Zum Inhalt springen

Siegfried Ascher

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Siegfried Ascher (* 22. Juni 1877 in Berlin<ref name="WerIstWer">Ascher, Siegfried. In: Wolfgang Maassen: Wer ist wer in der Philatelie, Band 1 (A-D). 3. Auflage, 2011, ISBN 978-3-932198-92-2, S. 50–52.</ref>; † 22. Februar 1962 in Haifa<ref name="WerIstWer"/><ref>Mittelungen des Berliner Philatelisten-Klubs von 1888, Ausgabe April 1962, S. 1 f.</ref>) war ein deutscher Architekt und ein bedeutender Ganzsachen-Philatelist. Sein philatelistisches Hauptwerk ist der „Große Ganzsachen-Katalog“, der bis heute ein international wichtiges Standardwerk ist.

Leben[Bearbeiten]

Ascher lebte in Berlin-Wilmersdorf und arbeitete als Architekt und gerichtlicher Sachverständiger für Bauangelegenheiten. Im Ersten Weltkrieg war er Hauptmann und erhielt 1915 das Eiserne Kreuz.<ref name="Sterry_S_89"/><ref>Berliner Briefmarken Zeitung, Nr. 20/1915, S. 437; an der Stelle ist oben in der Mitte eine Ehrentafel abgedruckt mit der u. a. Ascher gewürdigt wird „... S. Ascher, Offizier-Stellvertreter z. Zt. im Felde, wurde das Eiserne Kreuz...“</ref> Im Alter von 29 Jahren begann er mit dem Sammeln von Ganzsachen.<ref>Horst Hille: Pioniere der Philatelie. Verlag Phil Creativ, Schwalmtal 1995, ISBN 3-928277-17-0, S. 98.</ref> Seit 1909 war er Mitglied im Berliner Ganzsachen-Sammler Verein von 1901 (BGSV) und ab 1912 gehörte er dem Vorstand des BGSV an.<ref name="Sterry_S_89">Peter Sterry: Dr. Ascher zum hundertsten Geburtstag. In: Die Ganzsache, Nr. 3/1977, S. 89.</ref> Er war mit sowohl mit Carl Lindenberg als auch Franz Kalckhoff befreundet. Durch seine Mitwirkung am Ganzsachenkatalog der Gebrüder Senf von 1914, arbeitete er sich in die Erstellung von Ganzsachenkatalogen ein.

Teile seiner Ganzsachensammlung verkaufte Ascher an Ernst und Franz Petschek.<ref>Wolfgang Maassen: Phila Historica. Zeitschrift für Philateliegeschichte und Philatelistische Literatur. Ausgabe 2/2018, S. 94.</ref> Im Jahr 1939 emigrierte er in das damalige Palästina, wobei der Hauptteil seiner Sammlung verloren ging. In Israel war Ascher maßgeblich an der Gründung des dortigen Philatelistenverbands beteiligt.

Sein zweitältester Sohn Fritz Günther („Gad“) Ascher war ebenfalls Architekt.<ref>Fritz Günther (Gad) Ascher. In: Myra Warhaftig: Deutsche jüdische Architekten vor und nach 1933 – Das Lexikon. Reimer, Berlin 2005, ISBN 3-496-01326-5, S. 51.</ref>

Philatelistische Werke[Bearbeiten]

Der kleinere Vorläufer des großen Ascher-Katalogs war:

  • Der Ganzsachen-Katalog 1913–1920: Aufstellung der von 1913 bis 1920 neu erschienen staatlichen Ganzsachen, Verlag: R. Noske, Borna (Bez. Leipzig), 1921 (173 Seiten)

Den großen Ascher-Katalog bearbeitet er mit Hilfe von einigen Ganzsachensammlern,<ref>Am Ende des Nachwortes des Großen Ganzsachen-Katalogs, auf den Seiten 1359–1360 werden alle Mitarbeiter genannt.</ref> zwischen 1923 und 1929 als neun Teillieferungen.<ref>Dr. Aschers Großer Ganzsachen-Katalog 1928. In: Die Ganzsache Ausgabe Nr. 2/1929, 9. Jahrgang; in diesem Artikel ist ein Auszug aus dem Nachwort dieses Katalogs abgedruckt: „Am 5. August 1923 erschien der erste Teil dieses Katalogs, im Januar 1929 der heute letzte Teil. [...] und wenn man den Katalog 1913/20 [...] hinzurechnet [...] so liegen acht Jahre Katalogarbeit hinter uns [...]“.</ref> Diese Teillieferungen erschienen nach und nach als kleinere Bände und auch als Gesamtwerk in zwei großen Bänden:

  • Große Ganzsachen-Katalog 1925–1928. Verlag R. Noske, Borna bei Leipzig (mit über 1300 Seiten)
    • Band 1 von 1925: Afghanistan bis Mittelkongo
    • Band 2 von 1928: Mocambique bis Württemberg

Dieser Katalog ist bis heute immer wieder erschienen. Es erschienen zudem wiederholt neuere Preislisten für die im Katalog gelisteten Ganzsachen:

