Warwickit
| Warwickit | |
|---|---|
| Allgemeines und Klassifikation | |
| IMA-Symbol |
Wwk<ref name="Warr"></ref> |
| Andere Namen |
Enceladit |
| Chemische Formel |
|
| Mineralklasse (und ggf. Abteilung) |
Borate (ehemals Carbonate, Nitrate und Borate) |
| System-Nummer nach Strunz (8. Aufl.) Lapis-Systematik (nach Strunz und Weiß) Strunz (9. Aufl.) Dana |
Vc/A.03 V/G.03-010 6.AB.20 24.02.02.01 |
| Kristallographische Daten | |
| Kristallsystem | orthorhombisch |
| Kristallklasse; Symbol | orthorhombisch-dipyramidal; 2/m2/m2/m |
| Raumgruppe | Pnam (Nr. 62, Stellung 6) |
| Gitterparameter | a = 9,20 Å; b = 9,36 Å; c = 3,09 Å<ref name="StrunzNickel" /> |
| Formeleinheiten | Z = 4<ref name="StrunzNickel" /> |
| Häufige Kristallflächen | {010}, {100}, {110}, {130}, {310}<ref name="Handbookofmineralogy" /> |
| Physikalische Eigenschaften | |
| Mohshärte | 3,5 bis 4<ref name="Handbookofmineralogy" /> |
| Dichte (g/cm3) | gemessen: 3,34 bis 3,36; berechnet: 3,40<ref name="Handbookofmineralogy" /> |
| Spaltbarkeit | gut nach {100}<ref name="Handbookofmineralogy" /> |
| Bruch; Tenazität | uneben; spröde<ref name="Handbookofmineralogy" /> |
| Farbe | dunkelbraun bis schwarz, dunkelgelb, hellbraun bis rötlichbraun |
| Strichfarbe | bläulichschwarz |
| Transparenz | undurchsichtig, durchsichtig an dünnsten Kanten |
| Glanz | schwacher Glasglanz, Perlglanz, schwacher Metallglanz auf Spaltflächen |
| Kristalloptik | |
| Brechungsindizes | nα = 1,806 nβ = 1,809 nγ 1,830<ref name="Mindat" /> |
| Doppelbrechung | δ 0,024<ref name="Mindat" /> |
| Optischer Charakter | zweiachsig positiv |
| Pleochroismus | Sichtbar: X = Gelblichbraun; Y = Rötlichbraun; Z = Zimtbraun<ref name="Mindat" /> |
| Weitere Eigenschaften | |
| Chemisches Verhalten | gut löslich in Schwefelsäure (H2SO4)<ref name="Mineralienatlas" /> |
Warwickit ist ein selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Borate“. Es kristallisiert im orthorhombischen Kristallsystem mit der chemischen Zusammensetzung Mg(Mg0,5Ti0,5)[O|BO3]<ref name="StrunzNickel" /> und ist damit ein Magnesium-Borat mit zusätzlichen Sauerstoffionen.
Bei natürlichen Warwickitproben ist meist ein Teil des Magnesiums durch Titan ersetzt (substituiert), was durch die in runden Klammern angegebenen Elemente ausgedrückt wird. Bei neueren Analysen wurde allerdings festgestellt, dass das Magnesium neben Titan teilweise auch durch dreifach positiv geladene Eisenionen, Chrom und/oder Aluminium ersetzt sein kann, weshalb die Formel inzwischen mit (Mg,Ti,Fe3+,Cr,Al)2O(BO3)<ref name="Lapis" /><ref name="IMA-Liste" /> angegeben wird.
Das Mineral entwickelt kurz- bis langprismatische, gerundete Kristalle, findet sich aber auch in Form unregelmäßiger Körner bis etwa fünf Millimeter Durchmesser.<ref name="Handbookofmineralogy" /> Die Kristalle sind überwiegend undurchsichtig, können an dünnsten Kanten aber auch durchsichtig sein. Die Oberflächen zeigen einen schwachen Glasglanz (bei unregelmäßigen Flächen auch Perlglanz) und auf Spaltflächen einen schwachen Metallglanz. Aufgrund der verschiedenen Fremdbeimengungen variiert die Farbe von Warwickit zwischen Dunkelbraun bis Schwarz, Dunkelgelb und Hellbraun bis Rötlichbraun. Seine Strichfarbe ist dagegen durchgängig Bläulichschwarz.
