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Thomas Paulwitz

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Thomas Eckart Robert Paulwitz (* 13. Juli 1973 in Eichstätt) ist ein deutscher Historiker, Journalist und Publizist. Im Jahr 2000 war er Mitbegründer der Print- und Onlinezeitung Deutsche Sprachwelt, als deren Chefredakteur er bis heute tätig ist. Paulwitz galt als einer der Wortführer für die Rücknahme der Reform der deutschen Rechtschreibung von 1996. Seit 2011 ist er Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Straße der deutschen Sprache, seit 2015 Vorstandsvorsitzender der Theo-Münch-Stiftung für die Deutsche Sprache.

Leben[Bearbeiten]

Herkunft, Geschichtsstudium und Korporation[Bearbeiten]

Paulwitz hat nach eigenen Angaben ostpreußische Vorfahren.<ref name="Tagebuch">Über mich, Netz-Tagebuch, abgerufen am 23. Oktober 2013.</ref> Er entstammt einer Försterfamilie und wuchs im Forsthaus Gungolding bei Eichstätt auf.<ref name="Tagebuch" /> Bis zum Abitur 1992 besuchte er das Willibald-Gymnasium in Eichstätt.<ref name="Webseite">Leben, Webseite von Thomas Paulwitz, abgerufen am 14. September 2013.</ref>

Danach studierte er von 1992 bis 1995 Biologie bis zur Diplom-Vorprüfung an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg.<ref name="Webseite" /> 2001 erlangte er mit einer Arbeit über Richard Scheringer und den Nationalbolschewismus<ref>Thomas Paulwitz: Richard Scheringer. Ideensuche und Konsequenz. Ein Beitrag zur Geschichte des Nationalbolschewismus. Magisterarbeit, Nürnberg 2001.</ref> den Magisterabschluss (M.A.) in Geschichte und Politikwissenschaft.<ref name="Webseite" /> Während des Studiums trat er dem Verein Deutscher Studenten zu Erlangen (VDSt) bei, einer Mitgliedsverbindung im Kyffhäuserverband.<ref name="adip">Netzwerk Antifaschistischer Bildung (Hrsg.): Spezialitäten aus Mittelfranken. Ein Überblick über rechte und rechtsextreme Strukturen. Antifaschistischen Dokumentations- und Informationsprojekt, Berlin 2003, S. 19.</ref> Ab 2002 war er kurzzeitig Promotionsstudent.<ref name="Pegnesischer">Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Nachrichten 23. März 2004 (Memento vom 29. Oktober 2013 im Internet Archive), Pegnesischer Blumenorden.</ref>

Publizistisches Wirken und Mitgliedschaft in Sprachgesellschaften[Bearbeiten]

Seit 1995 ist Paulwitz als freier Journalist tätig. Er veröffentlichte u. a. bei Frankfurter Allgemeine Zeitung, Ostpreußenblatt, Deutschland-Journal, Die Freie Welt<ref>Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Thomas Paulwitz (Memento vom 19. August 2013 im Internet Archive), Die Freie Welt, abgerufen am 8. November 2013.</ref> und Junge Freiheit.<ref name=" Kellershohn" /> Außerdem schrieb er nach der Rechtschreibreform mehrere Leserbriefe für die Tageszeitungen Nürnberger Nachrichten und Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ), in denen er die beschlossenen Änderungen kritisierte.

