Rhönit
| Rhönit | |
|---|---|
| Allgemeines und Klassifikation | |
| IMA-Nummer |
2007 s.p.<ref name="IMA-Liste">Malcolm Back, Cristian Biagioni, William D. Birch, Michel Blondieau, Hans-Peter Boja und andere: The New IMA List of Minerals – A Work in Progress – Updated: July 2024. (PDF; 3,6 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Marco Pasero, Juli 2024, abgerufen am 13. August 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> |
| IMA-Symbol |
Rhö<ref name="Warr"></ref> |
| Chemische Formel | Ca2(Mg,Fe2+)4TiFe3+[O2|Al3Si3O18]<ref name="StrunzNickel" /> |
| Mineralklasse (und ggf. Abteilung) |
Silikate und Germanate |
| System-Nummer nach Strunz (8. Aufl.) Lapis-Systematik (nach Strunz und Weiß) Strunz (9. Aufl.) Dana |
VIII/D.07 VIII/F.14-050 9.DH.45 69.02.01a.05 |
| Kristallographische Daten | |
| Kristallsystem | triklin |
| Kristallklasse; Symbol | triklin-pinakoidal; 1 |
| Raumgruppe | P1 (Nr. 2) |
| Gitterparameter | a = 10,43 Å; b = 10,81 Å; c = 8,93 Å α = 105,9°; β = 96,1°; γ = 124,8°<ref name="StrunzNickel" /> |
| Formeleinheiten | Z = 2<ref name="StrunzNickel" /> |
| Zwillingsbildung | polysynthetisch parallel {010}<ref name="Handbookofmineralogy" /> |
| Physikalische Eigenschaften | |
| Mohshärte | 5 bis 6<ref name="Handbookofmineralogy" /> |
| Dichte (g/cm3) | gemessen: 3,4 bis 3,76; berechnet: [3,64]<ref name="Handbookofmineralogy" /> |
| Spaltbarkeit | gut nach {010} und {001}<ref name="Handbookofmineralogy" /> |
| Bruch; Tenazität | nicht definiert |
| Farbe | braunrot, dunkelbraun bis schwarz |
| Strichfarbe | rotbraun<ref name="Lapis" /> |
| Transparenz | durchscheinend bis undurchsichtig |
| Glanz | Halbmetallglanz |
| Radioaktivität | vorhanden, aber kaum messbar<ref name="Webmineral" /> |
| Kristalloptik | |
| Brechungsindizes | nα 1,795 bis 1,810<ref name="Mindat" /> nβ 1,806 bis 1,825<ref name="Mindat" /> nγ 1,830 bis 1,845<ref name="Mindat" /> |
| Doppelbrechung | δ 0,035<ref name="Mindat" /> |
| Optischer Charakter | zweiachsig positiv |
| Achsenwinkel | 2V = 50° bis 90° (gemessen), 70° bis 84° (berechnet)<ref name="Mindat" /> |
Rhönit ist ein selten vorkommendes Mineral aus der Abteilung der Kettensilikate und Bandsilikate (Inosilikate) innerhalb der Mineralklasse der „Silikate und Germanate“. Es kristallisiert im triklinen Kristallsystem mit der chemischen Zusammensetzung Ca2(Mg,Fe2+)4TiFe3+[O2|Al3Si3O18]<ref name="StrunzNickel" /> und ist damit ein komplexes Alumosilikat mit zusätzlichen Sauerstoffionen und den Kationen Calcium, Magnesium, Titan und Eisen in der Oxidationsstufe 3+. Das in der Formel enthaltene Magnesium kann zudem teilweise durch Eisen in der Oxidationsstufe 2+ ersetzt (substituiert) sein, was mit den runden Klammern um die beiden Elemente angedeutet wird.
Rhönit entwickelt tafelige bis prismatische Kristalle von bis zu einigen Zentimetern Länge, findet sich aber auch in Form von skelettförmigen bis unregelmäßigen Körnern und in Mineral-Aggregaten. Die durchscheinenden bis undurchsichtigen Kristalle können von braunroter oder dunkelbrauner bis schwarzer Farbe sein und weisen auf den Oberflächen einen halbmetallischen Glanz auf.