Etymologie und Geschichte[Bearbeiten]
Erstmals entdeckt wurde Warwickit nahe der Kleinstadt Warwick im Orange County des US-Bundesstaates New York und beschrieben 1838 durch Charles Upham Shepard, der das Mineral nach dessen Typlokalität benannte.
Enceladit ist ein heute nicht mehr gebräuchliches Synonym. Thomas Sterry Hunt analysierte 1846 einige Mineralproben aus der Typlokalität von Warwickit, hielt das Material für eine neue Mineralart und benannte dieses nach dem aus der griechischen Mythologie stammenden Giganten Enkelados. Später stellte sich jedoch heraus, dass es sich bei dem Material um unreine Varietäten des bereits zuvor gefundenen Warwickit handelte.<ref name="Crookes" /><ref name="Douglas" />
Typmaterial des Minerals wird im Naturhistorischen Museum in Paris, Frankreich (Katalog-Nr. 74217, 99697) und im National Museum of Natural History in Washington, D.C., USA (Katalog-Nr. 128712) aufbewahrt.<ref name="Handbookofmineralogy" />
Klassifikation[Bearbeiten]
In der veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Warwickit zur Mineralklasse der „Borate“ und dort zur Abteilung „Inselborate (Nesoborate)“, wo er gemeinsam mit Gaudefroyit, Hulsit, Ludwigit, Orthopinakiolith, Pinakiolith und Vonsenit in der „Warwickit-Pinakiolith-Gruppe“ mit der Systemnummer Vc/A.03 steht.
In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer V/G.03-010. Dies entspricht der Klasse der „Nitrate, Carbonate und Borate“ und dort der Abteilung „Inselborate“, wo Warwickit zusammen mit Aluminomagnesiohulsit, Hulsit, Magnesiohulsit, Pertsevit-(F), Pertsevit-(OH), Pinakiolith und Yuanfuliit eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer V/G.03 bildet.<ref name="Lapis" />
Die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte<ref name="IMA-Liste-2009" /> 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Warwickit in die Klasse der „Borate“ und dort in die Abteilung „Monoborate“ ein. Hier ist das Mineral in der Unterabteilung „BO3 mit zusätzlichen Anionen; 1(Δ) + OH usw.“ zu finden, wo es zusammen mit Yuanfuliit die „Warwickitgruppe“ mit der Systemnummer 6.AB.20 bildet.
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Warwickit die System- und Mineralnummer 24.02.02.01. Das entspricht der Klasse der „Carbonate, Nitrate und Borate“ und dort der Abteilung „Wasserfreie Borate“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Wasserfreie Borate mit (A)2+ BO2 [XO3]“ in einer unbenannten Gruppe mit der Systemnummer 24.02.02, in der auch Yuanfuliit eingeordnet ist.
Kristallstruktur[Bearbeiten]
Warwickit kristallisiert orthorhombisch in der Raumgruppe Pnam (Raumgruppen-Nr. 62, Stellung 6) mit den Gitterparametern a = 9,20 Å; b = 9,36 Å und c = 3,09 Å sowie 4 Formeleinheiten pro Elementarzelle.<ref name="StrunzNickel" />
Bildung und Fundorte[Bearbeiten]
Warwickit bildet sich als akzessorischer Bestandteil in Kalkstein und zugehörigen Skarnen, die durch Bor-Metasomase teilweise umgewandelt wurden. Ebenso kann er in lamproitischen Gesteinen entstehen, die von carbonatitähnlichen Äderchen durchdrungen werden. Als Begleitminerale treten unter anderem Apatit, Chondrodit, Diopsid, Dravit, Fluorit, Graphit, Ilmenit, Magnetit, Pyrit, Pyrrhotin, Sinhalit, Skapolith, Spinell, Szaibélyit und Titanit auf.<ref name="Handbookofmineralogy" />
Als seltene Mineralbildung konnte Warwickit nur an wenigen Fundorten nachgewiesen werden, wobei bisher (Stand 2015) rund 15 Fundorte als bekannt gelten.<ref name="MindatAnzahl" /> Neben seiner Typlokalität Warwick und den nahegelegenen Ortschaften Amity und Edenville im Orange County trat das Mineral im US-Bundesstaat New York noch in der Edwards Mine in der Balmat-Edwards Zink Region im St. Lawrence County zutage. Ansonsten fand sich Warwickit in den Vereinigten Staaten bisher nur noch in den „Edison-Bodnar“-Steinbrüchen bei Rudeville im Sussex County von New Jersey.
Der bisher einzige bekannte Fundort in Deutschland ist Ilfeld im thüringischen Landkreis Nordhausen.
Weitere bekannte Fundorte sind unter anderem das Mount Heemskirk Mineralfeld im Zeehan District auf der australischen Insel Tasmanien, die Ortschaft Herschel im Hastings County in der kanadischen Provinz Ontario, die Neichi Mine bei Kamineichi nahe Miyako (Iwate) auf der japanischen Insel Honshū, das Kvæfjord in der norwegischen Provinz Troms, das Aldanhochland in Ostsibirien und die Oblast Tscheljabinsk im Ural in Russland sowie die „La Aljorra“-Steinbrüche nahe Cartagena in der spanischen Region Murcia.<ref name="Fundorte" />
Siehe auch[Bearbeiten]
Literatur[Bearbeiten]
- Charles Upham Shepard: Notice of warwickite, a new mineral species. In: American Journal of Science and Arts. Band 34, 1838, S. 313–315 (rruff.info PDF; 278 kB).
- Hans Jürgen Rösler: Lehrbuch der Mineralogie. 4. durchgesehene und erweiterte Auflage. Deutscher Verlag für Grundstoffindustrie (VEB), Leipzig 1987, ISBN 3-342-00288-3, S. 731.
- Friedrich Klockmann: Klockmanns Lehrbuch der Mineralogie. Hrsg.: Paul Ramdohr, Hugo Strunz. 16. Auflage. Enke, Stuttgart 1978, ISBN 3-432-82986-8, S. 584 (Erstausgabe: 1891).
Weblinks[Bearbeiten]
- Mineralienatlas:Warwickit (Wiki)
- Database-of-Raman-spectroscopy – Warwickite
- American-Mineralogist-Crystal-Structure-Database – Warwickite
- Webmineral – Warwickite
Einzelnachweise[Bearbeiten]
<references> <ref name="Crookes"> William Crookes: Chemical News and Journal of Industrial Science. Band 30, London 1874 eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.. </ref> <ref name="Handbookofmineralogy"> Warwickite, In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (handbookofmineralogy.org PDF; 66 kB). </ref> <ref name="Douglas"> James Douglas: A Memoir of Thomas Sterry Hunt, M.D., Ll.D. (Cantab.) MacCalla & Company Inc Press, Philadelphia 1898, S. 8 (Textarchiv – Internet Archive) </ref> <ref name="Fundorte"> Fundortliste für Warwickit beim Mineralienatlas und bei Mindat. </ref> <ref name="IMA-Liste"> Malcolm Back, Cristian Biagioni, William D. Birch, Michel Blondieau, Hans-Peter Boja und andere: The New IMA List of Minerals – A Work in Progress – Updated: July 2024. (PDF; 3,6 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Marco Pasero, Juli 2024, abgerufen am 13. August 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="IMA-Liste-2009"> Ernest H. Nickel, Monte C. Nichols: IMA/CNMNC List of Minerals 2009. (PDF; 1,9 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Januar 2009, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 29. Juli 2024; abgerufen am 30. Juli 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="Lapis"> Stefan Weiß: Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. 6. vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2014, ISBN 978-3-921656-80-8. </ref> <ref name="Mindat"> Mindat – Warwickite. </ref> <ref name="MindatAnzahl"> Mindat – Anzahl der Fundorte für Warwickit. </ref> <ref name="Mineralienatlas"> Mineralienatlas:Warwickit </ref> <ref name="StrunzNickel"> Hugo Strunz, Ernest H. Nickel: Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S. 331. </ref> </references>