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Serendibit

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Serendibit
Datei:Serendibite-mun05-18b.jpg
Serendibit aus Mogok, Bezirk Pyin U Lwin, Mandalay-Division, Myanmar (Burma) mit deutlicher Flächenstreifung auf den Kopfflächen, was auf polysynthetische Verzwillingung hinweist (Größe 1 cm × 0,7 cm × 0,7 cm)
Allgemeines und Klassifikation
IMA-Symbol

Ser<ref name="Warr"></ref>

Chemische Formel Ca4(Mg6Al6)O4[Si6B3Al3O36]<ref name="Grew et al 2008" />
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Silikate und Germanate – Kettensilikate (Inosilikate)
System-Nummer nach
Strunz (8. Aufl.)
Lapis-Systematik
(nach Strunz und Weiß)
Strunz (9. Aufl.)
Dana

VIII/A’.13
VIII/F.14-060

9.DH.45
69.02.01a.06
Kristallographische Daten
Kristallsystem triklin
Kristallklasse; Symbol triklin-pinakoidal; 1
Raumgruppe P1 (Nr. 2)Vorlage:Raumgruppe/2
Gitterparameter a = 10,010(3) bis 10,094(3) Å; b = 10,393(3) bis 10,478(3) Å; c = 8,631(2) bis 8,694(2) Å
α = 106,36(l) bis 106,37(1)°; β = 96,00(l) bis 96,10(l)°; γ = 124,38(1) bis 124,40(l)°<ref name="VanDerveer-et-al" />
Formeleinheiten Z = 2<ref name="VanDerveer-et-al" />
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte 6,5 bis 7<ref name="Handbookofmineralogy" />
Dichte (g/cm3) gemessen: 3,42 bis 3,52; berechnet: 3,47<ref name="Handbookofmineralogy" />
Spaltbarkeit gut nach {010} und {001}<ref name="Handbookofmineralogy" />
Farbe graublau, blaugrün bis tiefblau, grün, blassgelb, braun, schwarz
Strichfarbe weiß<ref name="Lapis" />
Transparenz durchsichtig bis undurchsichtig
Glanz Glasglanz
Radioaktivität keine
Kristalloptik
Brechungsindizes nα 1,701<ref name="Mindat" />
nβ 1,703<ref name="Mindat" />
nγ 1,706<ref name="Mindat" />
Doppelbrechung δ 0,005<ref name="Mindat" />
Optischer Charakter zweiachsig positiv
Achsenwinkel 2V = 80°<ref name="Mindat" />
Pleochroismus stark: X = hellgelb, gelbgrün bis blaugrün; Y = fast farblos, hellgelb, blau bis blaugrün; Z = hell- bis dunkelblau<ref name="Handbookofmineralogy" />

Serendibit ist ein seltenes Mineral aus der Mineralklasse der „Silikate und Germanate“. Es kristallisiert im triklinen Kristallsystem mit der idealisierten chemischen Zusammensetzung Ca4(Mg6Al6)O4[Si6B3Al3O36]<ref name="Grew et al 2008" /> und gehört strukturell zu den Kettensilikaten (Inosilikaten).

Natürlicher Serendibit enthält immer Fe2+ und Fe3+ und ist je nach Eisengehalten himmelblau bis intensiv dunkelblau mit ausgeprägten Pleochroismus (blass gelbgrün – dunkelblau). Serendibit entwickelt nur selten kleine, tafelige Kristalle bis etwa zwei Zentimeter Größe mit glasähnlichem Glanz auf den Oberflächen. Meist findet er sich in Form unregelmäßiger Körner. Die Kristalle zeigen für gewöhnlich polysynthetische Verzwillingung, was oft an den entsprechend gestreiften Kristallflächen erkennbar ist.

Etymologie und Geschichte[Bearbeiten]

Serendibit wurde erstmals im Jahr 1902 nahe dem Ort Gangapitiya in der Zentralprovinz des Inselstaates Sri Lanka entdeckt. Im folgenden Jahr wurde es erstmals von George T. Prior und Ananda K. Coomaraswamy wissenschaftlich erforscht und beschrieben. Seinen Namen erhielt das Mineral vom alten arabischen Namen für „Sri Lanka“ (Serendib).<ref name="Prior & Coomáraswámy 1903" />

Klassifikation[Bearbeiten]

In der veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Serendibit zur Mineralklasse der „Silikate“ und dort zur Abteilung „Neso-Subsilikate“, wo er gemeinsam mit Dumortierit, Garrelsit, Grandidierit, Harkerit, Howlith, Kornerupin, Melanocerit und Painit in der „Dumortierit-Grandidierit-Gruppe“ mit der Systemnummer VIII/A’.13 steht.