Etymologie und Geschichte[Bearbeiten]
Als eigenständiges Mineral beschrieben wurde Rhönit im Jahre 1907<ref name="Soellner-1907" /> in Gesteinen aus den Schwarzen Bergen der Südrhön<ref name="Soellner-1901" /> durch Julius Soellner (1874–1946),<ref name="DNB" /><ref name="franklin.library" /> der das Mineral in der namensgebenden Rhön, einem Mittelgebirge im Grenzgebiet der deutschen Bundesländer Bayern, Hessen und Thüringen, entdeckte. Soellner hatte die entsprechenden Gesteinsvorkommen bereits im Jahre 1902 beschrieben, dabei aber das Mineral als den chromhaltigen Spinell Picotit fehlbestimmt. Im Jahre 1906 korrigierte er diesen Fehler zwar in einer Veröffentlichung,<ref name="Soellner-1906" /> hielt das Mineral aber nunmehr für Aenigmatit.
Bereits im Jahre 1883 wurde eine Beschreibung des Minerals als Zerfallsprodukt basaltischer Hornblende in Basaltgesteinen aus der Rhön veröffentlicht, wobei allerdings offengelassen wurde, ob es sich hierbei um ein neues Mineral oder doch lediglich um eine Neubildung von Hornblende handeln würde, da die damals verfügbaren Analysen noch keine sichere Aussage über die Natur des Minerals ermöglichten.<ref name="Petzold" />
Klassifikation[Bearbeiten]
Bereits in der veralteten, aber teilweise noch gebräuchlichen 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Rhönit zur Mineralklasse der „Silikate und Germanate“ und dort zur Abteilung der „Kettensilikate und Bandsilikate (Inosilikate)“, wo er zusammen mit Aenigmatit, Deerit, Hainit, Howieit, Magbasit und Tinaksit die „Aenigmatit-Gruppe“ mit der System-Nr. VIII/D.07 bildete.<ref name="StrunzTennyson" />
Im zuletzt 2018 überarbeiteten und aktualisierten Lapis-Mineralienverzeichnis nach Stefan Weiß, das sich aus Rücksicht auf private Sammler und institutionelle Sammlungen noch nach dieser klassischen Systematik von Karl Hugo Strunz richtet, erhielt das Mineral die System- und Mineral-Nr. VIII/F.14-50. In der „Lapis-Systematik“ entspricht dies ebenfalls der Abteilung „Ketten- und Bandsilikste“ (Verzweigte Ketten), wo Rhönit zusammen mit Addibischoffit, Aenigmatit, Dorrit, Høgtuvait, Khesinit, Krinovit, Kuratit, Makarochkinit, Serendibit, Warkit, Welshit und Wilkinsonit die „Aenigmatit-Gruppe“ bildet.<ref name="Lapis" />
Die seit 2001 gültige und von der International Mineralogical Association (IMA) bis 2009 aktualisierte<ref name="IMA-Liste-2009" /> 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Rhönit ebenfalls in die Abteilung der „Ketten- und Bandsilikate“ ein. Diese ist allerdings weiter unterteilt nach der Struktur der Ketten, so dass das Mineral entsprechend seinem Aufbau in der Unterabteilung „Ketten- und Bandsilikate mit 4-periodischen Einfachketten, Si4O12“ zu finden ist, wo es zusammen mit Aenigmatit, Baykovit, Dorrit, Høgtuvait, Khmaralith, Krinovit, Makarochkinit, Sapphirin, Serendibit, Welshit und Wilkinsonit die unbenannte Gruppe 9.DH.45 bildet.
Auch die vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Rhönit in die Klasse der „Silikate und Germanate“ und dort in die Abteilung der „Kettensilikate: Ketten mit Seitenzweigen oder Schleifen“ ein. Hier ist er in der „Aenigmatit und verwandte Arten (Aenigmatit-Untergruppe)“ mit der System-Nr. 69.02.01a innerhalb der Unterabteilung „Kettensilikate: Ketten mit Seitenzweigen oder Schleifen mit P>2“ zu finden.
