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Seidelbast

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Seidelbast
Datei:Daphne gnidioides, RBGE 2010, 2.jpg

Daphne gnidioides

Systematik
Rosiden
Eurosiden II
Ordnung: Malvenartige (Malvales)
Familie: Seidelbastgewächse (Thymelaeaceae)
Unterfamilie: Thymelaeoideae
Gattung: Seidelbast
Wissenschaftlicher Name
Daphne
L.

Die Pflanzengattung Seidelbast (Daphne) gehört zur Familie der Seidelbastgewächse (Thymelaeaceae). Die Gattung umfasst etwa 70 bis 92 Arten.

Seidelbast spielte eine Rolle in der frühen Geschichte des Papiers. Manche Arten und Sorten werden selten als Ziersträucher für naturnahe Gärten und Parks verwendet.

Beschreibung[Bearbeiten]

Vegetative Merkmale[Bearbeiten]

Datei:Illustration Daphne mezereum0.jpg
Illustration des Echten Seidelbast (Daphne mezereum)
Datei:Daphne gnidium1.jpg
Früchte von Daphne gnidium

Die Seidelbast-Arten wachsen als laubabwerfende oder immergrüne Sträucher oder Halbsträucher. Die Rinde ist kahl oder flaumig behaart. Die meist wechselständigen, selten gegenständigen Laubblätter sind einfach und kurz gestielt.

Blütenstände und Blüten[Bearbeiten]

Die Blüten stehen in meist end-, selten seitenständigen, kopfigen, kurzen traubigen, rispigen oder ährigen Blütenständen zusammen. Bei Daphne mezereum gehen die Blüten (kauliflor) aus dem Stamm hervor. Manche Arten sind zweihäusig getrenntgeschlechtig (diözisch).

Die zwittrigen oder eingeschlechtigen Blüten sind vier- oder fünfzählig. Fast immer ist ein auffallender, freier Blütenbecher (Hypanthium) vorhanden. Die vier oder fünf Kelchblätter sind zylindrisch, glocken- bis trichterförmig verwachsenen mit vier oder fünf aufrechten oder ausgebreiteten Kelchzipfeln, die abwechselnd größer und kleiner sind. Nach einer zweiten Deutung ist keine Kelchröhre vorhanden, sondern der Blütenbecher ist röhrig bis glockig ausgebildet und die Kelch- und Staubblätter sind an seiner Spitze inseriert.<ref name="Bunninger1972" /> Diese Blütenröhre kann je nach Art behaart oder kahl sein. Die Farben der Kelchblätter reichen von weiß über cremefarben bis gelb und rosafarben. Es werden keine Kronblätter ausgebildet. Es sind zwei Kreise mit je vier oder fünf Staubblättern vorhanden, die untereinander frei sind. Die entweder nur kurzen oder fehlenden Staubfäden ragen nicht aus der Kelchröhre heraus. Der mehr oder weniger ungestielte, eiförmige, oberständige Fruchtknoten ist einfächerig. Der kurze Griffel endet in einer kopfigen Narbe.

Früchte und Samen[Bearbeiten]

Die bei Reife sich meist rot oder gelb färbenden, einsamigen Früchte werden als harte oder trockene und ledrige Beeren oder Steinfrüchte gedeutet; sie sind manchmal vom Kelch umhüllt. Die Samen enthalten kein oder wenig Endosperm und einen Embryo mit zwei fleischigen Keimblättern (Kotyledonen). Die Samenschale (Testa) ist krustenartig.

Giftigkeit[Bearbeiten]

Hauptsächlich in der Rinde ist Daphnetoxin und in den Samen bis 0,1 % Mezerein<ref>C. Görick, M. F. Melzig: Gniditrin is the main diterpenoid constituent in the bark of Daphne mezereum L. In: Pharmazie. 68(7), Jul 2013, S. 640–642. PMID 23923651</ref> enthalten. Die Giftaufnahme erfolgt durch Verschlucken, beim Menschen auch über die Haut möglich. Neben einem Zerfressen der Haut kommt es zu schweren Schäden der Niere, des Kreislaufs und des Zentralnervensystems. Maximal fünf Beeren erzeugen nur starke Reizungen. Der Verzehr von zehn Beeren kann für Kinder schon tödlich sein. Aufgrund der toxischen Wirkung hatte der Seidelbast mit der Ausnahme der Homöopathie keine große Bedeutung in der Pflanzenheilkunde. In England wurden die Beeren bei Durchfallerkrankungen von Pferden eingesetzt.

Aberglaube[Bearbeiten]

Eine volkskundliche Verwendung ist aus Waldshut-Tiengen belegt: Fuhrleute steckten Seidelbast, der an Mariae Himmelfahrt geweiht worden war, an den Hut, damit Hexen das Fuhrwerk nicht bannen konnten.

