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Stuttgarter Philharmoniker

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Logo der Stuttgarter Philharmoniker

Die Stuttgarter Philharmoniker sind das Konzertorchester der Landeshauptstadt Stuttgart, gegründet 1924 als Philharmonisches Orchester Stuttgart und seit 1976 in städtischer Trägerschaft.

Geschichte[Bearbeiten]

Gründung[Bearbeiten]

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Philharmonisches Orchester Stuttgart unter Hans Knappertsbusch, Liederhalle Stuttgart, 1930er
Datei:Jubiläumskonzert 1929 mit Carl Flesch und Leo Blech.jpg
Programm des Jubiläumskonzerts von 1929 mit Carl Flesch und Leo Blech

Die Stuttgarter Philharmoniker wurden als Philharmonisches Orchester Stuttgart E.G.V. im September 1924 gegründet. Ziel war es „an Stelle der ausgefallenen, nicht mehr in Betracht kommenden Militärkapellen neben dem Landestheaterorchester den musikalischen Bedarf in Stuttgart und Württemberg zu decken.“<ref name=":0">Dieter Schorr: Die Stuttgarter Philharmoniker, Vierzig Jahre 1925-1965. Eigendruck Stuttgarter Philharmoniker, Stuttgart 1965, S. 33 ff.</ref> Zu den Gründungsmitgliedern zählten der ehemalige 2. Konzertmeister des Stuttgarter Königlichen Hoftheaters, Gregor von Akimoff, sowie die Musiker Arnold Rieß und Albert Walter.<ref name=":0" /> Ein rascher künstlerischer Aufstieg machte es möglich, Dirigenten und Solisten wie Leo Blech, Carl Flesch, Hans Knappertsbusch, Hermann Abendroth, Fritz Kreisler, Carl Schuricht oder Felix Weingartner zu engagieren, besonders die intensive Arbeit mit Leo Blech prägte die frühen Jahre des Orchesters.<ref name=":1">Ruth Renée Reif: Die Stuttgarter Philharmoniker. Silberburg-Verlag, Tübingen 1999, ISBN 3-87407-319-X, S. 52.</ref> Mit der Gründung eines Rundfunksenders in Stuttgart (SÜRAG AG) 1924 wurde das Orchester zudem zwischen 1925 und 1933 auch am Funkhaus am Charlottenplatz verpflichtet, der erfahrene Rundfunkkapellmeister Hans Seeber-van der Floe übernahm die Leitung der Rundfunkkonzerte.<ref name=":1" /> Unter seinem Nachfolger Emil Kahn wurden erstmals eigens konzipierte Musikvermittlungsprogramme live im Radio übertragen.<ref name=":1" /> Hauptspielort des Orchesters war der Festsaal der Alten Liederhalle, Konzerte fanden auch im Kursaal in Cannstatt, im Cafe Olgabau sowie dem Gustav-Siegle-Haus statt. Ab 1925 spielte das Orchester regelmäßig Stummfilmbegleitungen im Lichtspieltheater am Charlottenplatz, später auch im Metropol-Kino. 1933 wurde das Orchester geteilt. Die jüdischen und der größte Teil der ausländischen Musiker sowie die beiden Kapellmeister Efrem Kurtz und Emil Kahn wurden entlassen. Ein Teil der verbliebenen Musiker kam zum neugegründeten Orchester des Reichssenders Stuttgart, während ein weiterer Teil als Landesorchester Gau Württemberg-Hohenzollern unter der Geschäftsführung von Gründungsmitglied und Hornist Josef Leimeister weiter arbeitete.<ref>Stuttgarter Philharmoniker, Landeshauptstadt Stuttgart: Die Historie des Orchesters. Abgerufen am 24. November 2025.</ref> Nach einer Konsolidierung und Aufstockung der Musiker konnte der Spielbetrieb unter dem neuen Chefdirigent Gerhard Maasz bis zum Herbst 1944 aufrechterhalten werden.<ref name=":1" /> Am 30. April gab das Orchester ein letztes Konzert in Heidenheim, am 1. September zog man die meisten Musiker zur Wehrmacht ein, einige von ihnen wurden zusammen mit Resten des Staatstheaterorchesters zur Truppenbetreuung eingesetzt.<ref name=":1" />

