Wilma Conradi
Wilma Conradi (* 13. Mai 1905 in Hannover; † 27. Oktober 1992 ebenda) war eine sozialdemokratische Kommunalpolitikerin<ref name="SPD-Stadtverband Hannover">Jasmin Straßburger, Frank Straßburger: Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Wilma Conradi ( vom 25. März 2016 im Internet Archive) auf der Website des SPD-Stadtverbands Hannover in der Version vom 21. März 2016.</ref> und Zeitzeugin der Arbeiterbewegung.<ref>Susanne Döscher (Red.): Zeitzeugen der Arbeiterbewegung ... (siehe Literatur)</ref>
Leben[Bearbeiten]
Wilma Conradi wuchs ab dem ersten Lebensjahr in der damals selbständigen Industriestadt Linden<ref>Klaus Mlynek: Linden. In: Klaus Mlynek, Waldemar R. Röhrbein (Hrsg.) u. a.: Stadtlexikon Hannover. Von den Anfängen bis in die Gegenwart. Schlütersche, Hannover 2009, ISBN 978-3-89993-662-9, S. 406ff.</ref> auf,<ref name="SPD-Stadtverband Hannover" /> wo ihr Vater bei der Hanomag arbeitete. Zeitlebens blieb Wilma Conradi in dem später hannoverschen Stadtteil wohnen.<ref name="SPD-Stadtverband Hannover" /> 1912 wohnte die Familie nahe dem Deisterplatz, als Wilma Conradis Vater nach der Reichstagswahl 1912 aus dem Wahllokal der Familie entgegenlief mit den Worten „Wir haben gesiegt! Wir haben gesiegt! Die Rote Fahne weht über Linden.“<ref>Elke Oberheide: „... und unsere Fahne ist rot.“ Ein Freizeitheim in Hannover erforscht die Geschichte des Arbeiterstadtteils Linden. In: Gerhard Paul, Bernhard Schossig (Hrsg.): Die andere Geschichte. Geschichte von unten, Spurensicherung, ökologische Geschichte, Geschichtswerkstätten. Bund-Verlag, Köln 1986, ISBN 3-7663-0946-3, S. 190. (Vorschau über Google-Bücher)</ref><ref group="Anm.">Im 8. hannoverschen Wahlkreis (Stadt und Landkreis Hannover sowie die Stadt Linden) hatten die Wähler mit 53 Prozent für die SPD gestimmt, vergleiche Dieter Brosius: Die Industriestadt. Vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis zum Ende des Ersten Weltkrieges. In: Klaus Mlynek, Waldemar R. Röhrbein (Hrsg.): Geschichte der Stadt Hannover. Band 2: Vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis in die Gegenwart. Schlütersche Verlagsgesellschaft, Hannover 1994, ISBN 3-87706-364-0, S. 346. (online über Google-Bücher)</ref>
Conradis Eltern waren Mitglieder der SPD, ihr Vater las der Familie regelmäßig aus der SPD-Zeitung Volkswille vor. Als Conradis Vater im August 1914 als Soldat in den Ersten Weltkrieg zog, arbeitete ihre Mutter als Schneiderin, um ihren Kindern eine gute Ausbildung zu ermöglichen. Wilma Conradi ging zunächst auf eine Volksschule, durfte aufgrund ihrer guten Leistungen dann aber eine sogenannte „Selectaklasse“ besuchen. Im Anschluss erhielt sie eine Freistelle in der städtischen Handelsschule für Mädchen.<ref name="SPD-Stadtverband Hannover" />
Conradis Vater kam im September 1914 schwerverwundet in französische Kriegsgefangenschaft und kehrte erst im Februar 1920 mit einem lahmen Bein zurück.<ref>Peter Schulze: Die hannoversche Arbeiterbewegung und der 1. Weltkrieg. Ausstellung. Deutscher Gewerkschaftsbund Niedersachsen-Mitte, 2014.</ref> Ein Jahr lang fand er keine Arbeit, und so musste Wilma Conradi schon als Jugendliche und Älteste ihrer Geschwister ins Büro und auch abends arbeiten gehen, damit ihre jüngeren Brüder weiter die Schule besuchen konnten und die Familie versorgt war. So wechselte Conradi oft den Arbeitgeber und arbeitete zuletzt bei Kaffee Grote.<ref name="SPD-Stadtverband Hannover" />
Zwei Jahre nach der Geburt ihrer Tochter fing sie erneut bei Grote an zu arbeiten. Durch das hohe Arbeitspensum fand Wilma Conradi nie die Zeit, sich in der Sozialistischen Arbeiter-Jugend zu engagieren.<ref name="SPD-Stadtverband Hannover" />
Im Alter von 21 Jahren trat Wilma Conradi im Jahr 1926 in die SPD ein und aus der Kirche aus.<ref name="SPD-Stadtverband Hannover" /> Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten nahm Wilma Conradi an heimlichen Zusammenkünften ihrer SPD-Genossen teil.<ref name="SPD-Stadtverband Hannover" />