  • 1. Ausgabe von 1975 mit 62 Seiten<ref>Nach Online-Katalog: Philatelistische Bibliothek Hamburg</ref><ref>Dieses Verzeichnis war vermutlich nur für Schweizer Ganzsachen</ref>
  • 2. Ausgabe von 1988 mit 216 Seiten
  • 3. Ausgabe von 1996 mit 176 Seiten
  • 4. Ausgabe von ca. [2004] mit 177 Seiten<ref>Nach Online-Katalog: Münchner Philatelistische Bibliothek</ref>

Ein weiterer Katalog in Zusammenarbeit mit Theodor Junker war:

  • Die Deutschen Ganzsachen 1850–1930. Verlag R. Noske, Borna bei Leipzig 1932 (390 Seiten)

Außerdem stammen von ihm u. a. einige philatelistische Artikel bzw. Studien, die den damaligen Zeitschriften für Postwertzeichensammler erschienen. Für Ganzsachenzeitschrift des Berliner Ganzsachen-Sammler Vereins (BGSV) war er von 1919 bis 1929 Schriftleiter, sie änderte ihren Titel im Lauf der Zeit mehrfach.<ref>Hanspeter Frech: Die Postkarten aus dem ehemaligen Postvereinsländern und dem deutschen Kaiserreich. Entwicklungsgeschichte, Handbuch und Katalog. 1. Auflage, Selbstverlag, ca. 1990/1991, S. III; auf dieser Seite befindet sich eine Tabelle der jeweiligen Titel dieser Vereinszeitschrift mit den jeweiligen Schriftleitern.</ref><ref>Horst Hille: Pioniere der Philatelie. Verlag Phil Creativ, Schwalmtal 1995, ISBN 3-928277-17-0, S. 99.</ref><ref>E. Stenger, F. Kalckhoff, S. Ascher (Hrsg.): Festschrift zur Feier des 25-jährigen Bestehens des Berliner Ganzsachen-Sammler-Vereins. Berliner Ganzsachen-Sammler-Verein, Berlin 1926, S. 9; hier ist ein großes Portraitfoto von ihm zu sehen und er wird dort als „Schriftleiter der Vereinszeitung“ genannt.</ref>

Ehrungen und Auszeichnungen[Bearbeiten]

  • Ehrenmitglied im Berliner Ganzsachen-Sammler Verein 1926<ref>Dr. Siegfried Ascher 50 Jahre alt. In: Deutsche Sammler Zeitung (vormals: Die Ganzsache), Nr. 6/1927, S. 1; seit dem 25. Stiftungsfest des Vereins 1926 ist er Ehrenmitglied.</ref>
  • Lindenberg-Medaille 1933<ref name="Bruehl_S_1144">Carlrichard Brühl: Geschichte der Philatelie. Band 2, Olms, Hildesheim 1985, ISBN 3-487-07618-7, S. 1144</ref>
  • Ehrenvorsitzender im israelischen Philatelistenverband seit 1945<ref name="Hille_S_101">Horst Hille: Pioniere der Philatelie. Verlag Phil Creativ, Schwalmtal 1995, ISBN 3-928277-17-0, S. 101.</ref>
  • Stiftung der Ascher-Medaille vom israelischen Verband 1947, zu Ehren seines 70. Geburtstags<ref name="Bruehl_S_1144"/>
  • Ehrenmitglied im Berliner Philatelisten-Klub seit 1957<ref name="Hille_S_101"/>
  • Kalckhoff-Medaille 1959<ref>Verbandsmitteilungen (BDPh) Ausgabe Nr. 46 vom Dezember 1959, S. 5.</ref>

Literatur[Bearbeiten]

  • R. F.: Ascher, Siegfried. In: Allgemeines Künstlerlexikon. Die Bildenden Künstler aller Zeiten und Völker (AKL). Band 5, Saur, München u. a. 1992, ISBN 3-598-22745-0, S. 386.
  • Das philatelistische Jahrbuch 1931. Wer, wie, wann und wo in der Philatelie. Leipzig 1931, S. 91.
  • M. Amrhein: Philatelic Literature, Volume 4, ISBN 9977-47-355-2, S. 233–234
  • Horst Hille: Pioniere der Philatelie. Verlag Phil Creativ, Schwalmtal 1995, ISBN 3-928277-17-0, S. 98–101.
  • Horst Hille: Pioniere der Philatelie. Siegfried Ascher. In: Sammler Express, Nr. 17/1991, S. 528–529.
  • Die Ganzsache/Deutsche Sammler Zeitung
    • Dr. Siegfried Ascher 50 Jahre alt. (Titelseite mit Foto von ihm) Nr. 6/1927, 7. Jahrgang
    • Dr. Aschers Großer Ganzsachen-Katalog 1928. (Titelseite) Nr. 2/1929, 9. Jahrgang
    • Dr. Siegfried Ascher 80 Jahre alt. (Titelseite mit Foto von ihm) Nr. 3/1957, 31. Jahrgang
    • Peter Sterry: Dr. Ascher zum hundertsten Geburtstag. Nr. 3/1977, 51. Jahrgang, S. 89–90
  • Myra Warhaftig: Deutsche jüdische Architekten vor und nach 1933 – Das Lexikon, Reimer, Berlin 2005, ISBN 3-496-01326-5, S. 53–54

Einzelnachweise und Anmerkungen[Bearbeiten]

<references />

Vorlage:Hinweisbaustein