Kristallstruktur[Bearbeiten]
Rhönit kristallisiert triklin in der Raumgruppe P1 (Raumgruppen-Nr. 2) mit den Gitterparametern a = 10,43 Å; b = 10,81 Å; c = 8,93 Å; α = 105,9°; β = 96,1° und γ = 124,8° sowie zwei Formeleinheiten pro Elementarzelle.<ref name="StrunzNickel" />
Bildung und Fundorte[Bearbeiten]
Rhönit bildet sich entweder primär in siliciumuntersättigten, alkalischen und mafischen, magmatischen Gesteinen oder sekundär durch Opacitisierung von Amphibolen oder Biotit.<ref>Walter Ehrenreich Tröger: Optische Bestimmung der gesteinsbildenden Minerale. 2. Auflage. Band 2. Schweizerbart, Stuttgart 1969, S. 482–483.</ref> Eine weitere Bildungsmöglichkeit besteht in der Kontaktzone von alkalischen Basalten zu Kalksteinen. Als Begleitminerale können unter anderem titanhaltiger Augit, Diopsid, verschiedene alkalische Feldspate, Forsterit, Kaersutit, titanhaltiger Magnetit, Magnesioferrit, Perowskit und Spinell auftreten.<ref name="Handbookofmineralogy" />
Als seltene Mineralbildung konnte Rhönit nur an wenigen Fundorten nachgewiesen werden, wobei bisher (Stand 2015) rund 40 Fundorte bekannt sind.<ref name="MindatAnzahl" /> Neben seiner Typlokalität in der Rhön nahe Fulda fand sich das Mineral in Deutschland noch in einem Basalt-Steinbruch bei Gonterskirchen im Vogelsberg in Hessen, bei Scharnhausen in Baden-Württemberg und an mehreren Orten in der rheinland-pfälzischen Vulkaneifel. Zu diesen zählen der Nickenicher Sattel und der Tönchesberg im Kreis Andernach, der Nerother Kopf und der Emmelberg nahe Üdersdorf im Kreis Daun, der Niveligsberg in der Gemeinde Drees, der Steinbruch „Caspar“ am Ettringer Bellerberg, der Kunkskopf und der Veitskopf in der Gemeinde Wassenach sowie die Eiterköpfe, der Karmelenberg und die Wannenköpfe in der Gemeinde Ochtendung.<ref name="Fundorte" />
Der bisher einzige bekannte Fundort in Österreich ist ein Basalt-Steinbruch am Pauliberg im mittleren Burgenland.
Weitere Fundorte liegen unter anderem auf der Hut-Point-Halbinsel und am Mount Sidley in der Antarktis; in einem Steinbruch westlich von Scottsdale auf der australischen Insel Tasmanien; in den französischen Gemeinden Murol, Alissas und Freyssenet; auf Arnold Eschers Land im Verwaltungsbezirk Tunu auf Grönland; im Karancs-Medves-Gebiet (Nördliches Ungarisches Mittelgebirge) und im Balaton-Hochland in Ungarn; am Ätna auf der italienischen Insel Sizilien; auf der Insel Dogo in der japanischen Präfektur Shimane; am „Pulling Point“ bei Dunedin auf der Südinsel Neuseelands; im Okres Lučenec und im Okres Rimavská Sobota in der Slowakei; in den Basanit-Lavafeldern El Sebadal und La Isleta nahe der Stadt Las Palmas de Gran Canaria auf Gran Canaria in Spanien; in der River Ranch Mine bei Beitbridge in Simbabwe sowie auf der Insel Kauaʻi (Hawaii) und am Fundpunkt „159“ im Big-Bend-Nationalpark (Texas) in den Vereinigten Staaten von Amerika.<ref name="Fundorte" />
Des Weiteren wurde Rhönit auch in verschiedenen Meteoriten nachgewiesen wie dem bei D’Orbigny in der argentinischen Provinz Buenos Aires entdeckten Steinmeteoriten (D’Orbigny-Meteorit), dem im Gebiet Pawlodar in Kasachstan gefallenen Efremovka-Meteoriten, dem in Pueblito de Allende im mexikanischen Bundesstaat Chihuahua niedergegangenen Allende-Meteoriten, dem in der marokkanischen Provinz Zagora niedergegangenen Steinmeteoriten „NWA 4590“ und dem in der Sahara gefallenen Steinmeteoriten 99555.<ref name="Fundorte" />
Siehe auch[Bearbeiten]
Literatur[Bearbeiten]
- J. Soellner: Ueber Rhönit, ein neues änigmatitähnliches Mineral und über das Vorkommen und die Verbreitung desselben in basaltischen Gesteinen. In: Neues Jahrbuch für Mineralogie, Geologie und Palaontologie. Band 24, 1907, S. 475–547 (rruff.info [PDF; 22,6 MB; abgerufen am 19. Juli 2019]).