Paulwitz war oder ist in verschiedenen Sprachgesellschaften aktiv. 2007 gründete er zur Pflege der deutschen Sprache die Neue Fruchtbringende Gesellschaft (NFG) in Köthen, deren Beisitzer er wurde.<ref name="Webseite" /><ref>Matthias Bartl: Ein neuer Bund für die deutsche Sprache. In: Mitteldeutsche Zeitung, 11. Januar 2007.</ref> Zur Bundestagswahl 2009 kritisierte er in seiner Funktion als Vorstandsmitglied aus sprachlicher Sicht die Wahlprogramme der meisten Bundestagsparteien; Zustimmung fand einzig dasjenige der CSU.<ref>Thomas Rinke, Claus Blumstengel: Forderung aus Köthen an die EU. In: Mitteldeutsche Zeitung, 2. Juni 2006, abgerufen am 28. Mai 2021.</ref> Von Februar 2009 bis April 2015 war er Ordensrat für Sprachpflege im Pegnesischen Blumenorden,<ref>E-Mail vom Präses des Pegnesischen Blumenordens, Prof. Uli Rothfuss PhD., M.Sc. (09.06.2025) & https://web.archive.org/web/20260518105216/https://www.xing.com/profile/Thomas_Paulwitz.</ref> der Mitglied der NFG ist.<ref>Karoline Wirth: Der Verein Deutsche Sprache: Hintergrund, Entstehung, Arbeit und Organisation eines deutschen Sprachvereins (= Bamberger Beiträge zur Linguistik. Band 1). University of Bamberg Press, Bamberg 2010, ISBN 978-3-923507-65-8, S. 153.</ref> Außerdem ist er Mitglied der Schweizer Orthographischen Konferenz (SOK). Seit 2011 ist er Sprecher für die Arbeitsgemeinschaft Straße der deutschen Sprache,<ref>Thomas Paulwitz, XING, abgerufen am 14. September 2013.</ref> die Ferienorte in Mitteldeutschland symbolisch miteinander verbindet.<ref>Uwe Menschner: Straße der deutschen Sprache nimmt Gestalt an. In: Lausitzer Rundschau, 16. Februar 2013.</ref> Seit 2015 ist er Vorstandsvorsitzender der Theo-Münch-Stiftung für die Deutsche Sprache.

Vortragstätigkeit bei Organisationen und in den Medien[Bearbeiten]

Paulwitz hielt zahlreiche Vorträge u. a. beim Köthener Sprachtag, der Redaktionskonferenz der Bild-Zeitung, zu einem Sprachsymposium an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, beim Netzwerk Deutsche Sprache, bei der Ost- und Mitteldeutschen Vereinigung der CDU und bei Studentenverbindungen.<ref>Veröffentlichung, Webseite von Thomas Paulwitz, abgerufen am 14. September 2013.</ref> 2008 war er Mitglied im Expertenkreis eines Online-Diskussionsforums „Hat Deutsch eine Zukunft?“ der FAZ, dem u. a. auch Wolf Schneider, Edda Moser, Jürgen Trabant, Paul Kirchhof, Klaus Reichert und Cem Özdemir angehörten. 2012 war er zusammen mit dem CSU-Politiker Manfred Weber und dem Radiomoderator Michael Skasa Gast im PresseClub München zum Thema „Schafft Deutschland seine Sprache ab?“<ref>Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Schafft Deutschland seine Sprache ab? (Memento vom 29. Oktober 2013 im Internet Archive), PresseClub München, 20. Februar 2012.</ref> und 2013 zusammen mit dem Sprachwissenschaftler Anatol Stefanowitsch, der 2011 eine Gegenpetition zu „Deutsch ins Grundgesetz“ initiierte,<ref>E-Petition gegen „Deutsch ins Grundgesetz“. In: Junge Freiheit, 29. Januar 2011.</ref> in der ZDFinfo-Sendung Lass’ma talken Digga: Muss die deutsche Sprache geschützt werden?<ref>Lass'ma talken Digga – Muss die deutsche Sprache geschützt, ZDF 2013.</ref> Darüber hinaus führten Deutschlandfunk, n-tv und Bayern 2 Gespräche mit ihm über das Projekt Straße der deutschen Sprache.<ref>Michael Köhler: Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Tummelstunde, teutsch (Memento vom 29. Oktober 2013 im Internet Archive), Sozusagen! (Bayern 2), 15. Februar 2013.</ref><ref>Michael Köhler: Teutsche Sprachkultur (Deutschlandfunk), 31. Januar 2013.</ref><ref>Route verbindet 25 Städte, n-tv, 30. März 2011.</ref> Zusätzlich stellte er das Projekt auf der Leipziger Buchmesse vor,<ref>Gehen Sie auf die Straße der deutschen Sprache, Leipziger Buchmesse, 15. März 2013.</ref> bereits 2012 war er Referent zum Thema „Deutschland schafft seine Schreibschrift ab!“ auf der Frankfurter Buchmesse.<ref>Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Deutschland schafft seine Schreibschrift ab! (Memento vom 29. Oktober 2013 im Internet Archive), Frankfurter Buchmesse, 12. Oktober 2012.</ref>

Gemeinsam mit Stefan Barth war Paulwitz 2013 mit dem Namen „Gerch“ (Georg) Gewinner der durch das Bayerische Staatsministerium der Finanzen angeregten Namensfindung für den Turmwächter auf der Nürnberger Kaiserburg.<ref>Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Söder eröffnet die sanierte Kaiserburg (Memento vom 15. Mai 2016 im Internet Archive), Pressemitteilung der Bayerischen Staatsregierung, 11. Juli 2013.</ref>

Ehrenamtliches Engagement und Familie[Bearbeiten]

Paulwitz ist darüber hinaus Mitbegründer der Initiative „Rettet die Sektenkinder von Lonnerstadt“, die 2012 eine Mahnwache in Lonnerstadt im mittelfränkischen Landkreis Erlangen-Höchstadt abhielt, und veröffentlichte 2013 in der Regionalzeitung Fränkischer Tag den Leserbrief Glaube gibt Halt.<ref>Thomas Paulwitz: Glaube gibt Halt. In: Fränkischer Tag, 2. März 2013.</ref> Außerdem trat er kurz im Beitrag „Sektenkinder – Streit ums Kindeswohl“ der WDR-Sendung Menschen hautnah auf<ref>Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Sektenkinder: Streit ums Kindeswohl (Memento vom 4. April 2013 im Internet Archive), Menschen hautnah (WDR), 4. April 2013.</ref> und nahm in der Sendung kontrovers des Bayerischen Rundfunks Stellung zum Fall.<ref>Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Nachgehakt: Die Sektenkinder von Lonnerstadt (Memento vom 21. Februar 2014 im Internet Archive), kontrovers (Bayerischer Rundfunk), 10. Juli 2013.</ref>

Paulwitz ist verheiratet und hat zwei Kinder; er lebt in Nürnberg.<ref name="Webseite" /> Sein Bruder Michael ist ebenfalls Journalist und Historiker.

Publikation des Volkswörterbuchs „Engleutsch“[Bearbeiten]

Paulwitz publizierte gemeinsam mit Stefan Micko das Volkswörterbuch Engleutsch.<ref name="Wirth127">Karoline Wirth: Der Verein Deutsche Sprache: Hintergrund, Entstehung, Arbeit und Organisation eines deutschen Sprachvereins (= Bamberger Beiträge zur Linguistik. Band 1). University of Bamberg Press, Bamberg 2010, ISBN 978-3-923507-65-8, S. 127.</ref><ref>Kristin Otto: Eurodeutsch – Untersuchungen zu Europäismen und Internationalismen im deutschen Wortschatz. Eine Arbeit aus der Perspektive der Eurolinguistik am Beispiel von Zeitungen aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und Südtirol. Logos-Verlag, Berlin 2009, ISBN 978-3-8325-2323-7, S. 14.</ref> Der Verein für deutsche Rechtschreibung und Sprachpflege (VRS) aus Schwaig bei Nürnberg war daran sowohl als Herausgeber als auch Finanzier beteiligt.<ref name="Wirth127" /> Darin kritisierten die Autoren den Gebrauch von Anglizismen in der deutschen Sprache.<ref name="Dreiseitl">Holger Dreiseitl: Damit die Party zum Fest wird. In: Nürnberger Nachrichten, 8. Oktober 2001.</ref> Für diesen Gebrauch von Denglisch macht Paulwitz „mangelnde Sprachloyalität“ verantwortlich.<ref name="Dreiseitl" /> Man müsse, um dem entgegenzutreten, ein „Bewusstsein für den Wert der Muttersprache stärken“.<ref name="Dreiseitl" />

Paulwitz selbst führte zuvor zum Konkurrenzbegriff Denglisch aus:<ref>Jürgen Spitzmüller: Metasprachdiskurse. Einstellungen zu Anglizismen und ihre wissenschaftliche Rezeption. de Gruyter, Berlin 2005, ISBN 3-11-018458-3, S. 189.</ref>

„Den erst in jüngerer Zeit aufgenommenen Begriff ‚Denglish‘ halten wir für unangemessen, weil er zu geschmeidig glatt und nicht häßlich genug ist. Außerdem hat in ‚Denglish‘ das Englische schon die Überhand gewonnen; das Deutsche ist nur noch durch einen Buchstaben vertreten. Dieses Übergewicht wirkt zu hoffnungslos und wird dem Erscheinungsbild der Sprachvermischung nicht gerecht.“

Die Reaktion auf das Buch ging so weit, dass der damalige österreichische Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (ÖVP) den Herausgebern des Buches neue Stichwörter vorschlug.<ref name="Dreiseitl" /> Nach Angaben von Paulwitz wurde es 35.000-mal verkauft.<ref>Engleutsch?, Deutsche Sprachwelt, abgerufen am 16. September 2013.</ref> Die Wissenschaftspublizisten Hans Friedrich Ebel, Claus Bliefert und Walter Greulich zählen Micko und Paulwitz zu denjenigen Autoren, die sich „mit bissigem Humor und der erforderlichen Sachkenntnis“ einer Entwicklung entgegenstellen.<ref>Hans Friedrich Ebel, Claus Bliefert und Walter Greulich: Schreiben und Publizieren in den Naturwissenschaften. Wiley, Weinheim 2006, ISBN 3-527-30802-4, S. 558.</ref> Kritik wurde am VRS, dessen Mitglied Paulwitz ist, dahingehend geäußert, dass eine „gewisse […] Affinität zu politisch rechtsgerichteten Gruppen“ (Falco Pfalzgraf 2003) feststellbar sei.<ref name="Wirth128">Karoline Wirth: Der Verein Deutsche Sprache: Hintergrund, Entstehung, Arbeit und Organisation eines deutschen Sprachvereins (= Bamberger Beiträge zur Linguistik. Band 1). University of Bamberg Press, Bamberg 2010, ISBN 978-3-923507-65-8, S. 128.</ref> Auch wurden umstrittene Aktivitäten von Mitgliedern des Vereins in der Onlineenzyklopädie Wikipedia thematisiert.<ref name="Wirth127" />

Mitbegründung der Deutschen Sprachwelt[Bearbeiten]

Datei:DSW Logo.png
Deutsche Sprachwelt

Wegen der großen Rezeption seines Werkes begründete Paulwitz 2000 mit dem österreichischen Schriftsteller Stefan Micko die Print- und Onlinezeitung Deutsche Sprachwelt,<ref name="Dreiseitl" /> deren Schriftleiter er bis heute ist.<ref name="Webseite" /> Bis 2003 war er Mitherausgeber des Blattes. Als Trägerverein fungiert der Verein für Sprachpflege (VfS), der seinen Sitz nach Erlangen verlegte.<ref>Karoline Wirth: Der Verein Deutsche Sprache: Hintergrund, Entstehung, Arbeit und Organisation eines deutschen Sprachvereins (= Bamberger Beiträge zur Linguistik. Band 1). University of Bamberg Press, Bamberg 2010, ISBN 978-3-923507-65-8, S. 122.</ref>

Kritisches Verhältnis zu Fremdwörtern[Bearbeiten]

In den darauffolgenden Jahren kam Paulwitz immer wieder negativ<ref>Janna Degener: Wenn Sprachen sterben, Goethe-Institut, Januar 2010.</ref><ref>„Mehr Latein statt Englisch“. In: Frankfurter Rundschau, 22. Februar 2011, S. 23.</ref><ref>Ingo von Münch: Rechtspolitik und Rechtskultur. Kommentare zum Zustand der Bundesrepublik Deutschland. Berliner Wissenschafts-Verlag, Berlin 2011, ISBN 978-3-8305-1712-2, S. 80 f.</ref> auf den eingedeutschten englischen Sprachschatz zu sprechen u. a. von Fußballbegriffen, so auch anlässlich der Fußball-Weltmeisterschaft 2006,<ref>Sebastian Mense: Sprachschützer fordern Rot für Fußball-Fremdwörter. In: Passauer Neue Presse, 14. Oktober 2006.</ref> und von Werbesprüchen und -slogans.<ref>Stefan Greiner: Kunden verstehen Botschaft oft nicht. In: Mitteldeutsche Zeitung, 30. März 2011.</ref> Gegen Fremdwörter an sich sei er aber nicht.<ref>Jürgen Spitzmüller: Metasprachdiskurse. Einstellungen zu Anglizismen und ihre wissenschaftliche Rezeption. de Gruyter, Berlin 2005, ISBN 3-11-018458-3, S. 136.</ref> Er mahnt aber an: „Wenn wir weiter nur gelassen zuschauen und nicht aktiv etwas gegen die Vermischung tun, werden tatsächlich viele der heutigen Sprachen aussterben“.<ref>Arno Stoffels: Nix gute Sprache? In: Nürnberger Nachrichten, 21. Februar 2004.</ref> Eine rezipierte Botschaft von Paulwitz ist die Frage nach Identität.<ref>Maciej Pławski: Zu ausgewählten Aspekten der Sprache und Identität in der Werbung. In: Jürgen Schiewe, Ryszard Lipczuk, Krzysztof Nerlicki, Werner Westphal (Hrsg.): Kommunikation für Europa II. Sprache und Identität. Peter Lang, Frankfurt am Main 2010, ISBN 978-3-631-58014-1, S. 185–193.</ref> Paulwitz erläutert dazu metaphorisch: „Selbstverständlich ist unsere Sprache nicht durch ein einzelnes englisches Wort gefährdet, sondern durch die Sturzflut an Engleutsch, die auf sie einbricht“.<ref>Jürgen Spitzmüller: Metasprachdiskurse. Einstellungen zu Anglizismen und ihre wissenschaftliche Rezeption. de Gruyter, Berlin 2005, ISBN 3-11-018458-3, S. 198.</ref> Außerdem wolle er die Bedeutung der deutschen Sprache in der Europäischen Union erhöhen, indem Deutsch mit Englisch und Französisch gleichziehen soll.<ref>Deutsche Wörter statt Anglizismen. In: Sächsische Zeitung, 21. Februar 2007, S. 10.</ref> Dazu forderte er ganzheitliche Veröffentlichungen in deutscher Sprache für die Beschlüsse der Europäischen Union.<ref>dpa: Sprachschützer fordern EU-Rettungsschirm für Deutsch. In: Bild-Zeitung, 7. September 2012.</ref>

Kritik an der Rechtschreibreform[Bearbeiten]

Als Schriftleiter forderte Paulwitz 2004 offen die vollständige Rücknahme<ref>Rechtschreibdebatte: Dissens wird groß geschrieben. SPON, 9. August 2004.</ref> der 1998 eingeführten Rechtschreibreform in Deutschland.<ref>Rechtschreibreform: Rücknahme gefordert. In: Badische Zeitung, 3. Januar 2004, S. 1.</ref> Er schlug dazu vor, dass zunächst überregionale Zeitungen wie die Süddeutsche Zeitung und Die Welt die klassische Sprache wieder einführen sollten.<ref>unterm strich. In: taz, 23. Mai 2004, S. 16.</ref> Im gleichen Jahr kritisierte er auch die Reformpläne zur Aussprache von Zahlen des Bochumer Mathematikprofessors Lothar Gerritzen.<ref>Christoph Drösser: Nie wieder Zahlendreher? In: Die Zeit, 22. Januar 2004.</ref> Er forderte den Ministerpräsidenten des Landes Nordrhein-Westfalen Jürgen Rüttgers (CDU) auf, „sobald wie möglich sein Wahlversprechen zur Rechtschreibreform einzulösen“.<ref>Rechtschreibung: „Wieder nichts Fertiges“. SPON, 3. Juni 2005.</ref> Einzelne Nachbesserungen bezeichnete er als „Babylonischen Irrsinn“.<ref>"Babylonischer Irrsinn". In: Focus, 3. Juni 2005.</ref> Nachdem der vollständigen Rücknahme der Reform durch die Politik mit Einführung neuer Fassungen, zuletzt 2006, erfolgreich entgegengewirkt wurde, initiierte Paulwitz im Internet einen „Grabstein der deutschen Rechtschreibung“.<ref>„Internet-Denkmal“ für Urheber der Rechtschreibreform. In: Handelsblatt, 1. August 2006.</ref>

Weitere Positionen als Sprachpfleger[Bearbeiten]

Weiterhin bemängelte Paulwitz im Zuge der Fußball-Europameisterschaft 2004 die schlechte Aussprache von Sportreportern<ref>„Wir sind Europameister im blöden Kommentieren“. In: General-Anzeiger, 30. Juni 2004, S. 26.</ref> und warnte 2005 vor dem übermäßigen Gebrauch von Superlativen.<ref>Ausgepresst. In: Leipziger Volkszeitung, 10. Februar 2005, S. 18.</ref> 2005 unterstützte er die von Bundespräsident Horst Köhler angestoßene Debatte um mehr Werktreue im deutschen Theater.<ref>„Schiller drehte sich im Grabe um“. Was Theatermacher aus der Region von Horst Köhlers Werktreue-Debatte halten. In: Nürnberger Nachrichten, 7. Mai 2005.</ref> 2008 kritisierte er den Fußballbundestrainer Joachim Löw für dessen Sprache.<ref name="Wirth123">Karoline Wirth: Der Verein Deutsche Sprache: Hintergrund, Entstehung, Arbeit und Organisation eines deutschen Sprachvereins (= Bamberger Beiträge zur Linguistik. Band 1). University of Bamberg Press, Bamberg 2010, ISBN 978-3-923507-65-8, S. 123.</ref> Anlässlich des Achtelfinalspiels zwischen Deutschland und England bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2010 kritisierte er die unangebrachte „Kriegsrhetorik“ in der Berichterstattung.<ref>Tag Sechzehn. In: Berliner Morgenpost, 26. Juni 2010, S. 25.</ref> Er wandte sich zudem mit einer Unterschriftenaktion gegen das Pilotprojekt Grundschrift (2011) des Grundschulverbandes.<ref>Mara Gergolet: L’«anello mancante» dei Nibelunghi. In: Corriere della Sera, 28. Oktober 2013.</ref> 2012 sprach Paulwitz den Mischsprachen („Kiez-Deutsch“) der Türkeistämmigen in Deutschland die Stellung des Dialekts ab.<ref>Sprachwissenschaftler: Kiez-Deutsch ist kein Dialekt. In: Heilbronner Stimme, 21. Februar 2012, S. 21; Jannis Androutsopoulos, Katharina Lauer: ‚Kiezdeutsch‘ in der Presse: Geschichte und Gebrauch eines neuen Labels im Metasprachdiskurs. In: Seyda Ozil, Michael Hofmann, Yasemin Dayioglu-Yücel (Hrsg.): Jugendbilder. Repräsentationen von Jugend in Medien und Politik (= Türkisch-deutsche Studien. 2013). V & R Unipress, Göttingen 2013, ISBN 978-3-8471-0191-8, S. 67–93, hier: S. 83.</ref> Im Januar 2013 wandte er sich gegen die Übernahme des Wortes „Vorständin“ in den Duden.<ref>Daniela Wiegmann: Duden will „Vorständin“ aufnehmen. In: manager magazin, 14. Januar 2013.</ref><ref>Die „Vorständinnen“ sind auf dem Weg in den Duden. FAZ.net, 12. Januar 2013.</ref><ref>Die „Vorständinnen“ sind auf dem Weg in den Duden. In: Handelsblatt, 12. Januar 2013.</ref><ref>„Vorständinnen“ auf dem Weg in den Duden. In: Der Standard, 13. Jänner 2013.</ref>

Politische Einordnung[Bearbeiten]

Paulwitz widersetzte sich 2006 der rechtsextremen NPD, die versuchte, die Aktion „Deutschpflicht für Politiker“ zu vereinnahmen.<ref name="Wirth123" /> Er erklärte: „Sich zu einer verständlichen und bürgernahen Sprache zu verpflichten, kann nicht zur Sache einer radikalen Randpartei gemacht werden, die sich zudem selbst durch fragwürdige Äußerungen immer wieder ins Abseits stellt.“<ref>Thomas Paulwitz: Aktion „Deutschpflicht für Politiker“ bleibt streng überparteilich. Mai 2006.</ref><ref name="Wirth333">Karoline Wirth: Der Verein Deutsche Sprache: Hintergrund, Entstehung, Arbeit und Organisation eines deutschen Sprachvereins (= Bamberger Beiträge zur Linguistik. Band 1). University of Bamberg Press, Bamberg 2010, ISBN 978-3-923507-65-8, S. 333.</ref> Im Sommer 2013 führte er aus: „Denn mit diesen beiden verträgt sich Sprachpflege überhaupt nicht: mit Extremismus und Totalitarismus, mögen sie von ganz Rechtsaußen oder von ganz Linksaußen kommen oder gar aus der Mitte der Macht. Extremisten legen es darauf an, die Sprache zu manipulieren; anderen vorzuschreiben, was sie sagen und denken dürfen.“<ref>Thomas Paulwitz: Sprachpflege tut not! In: Deutsche Sprachwelt 52 (02/2013), S. 4.</ref>

Neben seiner regelmäßigen Autorenschaft für die rechtskonservative Wochenzeitung Junge Freiheit schrieb Paulwitz auch Beiträge für das Ostpreußenblatt.<ref name="Mecklenburg" /><ref name="adip" /> Darin veröffentlichte er 1998 (und in den Preußischen Mitteilungen von 2000 bis 2001) eine mehrteilige Serie zur Geschichte des „Konservativen Sozialismus“.<ref>Thomas Paulwitz: Die vergessene Alternative. Konservativer Sozialismus (Teil 1 bis 6). In: Preußeninstitut (Hrsg.): Preußische Mitteilungen, Nr. 157 bis 162, April 2000 bis Februar 2001.</ref> Der Sozialökonom Ralf Ptak urteilt darüber: „Der Zielkorridor des hier proklamierten ‚dritten Weges‘ scheint sich im Bereich einer autoritär gestützten konservativ-liberalen Synthese zu bewegen, dessen Legitimität durch Sozialpathos gestützt werden soll – eine Verknüpfung, die in ähnlicher Weise den ordoliberalen Nachkriegsentwurf bestimmte.“<ref name="Mecklenburg">Ralf Ptak: Die soziale Frage als Politikfeld der extremen Rechten. Zwischen marktwirtschaftlichen Grundsätzen, vormodernem Antikapitalismus und Sozialismus-Demagogie. In: Jens Mecklenburg (Hrsg.): Braune Gefahr: DVU, NPD, REP. Geschichte und Zukunft (= Antifa-Edition). Elefanten Press, Berlin 1999, ISBN 3-88520-721-4, S. 97–145, hier: S. 113 f.</ref>

Paulwitz hielt Vorträge bei den Hamburger Freiheitsgesprächen der Staats- und Wirtschaftspolitischen Gesellschaft (SWG),<ref>Gemeinnützige Relativierung von Kriegsschuld und Holocaust? – Neuere Entwicklung bei der Staats- und Wirtschaftspolitischen Gesellschaft e. V. (SWG). In: Antifaschistisches Infoblatt 91/2011, S. 26–27.</ref> beim Bund Junges Ostpreußen der Landsmannschaft Ostpreußen<ref>Anton Maegerle, Stephan Braun: Albrecht Jebens. Ein „Hans Dampf in allen rechten Gassen“. In: Stephan Braun, Daniel Hörsch (Hrsg.): Rechte Netzwerke – eine Gefahr. VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2004, ISBN 3-8100-4153-X, S. 110.</ref> und 2003 bei der rechtsextremen<ref>Bundesministerium des Innern (Hrsg.): Verfassungsschutzbericht 2012. Berlin 2012, S. 130–131 (Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.PDF (Memento vom 28. Dezember 2013 im Internet Archive)).</ref> Gesellschaft für freie Publizistik (GfP).<ref name="Wirth123" /><ref name="adip" /> Im Oktober 2007 bezeichnete Paulwitz den Vortrag als „Fehler“ und distanzierte sich von der GfP.<ref>Thomas Paulwitz: Konservative und die NPD</ref> Zudem war er 1998 nach eigenen Angaben von Februar bis Mai „Koordinator“ des Arbeitskreises Unsere Sprache (ARKUS), einer Unterabteilung des Vereins Unser Land – Wissenschaftliche Stiftung für Deutschland aus Starnberg,<ref>Karoline Wirth: Der Verein Deutsche Sprache: Hintergrund, Entstehung, Arbeit und Organisation eines deutschen Sprachvereins (= Bamberger Beiträge zur Linguistik. Band 1). University of Bamberg Press, Bamberg 2010, ISBN 978-3-923507-65-8, S. 133.</ref> um den bekennenden „Nationalpazifisten“ Alfred Mechtersheimer.<ref name="adip" />

Der Kölner Germanist Karl-Heinz Göttert hält Paulwitz mit Verweis auf dessen Ausschluss aus dem eher konservativen Verein Deutsche Sprache (VDS) für einen „journalistische[n] Rechtsaußen“.<ref>Karl-Heinz Göttert: Abschied von Mutter Sprache. Deutsch in Zeiten der Globalisierung. S. Fischer, Frankfurt am Main 2013, ISBN 978-3-10-029715-0, o. S.</ref> Paulwitz wurde wegen vereinsschädigenden Verhaltens aus dem VDS ausgeschlossen.<ref>Karoline Wirth: Der Verein Deutsche Sprache: Hintergrund, Entstehung, Arbeit und Organisation eines deutschen Sprachvereins (= Bamberger Beiträge zur Linguistik. Band 1). University of Bamberg Press, Bamberg 2010, ISBN 978-3-923507-65-8, S. 345.</ref> Einige Regionalgruppen und Mitglieder des VDS gingen allerdings nicht, wie vom Vorstand gewünscht, auf Distanz zu Paulwitz; auch kam es zu Doppelmitgliedschaften in den Sprachgesellschaften.<ref>Karoline Wirth: Der Verein Deutsche Sprache: Hintergrund, Entstehung, Arbeit und Organisation eines deutschen Sprachvereins (= Bamberger Beiträge zur Linguistik. Band 1). University of Bamberg Press, Bamberg 2010, ISBN 978-3-923507-65-8, S. 346 f., S. 353 f.</ref>

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten]

Herausgeberschaft[Bearbeiten]

  • Mit Stefan Micko: Engleutsch? Nein, danke! Wie sag ich’s auf deutsch? Ein Volks-Wörterbuch. 2. Auflage, Verein für Sprachpflege, Erlangen [u. a.] 2000, ISBN 3-00-005949-0.
  • Gebt der deutschen Sprache eine Zukunft! Antworten im „Lesesaal“ der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (F.A.Z.) (= Schriften der Deutschen Sprachwelt, 1). Verein für Sprachpflege, Erlangen 2008.

Beiträge in Sammelbänden[Bearbeiten]

  • Engleutsch oder Deutsch? Lassen wir unsere Muttersprache wieder strahlen! In: Herbert Fiebiger und Diethelm Keil (Hrsg.): 1881–2006. 125 Jahre Vereine Deutscher Studenten. Band 2: Der Zukunft zugewandt. Akademischer Verein Kyffhäuser, Bad Frankenhausen 2006, ISBN 3-929953-07-2, S. 137–143.
  • Dieter Stein (Hrsg.): Rettet die deutsche Sprache. Beiträge, Interviews und Materialien zum Kampf gegen Rechtschreibreform und Anglizismen 1999–2004 (= Dokumentation, Band 9). Edition JF, Berlin 2004, ISBN 3-929886-21-9 (insgesamt sieben Beiträge).

Fachaufsätze[Bearbeiten]

  • Unterwegs auf der „Straße der deutschen Sprache“. Teil 1. In: Wiener Sprachblätter 62 (2012) 1, S. 6 ff.

Literatur[Bearbeiten]

  • Katrin Kästner: Thomas Paulwitz. In: Vereinigung der Freunde des Willibald-Gymnasiums Eichstätt e. V. (Hrsg.): Willibaldiner über Willibaldiner. Polygon-Verlag, Eichstätt 2008.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

<references />

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