In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer VIII/F.14-060. Dies entspricht der Klasse der „Silikate“ und dort der Abteilung „Ketten- und Bandsilikate“, wo Serendibit zusammen mit Addibischoffit, Aenigmatit, Dorrit, Høgtuvait, Khesinit, Krinovit, Kuratit, Makarochkinit, Rhönit, Warkit, Welshit und Wilkinsonit die „Aenigmatitgruppe“ mit der Systemnummer VIII/F.14 bildet.<ref name="Lapis" />

Die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte<ref name="IMA-Liste-2009" /> 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Serendibit in die Klasse der „Silikate und Germanate“ und dort in die Abteilung „Ketten- und Bandsilikate (Inosilikate)“ ein. Hier ist das Mineral in der Unterabteilung „Ketten- und Bandsilikate mit 4-periodischen Einfachketten, Si4O12“ zu finden, wo es zusammen mit Aenigmatit, Baykovit, Dorrit, Høgtuvait, Khmaralith, Krinovit, Makarochkinit, Rhönit, Sapphirin, Welshit und Wilkinsonit eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer 9.DH.45 bildet.

In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Serendibit die System- und Mineralnummer 69.02.01a.06. Das entspricht der Klasse der „Silikate“ und dort der Abteilung „Kettensilikate: Ketten mit Seitenzweigen oder Schleifen“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Kettensilikate: Ketten mit Seitenzweigen oder Schleifen mit P>2“ in der „Aenigmatit und verwandte Arten (Aenigmatit-Untergruppe)“, in der auch Aenigmatit, Dorrit, Høgtuvait, Krinovit, Rhönit, Welshit, Wilkinsonit und Makarochkinit eingeordnet sind.

Die aktuelle Systematik der CNMN für die Sapphiringruppe ordnet diese neu und gruppiert den Serendibit zusammen mit Høgtuvait, Makarochkinit, Rhönit und Welshit in die Rhönitgruppe (Ca auf der größten M-Position) unterhalb der Sapphiringruppe in der Sapphirin-Obergruppe<ref name="Grew et al 2008" />.

Kristallstruktur[Bearbeiten]

Serendibit kristallisiert triklin in der Raumgruppe P1 (Raumgruppen-Nr. 2)Vorlage:Raumgruppe/2. Die aus drei Mineralproben ermittelten Gitterparameter lauten a = 10,010(3) bis 10,094(3) Å; b = 10,393(3) bis 10,478(3) Å; c = 8,631(2) bis 8,694(2) Å; α = 106,36(l) bis 106,37(1)°; β = 96,00(l) bis 96,10(l)° und γ = 124,38(1) bis 124,40(l)° sowie zwei Formeleinheiten pro Elementarzelle.<ref name="VanDerveer-et-al" />

Bildung und Fundorte[Bearbeiten]

Datei:Serendibite-452545.jpg
Serendibit aus Mogok, Myanmar (Größe 16 mm × 13 mm × 8 mm)

Serendibit bildet sich bei hohen Temperaturen metasomatisch bei der Reaktion von Bor-haltigen Lösungen mit Kalkstein und findet sich in Skarnen am Kontakt von Kalkstein und Granit, Tonalit oder Granulit.<ref name="Handbookofmineralogy"/> Er kommt dort zusammen mit Fassait, Uvit-reichem Turmalin, Klinozoisit, Spinell und Kalzit<ref name ="Hutcheon et al 1977" /> oder Diopsid, Spinell, Skapolith, Plagioklas, Apatit<ref name="Prior & Coomáraswámy 1903" /> vor. Die Bildung von Serendibit setzt wahrscheinlich SiO2- untersättigte Bedingungen voraus.<ref name ="Hutcheon et al 1977" />

Als seltene Mineralbildung konnte Serendibit nur an wenigen Fundorten nachgewiesen werden, wobei bisher (Stand 2015) rund 20 Fundorte<ref name="MindatAnzahl" /> als bekannt gelten. Neben seiner Typlokalität Gangapitiya in der Zentralprovinz fand man das Mineral auf Sri Lanka nur noch in den Katukubura Hills nahe Kolonna in der Provinz Sabaragamuwa.