Neubeginn nach 1945[Bearbeiten]

Nach Kriegsende fanden sich hauptsächlich Mitglieder des ehemaligen Landesorchesters unter dem Namen Stuttgarter Philharmoniker wieder zusammen und gründeten am 25. August 1947 einen neuen Verein.<ref name=":1" /> Hermann Hildebrandt, Willem van Hoogstraten, Hans Hörner, Antonio de Almeida und Alexander Paulmüller waren die Chefdirigenten von 1949 bis 1972. Unter Hans Zanotelli, künstlerischer Leiter von 1972 bis 1985, entwickelten sich die Philharmoniker zu einem leistungsfähigen und renommierten Klangkörper.<ref name=":0" />

1976 übernahm die Baden-Württembergische Landeshauptstadt Stuttgart unter Betreiben des Kulturamtsleiters Dr. Hans Schumann das Orchester in ihre Trägerschaft. Unter Wolf-Dieter Hauschild, Chefdirigent von 1985 bis 1991, gewannen die Stuttgarter Philharmoniker im In- und Ausland hohe Anerkennung. Carlos Kalmar setzte 1991 bis 1995 die Tradition seiner Vorgänger fort. Von 1995 bis 2002 stand Generalmusikdirektor Jörg-Peter Weigle dem Orchester als Chefdirigent vor. Walter Weller, der dem Orchester viele Jahren eng verbunden war, wurde im Oktober 2003 zum Ehrendirigenten ernannt. Nur wenige Wochen nach seinem letzten Konzert mit den Stuttgarter Philharmonikern verstarb Walter Weller im Juni 2015.<ref name=":1" />

Datei:Philh mit Dan Ettinger.jpg
Stuttgarter Philharmoniker mit Chefdirigent Dan Ettinger

Von September 2004 bis 2013 war Gabriel Feltz Chefdirigent der Stuttgarter Philharmoniker und Generalmusikdirektor der Landeshauptstadt Stuttgart. Seine Probenarbeit und die stetige Erweiterung des Repertoires haben maßgeblich zur Entwicklung des Orchesters beigetragen. 2007 erhielten die Stuttgarter Philharmoniker unter seiner Leitung den Prix Rachmaninoff in Würdigung des bis dahin umfangreichsten Aufführungszyklus der Werke Rachmaninows im deutschsprachigen Raum. Im Herbst 2015/2016 folgte ihm Dan Ettinger als Wunschkandidat des Orchesters in dieser Position. Höhepunkt seiner ersten Spielzeit war eine konzertante Aufführung der Oper Turandot von Giacomo Puccini unter seiner Leitung mit internationaler Starbesetzung, dem Tschechischen Philharmonischen Chor Brünn und den Aurelius Sängerknaben.<ref>Udo Klebes: Konzertanter Triumph. Rezension zur Aufführung von „Turandot“ am 31. Mai 2016 (Stuttgart, Liederhalle). In: Der Neue Merker. 1. Juni 2016;.</ref> Ettinger verließ das Orchester im Sommer 2024.<ref>Susanne Benda: Dan Ettinger und Stuttgarter Philharmoniker: Stiller Abgang des blonden Wirbelwinds. In: stuttgarter-zeitung.de. 17. Juli 2024, abgerufen am 18. Juli 2024.</ref>

Intendanz[Bearbeiten]

Erster Geschäftsführer des Orchesters und Gründungsmitglied war Josef Leimeister (1881–1939), Hornist der Berliner Staatsoper und seit 1924 Wahl-Stuttgarter.<ref>Stuttgarter Philharmoniker: Josef Leimeister. Abgerufen am 9. Juli 2026.</ref> Für Management und Geschäftsführung war ab September 2001 Michael Stille<ref>Michael Stille: Möglichkeiten des Komischen in der Musik. Verlagsgruppe Peter Lang, Frankfurt am Main 1990, ISBN 3-631-42904-5.</ref> als Intendant verantwortlich. Ab Januar 2017 bildeten Michael Stille als künstlerischer Intendant und Tilman Dost als kaufmännischer Intendant gemeinsam die Doppelspitze des Orchesters. Deren Nachfolgerin war als allein verantwortliche Intendantin von Oktober 2020<ref name="cbr">Carolin Bauer-Rilling wird ab Oktober 2020 die neue Intendantin der Stuttgarter Philharmoniker. In: Fono Forum. 25. Juli 2020, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 14. Mai 2021;.</ref> bis Ende 2023 Carolin Bauer-Rilling. Mit Jahresbeginn 2024 übernahm Christian Lorenz die Intendanz.<ref>Stuttgarter Philharmoniker und Kulturgemeinschaft – mit neuer Leitung zum 100. Geburtstag. In: stuttgart.de. 9. Januar 2024, abgerufen am 5. August 2025.</ref>

Künstlerisches Profil und Konzertformate[Bearbeiten]

Das Programm der Stuttgarter Philharmoniker umfasst sinfonische Werke sowie konzertante Opernaufführungen.<ref>Opernfestspiele Heidenheim: Festspielorchester Stuttgarter Philharmoniker. Abgerufen am 15. Juli 2026.</ref> Die Bandbreite reicht von Werken des Barock und der Klassik über das romantische und moderne Orchesterrepertoire bis zu zeitgenössischen Kompositionen und Auftragswerken. Daneben realisiert das Orchester Projekte mit Film-, Jazz-, Pop- und Videospielmusik.<ref>Stuttgarter Philharmoniker: Philharmonic Pops. Abgerufen am 15. Juli 2026.</ref> Zusammen mit dem BIX Jazzclub, der sich seit 2006 in einem Anbau des Gustav-Siegle-Hauses befindet, bietet das Orchester darüber hinaus sogenannte „Nachtschwärmer-Konzerte“ an und nutzt hierfür die Räumlichkeiten beider Institutionen.<ref>Stuttgarter Philharmoniker: Nachtschwärmer-Konzerte. Abgerufen am 15. Juli 2026.</ref>

Musikvermittlung und Education[Bearbeiten]

Bereits kurz nach der Gründung des Orchesters gab es unter Kapellmeister Emil Kahn erste moderierte Familienkonzerte, die im Hörfunk übertragen wurden („Woran erkennst Du Sie?“).<ref>Stuttgarter Philharmoniker: Musikvermittlung im Radio. Abgerufen am 15. Juli 2026.</ref> Die Musikvermittlung der Stuttgarter Philharmoniker umfasst Kinder- und Familienkonzerte, Sitzkissenkonzerte für Kinder im Vorschulalter, Veranstaltungen für Kindertagesstätten und Schulen, öffentliche Proben sowie weitere Erkundungs- und Begegnungsformate im Gustav-Siegle-Haus.<ref>Stuttgarter Philharmoniker: Musikvermittlung. Abgerufen am 15. Juli 2026.</ref> In Kooperation mit mehreren Bildungspartnern bietet das Orchester auch Workshops und Vorträge zu musik- und orchesterspezifischen Themen.

Räumlichkeiten[Bearbeiten]

Bis 1933 probte das Orchester im Funkhaus am Charlottenplatz, danach an unterschiedlichen Standorten im Stuttgarter Stadtgebiet. Die erste Geschäftstselle befand sich bis 1945 im Mittnachtbau an der Stuttgarter Königsstraße. Seit 1994 steht den Stuttgarter Philharmonikern mit dem Gustav-Siegle-Haus ein eigenes Gebäude zur Verfügung, das als Probenort sowie als Konzerthaus für Kinder- und Jugendkonzerte, Nachmittags- sowie Nachtschwärmerkonzerte dient.<ref name=":2">Stuttgarter Philharmoniker: Stuttgarter Philharmoniker Geschichte. Abgerufen am 15. Juli 2026.</ref> Die Abonnementkonzerte des Orchesters finden im Beethoven-Saal der Liederhalle statt.<ref name=":2" /> Ebenfalls beherbergt das Gustav-Siegle-Haus die Geschäftsstelle, das Archiv sowie ein Karten- und Abonnementbüro.

Kapellmeister und Chefdirigenten[Bearbeiten]

Geschäftsführer und Intendanten[Bearbeiten]

  • Josef Leimeister (1924–1939), Orchesterdirektor
  • Walter Löhner & Emil Nagel (1939–1945)
  • Ferdinand Schmitz (1946–1948), kommissarisch
  • Karl Herrmann (1949–1966)
  • Botho Sommer (1966–1975)
  • Manfred Gerber (1975–1979)
  • Raimund Gress (1979–1992)
  • Hannes Schmidt (1992–2001)
  • Michael Stille (2001–2020)
  • Tilman Dost (2017–2020)
  • Carolin Bauer-Rilling (2020–2023)
  • Christian Lorenz (2024–)

Renommee[Bearbeiten]

Datei:Stuttgarter Philharmoniker im Concertgebouw in Amsterdam 2025.jpg
Stuttgarter Philharmoniker im Concertgebouw in Amsterdam 2025

Neben mehreren Konzertreihen in ihrer Heimatstadt spielen die Stuttgarter Philharmoniker seit ihrer Gründung regelmäßig in verschiedenen Städten des südwestdeutschen Raums und geben jedes Jahr Gastspiele im In- und Ausland.<ref name=":1" /> Tourneen führten die Stuttgarter Philharmoniker in die USA, nach Japan, Korea, Südamerika, in die Volksrepublik China und nach Mexiko. Seit 2013 sind die Stuttgarter Philharmoniker das Festspielorchester der Opernfestspiele in Heidenheim an der Brenz.

Aufnahmen[Bearbeiten]

Die künstlerische Arbeit des Orchesters ist durch Schallplatten-, Rundfunk- und CD-Aufnahmen dokumentiert. Eine der frühsten erhaltenen Tonaufnahmen aus der Stuttgarter Liederhalle aus dem Jahr 1930 kann in der Mediathek des Orchesters angehört werden.<ref>Stuttgarter Philharmoniker: Josef Leimeister - Würdigung. Abgerufen am 15. Juli 2026.</ref> In neuerer Zeit sind erschienen: Sergei Rachmaninows Der Fels und Die Toteninsel, Alexander Skrjabins Prométhée sowie die Sinfonien Nr. 1 bis 7 von Gustav Mahler. Außerdem wurde auf DVD veröffentlicht: Maurice Ravel: La Valse, Beschäftigung mit einem Walzer. 2013 erschien die Weltersteinspielung der gesamten Ballettmusik von Ottorino Respighis Belkis – Regina di Saba auf Blu-Ray und DVD. 2019/2020 erschienen auf CD Tschaikowskis Sinfonien Nr. 4 und 5 sowie Rachmaninows Klavierkonzerte Nr. 1 und 2.<ref>Stuttgarter Philharmoniker: Stuttgarter Philharmoniker Diskografie. Abgerufen am 15. Juli 2026.</ref>

Literatur[Bearbeiten]

  • Ruth Renée Reif: Die Stuttgarter Philharmoniker. Ein historisches Porträt. Hrsg.: Gesellschaft der Freunde der Stuttgarter Philharmoniker, Silberburg-Verlag, Tübingen 1999 (Buch und CD), ISBN 3-87407-319-X.
  • Jürgen Hartmann: Stuttgarter Philharmoniker. In: Musikland Baden-Württemberg. Hrsg.: Internationale Bachakademie Stuttgart, Kohlhammer, Stuttgart 2006 (Buch und CD), ISBN 3-17-019428-3, S. 162–164.
  • Dieter Schorr: Die Stuttgarter Philharmoniker, Vierzig Jahre 1925-1965. Eigendruck Stuttgarter Philharmoniker, Stuttgart, 1965.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

<references />

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