Weblinks[Bearbeiten]
- Mineralienatlas: Rhönit (Wiki)
- Rhönite search results. In: rruff.info. Database of Raman spectroscopy, X-ray diffraction and chemistry of minerals (RRUFF) (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).
- American-Mineralogist-Crystal-Structure-Database – Rhönite. In: rruff.geo.arizona.edu. (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).
Einzelnachweise[Bearbeiten]
<references> <ref name="Handbookofmineralogy"> </ref> <ref name="DNB"> Literatur von und über Soellner, Julius Hubert im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek </ref> <ref name="franklin.library"> Autor Soellner, Julius, b. 1874. In: franklin.library.upenn.edu. University of Pennsylvania (Penn Libraries), abgerufen am 19. Juli 2019 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="Fundorte"> Fundortliste für Rhönit beim Mineralienatlas und bei Mindat, abgerufen am 19. Juli 2019. </ref> <ref name="IMA-Liste-2009"> Ernest H. Nickel, Monte C. Nichols: IMA/CNMNC List of Minerals 2009. (PDF; 1,9 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Januar 2009, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 29. Juli 2024; abgerufen am 30. Juli 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="Lapis"> Stefan Weiß: Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9. </ref> <ref name="Mindat"> Rhönite. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 19. Juli 2019 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="MindatAnzahl"> Localities for Rhönite. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 19. Juli 2019 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="Petzold"> Karl Petzold: Petrographische Studien an Basaltgesteinen der Rhön. Gebauer-Schwetschke’sche Buchhandlung, Halle a. S. 1883, S. 28–29 (online verfügbar bei archive.org – Internet Archive [abgerufen am 19. Juli 2019]). </ref> <ref name="Soellner-1901"> Julius Soellner: Geognostische Beschreibung der Schwarzen Berge in der südlichen Rhön. In: Jahrbuch der königlich preußischen geologischen Landesanstalt. Band 22, 1901, S. 1–77 (online verfügbar bei archive.org – Internet Archive [abgerufen am 19. Juli 2019]). </ref> <ref name="Soellner-1906"> Julius Soellner: Ueber das Vorkommen und die Verbreitung von Aenigmatit in basaltischen Gesteinen. In: Centralblatt für Mineralogie, Geologie und Paläontologie. 1906, S. 206–208 (Vorlage:ZOBODAT [PDF; 562 kB; abgerufen am 19. Juli 2019]). </ref> <ref name="Soellner-1907"> J. Soellner: Ueber Rhönit, ein neues änigmatitähnliches Mineral und über das Vorkommen und die Verbreitung desselben in basaltischen Gesteinen. In: Neues Jahrbuch für Mineralogie, Geologie und Palaontologie. Band 24, 1907, S. 475–547 (rruff.info [PDF; 22,6 MB; abgerufen am 19. Juli 2019]). </ref> <ref name="StrunzNickel"> </ref> <ref name="StrunzTennyson"> Karl Hugo Strunz, Christel Tennyson: Mineralogische Tabellen. 8. Auflage. Akademische Verlagsgesellschaft Geest & Portig KG, Leipzig 1982, S. 421. </ref> <ref name="Webmineral"> David Barthelmy: Rhonite Mineral Data. In: webmineral.com. Abgerufen am 19. Juli 2019 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> </references>