Weitere bisher bekannte Fundorte liegen unter anderem im Mogok-Tal im Bezirk Pyin U Lwin (Pyin-Oo-Lwin, Mandalay-Division) in Myanmar (Birma), im Gebiet Portage-du-Fort in der kanadischen Provinz Québec, am Berg Vohimena nahe Ihosy (Provinz Fianarantsoa) sowie bei Behara und Ianapera (Provinz Toliara) auf Madagaskar, in den Eisen-Bor-Skarnen im Aldanhochland von Ostsibirien (Russland), im Distrikt Handeni in der Region Tanga in Tanzania sowie an mehreren Orten in den US-Bundesstaaten Kalifornien und New York.<ref name="Fundorte" />

Verwendung als Schmuckstein[Bearbeiten]

Datei:SerendibiteColors-G-EmpireTheWorldOfGems.jpg
Pleochroismus bei Serendibit

Der Großteil der Serendibite ist schwarz und opak, mit Durchlicht zeigen einige goldbraunes, grünes oder blaues Schimmern. Serendibit wird fast ausschließlich als Sammler- und Schmuckstein verarbeitet. Im Jahr 2005 wurden neue Quellen in Mogok, Myanmar gefunden, vorher waren nur drei facettierte Steine aus Sri Lanka bekannt.

Während der Serendibit aus Sri Lanka grün-blaue und violett-blaue Farben zeigt, sind die Varietäten aus Myanmar meist schwarz und lichtundurchlässig.

Literatur[Bearbeiten]

  • George T. Prior, Ananda K. Coomaraswamy: Serendibite, a new borosilicate from Ceylon. In: Mineralogical Magazine Band 13 (1902), S. 224–227 (PDF 206,9 kB)
  • Karl Schmetzer, George Bosshart, Heinz-Jurgen Burnhardt, Edward J. Gubelin und Christopher P. Smith: Serendibite from Sri Lanka. In: Gems & Gemology, Band 38, 2002, S. 73–79

Weblinks[Bearbeiten]

Commons: Serendibite – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

<references> <ref name="Fundorte"> Fundortliste für Serendibit beim Mineralienatlas und bei Mindat </ref> <ref name="Grew et al 2008"> E. S. Grew, U. H. Alenius, M. Pasero and J. Barbier: Recommended nomenclature for the sapphirine and surinamite groups (sapphirine supergroup) In: Mineralogical Magazine; August 2008 Band 72(4), S. 839–876 (PDF 2,82 MB) </ref> <ref name="Handbookofmineralogy"> Serendibite, In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America, 2001 (PDF 76,2 kB) </ref> <ref name="Hutcheon et al 1977"> Ian Hutcheon, Avril E. Gunter, A. N. Lecheminant: Serendibite from Penrhyn Group marble, Melville Peninsula, District of Franklin In: The Canadian Mineralogist Band 15 (1977), S. 108–112 (PDF 1,68 MB) </ref> <ref name="IMA-Liste-2009"> Ernest H. Nickel, Monte C. Nichols: IMA/CNMNC List of Minerals 2009. (PDF; 1,9 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Januar 2009, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 29. Juli 2024; abgerufen am 30. Juli 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="Lapis"> Stefan Weiß: Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9. </ref> <ref name="Mindat"> Mindat – Serendibite </ref> <ref name="MindatAnzahl"> Mindat – Anzahl der Fundorte für Serendibit </ref> <ref name="Prior & Coomáraswámy 1903"> G. T. Prior, A. K. Coomáraswámy: Serendibite, a new borosilicate from Ceylon In: Mineralogical Magazine Band 13 (1903), S. 224–227 (PDF 207 kB) </ref> <ref name="VanDerveer-et-al"> D. G. Van Derveer, G. H. Swihart, P. K. Sen Gupta, E. S. Grew: Cation occupancies in serendibite: a crystal structure study. In: American Mineralogist Band 78 (1993), S. 195–203 (PDF 1,04 MB) </ref> </references>