Zum Inhalt springen

Walther Parson

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Datei:Walther Parson (IMG 9135).jpg
Walther Parson (2019)

Walther Parson (* 19. April 1966 in Innsbruck<ref name="leopoldina">Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina - Neugewählte Mitglieder 2009. Abgerufen am 7. Dezember 2015.</ref>) ist ein österreichischer forensischer Molekularbiologe und Hochschullehrer.

Leben[Bearbeiten]

Walther Parson studierte Biologie an der Universität Innsbruck. Sein Studium schloss er 1993 mit der Diplomarbeit zum Thema Auswirkungen von Nitrit auf das Fischblut ab.<ref>Diplomarbeit: Auswirkungen von Nitrit auf das Fischblut. Verbundkatalog, Diplomarbeit 1993.</ref> 1994 begann er molekularbiologische Methoden am Institut für Gerichtliche Medizin zu etablieren, ab 1997 richtete er als Universitätsassistent hauptverantwortlich das Österreichische DNA-Zentrallabor ein. 1999 promovierte er mit der Dissertation über Die forensische Analyse der mitochondrialen DNA Kontrollregion und des Cytochrom b Gens.<ref>Dissertation: Die forensische Analyse der mitochondrialen DNA Kontrollregion und des Cytochrom b Gens. Verbundkatalog, Dissertation 1999.</ref> 2001 habilitierte er sich mit einer Arbeit über Habilitation: Mitochondriale und nukleare DNA-Datenbanken in der Forensik.<ref>Habilitation: Mitochondriale und nukleare DNA-Datenbanken in der Forensik. Verbundkatalog, Habilitation 2001.</ref> Seitdem leitet er als außerordentlicher Professor den Fachbereich High Throughput DNA Databasing Unit (das Hochdurchsatz-DNA Labor) sowie den Forschungsbereich Forensische Molekularbiologie am Institut für Gerichtliche Medizin der Medizinischen Universität Innsbruck (bis 2004 Teil der Universität Innsbruck).<ref name="gerichtsmedizin" /><ref name="leopoldina" /> Als außerordentlicher Professor ist er auch am Penn State Eberly College of Science (Pennsylvania, USA) tätig.<ref name="mumienforschung" />

Seit 2000 ist Parson Mitglied der Internationalen Kommission für vermisste Personen (International Commission on Missing Persons, ICMP), welche unter anderem Opfer der Jugoslawienkriege mittels DNA-Analyse identifizierte. Im Jahr 2007 wurde er zum assoziierten Mitglied der Europäischen Akademie für forensische Wissenschaften (European Academy of Forensic Science, EAFS) gewählt.<ref name="gerichtsmedizin" /> Seit 2009 ist er Mitglied der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina.<ref name="leopoldina" /><ref>Mitgliedseintrag von Walther Parson (mit Bild) bei der Deutschen Akademie der Naturforscher LeopoldinaVorlage:Abrufdatum</ref>

Parson veröffentlichte mit seinem Team über 450 Originalarbeiten (Stand 2024).<ref name="orcid" /> Schwerpunkt seiner Forschung ist die forensische DNA-Analyse unter besonderer Betrachtung der mitochondrialen DNA (mtDNA) sowie populationsgenetischer Interpretationen forensischer DNA-Marker. Mit seinem Team arbeitet er unter anderem an der DNA-Internetdatenbank EMPOP (EDNAP forensic mtDNA population database).<ref>Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.EDNAP forensic mtDNA population database (EMPOP) (Memento vom 7. Dezember 2015 im Internet Archive). Abgerufen am 25. März 2019.</ref><ref name="leopoldina" />

Das von Parson geleitete DNA-Forschungslabor war unter anderem mit der DNA-Identifikation von Tsunami-Opfern aus Sri Lanka (2004) sowie von Opfern des Pinochet-Regimes beschäftigt, außerdem mit der Untersuchung historischer Fälle wie der russischen Zarenfamilie Romanow, Wolfgang Amadeus Mozart, Friedrich von Schiller und Günther Messner. Im Jahr 2013 machte er mittels DNA-Analyse 19 lebende Tiroler ausfindig, die mit dem 1991 entdeckten Ötzi verwandt sind.<ref name="leopoldina" /><ref name="mumienforschung">Universität Innsbruck - Mumienforschung - Lehrende. WebArchiv vom 20. Dezember 2015, abgerufen am 25. März 2019.</ref><ref name="kurier">Kurier: Der Aufklärer aus dem DNA-Labor. Artikel vom 10. Oktober 2014, via WebArchiv vom 7. Dezember 2015, abgerufen am 25. März 2019.</ref> 2024 kam ein Innsbrucker Forschungsteam unter der Leitung von Walther Parson zu dem Ergebnis, dass es sich bei Kaspar Hauser mit einer Wahrscheinlichkeit von 99,9994 Prozent nicht um einen badischen Prinzen handelte.<ref>Julia Sica: Gentest von Kaspar Hauser belegt: Er war kein Prinz. In: DerStandard.at. 8. September 2024, abgerufen am 12. September 2024.</ref><ref>Laura Nadler: Erbprinz oder Betrüger? Neue Entwicklungen zu Kaspar Hauser. In: br.de. 30. August 2024, abgerufen am 12. September 2024.</ref>

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Publikationen (Auswahl)[Bearbeiten]

Parson veröffentlichte mit seinem Team über 450 Originalarbeiten.<ref name="orcid">https://orcid.org/0000-0002-5692-2392</ref>

  • 2005: Parson, W., Kirchebner, R., Mühlmann, R., Renner, K., Kofler, A., Schmidt, S., Kofler R.: Cancer cell line identification by short tandem repeat profiling: power and limitations. FASEB J. 19, 434–436 (2005)<ref name="leopoldina" />
  • 2007: Parson, W., Dür, A.: EMPOP – a forensic mtDNA database. FSI Genet. 1, 88–92 (2007)<ref name="leopoldina" />
  • 2014: Irgendwann kommt alles ans Licht. Ecowin-Verlag, Salzburg 2014, ISBN 978-3-7110-0062-0
  • 2021: Diepenbroek M et al.: Genetic and phylogeographic evidence for Jewish Holocaust victims at the Sobibór death camp. Genome Biology 22:200 doi:10.1186/s13059-021-02420-0
  • 2023: Marshall C, Parson W: Mitochondrial DNA. In: Max M. Houck (ed.) Encyclopedia of Forensic Sciences, Third Edition, vol. 3, pp. 592–601. Oxford: Elsevier. doi:10.1016/B978-0-12-823677-2.00138-0
  • 2024: Parson W et al.: Kaspar Hauser’s alleged noble origin – New molecular genetic analyses resolve the controversy. iScience doi:10.1016/j.isci.2024.110539

Weblinks[Bearbeiten]

Commons: Walther Parson – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

<references />

Vorlage:Hinweisbaustein