranjeiras) im brasilianischen Bundesstaat Minas Gerais und beschrieben 1949 durch William Thomas Pecora (1913–1972)<ref name="Anderson" /> und Joseph John Fahey (1901–1980)<ref name="HandbookofmineralogyFaheyite" />, die das Mineral zu Ehren des Mineralogen Evaristo Pena Scorza (1899–1969) benannten.<ref name="PecoraFahey" />

Typmaterial des Minerals wird im Natural History Museum in London, England (Katalog-Nr. 1965,207), an der Harvard University in Cambridge, Massachusetts (Katalog-Nr. 100679) und im National Museum of Natural History in Washington, D.C., USA (Katalog-Nr. C5862) aufbewahrt.<ref name="Handbookofmineralogy" />

Klassifikation[Bearbeiten]

In der veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Scorzalith zur Mineralklasse der „Phosphate, Arsenate, Vanadate“ und dort zur Abteilung „Wasserfreie Phosphate, Arsenate und Vanadate mit fremden Anionen“, wo er gemeinsam mit Barbosalith und Lazulith in der „Lazulith-Reihe“ mit der Systemnummer VII/B.05 steht.

In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer VII/B.08-030. Dies entspricht der Klasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ und dort der Abteilung „Wasserfreie Phosphate, mit fremden Anionen F,Cl,O,OH“, wo Scorzalith zusammen mit Barbosalith, Hentschelit, Lazulith, Lipscombit, Richellit, Trolleit, Wilhelmkleinit und Zinklipscombit die „Lazulithgruppe“ mit der Systemnummer VII/B.08 bildet.<ref name="Lapis" />

Die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte<ref name="IMA-Liste-2009" /> 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Scorzalith in die Klasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ und dort in die Abteilung „Phosphate usw. mit zusätzlichen Anionen; ohne H2O“ ein. Hier ist das Mineral in der Unterabteilung „Mit ausschließlich mittelgroßen Kationen; (OH usw.) : RO4 ≤ 1 : 1“ zu finden, wo es zusammen mit Barbosalith, Hentschelit, Lazulith und Wilhelmkleinit die „Lazulithgruppe“ mit der Systemnummer 8.BB.40 bildet.

In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Scorzalith die System- und Mineralnummer 41.10.01.02. Das entspricht der Klasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ und dort der Abteilung „Wasserfreie Phosphate etc., mit Hydroxyl oder Halogen“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Wasserfreie Phosphate etc., mit Hydroxyl oder Halogen mit (A2+B2+)3(XO4)2Zq“ in der „Lazulithgruppe“, in der auch Lazulith, Hentschelit und Barbosalith eingeordnet sind.

Bildung und Fundorte[Bearbeiten]

Datei:Scorzalite, Triphylite-320252.jpg
5,2 × 3,3 cm große Masse mit dunkelgrünem Triphylin und blauem Scorzalith (links unten) aus Custer (South Dakota), USA

Scorzalith ist wie Lazulith ein typisches Sekundärmineral, dass sich durch hydrothermale Vorgänge in granitischen Pegmatiten oder in kyanitreichen Quarziten bildet, wo es primäre Phosphate verdrängt und ersetzt. Als Begleitminerale können neben Quarz unter anderem noch verschiedene Apatite, Berlinit, Feldspat, Lacroixit, Muskovit, Souzalith, Triphylin, Trolleit, verschiedene Turmaline und Wyllieit auftreten.

Als seltene Mineralbildung konnte Scorzalith nur an wenigen Fundorten nachgewiesen werden, wobei bisher (Stand 2014) rund 60 Fundorte als bekannt gelten.<ref name="MindatAnzahl" /> Neben seiner Typlokalität Córrego Frio Mine bei Linópolis trat das Mineral in Brasilien nur noch in der Grube Gentil bei Mendes Pimentel in Minas Gerais zutage.

In Deutschland konnte Scorzalith bisher nur am Hennenkobel (Hühnerkobel) nahe Rabenstein (Zwiesel) und an der Trinkwassertalsperre Frauenau in Niederbayern sowie in der Grube Hagendorf-Süd (Markt Waidhaus) in der Oberpfalz gefunden werden.