Systematik und Verbreitung[Bearbeiten]

Datei:Daphne alpina 3.jpg
Alpen-Seidelbast (Daphne alpina)
Datei:Daphne bholua 20070226-1505-12.jpg
Daphne bholua
Datei:Daphne-caucasica-flowers.jpg
Kaukasischer Seidelbast (Daphne caucasica)
Datei:DaphneCneorum.jpg
Rosmarin-Seidelbast (Daphne cneorum)
Datei:Daphne genkwa01.jpg
Daphne genkwa
Datei:Daphne gnidium3.jpg
Herbst-Seidelbast (Daphne gnidium)
Datei:Daphne kamtschatica var jezoensis2.jpg
Nordjapanischer Seidelbast (Daphne jezoensis)
Datei:Daphne laureola1.jpg
Lorbeer-Seidelbast (Daphne laureola)
Datei:Daphne Odora flower.jpg
Daphne odora
Datei:Daphne petraea ENBLA02.JPG
Felsen-Seidelbast (Daphne petraea)
Datei:Daphne philippi1.jpg
Pontischer Seidelbast (Daphne pontica)
Datei:Daphne pseudomezereum2.jpg
Daphne pseudomezereum
Datei:Daphne-sericea-flowering.JPG
Berg-Seidelbast (Daphne sericea)
Datei:Daphne striata 100604.jpg
Gestreifter Seidelbast (Daphne striata)
Datei:Daphne tangutica0.jpg
Daphne tangutica

Die Seidelbast-Arten sind über Eurasien verbreitet. 52 Arten kommen in China vor.

Die Erstveröffentlichung des Gattungsnamens Daphne erfolgte 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum, 1, S. 356. Typusart ist Daphne laureola Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.L. Synonyme für Daphne Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.L. sind Farreria Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.I.B.Balfour & W.W.Smith ex Farrer, Pentathymelaea Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Lecomte und Scopolia Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.L.

Der botanische Gattungsname Daphne leitet sich von der Nymphe Daphne her. Sie wurde von ihrem Vater Peneios in einen Lorbeerbaum verwandelt, um sie vor ihrem Verfolger Apollon zu schützen. Die Blätter einiger, früher auch als Laureola bezeichnete<ref>Otto Zekert (Hrsg.): Dispensatorium pro pharmacopoeis Viennensibus in Austria 1570. Hrsg. vom österreichischen Apothekerverein und der Gesellschaft für Geschichte der Pharmazie. Deutscher Apotheker-Verlag Hans Hösel, Berlin 1938, S. 145 (Laureola: Daphnearten, Seidelbast).</ref> Seidelbast-Arten wie Lorbeer-Seidelbast ähneln denen des Lorbeerbaumes, daher erhielt die Gattung den Namen Daphne.

Arten[Bearbeiten]

Es gibt etwa 70 bis 92 Daphne-Arten (Auswahl):<ref name="GRIN" /><ref name="FOC" />

Nicht mehr zur Gattung gehören:

Hybriden[Bearbeiten]

Es sind eine Reihe von Hybriden bekannt (Auswahl):

  • Daphne ×burkwoodii Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Turrill (= Daphne caucasica × Daphne cneorum)
  • Daphne ×neapolitana Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.G. Lodd. (= Daphne sericea × Daphne cneorum)
  • Daphne ×houtteana Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Planch. ex Lindl. & Paxton (= Daphne laureola × Daphne mezereum)
  • Daphne ×hybrida Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.J. Coville ex Sweet (= Daphne collina × Daphne odora)
  • Daphne ×transatlantica Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.C. D. Brickell & A. R. White (= Daphne collina × Daphne caucasica)

Belege[Bearbeiten]

  • Yinzheng Wang, Michael G. Gilbert, Brian F. Mathew, Christopher Brickell: Daphne. In: Flora of China. Volume 13, S. 230. (online) (Abschnitt Beschreibung, Verbreitung und Systematik)

Literatur[Bearbeiten]

  • Manfred A. Fischer, Wolfgang Adler, Karl Oswald: Exkursionsflora für Österreich, Liechtenstein und Südtirol. 2., verbesserte und erweiterte Auflage. Land Oberösterreich, Biologiezentrum der Oberösterreichischen Landesmuseen, Linz 2005, ISBN 3-85474-140-5.
  • Bruno P. Kremer: Strauchgehölze. Mosaik-Verlag, Niedernhausen 2002, ISBN 3-576-11478-5.
  • Gerhard Madaus: Lehrbuch der biologischen Heilmittel. 3. Band, Nachdruck der Ausgabe Leipzig 1938. Georg Olms, Hildesheim 1979, S. 1906.
  • Günter Heubl: Hagers Handbuch der pharmazeutischen Praxis: Drogen A – K. 5. Ausgabe. Birkhäuser Verlag, 1998, ISBN 3-540-52688-9, S. 489: Daphne. (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).
  • D. A. Webb, I. K. Ferguson: Daphne L. In: Thomas Gaskell Tutin u. a.: Flora Europaea. Band 2, Cambridge University Press, 1968, S. 256–258.
  • The Internazional Plant Name Index. Abgerufen am 7. November 2013.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

<references> <ref name="Bunninger1972"> Lutz Bunninger: Untersuchungen über die morphologische Natur des Hypanthiums bei Myrtales- und Thymelaeales-Familien - II. Martaceae - III. Vergleich mit den Thymelaeaceae. In: Beiträge zur Biologie der Pflanzen. 48 (1), 1972, S. 79–156.</ref> <ref name="FOC"> Yinzheng Wang, Michael G. Gilbert, Brian F. Mathew, Christopher Brickell: Daphne. In: Flora of China. Volume 13, S. 230. (online)</ref> <ref name="GRIN"> Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GRIN“ ist nicht vorhanden. im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland.</ref> </references>

Weblinks[Bearbeiten]

Commons: Seidelbast (Daphne) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien