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Tangeit

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Tangeit
Datei:Tangeite-434442.jpg
Hellgrüne Tangeitkristalle aus der Manganese Mine bei Copper Harbor, Keweenaw County, Michigan, USA (Sichtfeld: 0,73 mm)
Allgemeines und Klassifikation
IMA-Nummer

1992 s.p.<ref name="IMA-Liste" />

IMA-Symbol

Tg<ref name="Warr" />

Andere Namen

Calciovolborthit<ref name="Rösler" />

Chemische Formel CaCu[OH|VO4]<ref name="StrunzNickel" />
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Phosphate, Arsenate und Vanadate
System-Nummer nach
Strunz (8. Aufl.)
Lapis-Systematik
(nach Strunz und Weiß)
Strunz (9. Aufl.)
Dana

VII/B.11b
VII/B.26-060<ref name="Lapis" />

8.BH.35
41.05.01.06
Kristallographische Daten
Kristallsystem orthorhombisch
Kristallklasse; Symbol orthorhombisch-disphenoidisch; 222
Raumgruppe P212121 (Nr. 19)Vorlage:Raumgruppe/19
Gitterparameter a = 7,43 Å; b = 9,35 Å; c = 5,84 Å<ref name="StrunzNickel" />
Formeleinheiten Z = 4<ref name="StrunzNickel" />
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte 3,5
Dichte (g/cm3) gemessen: 3,75; berechnet: [3,84]<ref name="Handbookofmineralogy" />
Spaltbarkeit vollkommen nach {010}, gut nach {001}<ref name="Handbookofmineralogy" />
Bruch; Tenazität spröde
Farbe hellgrün bis dunkelgrün, olivgrün, gelblichgrün, grau
Strichfarbe hellgelblichgrün<ref name="Mindat" />
Transparenz durchsichtig
Glanz Glasglanz, auf Spaltflächen Perlglanz
Kristalloptik
Brechungsindizes nα 2,010<ref name="Mindat" />
nβ 2,050<ref name="Mindat" />
nγ 2,090<ref name="Mindat" />
Doppelbrechung δ 0,080<ref name="Mindat" />
Optischer Charakter zweiachsig negativ
Achsenwinkel 2V = 83° (gemessen), 88° (berechnet)<ref name="Mindat" />

Tangeit ist ein selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“. Es kristallisiert im orthorhombischen Kristallsystem mit der chemischen Zusammensetzung CaCu[OH|VO4]<ref name="StrunzNickel" /> und ist damit chemisch gesehen ein Calcium-Kupfer-Vanadat mit zusätzlichen Hydroxidionen. Viele Tangeit-Mineralproben enthalten zudem noch geringe Mengen adsorbiertes Wasser.<ref name="Klockmann" />

Tangeit entwickelt schuppige, kurzprismatische oder blättrige bis dünntafelige Kristalle mit bis zu drei Millimetern Länge und spitzwinkligen Enden, die oft in rosettenförmigen Mineral-Aggregaten angeordnet sind. Er findet sich aber auch in Form traubiger bis kugeliger, faseriger oder massiger Aggregate und krustiger Überzüge. Die durchsichtigen Kristalle sind von hell- bis dunkelgrüner, gelblichgrüner oder grauer Farbe und zeigen auf den Oberflächen einen glasähnlichen Glanz.

Mit Konichalcit bildet Tangeit eine lückenlose Mischkristallreihe.

Etymologie und Geschichte[Bearbeiten]

Erstmals entdeckt wurde Tangeit in der sogenannten Glavnaya-Ader (russisch главная жила glawnaja schila), einer Kupfer-Vanadium-Uran-Lagerstätte bei Tyuya-Muya (Tyuya-Muyun) im Gebiet Osch in Kirgisistan und beschrieben 1925 durch Alexander Jewgenjewitsch Fersman, der das Mineral nach seiner ersten Fundstätte (Typlokalität) in der Tangeschlucht innerhalb des Ferghanatals benannte.

Das Typmaterial des Minerals wird im Mineralogischen Museum „Alexander Fersman“ an der Russischen Akademie der Wissenschaften in Moskau (Katalog-Nr. m6065, m6066 und m6068) aufbewahrt.<ref name="Handbookofmineralogy" />

Teilweise wird als Synonym für Tangeit die Bezeichnung Calciovolborthit verwendet, allerdings ist die genaue Identität der Zusammensetzung des ursprünglich von Heinrich Credner 1848 als Kalkvolborthit<ref name="Credner" /> benannten und in Friedrichroda in Thüringen zusammen mit Volborthit entdeckten Materials zweifelhaft. Da es sich beim Calciovolborthit ebenso um Tangeit wie um Vésigniéit handeln könnte, wurde der Mineralname 2006 von der CNMNC zusammen mit vielen anderen endgültig diskreditiert.<ref name="CM-2006" />

Klassifikation[Bearbeiten]

Bereits in der veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Tangeit zur Abteilung „Wasserfreie Phosphate, Arsenate und Vanadate mit fremden Anionen“, wo er zusammen mit Adelit, Austinit, Descloizit, Duftit, Gabrielsonit, Konichalcit, Mottramit, Pyrobelonit und Turanit die „Descloizit-Reihe“ mit der Systemnummer VII/B.11b bildete.

Im zuletzt 2018 überarbeiteten und aktualisierten Lapis-Mineralienverzeichnis nach Stefan Weiß, das sich im Aufbau noch nach dieser alten Form der Systematik von Karl Hugo Strunz richtet, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer VII/B.26-060. In der „Lapis-Systematik“ entspricht dies ebenfalls der Abteilung „Wasserfreie Phosphate, mit fremden Anionen F,Cl,O,OH“, wo Tangeit zusammen mit Adelit, Austinit, Cobaltaustinit, Duftit, Gabrielsonit, Gottlobit, Hermannroseit, Konichalcit und Nickelaustinit die „Adelitgruppe“ mit der Systemnummer VII/B.26 bildet.<ref name="Lapis" />

Auch die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte<ref name="IMA-Liste-2009" /> 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Tangeit in die Abteilung der „Phosphate usw. mit zusätzlichen Anionen; ohne H2O“ ein. Diese ist allerdings weiter unterteilt nach der relativen Größe der beteiligten Kationen und dem Stoffmengenverhältnis der zusätzlichen Anionen (OH usw.) zum Phosphat-, Arsenat- bzw. Vanadatkomplex (RO4), so dass das Mineral entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „Mit mittelgroßen und meist großen Kationen; (OH usw.) : RO4 = 1 : 1“ zu finden ist, wo es zusammen mit Adelit, Arsendescloizit, Austinit, Cobaltaustinit, Duftit, Gabrielsonit, Gottlobit, Konichalcit und Nickelaustinit die „Adelitgruppe“ mit der Systemnummer 8.BH.35 bildet.

In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Tangeit die System- und Mineralnummer 41.05.01.06. Dies entspricht ebenfalls der Klasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ und dort der Abteilung „Wasserfreie Phosphate etc., mit Hydroxyl oder Halogen“, wo das Mineral zusammen mit Adelit, Arsendescloizit, Austinit, Cobaltaustinit, Duftit-beta, Gabrielsonit, Gottlobit, Konichalcit und Nickelaustinit in der „Adelitgruppe“ mit der Systemnummer 41.05.01 innerhalb der Unterabteilung „Wasserfreie Phosphate etc., mit Hydroxyl oder Halogen mit (AB)2(XO4)Zq“ zu finden ist.

Kristallstruktur[Bearbeiten]

Tangeit kristallisiert orthorhombisch in der Raumgruppe P212121 (Raumgruppen-Nr. 19)Vorlage:Raumgruppe/19 mit den Gitterparametern a = 7,43 Å; b = 9,35 Å; c = 5,84 Å sowie 4 Formeleinheiten pro Elementarzelle.<ref name="StrunzNickel" />

Bildung und Fundorte[Bearbeiten]

Datei:Tangeite.jpg
Büschelige Tangeit-Kristallaggregate auf Muttergestein aus dem Montrose County, Colorado, USA

Tangeit bildet sich als Sekundärmineral in Sandstein und in der Oxidationszone vanadiumhaltiger Lagerstätten. Als Begleitminerale können unter anderem Baryt, Calcit, Chalkopyrit, Chalkosin, Chrysokoll, gediegen Kupfer, Malachit, Neotokit, Pyrit, Pyrobelonit, Quarz, Rhodonit und Tyuyamunit sowie das Brauneisenerz Limonit auftreten.<ref name="Handbookofmineralogy" />

Als seltene Mineralbildung konnte Tangeit nur an wenigen Fundorten nachgewiesen werden, wobei bisher (Stand 2015) rund 50 Fundorte<ref name="MindatAnzahl" /> als bekannt gelten. Neben seiner Typlokalität, der Glavnaya-Ader, und der nahe gelegenen Zelenaya-Höhle bei Tyuya-Muya (Tyuya-Muyun) trat das Mineral in Kirgisistan am Berg Kara-Chagyr etwa 38 km südöstlich von Fargʻona (Fergana) und damit im kirgisischen Teil des Ferghanatal zutage.

In Deutschland konnte Tangeit unter anderem in der Grube „Floßberg“ bei Bad Lauterberg im Harz in Niedersachsen; am Nickenicher Weinberg (Sattelberg), im Tagebau „Kahlenberg“ (Auf'm Kopp) bei Oberstadtfeld und im Steinbruch „Caspar“ am Ettringer Bellerberg in der rheinland-pfälzischen Vulkaneifel; an der Südwestküste der Insel Helgoland in Schleswig-Holstein sowie in der Grube „Glückstern“ am Berg Gottlob bei Friedrichroda in Thüringen gefunden werden.

In Österreich fand man das Mineral bisher nur in den Kalksteinbrüchen „Dullinger“ (Nr. 21) und „Lienbach“ (Nr. 22b) in der Salzburger Gemeinde Adnet.

Weitere Fundorte liegen unter anderem in Australien, Chile, Italien, Kanada, Mexiko, Namibia, Russland, im Vereinigten Königreich (UK) und in den Vereinigten Staaten von Amerika (USA).<ref name="Fundorte" />

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • :

Weblinks[Bearbeiten]

Commons: Tangeite – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten]

<references> <ref name="CM-2006"> </ref> <ref name="Credner"> </ref> <ref name="Handbookofmineralogy"> </ref> <ref name="Fundorte"> Fundortliste für Tangeit beim Mineralienatlas (deutsch) und bei Mindat (englisch), abgerufen am 13. Dezember 2023. </ref> <ref name="IMA-Liste"> Malcolm Back, Cristian Biagioni, William D. Birch, Michel Blondieau, Hans-Peter Boja und andere: The New IMA List of Minerals – A Work in Progress – Updated: July 2024. (PDF; 3,6 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Marco Pasero, Juli 2024, abgerufen am 13. August 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="IMA-Liste-2009"> Ernest H. Nickel, Monte C. Nichols: IMA/CNMNC List of Minerals 2009. (PDF; 1,9 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Januar 2009, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 29. Juli 2024; abgerufen am 30. Juli 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="Klockmann"> </ref> <ref name="Lapis"> </ref> <ref name="Mindat"> Tangeite. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 13. Dezember 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="MindatAnzahl"> Localities for Tangeite. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 13. Dezember 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="Rösler"> </ref> <ref name="StrunzNickel"> </ref> <ref name="Warr"> </ref> </references>