Nach Kriegsende war Conradi Frauenleiterin in der hannoverschen SPD.<ref name="ProStr">Projekt Straßennamen: Liste der beizubehaltenden Straßennamen. Städtische Erinnerungskultur: "Wissenschaftliche Betrachtung namensgebender Persönlichkeiten". (PDF), hannover.de, 29. September 2015.</ref> Sie ließ sich von August Holweg überreden, sich im Rat Hannovers zu engagieren.<ref name="SPD-Stadtverband Hannover" /> Als sie am 13. Oktober 1946 als eine der ersten Frauen nach der Zeit des Nationalsozialismus und noch zur Zeit der Britischen Besatzungszone in den Stadtrat einzog,<ref>Georg Barke: Fortschritte 1960–1964. Hannover - 4 Jahre Ratsarbeit. Hrsg. von der Landeshauptstadt Hannover. Steinbock Verlag, Hannover, S. 143.</ref> war Wilma Conradi 41 Jahre alt, geschieden und alleinerziehend.<ref name="SPD-Stadtverband Hannover" />
In den Jahren 1952 bis 1965 arbeitete Conradi im SPD-Bezirksbüro für Hermann Schönleiter und Hans Striefler. Sie war vor allem im Werks-, Schul- und Bauausschuss tätig. Der Werksausschuss befasste sich mit der Versorgung der Stadt mit Wasser, Strom und Gas, da in zerstörten Stadt nur wenige Wohnungen funktionierende Leitungen hatten. Im Werksausschuss war Conradi mit der Planung und Koordination der Reparaturen befasst. Sie engagierte sich insbesondere für das Heizkraftwerk Linden. Nachdem die Stadtwerke Hannover in eine Aktiengesellschaft umgewandelt worden waren, wurde der Werksausschuss im Jahr 1970 aufgelöst.<ref name="SPD-Stadtverband Hannover" />
Im Jahr 1964 wurde Wilma Conradi mit dem Ehrenring des Rates der Landeshauptstadt Hannover ausgezeichnet.<ref name="ProStr" />
Die Verbundenheit mit ihrem Stadtteil Linden zeigte sich auch durch Conradis Einsatz für das Freizeitheim Linden,<ref name="SPD-Stadtverband Hannover" /> das 1961 als erstes seiner Art in Deutschland errichtet wurde.<ref>Helmut Knocke, Hugo Thielen: in dies.: Hannover Kunst- und Kultur-Lexikon. 1961, S. 20.</ref>
Auch an der Durchsetzung der IGS Linden,<ref name="SPD-Stadtverband Hannover" /> der ersten Integrierten Gesamtschule in Hannover<ref>Bärbel Hilbig: Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Vor 40 Jahren startete die erste Gesamtschule in Hannover. ( vom 2. April 2015 im Internet Archive) In: Hannoversche Allgemeine Zeitung. 6. Juni 2011.</ref> und im Jahr 1971 eine von nur sieben Versuchsschulen in Niedersachsen<ref>Klaus Mlynek, Waldemar R. Röhrbein (Hrsg.): Hannover Chronik. Von den Anfängen bis zur Gegenwart: Zahlen, Daten, Fakten. Schlütersche Verlagsgesellschaft, Hannover 1991, S. 267.</ref> engagierte Conradi sich, zuletzt als Vorsitzende des Schulausschusses,<ref>Der Städtetag. Band 25, 1972, S. 448.</ref> für ein modernes Schulwesen.<ref name="SPD-Stadtverband Hannover" />
Im Jahre 1972 schied Wilma Conradi aus ihrem Amt als Stadträtin aus. Sie starb im Oktober 1992.<ref name="SPD-Stadtverband Hannover" />
Wilma-Conradi-Weg[Bearbeiten]
Nach dem Beschluss der hannoverschen Ratsversammlung von 1999, zukünftig verstärkt Straßen, Wege, Plätze und Brücken nach weiblichen Persönlichkeiten zu benennen, die Bedeutendes in Hannover geleistet haben<ref>Bedeutende Frauen in Hannover. Eine Hilfe für künftige Benennungen von Straßen, Wegen, Plätzen und Brücken nach weiblichen Persönlichkeiten. Red. Christine Kannenberg und Sabine Poppe, hrsg. von der Landeshauptstadt Hannover, Referat für Frauen und Gleichstellung, Fachbereich Planen und Stadtentwicklung, Stand Juni 2013, Hannover o. J., S. 67; online als PDF-Dokument</ref> ehrte die Landeshauptstadt Wilma Conradi posthum durch die Namensgebung des Wilma-Conradi-Weges im Jahr 2003 im Stadtteil Linden-Mitte.<ref>Helmut Zimmermann: Hannovers Straßennamen - Veränderungen seit 2001. In: Hannoversche Geschichtsblätter. Neue Folge Band 57/58, 2003/2004, S. 284.</ref>
Literatur[Bearbeiten]
- Susanne Döscher (Red.): Zeitzeugen der Arbeiterbewegung. Von Kindesbeinen an ... Hrsg.: Freizeitheim Linden der Landeshauptstadt Hannover, Hannover: Landeshauptstadt Hannover, Der Oberstadtdirektor, 1985, DNB 860208818, passim.
Anmerkungen[Bearbeiten]
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Einzelnachweise[Bearbeiten]
<references />
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Conradi, Wilma |
| KURZBESCHREIBUNG | deutsche Kommunalpolitikerin, Sozialdemokratin und Zeitzeugin der Arbeiterbewegung |
| GEBURTSDATUM | 13. Mai 1905 |
| GEBURTSORT | Hannover |
| STERBEDATUM | 27. Oktober 1992 |
| STERBEORT | Hannover |