Der bisher einzige bekannte Fundort in Österreich ist der Hahnenkofel nahe dem Millstätter See in Kärnten. Auch in der Schweiz ist mit dem Pontetal (Valle di Ponte) nahe Brissago TI im Kanton Tessin bisher nur ein Fundort bekannt.

Bekannt aufgrund außergewöhnlicher Scorzalithfunde sind unter anderem die Gruben Palermo Nr. 1 und 2 bei Groton im Grafton County des US-Bundesstaates New Hampshire, wo dunkelblaue, körnige Aggregate von bis zu 10 Zentimeter Durchmesser zutage traten.<ref name="Dörfler" />

Weitere Fundorte liegen unter anderem in Afghanistan, Australien, Bolivien, Frankreich, Japan, Kanada, Marokko, Namibia, Portugal, Ruanda, Russland, Schweden, Spanien, Tschechien und in verschiedenen Bundesstaaten der USA.<ref name="Fundorte" />

Kristallstruktur[Bearbeiten]

Scorzalith kristallisiert monoklin in der Raumgruppe P21/c (Raumgruppen-Nr. 14)Vorlage:Raumgruppe/14 mit den Gitterparametern a = 7,15 Å; b = 7,31 Å; c = 7,25 Å und β = 120,6° sowie zwei Formeleinheiten pro Elementarzelle.<ref name="StrunzNickel" />

Verwendung[Bearbeiten]

Für den kommerziellen Gebrauch als Schmuckstein ist Scorzalith trotz seiner mitunter klaren Kristalle und intensiv blauen bis blaugrünen Farbe (selten werden auch violette Scorzalithe gefunden) nur von untergeordneter Bedeutung. Er wird jedoch gelegentlich für Sammler in verschiedenen Facettenschliffen angeboten.<ref name="Schumann" />

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • William T. Pecora and Joseph J. Fahey: The Corrego Frio pegmatite, Minas Gerais: scorzalite and souzalite, two new phosphate minerals. In: American Mineralogist. Band 34, 1949, S. 83–93 (PDF 711,2 kB)
  • W. T. Pecora and J. J. Fahey: The lazulite-scorzalite isomorphous series. In: American Mineralogist. Band 35, 1950, S. 1–18 (PDF 1,1 MB)

Weblinks[Bearbeiten]

Commons: Scorzalite – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

<references> <ref name="Anderson"> Charles A. Anderson: William Thomas Pecora February 1, 1913 – July 19, 1972, National Academy of Sciences, Washington D. C. 1975 (PDF 2,4 MB) </ref> <ref name="Handbookofmineralogy"> Scorzalite, In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America, 2001 (PDF 65,4 kB) </ref> <ref name="HandbookofmineralogyFaheyite"> Faheyite, In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America, 2001 (PDF 63,6 kB) </ref> <ref name="Dörfler"> Petr Korbel, Milan Novák: Mineralien-Enzyklopädie. Nebel Verlag GmbH, Eggolsheim 2002, ISBN 3-89555-076-0, S. 162 (Dörfler Natur). </ref> <ref name="Fundorte"> Fundortliste für Scorzalith beim Mineralienatlas und bei Mindat </ref> <ref name="IMA-Liste-2009"> Ernest H. Nickel, Monte C. Nichols: IMA/CNMNC List of Minerals 2009. (PDF; 1,9 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Januar 2009, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 29. Juli 2024; abgerufen am 30. Juli 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="Lapis"> Stefan Weiß: Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9. </ref> <ref name="PecoraFahey"> William T. Pecora and Joseph J. Fahey: The Corrego Frio pegmatite, Minas Gerais: scorzalite and souzalite, two new phosphate minerals. In: American Mineralogist. Band 34, 1949, S. 83–93 (PDF 711,2 kB) </ref> <ref name="Mindat"> Mindat – Scorzalite </ref> <ref name="MindatAnzahl"> Mindat – Anzahl der Fundorte für Scorzalith </ref> <ref name="Schumann"> Walter Schumann: Edelsteine und Schmucksteine. Alle Arten und Varietäten der Welt. 1600 Einzelstücke. 13. überarbeitete und erweiterte Auflage. BLV Verlags-GmbH., München u. a. 2002, ISBN 3-405-16332-3, S. 236. </ref> <ref name="StrunzNickel"> Hugo Strunz, Ernest H. Nickel: Strunz Mineralogical Tables. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S. 445. </ref> </references>